Ruhe vor der Fed
Bitcoin blieb über Nacht knapp unter 80'000 Dollar. Diese Woche entscheiden die Fed, die EZB und die Bank of Japan über die Zinsen.
In 5 Minuten durch
Bitcoin gab über Nacht 0,26 % nach und steht am Morgen bei rund 79'700 Dollar. Die US-Spot-ETFs meldeten am Montag einen kleinen Zufluss, Strive hat 6'182 Bitcoin gekauft und hält jetzt 43'000. Die Mining-Schwierigkeit dürfte am Donnerstag um rund 6,4 % steigen. Bei der zweijährigen US-Auktion hielten sich ausländische Käufer zurück. Fed (Mittwoch), EZB (Donnerstag) und Bank of Japan (Freitag) entscheiden über die Zinsen. Ripple erhält die finale Lizenz für seine Trust-Bank, WTI fällt auf rund 100,70 Dollar, und der Risikoaufschlag für Firmenanleihen steigt mit dem Angebot aus der KI-Finanzierung.
Guten Morgen. Die Nacht war ruhig, der Markt wartet auf die Notenbanken. Daneben zählen ein grosser Bitcoin-Kauf von Strive und eine schwache Anleiheauktion.
Bitcoin
Eine enge Nacht unter 80'000
Bitcoin gab zwischen 21 Uhr und halb fünf um 0,26 % nach und blieb die ganze Nacht in einer Spanne von rund 700 Dollar. Um sechs Uhr stand der Kurs bei rund 79'700 Dollar. Am Terminmarkt drängt keine Seite stark in eine Richtung, die Ausgleichszahlungen zwischen Käufern und Verkäufern mit Hebel liegen beim neutralen Standardsatz.
Die US-Spot-ETFs verzeichneten am Montag nach vorläufigen Zahlen einen kleinen Zufluss, praktisch nur über IBIT von iShares. Der Druck kam also nicht aus den ETFs, die Zinsen, das Öl und das Warten auf die Fed dürften mehr Gewicht haben.
Die börsenkotierte Firma Strive hat am Montag bei der US-Börsenaufsicht einen grossen Kauf offengelegt. In der Vorwoche kaufte sie 6'182 Bitcoin für rund 511 Millionen Dollar und hält jetzt 43'000 Stück. Im Schnitt zahlte sie rund 82'700 Dollar, die Tranche liegt also schon rund 3,7 % im Minus.
Für weitere Käufe will Strive Vorzugsaktien für bis zu 1 Milliarde Dollar über die Börse verkaufen. Den Rückgang auf 80'000 Dollar hat diese Nachfrage nicht aufgehalten. Wie gut sich solche Vorzugsaktien verkaufen, hängt zudem selbst vom Bitcoin-Kurs und von den Zinsen ab.
Mining
Die Miner legen nach
Die Mining-Schwierigkeit legt fest, wie viel Rechenarbeit ein neuer Block braucht. Das Netzwerk passt sie so an, dass im Schnitt alle zehn Minuten ein Block entsteht. Weil laufend Rechenleistung dazukommt, sind es derzeit 9,4 Minuten.
Die nächste Anpassung fällt voraussichtlich am Donnerstag gegen 17:30 Uhr an. Die Schätzung liegt am Morgen bei rund 6,4 % und verändert sich bis dahin noch. Schon am 16. Oktober stieg die Schwierigkeit um 5,9 %, in zwei Schritten wären es zusammen rund 12,7 %.
Damit verdient jede Maschine weniger Bitcoin. Bei einem Kurs unter 80'000 Dollar und hohen Energiepreisen geraten Miner mit hohen Kosten unter Druck, Bitcoin zu verkaufen. Die steigende Rechenleistung zeigt zugleich, dass die Branche weiter investiert.
Staatsanleihen
Ausländische Käufer halten sich zurück
Die USA haben am Montag zweijährige Staatsanleihen über 69 Milliarden Dollar versteigert, zu einer Rendite von 4,708 %. Auf jeden angebotenen Dollar kamen nur 2,59 Dollar an Geboten, weniger als bei jeder Auktion seit April.
Vor allem ausländische und institutionelle Käufer, die über Banken bieten, hielten sich zurück. Ihr Anteil fiel von 57,8 % auf 45,7 %, die Lücke füllten direkte Bieter. Die Händler übernahmen wie im September rund 13 %.
Die Händler halten zudem viele kurzfristige Staatspapiere, zuletzt für rund 99 Milliarden Dollar. Sie finanzieren diese Bestände am Repo-Markt, wo man sich gegen Wertpapiere kurzfristig Geld leiht. Zum Monatsende am Freitag ist die Nachfrage dort traditionell höher. Teureres kurzfristiges Geld verknappt die Liquidität für riskante Anlagen wie Bitcoin, ein Engpass ist derzeit aber nicht zu sehen.
