Ein Fonds trägt
Bitcoin hat eine ruhige Nacht hinter sich und steht bei rund 82'650 Dollar. Die US-Bitcoin-ETFs hatten ihren stärksten Tag seit einem Monat. Dazu kommen JPMorgan und die FINMA mit zwei Premieren.
In 5 Minuten durch
Bitcoin stieg über Nacht um 0,25 Prozent auf rund 82'650 Dollar, bei dünnem Handel und ohne Hebeldruck am Terminmarkt. Die US-Spot-Bitcoin-ETFs zogen am Montag netto 527 Millionen Dollar an, fast alles über BlackRocks IBIT. Die FINMA hat den ersten Schweizer Bitcoin-Fonds für Privatanleger bewilligt. JPMorgan erwartet für Bitcoin 10 Prozent pro Jahr, rechnet aber mit 55 Prozent Volatilität. Die Difficulty stieg zuletzt um 5,92 Prozent. Die zehnjährige US-Rendite liegt mit 5,12 Prozent weiter über 5 Prozent, der Yen bleibt ruhig um 158 je Dollar. Heute um 8 Uhr kommt die britische Inflation.
Guten Morgen. Über Nacht hat sich am Bitcoin-Kurs wenig getan, die Nachrichten rundherum wiegen schwerer. Die meisten betreffen die Nachfrage nach Bitcoin, auf der anderen Seite stehen die hohen Zinsen in den USA.
Bitcoin
Eine ruhige Nacht
Bitcoin stieg über Nacht leicht um 0,25 Prozent auf rund 82'650 Dollar. Das Hoch von 83'129 Dollar erreichte der Kurs zwischen 2 und 4 Uhr, danach gab er etwas nach. Die ganze Spanne der Nacht betrug nur rund 1 Prozent.
Gehandelt wurde wenig, an der Börse Kraken wechselten in acht Stunden nur rund 470 Bitcoin den Besitzer. Die Funding Rate, also die Gebühr zwischen Käufern und Verkäufern unbefristeter Futures, lag mit 0,0051 Prozent nahe null. Von zu viel Hebel ist nichts zu sehen.
ETFs
Ein Fonds trägt den Tag
Die US-Spot-Bitcoin-ETFs, börsengehandelte Fonds mit echten Bitcoin im Bestand, zogen am Montag netto 527 Millionen Dollar an. Das war der stärkste Tag seit dem 22. September. Für Bitcoin ist das direkte Nachfrage, denn die Fonds kaufen für neues Geld Bitcoin am Kassamarkt.
Getragen hat den Tag fast allein BlackRocks IBIT mit 665 Millionen Dollar. Er war der einzige Fonds mit Zufluss, die übrigen lagen zusammen 138,5 Millionen Dollar im Minus. Der Oktober bleibt damit leicht negativ, das Minus ist aber von rund 615 auf 88 Millionen Dollar geschrumpft.
Für Dienstag steht die Zahl von IBIT noch aus. Die übrigen Fonds meldeten zusammen minus 6,7 Millionen Dollar, der Tag hängt also wieder an BlackRock.
Schweiz
Bitcoin im Anlagefonds
Die FINMA hat gestern den ersten Schweizer Fonds bewilligt, der direkt in Bitcoin investiert und auch Privatanlegern offensteht. Dafür macht die Aufsicht eine Ausnahme von der Regel, dass ein Fonds sein Geld auf viele Anlagen verteilen muss. Sie betont aber, dass Bitcoin auch im Fonds eine hoch riskante Anlage bleibt.
Neu ist vor allem die Form. Bitcoin-Produkte sind an der Schweizer Börse schon länger handelbar, rechtlich aber als strukturierte Produkte. Der neue ETF ist ein Anlagefonds, seine Bitcoin liegen in der Regel bei einer Schweizer Depotbank und sind bei einer Pleite geschützt. Anbieter und Startdatum sind noch nicht bekannt.
Für Bitcoin entsteht damit ein neuer, aber kleiner Weg für Nachfrage, denn der Schweizer Markt ist neben den US-Fonds klein. Weitere Anbieter haben bereits Gesuche eingereicht.
