Lange Zinsen
Bitcoin ist über Nacht kaum vom Fleck gekommen. Im Hintergrund steigen die langen US-Zinsen auf den höchsten Stand seit 2002. Aus den Bitcoin-ETFs ohne BlackRocks IBIT ist am Montag Geld abgeflossen, und die langfristigen Halter verkaufen nicht. Heute früh spricht der Chef der japanischen Notenbank.
Guten Morgen. Bitcoin hat eine ruhige Nacht hinter sich und kostete gegen 5:50 Uhr rund 85'500 Dollar. Die grosse Bewegung findet am Anleihemarkt statt, wo die langen US-Zinsen ein Niveau erreicht haben, das es seit 24 Jahren nicht mehr gab. Bitcoin hat darauf bisher nicht reagiert, und die Daten zu ETFs und Langzeithaltern zeigen, wie belastbar diese Ruhe ist.
Bitcoin über Nacht
Seitwärts und etwas vorsichtiger
Zwischen 21 Uhr und 4:30 Uhr hat sich Bitcoin praktisch nicht bewegt. Der Kurs ging von rund 85'650 auf 85'632 Dollar zurück und blieb die ganze Nacht in einer Spanne zwischen 85'445 und 86'126 Dollar. Gegen 5:50 Uhr lag er bei rund 85'500 Dollar.
Am Terminmarkt haben die Händler eher etwas Risiko abgebaut. Das Open Interest, also die Zahl der offenen Kontrakte, sank bei den Bitcoin-Futures von Binance um 0,39 Prozent auf 94'535 BTC. Die Funding Rate, die Gebühr, die bei diesen Kontrakten zwischen Käufern und Verkäufern fliesst, lag leicht im Minus. Die Händler, die mit Hebel arbeiten, sind also eher vorsichtig, und eine einseitige Wette auf steigende Kurse baut sich nicht auf.
Anleihen
Die langen Zinsen stehen so hoch wie 2002
Die 10-jährige US-Staatsanleihe rentierte am Montag zum Handelsschluss mit 5,31 Prozent, die 30-jährige mit 5,66 Prozent. Höher standen beide zuletzt im Jahr 2002. Auch die Hochs vom Oktober 2023 liegen inzwischen klar darunter. Allein seit Ende August ist die 10-jährige Rendite um rund 0,6 Prozentpunkte gestiegen.
Die kurzen Laufzeiten machen diesen Anstieg nicht mit. Die 2-jährige Rendite, die vor allem die Erwartungen an die Leitzinsen der Fed abbildet, lag am Montag bei 4,84 Prozent und damit unter ihrem Hoch vom 28. September. Dadurch wird die Zinskurve steiler. Der Abstand zwischen 10 und 2 Jahren ist seit dem 21. September von 0,20 auf 0,47 Prozentpunkte gewachsen. Historisch ist das ein eher normaler Wert, im Januar lag er noch bei 0,72.
Wenn eine sichere Staatsanleihe mehr als 5 Prozent im Jahr abwirft, wird es teurer, eine Anlage ohne laufenden Ertrag wie Bitcoin zu halten. Höhere lange Zinsen verteuern zudem Kredite und Finanzierungen, was den Appetit auf Risiko tendenziell dämpft. Das ist der wichtigste Gegenwind für Bitcoin an diesem Morgen, auch wenn er nicht automatisch auf den Kurs durchschlägt. Im Kurs ist davon über Nacht nichts zu sehen.
ETF-Flüsse
Am Montag floss Geld ab
Aus den US-Spot-ETFs auf Bitcoin, börsengehandelten Fonds, die echte Bitcoin kaufen und verwahren, sind am Montag ohne BlackRocks IBIT netto rund 160 Millionen Dollar abgeflossen. Fidelitys FBTC verlor rund 74,5 Millionen, der ARKB von Ark und 21Shares rund 85,2 Millionen. Bei allen anderen Fonds gab es keine Bewegung.
BlackRocks IBIT, der grösste Fonds, hat seine Zahl noch nicht gemeldet. Er kann die Tagesbilanz in beide Richtungen drehen, die rund 160 Millionen sind deshalb noch nicht das Ergebnis für den ganzen Tag. Am Freitag, dem Handelstag davor, hatten die Fonds insgesamt netto rund 190 Millionen Dollar eingesammelt.
Für Bitcoin zählt die Summe. Die Fonds halten zusammen rund 1,29 Millionen Bitcoin, etwa 6,4 Prozent aller Bitcoin, und was sie netto kaufen oder verkaufen, ist direkte Nachfrage am Markt. Die Abflüsse bei FBTC und ARKB sprechen für eine schwächere Nachfrage am Montag, wie stark sie ins Gewicht fallen, hängt aber an IBIT.
