Der Rückkauf
Das US-Finanzministerium kauft im Oktober tatsächlich eigene Anleihen zurück. Mit QE oder Schuldenabbau hat das wenig zu tun.
Wenn ein Staat seine eigenen Schulden zurückkauft, klingt das nach Entlastung oder nach einer versteckten Geldspritze. Das US Treasury tut im Oktober genau das, und zwar gleich mehrmals. Was dabei wirklich passiert, ist nüchterner, als die Schlagzeile vermuten lässt.
Der Plan
Sechs Termine im Oktober
Das US-Finanzministerium, kurz Treasury, hat für Oktober sechs Rückkaufoperationen angesetzt: am 1., 6., 8., 15., 21. und 27. Oktober. Alle sollen laut Plan die Liquidität im Anleihemarkt stützen. Zurückgekauft werden ältere Staatsanleihen mit Laufzeiten zwischen zwei und dreissig Jahren und ein kleiner Posten inflationsgeschützter Anleihen.
Für jede Operation nennt der Plan ein Maximum, und das Minimum liegt jedes Mal bei null. Zusammen ergeben die Maxima mindestens 22,75 Milliarden Dollar. Bei drei Terminen steht nur «4 Milliarden oder mehr». Setzt das Treasury diese wie zuletzt auf 6 Milliarden, steigt die Obergrenze für den Monat auf 28,75 Milliarden.
Tatsächlich gekauft ist bisher ein einziger Posten. Am 1. Oktober nahm das Treasury Anleihen mit zehn bis zwanzig Jahren Laufzeit für 6 Milliarden Dollar zurück und schöpfte damit das Maximum voll aus. Angeboten hatten die Händler 46,4 Milliarden. Alles Weitere ist im Moment eine Obergrenze und keine Zusage.
Obergrenze
Ein Maximum ist kein Versprechen
Wie weit Obergrenze und Kauf auseinanderliegen können, zeigt das laufende Quartal. Seit dem 18. August hat das Treasury 48,8 Milliarden Dollar zurückgekauft. Bei den Liquiditätsoperationen blieb es aber oft deutlich unter dem Maximum: Am 25. August waren es 1,19 von 4 Milliarden, am 17. September 2,39 von 4.
Voll ausgeschöpft wurden dagegen die beiden Operationen zur Kassensteuerung Anfang September, mit je 12,5 Milliarden kurz vor dem Steuertermin vom 15. September. Für den Oktober heisst das: Die Summe kann deutlich unter 22,75 Milliarden bleiben. Im Extremfall bleibt es bei den 6 Milliarden, die schon gekauft sind.
Mechanik
Wie ein Rückkauf funktioniert
Der Rückkauf läuft als umgekehrte Auktion. Bei einer normalen Auktion verkauft das Treasury neue Anleihen an Investoren. Hier ist es umgekehrt: Die grossen Händler bieten ihre alten Papiere an, und das Treasury nimmt die günstigsten Angebote, bis das Maximum erreicht ist.
Gekauft werden ältere Ausgaben einer Laufzeit, im Fachjargon «off-the-run». Sie stehen im Schatten der jeweils neuesten Ausgabe und werden deutlich weniger gehandelt. Wer sie verkaufen will, findet schwerer einen Käufer und muss oft einen Preisabschlag hinnehmen.
Bezahlt wird aus dem Kassenkonto des Treasury bei der Fed, mit Geld, das es sich über andere Anleihen beschafft. Die zurückgekauften Papiere werden danach getilgt. Unter dem Strich ersetzt das Treasury alte, schwer handelbare Schulden durch neue.
Einordnung
Weder QE noch Schuldenabbau
Damit fällt die Deutung als Schuldenabbau weg. Was an alten Anleihen verschwindet, kommt als neue Schuld wieder dazu. Die Gesamtschuld von 40'261 Milliarden Dollar bleibt praktisch gleich, nur ihre Zusammensetzung ändert sich.
Auch mit QE hat ein Rückkauf wenig zu tun. Bei QE kauft die Notenbank Anleihen mit Geld, das sie neu schafft, und ihre Bilanz wächst. Beim Rückkauf bleibt die Bilanz der Fed unberührt: Das Geld fliesst vom Kassenkonto zu den Banken und mit der Gegenfinanzierung wieder zurück. Im Jahr 2020 kaufte die Fed Staatsanleihen für 80 Milliarden Dollar pro Monat, das Oktober-Maximum entspricht etwa einem Drittel davon.
Das stärkste Gegenargument betrifft die Laufzeit. Kauft das Treasury lange Anleihen zurück und finanziert sich kürzer, nimmt es Zinsrisiko aus dem Markt, ähnlich wie QE. Das könnte die Zusatzrendite für lange Laufzeiten leicht drücken. Die Richtung stimmt, die Grösse aber nicht: 28,75 Milliarden sind rund 0,09 Prozent der handelbaren US-Schuld von 31'828 Milliarden.
Motiv
Warum das Treasury das tut
Das Treasury nennt zwei Zwecke. Der erste ist die Marktliquidität: Investoren sollen eine regelmässige und planbare Gelegenheit bekommen, ältere Anleihen zu verkaufen. Das stützt den Handel genau dort, wo der Markt am dünnsten ist.
Der zweite ist die Kassensteuerung. Rund um Steuertermine schwankt der Kassenbestand stark und damit auch die Menge an kurzfristigen Schuldpapieren, die das Treasury ausgeben muss. Rückkäufe sollen diese Schwankungen glätten und auf Dauer die Finanzierungskosten senken. Das Programm läuft in dieser Form seit Mai 2024 wieder regelmässig, der Oktober ist also kein Sonderfall.
Rückkauf ja, Geldspritze nein
Ja, das Treasury kauft im Oktober eigene Anleihen zurück. Gekauft sind bisher 6 Milliarden Dollar, möglich sind bis zu 22,75 oder 28,75 Milliarden, eine Untergrenze gibt es nicht. Im Kern ist das Schuldenmanagement: Alte Papiere gehen raus, neue kommen rein, damit der Markt für Staatsanleihen reibungsloser funktioniert.
Für Bitcoin folgt daraus wenig. Es entsteht kein neues Notenbankgeld, und die Geldflüsse zwischen Kassenkonto und Banken gleichen sich weitgehend aus. Einen Liquiditätsimpuls, der Bitcoin spürbar bewegen könnte, geben diese Zahlen nicht her.
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