Druck von aussen
Bitcoin hat die Nacht in einem engen Band verbracht und steht am Morgen bei rund 83'450 Dollar. Der Druck kommt von aussen: teures Öl, Chinas Erzeugerpreise, hohe Renditen und eine Fed, die noch einmal erhöhen will. Um 14:30 Uhr erscheint die US-Inflation für September.
In 5 Minuten durch
Bitcoin pendelte über Nacht zwischen rund 83'060 und 83'875 Dollar und steht am Morgen bei rund 83'450 Dollar. Das ist 2,4 Prozent mehr als die durchschnittliche Kostenbasis der ETF-Käufer bei 81'500 Dollar. Die Händler haben Hebel abgebaut, die ETF-Abflüsse werden kleiner. Um 14:30 Uhr erscheint die US-Inflation: erwartet werden 3,6 Prozent gesamt und 2,5 Prozent im Kern. Brent bei rund 107 Dollar, Chinas Erzeugerpreise und Renditen nahe dem höchsten Stand seit 2002 halten den Druck hoch. Die Fed sieht noch einen Zinsschritt in diesem Jahr, offen ist der Zeitpunkt.
Guten Morgen. Am Bitcoin-Markt war es in der Nacht still, rundherum dafür umso lauter. Öl, Anleihen und Notenbanker liefern genug Stoff, und am Nachmittag kommt die Zahl, auf die alle warten.
Bitcoin über Nacht
Ein enges Band
Bitcoin ist zwischen Dienstagabend und Mittwochmorgen kaum vom Fleck gekommen. Der Kurs pendelte zwischen rund 83'060 und 83'875 Dollar. Am Morgen steht Bitcoin bei rund 83'450 Dollar, etwa 0,5 Prozent höher als am Vorabend.
Der Markt wartet auf die Inflationszahl am Nachmittag. Am Terminmarkt haben die Händler über Nacht Positionen abgebaut, das offene Interesse, also der Wert aller laufenden Kontrakte, sank auf Binance um 2,2 Prozent. Die Finanzierungsrate war leicht negativ: Wer auf fallende Kurse setzt, zahlte der Gegenseite eine kleine Gebühr. Der Markt neigt damit leicht zur Vorsicht, Druck ist aber keiner zu sehen.
Heute um 14:30
Die Zahl hinter der Zahl
Um 14:30 Uhr Schweizer Zeit erscheint die US-Inflation für September. Erwartet wird ein Anstieg der Gesamtrate von 3,4 auf 3,6 Prozent. Allein im September sollen die Preise um 0,6 Prozent steigen, nach 0,4 Prozent im August.
Die Kernrate klammert Energie und Nahrungsmittel aus. Sie soll nur von 2,4 auf 2,5 Prozent zulegen, und ihr Monatsplus soll von 0,3 auf 0,2 Prozent sinken. Die Lücke zwischen 3,6 und 2,5 Prozent zeigt, woher der Druck kommt: fast ganz aus der Energie.
Über Nacht ist dieser Druck noch gewachsen. Nach einem Angriff der Huthis auf ein Verwaltungsgebäude von Saudi Aramco und verstärkten iranischen Angriffen auf Tanker in der Strasse von Hormus stieg ein Fass Brent auf rund 107 Dollar. Über 100 Dollar liegt der Ölpreis schon seit Wochen.
Für die Fed zählt die Kernrate mehr, weil sie Ölschocks ausblendet. Einen Preisschub, der nur aus der Energie kommt, kann eine Notenbank eher als vorübergehend behandeln. Ein Anstieg im Kern zeigt dagegen, dass der Druck in der breiten Wirtschaft angekommen ist. Für Bitcoin ist genau diese Unterscheidung wichtig, denn sie bestimmt mit, wie lange Geld teuer bleibt.
Fed
Noch ein Schritt, dann Pause
Die Fed hat den Leitzins im September auf 3,75 bis 4,00 Prozent angehoben, und die meisten Mitglieder rechnen bis Jahresende mit einer weiteren Erhöhung. Boston-Fed-Präsidentin Susan Collins hält diesen Schritt für möglich. Als Preistreiber nennt sie das Öl und die Nachfrage rund um künstliche Intelligenz.
New-York-Fed-Präsident John Williams schliesst Erhöhungen für 2027 aus. Weit auseinander liegen die beiden damit nicht, denn auch Collins erwartet für 2027 gleichbleibende Zinsen. Offen ist vor allem, ob der nächste Schritt an der Sitzung vom 27. und 28. Oktober kommt oder erst im Dezember.
Williams hat als Chef der New York Fed jedes Jahr Stimmrecht, Collins stimmt 2026 nicht ab. Für die Frage nach dem Zeitpunkt ist die heutige Inflationszahl der wichtigste Datenpunkt. Eine weitere Erhöhung stützt Renditen und Dollar und verteuert das Geld, das sonst in riskante Anlagen wie Bitcoin fliesst.