On-Chain
Die Langzeithalter halten still
Die Liveliness macht sichtbar, wie sich langfristige Bitcoin-Halter verhalten. Die Idee dahinter ist einfach. Jeder Bitcoin, der einen Tag lang unbewegt bleibt, sammelt einen sogenannten Coin Day, und wird er bewegt, sind alle gesammelten Tage auf einen Schlag verbraucht. Die Liveliness teilt alle jemals verbrauchten Coin Days durch alle, die je angesammelt wurden.
Bewegen Langzeithalter alte Coins, meist weil sie verkaufen, werden viele Tage auf einmal verbraucht, und die Kennzahl steigt. Bleiben die Coins liegen, sammeln sich nur neue Tage an, und sie fällt. Weil die Reihe alles seit 2009 zusammenzählt, bewegt sie sich sehr träge, und schon eine Änderung in der dritten Nachkommastelle hat Gewicht.
Knapp zwei Jahre lang stieg die Liveliness, von 0,593 im Januar 2024 bis zu ihrem Allzeithoch von 0,6410 am 20. Dezember 2025. In dieser Zeit haben Langzeithalter viele alte Coins bewegt. Danach fiel sie bis Ende Juli auf 0,6332, es blieben also mehr Coins liegen, als alte bewegt wurden. Seit August läuft sie seitwärts zwischen rund 0,633 und 0,635, am 5. Oktober stand sie bei 0,6337.
Nach den Hochs von 2018 und 2021 fiel die Kennzahl ebenfalls über Monate. Der jetzige Rückgang ist aber viel kleiner, rund 0,008 Punkte seit Dezember gegenüber rund 0,031 in den Jahren 2022 und 2023. Aus zwei oder drei Zyklen lässt sich keine Prognose ableiten.
Für Bitcoin heisst der Seitwärtslauf, dass die Langzeithalter derzeit keinen neuen Verkaufsdruck aufbauen. Gleichzeitig hat ihre Neigung, Coins einfach liegen zu lassen, seit August an Kraft verloren. Eine Einschränkung gehört dazu: Die Kennzahl erfasst jede Bewegung alter Coins, deshalb zählen auch Umbuchungen von Börsen oder ETF-Verwahrern mit, bei denen nichts verkauft wird.
Mining
Ein Tag mit viel Blockglück
Am 5. Oktober sah das Bitcoin-Netz auf dem Papier aussergewöhnlich stark aus. Die geschätzte Hashrate, also die gesamte Rechenleistung der Miner, lag bei rund 1'161 Exahash pro Sekunde, rund drei Standardabweichungen über dem Schnitt der 30 Tage davor. Die Einnahmen der Miner stiegen auf rund 52,9 Millionen Dollar, an einem normalen Tag sind es um die 40 Millionen.
Beides hat dieselbe Ursache. Die Hashrate lässt sich nicht direkt messen, sie wird aus der Zahl der gefundenen Blöcke geschätzt. An diesem Tag fanden die Miner rechnerisch rund 197 Blöcke statt der üblichen 144, und jeder zusätzliche Block bringt auch zusätzliche Belohnung. Ein solcher Ausreisser ist vor allem Zufall bei der Blockfindung.
Ein Allzeithoch ist es nicht. Im 30-Tage-Schnitt liegt die Hashrate bei rund 945 Exahash, der höchste Tageswert der letzten zwölf Monate lag im Oktober 2025 bei rund 1'306. Über den Preis sagt ein einzelner Tag nichts. Für die Miner könnte es Mitte Oktober etwas enger werden. Nach einer ersten Schätzung steigt dann die Mining-Schwierigkeit um rund 4,6 Prozent, und jede Recheneinheit bringt weniger ein.
Heute um 8:35 Uhr
Um 8:35 Uhr Schweizer Zeit spricht Kazuo Ueda, der Gouverneur der Bank of Japan. Die Märkte achten darauf, ob er eine weitere Zinserhöhung andeutet. Für Bitcoin führt der Weg über den Yen. Viele Investoren leihen sich günstig Yen und legen das Geld anderswo an, im sogenannten Carry-Trade, und steigen der Yen und die japanischen Renditen, geraten solche Positionen unter Druck. Im August 2024 traf eine solche Auflösung auch Bitcoin.
Ob Ueda heute etwas Ähnliches auslöst, ist offen. Das Bild für den Tag ist trotzdem klar. Bitcoin ist ruhig, die Händler halten sich mit Hebel zurück, und die Langzeithalter verkaufen nicht. Der Druck kommt von aussen, von den höchsten langen US-Zinsen seit 2002. Aus den ETFs ohne BlackRocks Fonds ist am Montag Geld abgeflossen. Ob IBIT diese Abflüsse ausgleicht oder verstärkt, zeigt erst seine Zahl, die im Laufe des Tages kommt.
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