Warten auf Warsh
Bitcoin hat eine ruhige Nacht hinter sich und steht bei rund 83'860 Dollar. Der wichtigste Treiber dieser Woche sitzt am US-Anleihemarkt. Die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen liegt nahe dem höchsten Stand seit 2002, und die Inflationsdaten sowie Fed-Chef Kevin Warsh dürften bestimmen, wohin sie als Nächstes geht.
In 5 Minuten durch
Bitcoin bewegte sich über Nacht zwischen 83'200 und 83'938 Dollar und stand am Morgen bei rund 83'860 Dollar, ohne nennenswerten Aufbau neuer Hebelwetten. Die zehnjährige US-Rendite schloss am 5. Oktober bei 5,31 Prozent, dem höchsten Wert seit Mai 2002, zuletzt lag sie bei 5,22 Prozent. Der Realzins von 2,87 Prozent macht das Halten zinsloser Anlagen wie Bitcoin teurer. Heute ruht der US-Anleihemarkt, im Lauf der Woche folgen die Inflationsdaten und Auftritte von Fed-Chef Warsh. Der Aufschlag französischer gegenüber deutschen Anleihen erreichte Anfang Oktober rund 1,5 Prozentpunkte und ist seither leicht gesunken. Die nächste Difficulty-Anpassung um den 16. Oktober dürfte nach heutiger Schätzung rund 5 Prozent betragen. Chinas Zentralbank kaufte im September 23 Tonnen Gold, während der Goldpreis um über 8 Prozent fiel.
Guten Morgen. Die Nacht war für Bitcoin ruhig, und auch der Tag beginnt leise, weil der US-Anleihemarkt wegen des Columbus Day geschlossen bleibt. Hier ist, was hinter den hohen Zinsen steckt, was die steigende Mining-Schwierigkeit bedeutet und was Chinas Goldkäufe über das Bild vom digitalen Gold sagen.
Bitcoin über Nacht
Eine Nacht ohne neue Wetten
Bitcoin bewegte sich zwischen Sonntagabend 21 Uhr und Montagfrüh 4:30 Uhr in einer engen Spanne von 83'200 bis 83'938 Dollar. Am Ende stand er bei 83'843 Dollar, rund 0,3 Prozent höher als am Abend. Gegen 6:40 Uhr notierte er bei rund 83'860 Dollar.
Auch am Terminmarkt blieb es still. Die offenen Positionen in Bitcoin-Futures stiegen nur um 0,27 Prozent. Die Finanzierungsrate, über die sich Käufer und Verkäufer dieser Kontrakte gegenseitig bezahlen, war leicht negativ. Wer auf fallende Kurse setzt, zahlt also minimal drauf. Neue Hebelwetten hat der Markt über Nacht kaum aufgebaut.
Zinsen
Die Rendite steht so hoch wie seit 2002 nicht mehr
Die zehnjährige US-Staatsanleihe rentierte am 5. Oktober zum Handelsschluss 5,31 Prozent. Das war der höchste Schlusswert seit Mai 2002. Seither ist die Rendite etwas gesunken, am 8. Oktober lag sie bei 5,22 Prozent. Auch dieses Niveau hatte sie davor zuletzt im Juni 2007 erreicht.
Auffällig ist auch das Tempo. Am 21. September lag die Rendite noch knapp unter 5 Prozent. Den Sprung auf über 5,2 Prozent schaffte sie in rund zwei Wochen.
Für Bitcoin zählt vor allem der Teil der Rendite, der nach der Inflation übrig bleibt. Diesen sogenannten Realzins zeigen inflationsgeschützte Staatsanleihen, und er lag am 8. Oktober bei 2,87 Prozent. Wer dem amerikanischen Staat für zehn Jahre Geld leiht, bekommt also fast 3 Prozent pro Jahr über der Inflation. Bitcoin und Gold zahlen keinen Zins, und je mehr die sichere Alternative abwirft, desto teurer wird es, sie zu halten.
Hohe Zinsen verknappen zudem das Geld, das Anleger in riskantere Anlagen stecken. Seit 2022 reagiert Bitcoin messbar auf solche Zins- und Liquiditätsschocks. Ein fester Mechanismus ist das allerdings nicht, der Zusammenhang schwankt von Phase zu Phase stark.
Heute kommt vom Anleihemarkt kein neues Signal. In den USA ist Columbus Day, die Anleihemärkte bleiben geschlossen, die Aktienbörsen handeln normal.
