Bitcoin wird stärker. Der Gegenwind auch.
Jede Woche ordne ich die wichtigsten On-Chain-Daten, Makro-Signale und Marktstrukturen ein, damit du siehst, was wirklich passiert und nicht nur, was der Preis gerade macht.
Diese Woche liegt ein ungewöhnliches Bild vor mir. Bitcoin erholt sich, steht wieder bei rund 84'000 Dollar, und die On-Chain-Daten drehen an mehreren Stellen gleichzeitig ins Positive. Gleichzeitig steigen die langfristigen Zinsen an den Anleihemärkten auf Niveaus, die wir seit fast zwei Jahrzehnten nicht mehr gesehen haben. Normalerweise ist das kein Umfeld, in dem Risikoanlagen einfach durchstarten. Genau diese Spannung schauen wir uns heute an.
Ich nehme dich durch die Nachfrageseite, durch das Verhalten der grossen Halter, durch ein Regime-Modell, das gerade gedreht hat, und durch den Makro-Gegenpol, der die ganze Zeit im Hintergrund arbeitet. Am Ende sage ich dir, wie sich mein Bild dadurch verändert und worauf ich in den nächsten Tagen wirklich schaue.
Wenn du die konkrete Umsetzung willst, also meine Einstiegszonen, die genauen Level und wie ich mich Schritt für Schritt positioniere, dann findest du das im The Sanctis Letter. Das ist mein privater Marktbrief, zwei bis drei Mal pro Woche, mit den Szenarien und der Mechanik dahinter. Hier im gratis Update geht es um das grosse Bild, im Letter um den Plan. Schauen wir uns das grosse Bild an.
Marktlage · Das ungewöhnliche Bild
Bitcoin erholt sich in ein Zinsumfeld hinein, das eigentlich Gegenwind bedeutet
Fangen wir mit dem Widerspruch an, der diese Woche prägt. Bitcoin steht am 27. September bei rund 84'000 Dollar und hat sich damit deutlich von den tieferen Niveaus der letzten Wochen gelöst. An sich ein Zeichen zurückkehrender Nachfrage. Nur passiert diese Erholung, während die Renditen für sichere Staatsanleihen so hoch sind wie seit Jahren nicht.
Diese Grafik ordnet die Renditelandschaft. Sie zeigt, was die einzelnen Anlageklassen aktuell abwerfen. Geldmarktfonds rund 3,6 Prozent, zehnjährige US-Staatsanleihen gut 5 Prozent, dreissigjährige darüber, dazu Unternehmensanleihen guter Bonität bei rund 5,7 Prozent und höher verzinste Papiere darüber. Das ist wichtig, weil es der Massstab ist, an dem Bitcoin gemessen wird. Wenn eine als sicher geltende Staatsanleihe über 5 Prozent zahlt, muss eine Risikoanlage einen Grund liefern, warum man trotzdem das Risiko eingeht.
Ich lese daraus keine Entwarnung und keine Panik. Ich lese daraus, dass die Nachfrage nach Bitcoin gerade stark genug ist, um sich gegen einen echten Gegenwind zu behaupten. Das ist die eigentliche Nachricht dieser Woche, und die restlichen Charts erklären, woher diese Nachfrage kommt und wie stabil sie ist.
Die Nachfrage nach Bitcoin ist gerade stark genug, um sich gegen einen echten Gegenwind zu behaupten.
On-Chain · Nachfrage
Zwei verschiedene Indikatoren zeigen dieselbe Richtung
Wo wird diese Nachfrage sichtbar? An zwei Stellen, die unterschiedliche Dinge messen und trotzdem in dieselbe Richtung zeigen. Das erste ist der wöchentliche Netto-Zufluss in die US-Spot-ETFs. Er zeigt, ob über die börsengehandelten Bitcoin-Produkte per Saldo Geld hinein oder hinaus fliesst. Nach mehreren durchwachsenen Monaten ist dieser Wert wieder klar positiv, es war die stärkste Zuflusswoche seit dem Tief im April 2025. Eine konkrete Bitcoin-Stückzahl nenne ich hier bewusst nicht, weil die Achse des Charts dafür nicht eindeutig genug ist und ich lieber die Richtung sauber benenne als eine Zahl, die ich nicht belegen kann.
