Gegenwind
Bitcoin ist über Nacht kaum vom Fleck gekommen. Wichtiger war der Freitag: Die zehnjährige US-Rendite stieg trotz schwacher Arbeitsmarktdaten auf 5,28 Prozent.
Guten Morgen. Die Nacht war ruhig, der Freitag war es nicht. Hier ist, was ich zum Wochenende für Bitcoin im Kopf habe.
Bitcoin über Nacht
Die Bewegung kam am Freitag
Bitcoin ist in der Nacht von rund 84'200 auf 84'600 Dollar gestiegen und steht heute Morgen immer noch dort. Die eigentliche Bewegung lag davor. Am Freitag, dem Tag des US-Arbeitsmarktberichts, stand Bitcoin zeitweise bei gut 87'200 Dollar und hat seither rund 3 Prozent abgegeben.
Über Nacht haben Händler an den Terminbörsen allerdings neue Positionen eröffnet. Die Zahl der offenen Futures-Kontrakte auf Binance stieg um 2,7 Prozent. Die Finanzierungsrate, die Käufer mit Hebel an Verkäufer zahlen, blieb fast bei null. Es wurde also gewettet, aber ohne klare Richtung.
Anleihen
Schwache Jobs, steigende Renditen
Im September sind in den USA nur 29'000 neue Stellen entstanden, deutlich weniger als erwartet, und die Arbeitslosenquote liegt bei 4,2 Prozent. Normalerweise fallen die Renditen nach so einem Bericht, weil der Markt dann mit tieferen Leitzinsen rechnet. Am Freitag passierte das Gegenteil. Die zehnjährige US-Rendite stieg um rund 4 Basispunkte, also 0,04 Prozentpunkte, auf 5,28 Prozent.
Damit liegt sie knapp unter dem Hoch vom Mittwoch, als sie bei 5,29 Prozent schloss, dem höchsten Stand seit Mai 2002. Seit Jahresbeginn ist sie um rund 1,1 Prozentpunkte gestiegen.
Ein klarer Auslöser für den Anstieg fehlt bisher. Viele neue Staatsanleihen würden vor allem die langen Laufzeiten belasten. Dazu passt nicht, dass die zweijährige Rendite mit 5 Basispunkten sogar etwas stärker stieg. Sie hängt vor allem an den Erwartungen an die Fed und an die Inflation. Der hohe Ölpreis ist deshalb ein naheliegender Faktor, mehr dazu im nächsten Abschnitt.
Für Bitcoin ist das Gegenwind, auch wenn sich der Rückgang am Freitag nicht allein darauf zurückführen lässt. Wenn der Staat für zehn Jahre fast 5,3 Prozent ohne Risiko zahlt, wird es teurer, ein Asset ohne laufende Erträge zu halten. Gleichzeitig werden Kredite für alle teurer, die mit geliehenem Geld investieren.
Öl
Öl bleibt trotz G7-Freigabe teuer
Die G7-Staaten haben am Freitag beschlossen, bis zu 100 Millionen Barrel Diesel und Rohöl aus ihren strategischen Reserven freizugeben. Die Freigabe läuft über vier Monate, ein grosser Teil des Diesels kommt schon in den ersten 20 Tagen. Hintergrund ist der Preisschub seit dem Krieg der USA und Israels mit Iran.
Die amerikanische Sorte WTI geriet zwischenzeitlich um mehr als 5 Prozent unter Druck, machte bis zum Handelsschluss aber einen grossen Teil der Verluste wett und beendete den Tag rund 1,9 Prozent tiefer. Die Nordseesorte Brent schloss bei rund 102 Dollar je Barrel nahezu unverändert.
Für Bitcoin ist vor allem entscheidend, dass Öl trotz der zwischenzeitlichen Schwäche teuer bleibt. Preise über 100 Dollar halten das Inflationsrisiko hoch und könnten dazu beigetragen haben, dass die Renditen trotz der schwachen Arbeitsmarktdaten stiegen. Damit greift die einfache Rechnung nicht, nach der schwächere Jobs automatisch tiefere Zinsen und bessere Bedingungen für Bitcoin bedeuten. Der Ölpreis wirkt auf Bitcoin vor allem über die Zinsen, und im Moment als Gegenwind.
ETF-Flüsse
Ein Fonds trägt die Zuflüsse
Die US-Bitcoin-ETFs haben am Donnerstag, dem 1. Oktober, netto 102,7 Millionen Dollar angezogen. Wie die Fonds auf den Arbeitsmarktbericht vom Freitag reagiert haben, zeigen die Daten am Montag.
Fast der ganze Zufluss kam von einem Fonds. Der iShares-Fonds von BlackRock zog 195,6 Millionen Dollar an, alle anderen Fonds zusammen verloren 92,9 Millionen. Die 102,7 Millionen entsprechen etwa 1'200 Bitcoin, wenig im Vergleich zu den grossen Tagen im September.
Über den ganzen Monat bis zum 1. Oktober flossen netto rund 3 Milliarden Dollar in die Fonds, davon 2,2 Milliarden in den BlackRock-Fonds. Der Donnerstag war nach einem Abfluss von 148,7 Millionen am Vortag eine Rückkehr ins Plus, mehr nicht.
Hintergrund
Stablecoins als Käufer von Staatsanleihen
Eine Studie der Federal Reserve Bank of San Francisco vom 28. September zeigt, wie gross die Krypto-Branche am US-Geldmarkt geworden ist. Stablecoin-Emittenten wie Tether und Circle, die für jeden ausgegebenen Token Dollar-Reserven halten, haben ihre Bestände an US-Staatsanleihen in fünf Jahren um rund 200 Milliarden Dollar erhöht. Das entspricht mehr als 40 Prozent dessen, was China im gleichen Zeitraum abgebaut hat.
China ersetzen die Emittenten damit nur zum Teil. Sie kaufen vor allem kurzlaufende Papiere, der Druck auf die Renditen sitzt aber bei den langen Laufzeiten. Die Autoren weisen zudem darauf hin, dass ein Teil der Käufer vielleicht nur das Vehikel wechselt und keine neue Nachfrage entsteht. Für den Bitcoin-Kurs von heute spielt das keine Rolle, es zeigt aber, wie eng Krypto und das US-Finanzsystem inzwischen verflochten sind.
Worauf es jetzt ankommt
Heute ist Samstag, es stehen keine Termine an. Die nächsten echten Signale kommen am Montag: die ETF-Flüsse vom Freitag und der erste Handelstag am Anleihemarkt nach dem Jobsreport.
Bis dahin bleibt ein Widerspruch offen. Nach den schwachen Arbeitsmarktdaten rechnet der Markt seltener damit, dass die Fed die Zinsen noch einmal anhebt. Trotzdem bleiben die langen Renditen nahe am höchsten Stand seit 2002. Solange die zehnjährige Rendite um 5,3 Prozent liegt, hat Bitcoin Gegenwind, und die Zuflüsse eines einzigen Donnerstags ändern daran wenig.
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