Europa
Frankreich zahlt mehr als Italien
Frankreich muss Anlegern für zehnjährige Staatsanleihen deutlich mehr bieten als Deutschland. Anfang Oktober wuchs dieser Aufschlag auf rund 1,5 Prozentpunkte, so viel wie seit der Euro-Schuldenkrise nicht mehr. Im Februar waren es erst rund 0,55 Prozentpunkte. Inzwischen zahlt Paris mehr als Italien und Griechenland.
Dahinter stehen ein Defizit von über 5 Prozent der Wirtschaftsleistung, Schulden von rund 119 Prozent und die Unsicherheit vor der Präsidentschaftswahl 2027. Bis zum 9. Oktober ging der Aufschlag auf rund 1,3 Prozentpunkte zurück. Die Europäische Zentralbank kann gegen ungeordnete Ausschläge eingreifen, knüpft das aber an Haushaltsdisziplin.
Für Bitcoin ist das vorerst ein Risiko im Hintergrund. Einen direkten Weg zum Kurs gibt es nicht. Stress an Europas Anleihemärkten würde eher indirekt über die allgemeine Risikostimmung und den Euro wirken.
Mining
Das Netzwerk rechnet schneller
Etwa alle zwei Wochen passt das Bitcoin-Netzwerk die sogenannte Difficulty an. Sie legt fest, wie schwer es für Miner ist, einen neuen Block zu finden, und sorgt dafür, dass im Schnitt alle zehn Minuten einer entsteht. Kommt mehr Rechenleistung ins Netz, werden Blöcke schneller gefunden, und die Difficulty steigt bei der nächsten Anpassung.
Derzeit entsteht im Schnitt alle 9,5 Minuten ein Block. Die nächste Anpassung ist um den 16. Oktober fällig, und nach heutigem Stand dürfte die Difficulty dann um rund 5 Prozent steigen. Bis dahin fehlen noch rund 670 Blöcke, deshalb schwankt die Schätzung noch. In der Nacht lag sie bei 4,9 Prozent, am Morgen bei 5,3 Prozent.
Ungewöhnlich wäre ein solcher Schritt nicht. Von den 26 Anpassungen der letzten zwölf Monate waren drei gleich gross oder grösser, die stärkste lag bei 14,7 Prozent.
Die höhere Difficulty ist eine Folge der gestiegenen Rechenleistung, kein Preistreiber. Sie zeigt, dass die Miner weiter investieren, und gleichzeitig verdient jede Maschine weniger Bitcoin. Schwächere Miner könnten deshalb einen Teil ihrer Reserven verkaufen. Beim derzeit stabilen Kurs um 84'000 Dollar ist das ein mögliches Risiko, kein absehbarer Verkaufsdruck.
Gold
China kauft in den Preisrückgang
Die chinesische Zentralbank hat im September rund 23 Tonnen Gold gekauft. Es war ihr 23. Kaufmonat in Folge und der grösste Monatskauf seit Herbst 2023. Ihr Bestand stieg auf rund 2'410 Tonnen.
Gekauft hat sie in einen fallenden Markt. Der Goldpreis gab im September um mehr als 8 Prozent auf rund 4'176 Dollar je Unze nach, im Januar hatte er noch über 5'500 Dollar gestanden. Obwohl die Zentralbank mehr Gold besitzt, sank der Dollarwert ihrer Goldreserven deshalb von 350 auf 324 Milliarden Dollar.
Daraus wird gern ein Argument für Bitcoin gemacht: Wenn Zentralbanken Alternativen zum Dollar suchen, profitiere auch das digitale Gold. Das ist eine Erzählung, kein Mechanismus. China verbietet den Kryptohandel, und die Käufe der Notenbank landen in Goldbarren. Der September zeigt zudem, dass selbst Gold fallen kann, während Peking kräftig zukauft.
Worauf es diese Woche ankommt
Über Nacht ist für Bitcoin wenig passiert. Von den vier Themen hat nur eines einen direkten Weg zum Kurs, die hohen US-Zinsen. Frankreich bleibt ein Risiko im Hintergrund, die Difficulty zeigt ein wachsendes Netzwerk, und Chinas Goldkäufe sagen mehr über Gold als über Bitcoin.
Heute ruht der US-Anleihemarkt. Im Lauf der Woche folgen die Inflationsdaten für September und Auftritte von Fed-Chef Kevin Warsh, der sich seit dem Sommer wiederholt besorgt über die Inflation geäussert hat. Im Spätsommer rechnete der Markt zeitweise sogar mit einer Zinserhöhung.
Fallen die Inflationsdaten hoch aus oder bleibt Warsh bei seinem harten Ton, dürfte die Rendite wieder Richtung 5,31 Prozent steigen, und das würde Bitcoin eher belasten. Kommen die Zahlen tiefer herein, nimmt das etwas Druck von den Zinsen und damit auch von Bitcoin.
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