Morning Briefing 1. Oktober 2026
Die zehnjährige US-Rendite schliesst auf dem Hoch von 2007, und höher stand sie zuletzt im Mai 2002. Gleichzeitig preist der Markt die nächste Zinserhöhung gerade aus. Bitcoin beendet sein stärkstes Quartal seit Ende 2024, während die Zuflüsse in die Spot-ETFs um 97 Prozent einbrechen.
Die Renditen amerikanischer Staatsanleihen sind zum Monatsende auf den höchsten Stand seit über zwei Jahrzehnten gestiegen, während die Notenbank die Erwartung an eine weitere baldige Zinserhöhung dämpft.
Bitcoin beendet derweil sein stärkstes Quartal seit Ende 2024, doch die Zuflüsse in die amerikanischen Spot-ETFs lassen spürbar nach.
Dieses Briefing bringt die bestätigten Zahlen des Morgens, jede gegen die Originalquelle gerechnet. Wo meine Prüfung vom Marktbericht abweicht, steht das am Schluss offen.
Anleihemarkt und Fed
Die zehnjährige Rendite steht auf dem Hoch von 2007, und die Fed bremst die Erwartungen
Die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe schloss am 29. September bei 5,26 Prozent. Das ist exakt der Schlussstand des Hochs vom 12. Juni 2007. Höher notierte sie zuletzt am 17. Mai 2002, damals bei 5,27. Die dreissigjährige liegt bei 5,59 Prozent.
Zwei Einordnungen gehören dazu. Es handelt sich um nominale Renditen; die reale, also um die Inflation bereinigte Verzinsung, liegt deutlich tiefer. Und ein Zweiundzwanzigjahreshoch ist ein Niveau, keine Richtung.
Gleichzeitig hat der New Yorker Fed-Präsident John Williams der Erwartung einer raschen Anschlusserhöhung widersprochen und von keiner Dringlichkeit gesprochen. Die Terminmärkte preisen für die Sitzung am 27. und 28. Oktober nur noch eine Wahrscheinlichkeit von unter 40 Prozent für einen weiteren Schritt ein.
Damit laufen Zinsniveau und Zinserwartung auseinander. Das lange Ende steht auf einem Mehrjahreshoch, während der Markt die nächste Erhöhung gerade auspreist. Beides zusammen deutet darauf hin, dass die Bewegung am langen Ende weniger von der nächsten Sitzung getrieben wird als vom Niveau, auf dem der Zins dauerhaft erwartet wird.
Das lange Ende steht auf einem Mehrjahreshoch, während der Markt die nächste Erhöhung gerade auspreist.
Dollar und Preisdaten
Der Rückenwind für den Dollar kam von den Zinsen, nicht von der Inflation
Der Dollar hat seinen Anstieg fortgesetzt und notiert gegenüber dem Euro auf dem stärksten Stand seit sechzehn Monaten. Die frei verfügbare Tagesreihe der Fed endet am 25. September, der Stand der letzten Handelstage lässt sich damit nicht unabhängig prüfen; die Angabe stammt aus den Marktberichten des Morgens.
Bei den Preisdaten lohnt der genaue Blick. Der PCE-Index, das bevorzugte Preismass der Fed, lag im August bei 3,42 Prozent zum Vorjahr. Im Juli waren es 3,36 Prozent, im Juni 3,45. Der August-Wert ist damit praktisch unverändert und nicht gefallen. Die Veröffentlichung am 30. September betraf den Berichtsmonat August.
Seit Jahresmitte bewegt sich dieses Mass in einer engen Spanne knapp über drei Prozent, also deutlich über dem Ziel der Notenbank von zwei. Genau das ist der Grund, warum eine Zinssenkung derzeit nicht zur Debatte steht, auch wenn die nächste Erhöhung ausgepreist wird.
Seit Jahresmitte bewegt sich der PCE in einer engen Spanne knapp über drei Prozent. Das Ziel liegt bei zwei.
Bitcoin
Das stärkste Quartal seit Ende 2024, und trotzdem ein Minusjahr
Bitcoin hat das dritte Quartal mit einem Plus von rund 42 Prozent abgeschlossen, gerechnet vom letzten Schlusskurs des Vorquartals. Stärker war zuletzt das vierte Quartal 2024. Trotzdem notiert der Kurs weiterhin rund 33 Prozent unter seinem Allzeithoch vom 5. Oktober 2025 und liegt im laufenden Jahr mit knapp 5 Prozent im Minus. Der Oktober startet mit einem Rücksetzer.
Auf der Nachfrageseite trübt sich das Bild. Die täglichen Zuflüsse in die amerikanischen Spot-Bitcoin-ETFs sind zuletzt um rund 97 Prozent eingebrochen, von etwa einer Milliarde auf 31 Millionen Dollar bis zum 28. September. Solche Zuflüsse sind nicht gleichbedeutend mit dauerhaft gebundener Nachfrage, da die Positionen auch wieder verkauft werden können.
Zwei Kennzahlen eines Datenanbieters zeigen dabei in verschiedene Richtungen. Der Bull Score von CryptoQuant steht nach dem Bruch über die 365-Tage-Linie bei 90 von 100 Punkten, und die Firma wertet diesen Bruch als Bestätigung eines Bullenmarkts. Zugleich schrumpfte die geschätzte Spot-Nachfrage in den vergangenen 30 Tagen um rund 170 000 Bitcoin.
Ein starkes Quartal und eine nachlassende Nachfrage schliessen sich nicht aus. Der Preis kann steigen, solange auf der Angebotsseite wenig verkauft wird, auch ohne frischen Käuferstrom. Welche der beiden Seiten in den nächsten Wochen nachgibt, entscheidet, ob aus dem Quartal ein Trend wird.
Ein starkes Quartal und eine nachlassende Nachfrage schliessen sich nicht aus.
Fazit
Das Bild des Morgens in einem Satz: Die langen Zinsen stehen auf einem Zweiundzwanzigjahreshoch, die nächste Erhöhung wird gerade ausgepreist, und Bitcoin kommt aus einem starken Quartal mit schwacher Nachfrage. Keine dieser drei Linien zeigt für sich genommen eine Richtung an. Interessant werden sie dort, wo sie sich widersprechen.
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