Notenbanken
Drei Zinsentscheide in drei Tagen
Die Fed entscheidet am Mittwoch um 19 Uhr Schweizer Zeit, um 19:30 Uhr folgt die Pressekonferenz. Der Leitzins liegt nach der Erhöhung im September bei 3,75 bis 4,00 %, erwartet wird mehrheitlich eine Pause. Für Bitcoin zählt vor allem, ob die Fed eine weitere Erhöhung im Dezember offenhält. Wie man ihre Signale liest, steht in «Die Fed lesen», die Ausgangslage für Mittwoch in «Der Mittwochabend»Member.
Die EZB gibt ihren Entscheid am Donnerstag um 14:15 Uhr bekannt, die Pressekonferenz beginnt um 14:45 Uhr. Ihr Einlagensatz liegt nach zwei Erhöhungen in diesem Jahr bei 2,50 %.
Die Bank of Japan entscheidet am Freitag, üblicherweise am frühen Morgen Schweizer Zeit. Die Umfragen erwarten keine Änderung beim Leitzins von 1,25 %, aber eine Erhöhung im Dezember. In Japan stiegen die Preise für Dienstleistungen zwischen Unternehmen im September um 3,7 %, auch wegen teurer Transporte.
Für Bitcoin wirkt die Bank of Japan über den Yen. Viele Anleger leihen sich billige Yen und kaufen damit anderswo Anlagen mit höherer Rendite. Höhere Zinsen in Japan verteuern diese Kredite. Der Dollar kostet heute rund 157,6 Yen, nahe der Zone um 160, in der Japan dieses Jahr schon zweimal eingegriffen hat («Tokios Linie bei 160»Member).
Ripple
Eine Banklizenz für RLUSD
Ripples nationale Trust-Bank hat die finale Genehmigung der US-Bankenaufsicht OCC erhalten, das gab Ripple am Montag bekannt. Sie darf die Reserven hinter Ripples Stablecoin RLUSD verwalten und digitale Vermögenswerte verwahren, Einlagen und Kredite gehören nicht dazu.
Mit rund 2,5 Milliarden Dollar im Umlauf ist RLUSD klein, eine messbare Wirkung auf Bitcoin hat die Lizenz heute nicht. Längerfristig könnte eine staatlich beaufsichtigte Verwahrung Banken und Fonds den Einstieg in Stablecoins erleichtern. Stablecoins sind am Kryptomarkt das wichtigste Geld für Käufe.
Öl
Das Öl gibt zum zweiten Mal nach
WTI, die amerikanische Referenzsorte, fiel am Montag um 1,5 % und über Nacht um ein weiteres Prozent auf rund 100,70 Dollar je Fass. Als Grund gilt die Hoffnung auf Gespräche über ein Ende des Iran-Kriegs.
Das Niveau bleibt mit rund 100 Dollar hoch. Für Bitcoin führt der Weg über die Notenbanken: Teures Öl ist einer der Gründe, warum die Fed und die EZB die Zinsen hoch halten. Zwei Tage mit fallenden Preisen ändern daran noch wenig.
Kreditmarkt
Die KI braucht viel Kredit
US-Unternehmen mit gutem Rating geben 2026 so viele Anleihen aus wie selten, und grosse KI-Finanzierungen treiben das Angebot. Allein für Broadcom-Chips, die an Anthropic gehen, stellen Banken und Blackstone Berichten zufolge ein Paket von rund 60 Milliarden Dollar zusammen.
Dazu passt der Preis, den diese Firmen zahlen: Ihr Risikoaufschlag gegenüber Staatsanleihen stieg von 0,77 Prozentpunkten Mitte September auf 0,91 Prozentpunkte am 23. Oktober. Historisch ist das noch tief, der Aufschlag steigt aber seit fünf Wochen fast ohne Pause.
Für Bitcoin ist das ein langsamer, indirekter Weg. Steigende Aufschläge verteuern Finanzierung und können die Risikobereitschaft dämpfen. Ein direkter Kurstreiber ist das nicht.
Heute im Blick
Um 15 Uhr erscheint das US-Konsumentenvertrauen für Oktober, eine der letzten Zahlen vor dem Fed-Entscheid. Um 18 Uhr folgt die Auktion fünfjähriger Staatsanleihen über 70 Milliarden Dollar, nach dem Montag ein weiterer Test für die Nachfrage aus dem Ausland.
Danach folgen am Mittwoch um 19 Uhr die Fed, am Donnerstag um 14:15 Uhr die EZB und gegen 17:30 Uhr die Schwierigkeitsanpassung, am Freitag früh die Bank of Japan und das Monatsende. Die ruhige Nacht passt zu einem Markt, der auf diese Termine wartet.
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