Heute kein Angriff
Trump schliesst einen Angriff auf Iran für heute aus, das Öl gibt rund 2 % nach. Bitcoin bleibt davon unberührt und steht am Morgen bei rund 80'000 Dollar. Mehr tut sich im Netzwerk der Miner.
In 5 Minuten durch
Bitcoin gab über Nacht rund 1 % nach und steht am Morgen wieder bei rund 80'000 Dollar. Trump schloss einen Angriff auf Iran für heute aus, WTI fiel auf rund 101 Dollar. Die Hashrate steht seit knapp zwei Wochen über 1 Zettahash pro Sekunde, für Donnerstag ist ein Anstieg der Difficulty um rund 6 % geschätzt. Die Bank of Japan dürfte am Freitag stillhalten. HSBC und Anchorpoint bauen in Hongkong Stablecoins auf Hongkong-Dollar, in Peking tagt das Zentralkomitee zur Parteidisziplin.
Guten Morgen. Ein Satz aus Washington zu Iran drückte in der Nacht den Ölpreis und bewegte Bitcoin kaum. Mehr tut sich bei den Minern, und die Woche hat mit der Fed und der Bank of Japan zwei grosse Termine.
Bitcoin, Iran und Öl
Ein Satz drückt den Ölpreis
Bitcoin fiel zwischen 21 Uhr und halb fünf von 80'462 auf rund 79'500 Dollar, ein Minus von rund 1,2 %. Das Tief lag zwischen vier und fünf Uhr bei 79'265 Dollar. Bis sechs Uhr stieg der Kurs wieder auf rund 80'000 Dollar.
Am Terminmarkt stieg das Open Interest, die Summe aller offenen Futures-Positionen, um rund 1,7 %. Die Funding Rate, eine Ausgleichszahlung zwischen Käufern und Verkäufern, liegt fast bei null. Keine Seite drängt also stark in eine Richtung.
Die wichtigste Nachricht kam kurz vor ein Uhr aus Washington. Auf die Frage nach einem Angriff auf Iran sagte Donald Trump: «There will not be a strike today.» Heute werde es also keinen Angriff geben. Ob die USA den Militäreinsatz später fortsetzen oder ein Abkommen schliessen, liess er offen.
Der Ölpreis gab trotzdem nach. WTI, die amerikanische Referenzsorte, kostet um sechs Uhr rund 101 Dollar und damit 2,2 % weniger als zum Schluss am Freitag. Brent liegt mit rund 114,50 Dollar knapp 2 % tiefer. Das ist eine Korrektur von hohem Niveau, das Öl bleibt deutlich über 100 Dollar.
Bitcoin reagierte darauf nicht, der Kurs fiel in denselben Stunden leicht. Der Weg vom Öl zu Bitcoin ist lang: Teures Öl hält die Inflationserwartungen hoch, das erschwert der Fed Zinssenkungen und bremst die Liquidität. Ein Minus von 2 % ändert daran allein wenig. Wie teures Öl in die Preise durchschlägt, steht in «Ölschock in der Lieferkette».
Hashrate
Die Miner bauen weiter aus
Die Hashrate, also die gesamte Rechenleistung im Bitcoin-Netzwerk, liegt im Wochenmittel bei rund 1'073 Exahash pro Sekunde. Seit dem 14. Oktober steht das Wochenmittel ohne Unterbruch über der Marke von einem Zettahash und steigt weiter.
Der Anstieg kommt, obwohl grosse Mining-Firmen Kapital und Rechenzentren in die KI verlagern. Effizientere Geräte und kleinere, private Betreiber füllen die Lücke. Gleichzeitig verdienen die Miner weniger: Der Hashprice, ihr Ertrag je Petahash und Tag, liegt bei rund 36 Dollar und ist zuletzt gesunken.
Für Bitcoin ist das zunächst eine Entlastung. Von einer Kapitulation, bei der Miner aus Not ihre Bitcoin verkaufen, ist nichts zu sehen. Ein Preissignal ist die hohe Hashrate trotzdem nicht, sie zeigt nur, dass die Miner weiter investieren, obwohl ihre Marge enger wird.
