The Morning Briefing
Bitcoin hat eine ruhige Nacht hinter sich und gab erst am frühen Morgen etwas nach. Die US-Notenbank Fed rechnet mehrheitlich mit einer weiteren Zinserhöhung bis Jahresende. Die zehnjährige US-Rendite steht so hoch wie seit 2002 nicht mehr. Heute zählen Fed-Gouverneur Waller und die US-Arbeitslosenzahlen.
In 5 Minuten durch
Bitcoin fiel bis 4:30 Uhr um 0,3 Prozent und stand gegen 6:30 Uhr bei rund 82'760 Dollar. Das Fed-Protokoll zeigt eine einstimmige Erhöhung im September und eine Mehrheit für einen weiteren Schritt bis Jahresende, uneinig waren die Mitglieder nur über die Begründung. Die zehnjährige US-Rendite schloss bei rund 5,29 Prozent, so hoch wie seit 2002 nicht mehr, und die Auktion fand trotzdem solide Nachfrage. Die Bitcoin-ETFs nahmen rund 119 Millionen Dollar auf, aus den Ether-ETFs flossen rund 202 Millionen ab. Heute zählen Waller um 10:30 Uhr und die Erstanträge um 14:30 Uhr.
Guten Morgen. Über Nacht hat sich Bitcoin kaum bewegt, die wichtigen Nachrichten kamen von der Fed und vom Anleihemarkt. Beide sagen dasselbe: Das Geld bleibt teuer. Hier ist, was das für Bitcoin heisst und worauf es heute ankommt.
Bitcoin über Nacht
Eine ruhige Nacht, ein schwächerer Morgen
Zwischen 21 Uhr und 4:30 Uhr Schweizer Zeit fiel Bitcoin um 0,3 Prozent auf 83'114 Dollar. Die ganze Nacht blieb der Kurs in einer Spanne von gut einem Prozent. Erst am frühen Morgen gab er mit höherem Handelsvolumen deutlicher nach, bis auf 82'192 Dollar. Gegen 6:30 Uhr kostete ein Bitcoin rund 82'760 Dollar, etwa 0,7 Prozent weniger als am Vorabend.
Am Terminmarkt ist keine Nervosität zu sehen. Die Zahl der offenen Futures-Kontrakte, also der laufenden Wetten auf den künftigen Bitcoin-Preis, nahm nur um 0,3 Prozent zu. Die Gebühr, die Händler mit Hebel untereinander zahlen, liegt fast bei null. Es setzen also nicht auffällig viele Händler mit geliehenem Geld auf steigende Kurse, und es wurden auch keine Positionen zwangsweise aufgelöst.
Die wichtigen Nachrichten der Nacht kamen nicht aus dem Kryptomarkt. Sie kamen von der US-Notenbank und vom Anleihemarkt, die beide über die Zinsen auf Bitcoin wirken.
Fed-Protokoll
Einig beim Schritt, uneinig beim Warum
Gestern Abend hat die Fed das Protokoll ihrer Zinssitzung vom 15. und 16. September veröffentlicht. Damals hob sie den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf 3,75 bis 4,00 Prozent an, einstimmig mit 12 zu 0 Stimmen. Die Mehrheit der Teilnehmer hält bis Jahresende eine weitere Erhöhung für wahrscheinlich angemessen.
Uneinig waren sich die Mitglieder über die Begründung. Viele sahen höhere Zinsen als eine Art Versicherung für den Fall, dass die Inflation hartnäckiger ist als erwartet. Eine Reihe von Mitgliedern hielt sie schon im Hauptszenario für nötig. Mehrere fanden zudem, dass der Leitzins die Wirtschaft derzeit gar nicht oder nur leicht bremst.
Der Hintergrund ist eine Inflation, die seit mehr als fünf Jahren über dem Ziel von 2 Prozent liegt. Die Teilnehmer sahen die Risiken eher nach oben verschoben, wegen der Energiepreise, des Investitionsbooms rund um künstliche Intelligenz und der Zölle.
Dass sich die Fed auf keine Serie von Erhöhungen festlegt, heisst deshalb nicht, dass sie fertig ist. Sie will von Sitzung zu Sitzung entscheiden, und ein weiterer Schritt bis Dezember bleibt der Basisfall. Eine längere Phase mit vielen Erhöhungen ist dagegen nicht geplant. Der Markt nahm das Protokoll eher erleichtert auf, weil es nicht strenger ausfiel als befürchtet.