JPMorgan
Zehn Prozent mit grosser Spanne
J.P. Morgan Asset Management nennt in seinen langfristigen Renditeannahmen erstmals eine Zahl für Bitcoin. Die Bank erwartet 10 Prozent pro Jahr über die nächsten 10 bis 15 Jahre, mehr als für grosse US-Aktien mit 7,5 Prozent und Gold mit 5,5 Prozent.
Der Haken steckt in der Schwankung. JPMorgan rechnet für Bitcoin mit einer Volatilität von 55 Prozent, mehr als dreimal so viel wie bei Gold. Im Durchschnitt eines einzelnen Jahres setzt die Bank sogar 20,9 Prozent an, über die Zeit bleiben wegen der starken Ausschläge aber nur 10 Prozent übrig.
In die Hauptmodelle nimmt JPMorgan Bitcoin deshalb noch nicht auf. Direkte Nachfrage entsteht daraus nicht, für grosse Vermögensverwalter ist es trotzdem ein Signal.
Mining
Mehr Rechenleistung im Netz
Die Difficulty, also die Schwierigkeit, einen neuen Bitcoin-Block zu finden, stieg bei der letzten Anpassung am 16. Oktober um 5,92 Prozent. Es war der grösste Schritt seit Ende Juli. Für die nächste Anpassung um den 29. Oktober liegt die laufende Schätzung bei einem weiteren Plus von rund 4,8 Prozent.
Die Difficulty folgt der Rechenleistung im Netz mit etwas Verzögerung. Steigt sie bei kaum verändertem Kurs, kostet jeder geschürfte Bitcoin mehr, und die Margen der Miner werden dünner. Das wirkt über die Angebotsseite auf Bitcoin, ein Kurstreiber für heute ist es nicht.
Anleihen
Über fünf Prozent
Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen stieg am Montag von 5,09 auf 5,15 Prozent und schloss gestern bei 5,12 Prozent. Der Anstieg folgte auf zwei Wochen mit fallenden Renditen, unter 5 Prozent fiel sie im ganzen Oktober nicht.
Für Bitcoin bleibt das eine Belastung. Bei über 5 Prozent bringt eine fast risikofreie Anlage viel Ertrag, das hebt die Messlatte für schwankende Anlagen wie Bitcoin. Hohe Zinsen verteuern ausserdem Kredite und damit Positionen mit Hebel. Trotzdem flossen am Montag 527 Millionen Dollar in die Bitcoin-ETFs.
Japan
Der Yen bleibt ruhig
In Japan rechnen Volkswirte mit weiteren Zinsschritten. Im Juni hatte die Bank of Japan ihren Leitzins auf 1,0 Prozent angehoben. Schon im Sommer erwartete eine Mehrheit der von Reuters befragten Ökonomen bis Ende März 2027 mindestens 1,5 Prozent.
Für Bitcoin führt der Weg über den sogenannten Carry-Trade. Viele Anleger leihen sich günstig Yen und kaufen damit Anlagen mit mehr Ertrag. Steigen die japanischen Zinsen, werden diese Kredite teurer, und ein schneller Abbau kann weltweit Liquidität abziehen, wie im August 2024.
Davon ist im Moment nichts zu sehen. Der Dollar kostete gestern 158,13 Yen und pendelt seit Tagen zwischen 158 und 158,6. Japan ist für Bitcoin ein Risiko für später und kein Treiber der Nacht.
Heute im Blick
Um 8 Uhr erscheint die britische Inflation für September. Erwartet werden 3,4 Prozent, zuletzt waren es 3,1 Prozent. Eine höhere Teuerung stützt die hohen Zinsen in Europa, auf Bitcoin wirkt sie meist nur wenig.
Für Bitcoin selbst zählt heute vor allem die noch fehlende ETF-Zahl von IBIT für Dienstag. Sie zeigt, ob hinter dem starken Montag mehr steckt als ein einzelner Tag von BlackRock.
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