Difficulty
Am Donnerstag wird es schwerer
Die Difficulty bestimmt, wie schwer es ist, einen Block zu finden. Sie passt sich alle 2'016 Blöcke an, damit im Schnitt alle zehn Minuten einer entsteht. Weil die Rechenleistung steigt, kommen die Blöcke derzeit alle neun Minuten und 26 Sekunden.
Die nächste Anpassung ist für Donnerstagabend geschätzt. Der Schätzwert liegt bei rund 6,2 % und verändert sich mit jedem Block bis zur Anpassung. Am 16. Oktober war die Difficulty bereits um 5,92 % gestiegen, zusammen wären es rund 12 % in vier Wochen.
Für die Miner sinkt damit der Ertrag je Maschine weiter, zusätzlich zum tieferen Hashprice. Dass sie trotzdem Rechenleistung zuschalten, spricht für eine hohe Bereitschaft zu investieren. Zwangsverkäufe sind derzeit nicht zu sehen.
Bank of Japan
Stillhalten am Freitag
Die Bank of Japan entscheidet am Freitag, 30. Oktober, über den Leitzins und legt am selben Tag neue Prognosen vor. Die Ökonomen von ING erwarten diese Woche keine Erhöhung, ob die Notenbank im Dezember nachlegt, ist offen. Der Leitzins liegt seit dem Schritt im September bei 1,25 %, eine Pause wäre also keine Abkehr von der Straffung.
Der Dollar kostet rund 157 Yen, über Nacht kaum verändert und etwas weniger als vor einer Woche. Wo Tokio die Schmerzgrenze für den Yen sieht, steht in «Tokios Linie bei 160».
Für Bitcoin führt der Weg über den Carry Trade. Anleger leihen sich billige Yen und kaufen damit anderswo Anlagen mit höherer Rendite. Ein Stillhalten lässt dieses Geschäft weiterlaufen, das Risiko liegt in einer Überraschung. Ein unerwarteter Zinsschritt verteuert die Yen-Kredite und kann Positionen auflösen, wie im August 2024, als auch Bitcoin stark fiel.
Stablecoins
Banken-Coins in Hongkong
HSBC hat am Freitag RedCoin gestartet, einen Stablecoin, der an den Hongkong-Dollar gebunden und 1:1 in ihn einlösbar ist. Kunden erhalten ihn über die Zahlungs-App PayMe mit rund 3,3 Millionen Nutzern und die Banking-App von HSBC, zuerst für Zahlungen an Personen und Händler.
Anchorpoint, ein Gemeinschaftsunternehmen von Standard Chartered, Animoca Brands und HKT, bietet seinen Hongkong-Dollar-Coin bisher nur institutionellen Kunden an. Einen Termin für Privatkunden wollte Chef Dominic Maffei nicht nennen. Er will den Markt langfristig aufbauen.
Für Bitcoin hat das heute keine Wirkung. Beide Coins laufen auf Hongkong-Dollar, der Kryptohandel dagegen fast vollständig über Dollar-Stablecoins. Langfristig entstehen so regulierte Zahlungswege auf der Blockchain, die später auch Kryptomärkte nutzen können. Wie das Stablecoin-Angebot mit Bitcoin zusammenhängt, steht in «Stablecoins laufen hinterher».
China
Ein Plenum für die Partei
In Peking ist das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei zu seiner fünften Plenarsitzung zusammengetreten. Auf der Tagesordnung stehen der Arbeitsbericht des Politbüros und die Disziplin in der Partei. Am Ende folgt ein Kommuniqué, auch Personalentscheide sind möglich.
Die Wirtschaftspolitik steht diesmal nicht im Mittelpunkt, den neuen Fünfjahresplan hat schon das vierte Plenum vor einem Jahr beschlossen. Ein Konjunkturprogramm ist von dieser Sitzung darum kaum zu erwarten, und der Markt wartet auch nicht darauf.
Was heute zählt
Heute stehen keine Termine an, die Bitcoin direkt bewegen dürften. Billigeres Öl allein richtet wenig aus, solange der Weg zu Bitcoin über die Fed führt.
Die Woche entscheiden die Notenbanken. Am Mittwochabend tagt die Fed, die Ausgangslage dafür beschreibt «Der Mittwochabend». Am Donnerstag folgt die Difficulty-Anpassung mit geschätzt rund 6 %, am Freitag die Bank of Japan, von der diese Woche keine Erhöhung erwartet wird.
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