Vor Montag
Bitcoin hat sich über Nacht kaum bewegt. Bei den Minern zeichnet sich für Mitte Oktober eine Senkung der Mining-Schwierigkeit ab, und bei Riad hat es nach einem Angriff der Huthis an einer Ölanlage gebrannt.
Guten Morgen. Die Nacht war ruhig: Bitcoin ging von 84'931 auf 84'809 Dollar zurück, ein Minus von 0,14 Prozent, und auch am Terminmarkt blieb die Stimmung neutral. Drei Themen verdienen trotzdem Aufmerksamkeit, und eines davon zeigt seine Wirkung frühestens in der Nacht auf Montag.
Mining
Die Schwierigkeit dürfte sinken
Die Mining-Difficulty ist der Regler, mit dem Bitcoin seinen Takt hält. Alle 2'016 Blöcke, also etwa alle zwei Wochen, legt das Netzwerk neu fest, wie schwer es ist, einen Block zu finden. Kommen die Blöcke zu langsam, sinkt die Schwierigkeit, kommen sie zu schnell, steigt sie. So entsteht im Schnitt alle zehn Minuten ein neuer Block.
Für die nächste Anpassung, voraussichtlich um den 18. Oktober, zeichnet sich ein Rückgang von 6,29 Prozent ab. Die Blöcke der neuen Periode kamen bisher etwas langsamer als vorgesehen. Die letzte Anpassung am 3. Oktober war mit minus 0,03 Prozent praktisch eine Nullrunde.
Die Schätzung steht allerdings auf einer dünnen Basis. Von den 2'016 Blöcken der Periode sind erst rund 110 gefunden. So früh genügen ein paar langsame Blöcke, um die Prognose stark zu bewegen, und bis zum 18. Oktober kann sie deutlich kleiner werden oder ganz verschwinden.
Käme die Senkung in dieser Grösse, wäre sie trotzdem kein Ausreisser. Allein in diesem Jahr ging die Schwierigkeit schon dreimal stärker zurück, zuletzt im Juni um 10,09 Prozent. Es wäre also der grösste Rückgang seit Juni.
Für Bitcoin zählt der Weg über die Miner. Sinkt die Hashrate, also die gesamte Rechenleistung im Netz, kann das auf Miner unter Druck hindeuten, die ihre Bestände verkaufen müssen. Dafür gibt es bisher kein Zeichen, denn im Sieben-Tage-Mittel liegt die geschätzte Hashrate höher als vor zwei Wochen. Kommt die Senkung, entlastet sie zudem die verbleibenden Miner, weil jeder Block dann weniger Rechenaufwand kostet.
Öl
Ein Brand bei Riad
Die Huthi-Miliz aus Jemen erklärte am Samstag, sie habe eine Ölanlage des saudischen Konzerns Aramco in Riad mit ballistischen Raketen und Drohnen angegriffen. Bilder zeigen Rauch und Flammen an einer Aramco-Anlage südlich der Hauptstadt. Die saudisch geführte Koalition nannte die Darstellung der Huthis irreführend. Eine Schadensmeldung gibt es bisher nicht, und wie stark Förderung oder Raffinierung betroffen sind, ist offen.
Der Ölmarkt konnte noch nicht reagieren, weil der Angriff auf das Wochenende fiel. Die Terminmärkte öffnen erst am Sonntagabend amerikanischer Zeit wieder. Der Ölpreis steht schon auf einem hohen Niveau: Ein Fass Brent kostete Ende September je nach Tag zwischen rund 114 und 121 Dollar.
Zu Bitcoin führt nur ein indirekter Weg. Ein höherer Ölpreis kann die Inflationserwartungen anheben, und dann wird es für die Fed schwieriger, die Zinsen zu senken. Über knappere Liquidität kann das auch Bitcoin belasten. Ob diese Kette in Gang kommt, zeigt sich frühestens mit der Eröffnung in der Nacht auf Montag.
Japan
Abschied von Abenomics
Japans Wirtschaftsminister Minoru Kiuchi sagte Ende der Woche, sein Land sei nicht mehr in einer deflationären Phase und brauche deshalb keine übermässig lockere Geldpolitik mehr. Die Zeit, in der eine Politik wie unter «Abenomics» nötig war, liege hinter Japan. Ob die Regierung weitere Zinserhöhungen unterstützt, liess er offen, denn die Geldpolitik sei Sache der Notenbank.
Die Inflationsdaten stützen seine Sicht. In Tokio stieg die Kerninflation ohne frische Lebensmittel im September auf 2,7 Prozent, nach 1,8 Prozent im August. Die Bank of Japan hat den Leitzins im September auf 1,25 Prozent angehoben. Den nächsten Schritt erwartet der Markt eher im Dezember als an der Sitzung vom 29. und 30. Oktober.
Für Bitcoin wird Japan über den Yen wichtig. Viele Investoren leihen sich günstig Yen und legen das Geld in Anlagen mit höherer Rendite an, im sogenannten Carry-Trade. Steigt der Yen abrupt, müssen solche Positionen aufgelöst werden, und im August 2024 geriet dabei auch Bitcoin unter Druck. Davon ist im Moment nichts zu sehen, denn ein Dollar kostet knapp 158 Yen, und der Yen bleibt trotz der Zinserhöhungen schwach.
Worauf es heute ankommt
Heute ist Sonntag, und Bitcoin handelt in einem dünnen Markt ohne klaren Anstoss. Das erste echte Signal kommt mit der Öffnung der Ölmärkte am Abend amerikanischer Zeit. Dann zeigt sich, ob der Brand bei Riad den ohnehin hohen Ölpreis weiter nach oben treibt.
Bei den Minern bleibt die Senkung bis zum 18. Oktober eine Schätzung, die mit jedem Block verlässlicher wird. Solange die Hashrate nicht einbricht, spricht wenig für Druck durch Verkäufe der Miner. Japan rückt Ende Oktober wieder in den Vordergrund, wenn die Notenbank tagt und der Yen zeigt, ob er auf eine schnellere Straffung reagiert.
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