Der Deckel
Bitcoin hat eine ruhige Nacht hinter sich und steht bei rund 81'800 Dollar. Die Themen des Morgens sind der Yen kurz vor der Schmerzgrenze Japans, die kleinste US-Ölreserve seit 1982 und eine Debatte über einen Zinsdeckel in den USA.
In 5 Minuten durch
Bitcoin pendelte über Nacht zwischen rund 81'100 und 82'170 Dollar und stand heute früh bei rund 81'800 Dollar, bei dünnem Handel und ruhigem Terminmarkt. Das US-Finanzministerium kauft seit September bis zu 6 Milliarden Dollar lange Anleihen je Operation zurück, die Nachfrage ist hoch, das Programm läuft bis zum 4. November. Mohamed El-Erian sieht darin eine mögliche Richtung zur Zinskurvensteuerung, zusätzliches Geld entsteht durch die Rückkäufe aber nicht. Die strategische Ölreserve der USA ist mit rund 283 Millionen Barrel so klein wie seit 1982 nicht mehr, Brent steht bei rund 110 Dollar. Der Dollar hält sich über 158 Yen, 159 wurde nicht erreicht. Für Bitcoin ist der Yen heute das wichtigste Thema.
Guten Morgen. Bitcoin hat die Nacht fast genau dort beendet, wo er sie begonnen hat. Die drei Themen des Morgens wirken nur über Umwege auf Bitcoin, und einer dieser Umwege ist heute deutlich kürzer als die anderen.
Bitcoin
Eine Nacht ohne Richtung
Bitcoin pendelte über Nacht zwischen rund 81'100 und 82'170 Dollar. Heute um 5.25 Uhr stand der Kurs bei rund 81'800 Dollar und damit praktisch auf dem Niveau vom Vorabend. Das Tief war nur ein kurzer Ausschlag kurz nach 3 Uhr.
Der Handel war dünn. An der Börse Kraken wechselten in acht Stunden nur rund 350 Bitcoin den Besitzer. Keines der Themen dieses Morgens hat den Kurs über Nacht messbar bewegt.
Auch am Terminmarkt blieb es still. Der Bestand offener Futures auf Binance sank leicht um 0,4 Prozent. Die Funding Rate, also die Gebühr zwischen Käufern und Verkäufern unbefristeter Futures, lag mit 0,0091 Prozent leicht im Plus. Das ist der Normalfall und kein Zeichen von Überhitzung.
Anleihen
Rückkäufe am Limit
Das US-Finanzministerium kauft seit September deutlich mehr lange Staatsanleihen zurück als im Sommer. Bei Anleihen mit 10 bis 30 Jahren Restlaufzeit liegt das Maximum je Operation bei 6 Milliarden Dollar, im August waren es noch 2 Milliarden. Die Rückkäufe sollen den Handel mit älteren Anleihen erleichtern, die nur schwer einen Käufer finden.
Die Händler nutzen das Angebot rege. Bei allen drei Operationen im Oktober nahm das Ministerium das volle Maximum ab. Am 15. Oktober boten die Händler Anleihen für 40,8 Milliarden Dollar an, fast siebenmal so viel, wie gekauft wurde. In dieser Grösse läuft das Programm bis zum 4. November, wenn das Ministerium seine nächste Quartalsplanung vorlegt.
Um diese Rückkäufe dreht sich eine Debatte, die der Ökonom Mohamed El-Erian schon bei der Ankündigung im August angestossen hat. Er schrieb, der Rückkauf selbst sei klein. Wichtiger sei die Möglichkeit eines breiteren Einsatzes von Yield Curve Control. Gemeint ist eine Zinskurvensteuerung: Eine Zentralbank legt eine Zielrendite fest und kauft so viele Anleihen, wie nötig sind, um diesen Deckel zu halten.
Das ist eine Einschätzung, keine Ankündigung, und das Ministerium selbst spricht nicht von Zinssteuerung. Der Unterschied ist wichtig. Eine echte Zinskurvensteuerung kann nur die Fed betreiben, mit neu geschaffenem Geld. Das Finanzministerium bezahlt seine Rückkäufe mit neuen Anleihen und tauscht damit alte Papiere gegen neue. Für Bitcoin bleibt es vorerst eine Debatte über Erwartungen, kein zusätzliches Geld im System.
Öl
Ein kleinerer Puffer
Die strategische Ölreserve der USA, ein staatliches Notlager für Rohöl, hielt in der Woche bis zum 9. Oktober rund 283 Millionen Barrel. Das ist der tiefste Stand seit Oktober 1982, als das Lager noch im Aufbau war. Seit Anfang März ist der Bestand um fast ein Drittel geschrumpft, in den letzten Wochen allerdings nur noch langsam.
Ein kleines Lager allein bewegt den Ölpreis nicht. Es zählt im Moment eines Angebotsschocks, weil die Regierung dann Öl aus der Reserve auf den Markt geben kann. Je kleiner dieser Puffer ist, desto stärker schlägt ein solcher Schock auf den Preis durch.
Der Preis ist ohnehin schon hoch. Brent, die wichtigste Ölsorte für Europa, stieg über Nacht leicht und kostete heute früh rund 110 Dollar je Barrel. Für Bitcoin führt der Weg über die Inflation: Teures Öl hält die Teuerung hoch, das erschwert der Fed Zinssenkungen, und knappes Geld belastet riskante Anlagen. Der Weg ist plausibel, hat aber viele Glieder.
Yen
Kurz vor der Schmerzgrenze
Ein Dollar kostet seit gestern mehr als 158 Yen. Am Montagmorgen lag der Kurs noch bei rund 157,70, der Sprung kam im Laufe des Tages. Über Nacht lief er seitwärts, heute früh stand er bei 158,37. Die Marke von 159 hat er nicht erreicht.
Als wichtigster Grund für die Yen-Schwäche gilt der hohe Ölpreis. Japan importiert fast seine gesamte Energie. Teures Öl bedeutet deshalb, dass das Land mehr Yen gegen Dollar tauschen muss, um seine Rechnungen zu bezahlen.
Wo Tokio den Deckel ungefähr sieht, hat dieses Jahr gezeigt. Ende April griff Japan am Devisenmarkt ein, um den Yen zu stützen, nach Geldmarktdaten mit rund 35 Milliarden Dollar. Anfang Juni erreichte der Dollar trotzdem noch einmal 160 Yen. Eine offizielle Schwelle gibt es nicht, die Schmerzgrenze liegt erfahrungsgemäss zwischen 158 und 160. Über Nacht kamen aus Tokio keine neuen Warnungen.
Für Bitcoin ist das von den drei Themen der kürzeste Weg. Viele Anleger leihen sich billige Yen und kaufen damit riskantere Anlagen, sogenannte Carry-Trades. Ein Eingriff aus Tokio oder eine schnelle Erholung des Yen macht die Rückzahlung dieser Kredite teurer und kann Verkäufe auslösen. Das hat auch Bitcoin schon belastet. Im Moment ist es ein Risiko und noch kein Ereignis.
Was heute zählt
Für Bitcoin hat die Nacht wenig verändert. Der Kurs steht bei rund 81'800 Dollar, und am Terminmarkt baut sich kein Druck auf.
Am meisten Aufmerksamkeit verdient heute der Yen. Zu beobachten ist, ob der Dollar Richtung 159 und 160 Yen steigt und ob Tokio mit Worten oder am Markt reagiert. Beim Öl zählt, ob sich Brent über 110 Dollar hält. Am Mittwoch folgt die nächste Wochenzahl zur Ölreserve. Für die Anleiherückkäufe ist der nächste feste Termin der 4. November.
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