Für Bitcoin zählt dieser Zinspfad, weil Bitcoin keine Zinsen abwirft. Je mehr ein Anleger mit sicheren Anlagen verdient, desto mehr entgeht ihm, wenn er stattdessen Bitcoin hält. Solange die Fed eher erhöht als senkt, bleibt dieser Druck bestehen, auch wenn er in der Nacht im Kurs kaum zu sehen war.
Eine Einschränkung gibt es. Das Protokoll zeigt die Lage vor den schwächeren Daten, die seit der Sitzung gekommen sind, darunter eine schwächere Kerninflation und ein schwacher Arbeitsmarktbericht. Ob die Mehrheit für einen weiteren Schritt heute noch so klar steht, ist offen.
Anleihen
Die höchsten langen Zinsen seit 2002
Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen schloss gestern bei rund 5,29 Prozent, im Tagesverlauf stieg sie bis auf 5,35 Prozent. So hoch stand sie zuletzt im Mai 2002. Ende Februar lag sie noch bei 3,97 Prozent, seither ist sie um rund 1,3 Prozentpunkte gestiegen.
Der Anstieg kommt vor allem von den langen Laufzeiten. Die zweijährige Rendite liegt bei 4,77 Prozent, die dreissigjährige bei 5,67 Prozent. Wer sein Geld lange bindet, verlangt also deutlich mehr Zins. Darin steckt die Sorge, dass die Inflation hoch bleibt, und ein Aufschlag für das Risiko, das Geld über so viele Jahre festzulegen.
Gestern versteigerte das US-Finanzministerium zehnjährige Anleihen für 39 Milliarden Dollar. Die Rendite von 5,30 Prozent war die höchste bei einer solchen Auktion seit November 2000. Trotzdem war die Nachfrage solide. Rund 80 Prozent der zugeteilten Anleihen gingen an sogenannte indirekte Bieter, meist ausländische und institutionelle Käufer. Das bremste den Ausverkauf am Anleihemarkt. Die hohen Renditen finden also Käufer.
Für Bitcoin ist das Niveau wichtiger als die Bewegung eines einzelnen Tages. Wer mit einer US-Staatsanleihe sicher mehr als 5 Prozent im Jahr bekommt, braucht einen guten Grund für eine Anlage ohne laufenden Ertrag. Das dürfte die Nachfrage nach Bitcoin dämpfen, auch wenn der Effekt in einer einzelnen Nacht nicht im Kurs abzulesen ist.
Spot-ETFs
Das Geld wandert von Ether zu Bitcoin
Die US-Spot-Bitcoin-ETFs, also börsengehandelte Fonds, die echte Bitcoin halten, nahmen gestern netto rund 119 Millionen Dollar auf. Gemessen an Tagesströmen, die oft in die Milliarden gehen, ist das ein moderater Zufluss und kein Kaufschub. Der Kurs reagierte auch nicht darauf.
Aus den Ether-ETFs flossen gleichzeitig rund 202 Millionen Dollar ab, nach rund einer Woche mit Abflüssen. Bei Bitcoin fliesst Geld hinein, bei Ether hinaus. Das spricht für eine Umschichtung innerhalb des Kryptomarkts zugunsten von Bitcoin und gegen einen generellen Ausstieg aus Krypto. Um den Druck der hohen Zinsen auszugleichen, ist der Zufluss zu Bitcoin aber zu klein.
Heute im Blick
Um 10:30 Uhr Schweizer Zeit spricht Fed-Gouverneur Christopher Waller. Er ist im Zinsausschuss stimmberechtigt, hat im September für die Erhöhung gestimmt und gibt in der Fed-Debatte oft den Takt vor. Das Thema seiner Rede ist offen. Für Bitcoin zählt, ob er einen weiteren Schritt bis Jahresende bestätigt oder ihn wegen der schwächeren Daten seit September in Frage stellt.
Um 14:30 Uhr folgen die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA. Zuletzt waren es 197'000, erwartet werden 200'000. Das ist ein niedriges Niveau und kein Zeichen, dass der Arbeitsmarkt kippt. Ein deutlicher Anstieg würde eine weitere Erhöhung der Fed unwahrscheinlicher machen und Bitcoin etwas entlasten. Ein Wert unter der Prognose würde in die andere Richtung wirken.
Um 14:15 Uhr spricht zudem Bailey, der Gouverneur der Bank of England. Für das Pfund ist das wichtig, für Bitcoin höchstens am Rand über das globale Zinsumfeld.
Bitcoin selbst ist ruhig, die Händler halten sich mit Hebel zurück, und aus den ETFs kommt etwas Nachfrage. Der Druck kommt von den Zinsen. Bewegen sie sich heute, dann über Waller am Vormittag und die Arbeitsmarktzahlen am Nachmittag.
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