Das zweite ist die Realized Cap, genauer ihre Netto-Positionsveränderung. Die Realized Cap bewertet jeden Bitcoin zu dem Preis, zu dem er sich zuletzt bewegt hat, und nicht zum heutigen Marktpreis. Steigt sie, heisst das, dass sich Coins zu höheren Preisen bewegen und die durchschnittliche Kostenbasis des Marktes nach oben wandert. Seit dem 24. August ist dieser Wert um rund 15 Milliarden Dollar gestiegen, der Zufluss-Indikator erreichte 1,27 Prozent, den höchsten Stand seit November 2025. Wichtig zum Verständnis: Diese 15 Milliarden bedeuten nicht, dass exakt 15 Milliarden frisches Geld auf Börsen eingezahlt wurden. Die Kennzahl misst die Verschiebung der aggregierten Kostenbasis, nicht Einzahlungen.
Beide Indikatoren zusammen sagen mir dasselbe. Es kommt wieder Kapital in Bitcoin, über die ETFs und on-chain. Die Grössenordnung entspricht dabei einer frühen Phase der Erholung, nicht einem überhitzten Zufluss. Das ist genau die Art von Signal, die ich in dieser Marktphase sehen will, gesund und noch nicht euphorisch.
Es kommt wieder Kapital in Bitcoin, und die Grössenordnung entspricht einer frühen Erholung, nicht einem Zufluss aus Euphorie.
On-Chain · Langfristige Halter
Die grossen Halter drücken gerade nicht auf den Markt
Jetzt zur Angebotsseite. Der spannendste Punkt ist, was die langfristigen Halter tun, also die Adressen, die ihre Coins seit langer Zeit nicht bewegt haben. Wenn diese Gruppe ihre Bitcoin auf Börsen schickt, ist das oft die Vorstufe zu Verkäufen und erhöht den Verkaufsdruck. Genau diese Zuflüsse zu den Börsen zeigt dieser Chart.
Man sieht klar, dass die Aktivität dieser Gruppe rund um das Hoch im März 2024 extrem war, die Zuflüsse lagen damals um mehr als das Fünffache über dem Jahresdurchschnitt. Der Jahresdurchschnitt selbst ist über die Zeit von rund 600 auf etwa 1'000 Bitcoin gestiegen, die täglich auf Börsen geschickt werden. Auch in der Schwächephase des Marktes war diese Gruppe aktiv und hat den Druck verstärkt. Zuletzt beruhigt sich das Bild aber spürbar, die Aktivität liegt wieder unter dem Jahresdurchschnitt.
Ich lese daraus, dass der unmittelbare Verkaufsdruck aus dieser wichtigen Gruppe gerade abnimmt. Das passt zur zurückkehrenden Nachfrage aus dem letzten Abschnitt. Eine Einschränkung bleibt aber wichtig: Ein Transfer auf eine Börse ist noch kein bestätigter Verkauf. Coins können auch aus anderen Gründen bewegt werden. Die Richtung ist trotzdem klar und sie stützt das freundlichere Bild.
Der unmittelbare Verkaufsdruck aus der wichtigsten Haltergruppe nimmt gerade ab.
On-Chain · Regime
Ein Trendmodell ist am 20. September in die Bull-Phase gedreht
Damit zum Modell, das diese Woche am meisten Aufmerksamkeit bekommt. Es nennt sich Adjusted MVRV im Verhältnis seines eigenen kurz- und langfristigen Durchschnitts. Vereinfacht misst MVRV, wie weit der Marktpreis über oder unter der durchschnittlichen Kostenbasis aller Coins liegt. Dieses Modell nutzt das, um den Markt in Phasen einzuteilen, von früher Erholung bis heisser Bull-Markt.
