Zwei Drittel
Am 29. Juli hielt die Fed still, drei wollten hoch. Der Anleihemarkt hat das Urteil längst gefällt, und die On-Chain-Daten zeigen, dass die letzte Käuferschicht gerade im Minus sitzt.
Hey Leute, in Letter XVI habe ich den Falken beim Namen genannt und gesagt, dass diese Fed nicht mehr in Richtung Senkung denkt, sondern in Richtung Verteidigung. Jetzt, drei Tage nach dem Entscheid, lohnt sich der ehrliche Blick zurück, denn ich habe dir dort drei Szenarien mit klaren Auslösern hingelegt, und ich finde, man muss sich an den eigenen Prognosen messen lassen, sonst ist alles nur Gerede!
Mein Basisszenario war der hawkishe Hold. Ich schrieb, Warsh hält die Zinsen, betont aber, dass die Preise zu hoch sind, und hält die Tür für September ausdrücklich offen. Genau das ist eingetroffen. Die Fed hielt den Leitzins zum siebten Monat in Folge bei 3,50 bis 3,75 Prozent und liess den September bewusst offen. Im dritten Szenario, dem Falken, hatte ich sogar geschrieben, dass es womöglich zu offenen Gegenstimmen im Komitee kommt. Auch das ist eingetroffen, und zwar deutlicher als gedacht. Die Abstimmung ging 9 zu 3, und alle drei Dissenter, Hammack, Kashkari und Logan, wollten nicht halten, sondern erhöhen.
Das gab es in diesem Zyklus noch nie.
Und die Reaktions-Karte für Bitcoin hat funktioniert. Ich hatte den unteren Magneten bei rund 62'300 markiert als erstes Ziel bei einem harten Ausgang. Genau dort lag in den Tagen nach dem Entscheid das Tief, bevor sich der Kurs auf die heutigen rund 63'400 zurückgekämpft hat.
Der Aktienmarkt las Warsh am ersten Tag noch als dovish und wurde am selben Tag mit dem schlechtesten Handelstag seit April 2025 bestraft, der Dow verlor 1'153 Punkte. Der Anleihemarkt hat den Bluff gecallt, die 30-jährige Rendite schoss auf über 5,2 Prozent, das höchste Niveau seit 2007. Nur die Erleichterung aus Szenario 1 ist ausgeblieben, es gab kein Signal in Richtung Entspannung.
In dieser Ausgabe schauen wir uns an, was aus dieser Ausgangslage geworden ist und was die Charts jetzt zeigen. Auf der Makroseite eine Zinswette, die zu zwei Dritteln auf eine Erhöhung im September steht, aus dem offen gehaltenen September ist also eine echte Wahrscheinlichkeit geworden. Auf der On-Chain-Seite ein Bitcoin, der unter der Kostenbasis genau der Leute handelt, die ihn zuletzt gekauft haben.
Also, letsgo.
Makro · FOMC & CME FedWatch
Der Markt preist für September zu 67 Prozent eine Zinserhöhung, nicht eine Senkung!
Am 29. Juli hielt die Fed den Leitzins bei 3,50 bis 3,75 Prozent. Das war erwartet. Was nicht erwartet war, ist wie das Protokoll aussah. Die Abstimmung ging 9 zu 3, und alle drei Dissenter, Hammack aus Cleveland, Kashkari aus Minneapolis und Logan aus Dallas, wollten nicht etwa halten oder senken, sondern um 25 Basispunkte erhöhen. Drei stimmberechtigte Mitglieder wollten die Zinsen also aktiv anziehen. Das gab es in diesem Zyklus noch nie.
Jetzt schau auf die FedWatch-Tabelle für den 16. September. Der Markt preist mit 67 Prozent eine Zielspanne von 375 bis 400 Basispunkten ein, also eine Erhöhung um einen Viertelpunkt. 33 Prozent stehen auf unverändert. Und der Wert für eine Senkung ist null. Nicht klein, sondern null. Das ist der eigentliche Regimewechsel, und die meisten haben ihn noch nicht verinnerlicht. Vor ein paar Monaten haben dieselben Leute noch über den Zeitpunkt der ersten Senkung diskutiert. Heute liegt die Wahrscheinlichkeit einer Senkung bei exakt null, und die einzige offene Frage ist, ob im September gehalten oder erhöht wird.
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