Die Hack-Nacht
Binance verliert nach eigener Schätzung rund 6,3 Milliarden Dollar an einen Angreifer. Es ist der grösste Krypto-Hack der Geschichte. Die Börse stoppt die Auszahlungen, Bitcoin fällt bis auf 76'330 Dollar.
In 5 Minuten durch
Binance schätzt den Schaden durch einen Angreifer auf rund 6,3 Milliarden Dollar, viermal so viel wie beim bisher grössten Hack. Rund 3 Milliarden sind eingefroren, den Rest will Binance aus dem SAFU-Fonds und eigenen Mitteln decken. Die Auszahlungen sind seit 23:15 Uhr gestoppt und sollen innerhalb von 48 Stunden wieder laufen. Der Angreifer tauscht Stablecoins in Ether. Bitcoin fiel bis 03:06 Uhr um 5,5 Prozent auf 76'330 Dollar und stand am Morgen bei rund 78'500. Der Fear & Greed Index fiel von 51 auf 30. Strategys Durchschnittseinstand liegt bei 75'446 Dollar. Die Bank of Japan hielt den Zins bei 1,25 Prozent, mit einer Gegenstimme für eine Erhöhung. Heute um 9 Uhr verfallen die Monatsoptionen, um 13:30 Uhr kommt der US-Lohnkostenindex.
Guten Morgen. Die grösste Kryptobörse hat in der Nacht so viel Geld verloren wie keine Börse vor ihr, und Bitcoin hat es schneller gemerkt als Binance selbst.
Binance
Sechs Milliarden in einer Nacht
Um 21:24 Uhr Schweizer Zeit begann bei Binance der Abfluss. Ein Angreifer zog Geld aus den Hot Wallets ab, über die Kunden ihre Coins abheben. Um 03:23 Uhr bezifferte Binance den Schaden offiziell auf rund 6,3 Milliarden Dollar. Der bisher grösste Krypto-Hack, Bybit im Februar 2025, lag bei rund 1,5 Milliarden.
Nach Binances vorläufiger Untersuchung kam der Angreifer über den gehackten Laptop eines Server-Technikers an ein System, das Auszahlungen auslösen darf. Die privaten Schlüssel brauchte er dafür nicht. Analysefirmen sehen die nordkoreanische Gruppe TraderTraitor dahinter.
Rund 3 Milliarden Dollar sind eingefroren, vor allem Stablecoins, die Tether und Circle gesperrt haben. Den Rest will Binance aus dem Notfallfonds SAFU und eigenen Mitteln decken. Der Fonds umfasst rund 1 Milliarde Dollar in Bitcoin. Für die offenen 3,3 Milliarden reicht er nicht, den grösseren Teil muss Binance aus der eigenen Bilanz tragen.
Die Auszahlungen sind seit 23:15 Uhr gestoppt. Co-CEO Yi He stellt in Aussicht, sie innerhalb von 48 Stunden wieder aufzunehmen.
On-Chain
Die Spur des Geldes
Der Angreifer tauscht, was sich sperren lässt, in etwas, das niemand sperren kann. Seine Wallets wechseln Stablecoins über Uniswap und Aave in Ether. Schon um 21:34 Uhr landeten 20'940 Ether auf einer einzigen Durchgangsadresse. Bis 23 Uhr lagen in zwei Wallets rund 253'000 Ether, gut 570 Millionen Dollar.
Der Abzug zeigt sich auch in den Daten aller Börsen. Am Donnerstag flossen rund 478'000 Ether ab, fast dreimal so viel wie an einem üblichen Tag der letzten zwei Monate. Nach dem Bybit-Hack tauschten die Täter den Grossteil ihrer Ether-Beute in Bitcoin. Ob das diesmal wieder passiert, ist offen.
Bitcoin
Der Markt war schneller als Binance
Bitcoin stand um 21 Uhr bei 80'744 Dollar. Acht Minuten nach Beginn des Abflusses setzte die erste Verkaufswelle ein, binnen einer Viertelstunde ging es auf 78'200 Dollar, rund 45 Minuten bevor sich Binance zum ersten Mal äusserte.
Die zweite Welle kam nach Mitternacht. Um 03:06 Uhr erreichte Bitcoin das Tief bei 76'330 Dollar, 5,5 Prozent unter dem Vorabend. Erst danach nannte Binance die Höhe des Schadens, und der Kurs erholte sich. Die Klarheit war dem Markt offenbar wichtiger als die Höhe des Schadens.
Um 07:20 Uhr stand Bitcoin bei rund 78'500 Dollar. Wo dieser Kurs im Verhältnis zur Spanne nach der Fed liegt, steht in «Losgelöst»Member.
In einer einzigen Stunde wurden am späten Donnerstag Krypto-Wetten auf steigende Kurse über rund 600 Millionen Dollar zwangsweise geschlossen, gut die Hälfte davon auf Binance. Ausgerechnet dort konnte danach niemand mehr Geld abziehen. An den Futures-Märkten kamen trotzdem neue Positionen dazu, eine grosse Wette auf weiter fallende Kurse ist darin nicht zu erkennen.
Stimmung
Von neutral auf Angst
Der Fear & Greed Index fasst die Stimmung am Kryptomarkt aus Kursschwankungen, Momentum und sozialen Medien in eine Zahl von 0 bis 100. Er fiel an einem Tag von 51 auf 30, von neutral in die Angst.