Der Ablauf war so. Am 20. August hat das Modell die frühe Erholungsphase ausgelöst, Bitcoin stand da bei rund 71'255 Dollar, und in den folgenden 31 Tagen legte der Preis rund 13 Prozent zu. Am 20. September brach das Verhältnis dann über die 1,0-Basislinie, was das Modell als Übergang in die eigentliche Bull-Phase liest, damals bei rund 80'691 Dollar. Aktuell steht das Verhältnis bei 1,018, bei einem Bitcoin-Preis um 84'000 Dollar. Solange es über 1,0 hält, gilt die Struktur in diesem Modell als bullisch.
Zur Einordnung, und hier ist Vorsicht angebracht. Seit 2012 ist das erst der sechste Übergang von der Erholungs- in die Bull-Phase. In vier der vorherigen fünf Fälle endete die Bull-Phase über dem Einstiegspreis. Die Ausnahme war der August 2015, als die Phase nach 16 Tagen kurz zurückfiel, bevor der Markt im Oktober erneut drehte. Das ist eine ordentliche historische Bilanz, aber ein Modellsignal ist keine Garantie. Es sagt nichts über die Dauer und nichts über den genauen Preis. Es ist ein Trendindikator, der sich verbessert hat, mehr nicht.
Ein Modellsignal ist keine Garantie. Es sagt nichts über die Dauer und nichts über den genauen Preis.
In eigener Sache · Swingtrading Masterclass
Ein Signal zu lesen ist das eine, es zu handeln das andere
Kurze Unterbrechung, weil es zum Thema passt. Du hast gerade gesehen, dass die Nachfrage zurückkommt und ein Trendmodell in die Bull-Phase gedreht hat. Genau an dieser Stelle merken die meisten, wo ihre eigentliche Lücke liegt. Sie sehen dieselben Charts wie ich, sie verstehen sie sogar, und trotzdem sitzen sie am Ende unschlüssig da und wissen nicht, wo sie rein sollen, wie gross die Position sein darf und wann sie wieder raus müssen. Ein Signal zu lesen ist das eine. Daraus einen Trade mit klarem Einstieg, Ausstieg und Risiko zu bauen, ist das andere.
Genau dafür ist meine Swingtrading Masterclass da. Swingtrading heisst, Bewegungen über Tage bis Wochen zu handeln, statt jeden Tick zu jagen. In der Masterclass lernst du meinen kompletten Prozess: wie ich aus On-Chain-Daten und Marktstruktur eine Idee forme, wie ich Einstiege und Stops setze, wie ich die Position dimensioniere und wie ich mit dem Kopf umgehe, wenn es gegen mich läuft. Und das Entscheidende: Ich betreue dabei jeden Teilnehmer nebenher persönlich auf seiner Reise, individuell und direkt. Genau weil diese persönliche Betreuung Zeit kostet, kann ich nur eine begrenzte Anzahl Leute gleichzeitig aufnehmen. Mehr geht nicht, ohne dass die Qualität leidet.
Deshalb der Hinweis heute: Es sind aktuell noch zwei Plätze offen. Wenn dich das reizt, meld dich, dann schauen wir, ob es für dich passt. Und wenn du gerade einfach nur mitlesen und beobachten willst, ist das genauso in Ordnung, dieses Update bleibt so oder so jede Woche gratis. Ich verkaufe dir hier nichts mit Druck. Ich sage dir nur, dass die zwei Plätze da sind, solange sie da sind.
Sie sehen dieselben Charts wie ich, sie verstehen sie sogar, und trotzdem wissen sie am Ende nicht, wo sie rein sollen.
Makro · Zinsen und Liquidität
Der Anleihemarkt ist der Gegenpol zur On-Chain-Erholung
Jetzt der Gegenpol, der das alles einrahmt. An den Anleihemärkten läuft gerade eine Bewegung, die man nicht ignorieren kann. Die Renditen langfristiger Staatsanleihen steigen weltweit. Zehnjährige US-Anleihen notieren je nach Stichtag um 5,1 bis 5,2 Prozent, in der von mir geprüften Reihe zuletzt 5,18 Prozent am 24. September, die dreissigjährigen um 5,4 bis 5,5 Prozent. Auch international ist das Bild deutlich: britische Gilts auf dem höchsten Stand seit 2007, französische Anleihen so hoch wie seit 2008 nicht, und japanische Zehnjährige erstmals seit den 1990er-Jahren über 3 Prozent. Ich nenne die Werte bewusst mit Datum, weil die Screenshots teils andere Momentaufnahmen zeigen und eine Rendite immer nur zum Stichtag stimmt.