China
Preisdruck ab Fabrik
Chinas Erzeugerpreise, also die Preise, die Fabriken für ihre Waren verlangen, stiegen im September um 5,0 Prozent zum Vorjahr. Erwartet waren 4,5 Prozent, im August waren es 3,8 Prozent. Das ist der stärkste Anstieg seit Juni 2022, getrieben von Treibstoff und Kohle.
Die grösste Fertigungsvolkswirtschaft der Welt exportiert damit Preisdruck. Bei den Konsumenten im eigenen Land ist davon noch wenig zu sehen, ihre Preise stiegen nur um 0,9 Prozent. Für Bitcoin läuft der Weg über denselben Kanal wie beim Öl: Mehr Preisdruck in der Welt ist ein weiteres Argument für eine straffe Fed.
Anleihen
Teures Geld für Staaten
Die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen stieg vergangene Woche bis auf 5,73 Prozent, den höchsten Stand seit 2002. Am Dienstag schloss sie etwas tiefer bei 5,56 Prozent, die 10-jährige bei 5,21 Prozent.
Der Internationale Währungsfonds warnt, dass steigende Finanzierungskosten die Staatsfinanzen weltweit belasten. Im Schnitt der G7-Staaten stieg die Rendite 10-jähriger Anleihen zwischen Februar und September um mehr als einen Prozentpunkt. Diese Woche steht das Thema im Zentrum des Treffens von Notenbankchefs und Finanzministern in Bangkok.
Für Bitcoin sind solche Renditen harte Konkurrenz. Eine US-Staatsanleihe zahlt über 5 Prozent im Jahr, Bitcoin zahlt nichts. Zum Wochenstart haben sich die Renditen leicht beruhigt, die heutige Inflationszahl kann sie wieder antreiben.
Europa
Japan und die französischen Anleihen
Japanische Anleger erwägen laut dem Analysehaus Equiti Global, ihr Engagement in französischen Staatsanleihen abzubauen. Es geht um rund 145 Milliarden Dollar. Ob und wann tatsächlich verkauft wird, ist offen.
Mit Bitcoin hat das nur über Umwege zu tun. Das Thema gehört zum selben Bild wie die Warnung des IWF: Staaten müssen für ihre Schulden mehr bezahlen. Auf Bitcoin wirkt so etwas höchstens indirekt, über teureres Geld und weniger Liquidität an den Märkten.
ETF-Flüsse
Die Linie bei 81'500
Die US-Spot-Bitcoin-ETFs, also börsengehandelte Fonds mit echten Bitcoin, verloren am Montag netto rund 65 Millionen Dollar. Der ganze Abfluss kam aus BlackRocks IBIT. In der Woche davor waren es zusammen rund 680 Millionen, die Abflüsse werden also kleiner, zu Zuflüssen drehen sie aber noch nicht.
Bitcoin steht am Morgen rund 2,4 Prozent über 81'500 Dollar. Dort liegt nach Schätzung des Analysehauses Glassnode der durchschnittliche Einstandspreis der ETF-Käufer. Für diese Anleger ist die Marke die Grenze zwischen Gewinn und Verlust, entsprechend genau wird sie beobachtet.
In den letzten Tagen hat die Zone zweimal gehalten. Darunter liegt die nächste bei rund 77'500 Dollar, dem durchschnittlichen Einstand der aktiv gehandelten Coins. Bitcoin steht rund 7,7 Prozent darüber.
On-Chain
Der Wal von 2020
Eine Adresse, die am 3. März 2020 rund 4'582 Bitcoin erhalten hatte, hat am Montag erstmals den ganzen Bestand bewegt. Damals waren die Coins rund 40,5 Millionen Dollar wert, beim Transfer rund 377 Millionen.
Die Coins liegen nun auf fünf neuen Adressen, viermal 1'000 Bitcoin und einmal der Rest. Runde Tranchen sehen eher nach einer neuen Verwahrung aus als nach einem Verkauf, die Absicht bleibt aber offen. Bis Dienstag wurde von den neuen Adressen nichts weiterbewegt.
Gemessen am täglichen Handelsvolumen ist die Menge überschaubar. Für die Stimmung zählt eine solche Bewegung trotzdem.
Alles auf 14:30
Über Nacht ist für Bitcoin wenig passiert. Der Kurs liegt ruhig bei rund 83'450 Dollar, die Händler haben Hebel abgebaut, und die ETF-Abflüsse werden kleiner. Darunter liegt die Zone um 81'500 Dollar als Stütze.
Der Druck kommt von aussen, vom Öl bei rund 107 Dollar, von Chinas Erzeugerpreisen, von Renditen nahe dem höchsten Stand seit 2002 und von einer Fed, die noch einmal erhöhen will. Um 14:30 Uhr zeigt die Kernrate, wie weit dieser Druck schon in die US-Wirtschaft vorgedrungen ist.
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