Ein Sturz um 21 Punkte ist selten, zuletzt gab es das im November 2025. So tief wie heute stand die Stimmung zuletzt Mitte August.
Strategy
Das Polster wird dünn
Strategy, das Unternehmen mit dem grössten Bitcoin-Bestand, meldete für das dritte Quartal einen Gewinn von 19,53 Milliarden Dollar. Es ist ein Buchgewinn aus der Bewertung der Bitcoin zum 30. September.
Strategy hält 848'517 Bitcoin zu einem Durchschnittspreis von rund 75'446 Dollar. Das Nachttief lag nur 1,2 Prozent darüber. So nahe kam Bitcoin in der Hack-Nacht dem Einstand des grössten Unternehmenshalters.
Japan
Die Bank of Japan hält, einer will mehr
Die Bank of Japan lässt ihren Leitzins bei 1,25 Prozent. Der Entscheid fiel 8 zu 1, Hajime Takata wollte bereits auf 1,5 Prozent erhöhen. Die Notenbank sieht die zugrunde liegende Inflation weitgehend im Einklang mit ihrem Ziel von 2 Prozent und die Risiken nach oben.
Für Bitcoin zählt der Weg über den Yen. Höhere Zinsen in Japan verteuern das billige Yen-Geld, mit dem weltweit Anlagen finanziert werden. In der Nacht blieb der Yen aber ruhig. Gouverneur Ueda erklärt den Entscheid heute Morgen um 7:30 Uhr an der Pressekonferenz. Die Tür für eine Erhöhung bleibt offen.
Liquidität
Der Staat zahlt aus
Das Konto des US-Finanzministeriums bei der Fed, die TGA, sank am Mittwoch um 36,9 Milliarden auf 1'015,6 Milliarden Dollar. Den grössten Teil machten Zahlungen der Sozialversicherung aus, ein fester Monatstermin.
Geld, das aus diesem Konto an Haushalte fliesst, landet als Reserven bei den Banken. Das stützt die Liquidität etwas, ist diesmal aber vor allem Kalender. Wie TGA und Bankreserven zusammenhängen, steht in «Der Puffer ist leer»Member.
Fed
Warsh schweigt lieber
Fed-Chef Kevin Warsh hält nichts davon, die nächsten Zinsschritte vorab anzudeuten, ausser in einer Krise. Zusammen mit seinem Plan, nur noch sechs statt acht Zinsentscheide im Jahr zu treffen, könnte das die Schwankungen bei US-Staatsanleihen vergrössern. Springen die Renditen stärker, wird Hebel teurer, auch bei Bitcoin. Im Moment beruhigt sich dieser Markt eher.
Öl
Iran treibt den Ölpreis
Öl wurde am Donnerstag teurer, nachdem sich Präsident Trump über militärische Optionen gegen Iran hatte informieren lassen. Er hat angedeutet, nach den Zwischenwahlen nächste Woche wieder anzugreifen. Die US-Sorte WTI stand am Morgen bei rund 103,3 Dollar, Brent hat im Oktober rund 12 Prozent zugelegt.
Teures Öl hält die Inflationserwartungen oben und lässt der Fed weniger Spielraum für tiefere Zinsen. Das bremst die Liquidität, von der auch Bitcoin lebt.
Anleihen
Microsoft leiht sich 25 Milliarden
Microsoft hat am Donnerstag eine Anleihe über rund 25 Milliarden Dollar lanciert, die erste grosse seit 2017. Berichten zufolge ist das Geld für den KI-Ausbau gedacht. Investoren wollten für über 100 Milliarden zeichnen. Einen direkten Weg zu Bitcoin gibt es nicht. Die Nachfrage zeigt aber, dass für gute Schuldner viel Geld bereitsteht.
Optionen
Um 9 Uhr verfällt der Monat
Heute um 9 Uhr verfallen auf Deribit die Bitcoin-Optionen des Monats. Nach der Hack-Nacht steht der Kurs fast genau auf dem Max-Pain-Punkt bei 78'000 Dollar, an dem die Optionen insgesamt am wenigsten auszahlen. Um 7:17 Uhr lag Bitcoin nur rund 0,6 Prozent darüber.
Die grossen Put-Blöcke, also Absicherungen gegen fallende Kurse, liegen zwischen 70'000 und 75'000 Dollar und damit unter dem Kurs. Im Geld sind insgesamt nur rund 9'000 Bitcoin an Puts. Die Calls bei 90'000 bis 100'000 Dollar liegen weit aus dem Geld.
Was heute noch zählt
Um 13:30 Uhr kommt aus den USA der Lohnkostenindex für das dritte Quartal. Erwartet werden 0,8 Prozent nach 0,9 Prozent im Vorquartal. Steigende Löhne halten die Inflation und damit die Zinsen hoch.
Für Bitcoin bleibt Binance das Thema des Tages. Der Schaden ist riesig, ein Loch in der Bilanz ist bisher aber nicht zu sehen. Ein Leck bei den Schlüsseln gibt es nach Binances Angaben nicht, rund die Hälfte ist eingefroren. Das Fenster für die Auszahlungen läuft bis Sonntag früh.
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