Kurz zum Verständnis, warum das zählt. Eine höhere Rendite auf sichere Anleihen ist Konkurrenz für jede Risikoanlage. Sie verteuert ausserdem Kredite in der ganzen Wirtschaft. Man muss dabei zwischen der nominalen Rendite, den Inflationserwartungen und der realen Rendite trennen, denn erst die reale Rendite, also nach Abzug der erwarteten Inflation, sagt wirklich etwas über den Druck aus. Und der Hintergrund dieser Inflation ist real: Die Kaufkraft des Dollars liegt laut dieser Auswertung rund 23 Prozent unter dem Stand von 2020, und die Teuerung lag 60 Monate am Stück über dem 2-Prozent-Ziel der Notenbank. Das erklärt, warum der Anleihemarkt so nervös auf jedes Zeichen weiterer Inflation reagiert.
Ein Punkt, der diese Woche oft falsch wiedergegeben wird, betrifft die Fed. Diese Grafik zeigt, dass die Notenbank ihre zusätzlichen Wertpapierkäufe zur Steuerung der Bankreserven im zweiten Monat in Folge auf null gesetzt hat. Früher im Jahr waren das noch rund 40 Milliarden Dollar pro Monat, dann 25, dann 10, jetzt null. Daraus wird schnell die Schlagzeile, die Fed kaufe keine Anleihen mehr. Das stimmt so nicht. Die Fed kauft weiter, über Reinvestitionen im Umfang von rund 15,6 Milliarden Dollar. Was pausiert, ist nur ein bestimmtes Zusatzprogramm, und das betrifft vor allem kurze Laufzeiten. Ein automatischer Anstieg der zehnjährigen Rendite folgt daraus also nicht. Richtig ist aber, dass eine Quelle frischer Nachfrage nach Staatsanleihen für den Moment wegfällt. Wenn der Staat gleichzeitig viele neue Papiere ausgibt, müssen private Käufer mehr davon aufnehmen, und wenn deren Nachfrage nicht reicht, bleibt der Aufwärtsdruck auf die Renditen bestehen.
Die Fed kauft weiter. Was pausiert, ist nur ein Zusatzprogramm für vor allem kurze Laufzeiten.
Synthese · Beobachtungsliste
Was die Erholung bestätigt und was sie infrage stellen würde
Setzen wir die Teile zusammen. Auf der einen Seite kehrt die Nachfrage zurück, über die ETFs und on-chain, der Verkaufsdruck der langfristigen Halter lässt nach, und ein Trendmodell ist in die Bull-Phase gedreht. Auf der anderen Seite steht ein Anleihemarkt mit den höchsten Renditen seit Jahren, der Risikoanlagen Konkurrenz macht und die Finanzierungsbedingungen strafft. Beides ist gleichzeitig wahr. Deshalb der Titel dieser Woche.
Damit du beim nächsten Update selbst mitlesen kannst, worauf es ankommt, hier meine Beobachtungsliste. Halten die ETF-Zuflüsse an oder war das nur eine starke Woche. Setzt sich der Aufwärtstrend der Realized Cap fort. Bleiben die Zuflüsse der langfristigen Halter zu Börsen ruhig oder ziehen sie wieder an. Hält das MVRV-Verhältnis über der 1,0-Linie. Und auf der Makro-Seite die entscheidende Grösse: Was machen die realen Renditen, also die Renditen nach Abzug der Inflationserwartungen. Solange die On-Chain-Signale halten und die realen Renditen nicht davonlaufen, bleibt die Erholung intakt. Kippt eines davon, muss ich mein Bild anpassen.
Wo genau meine Einstiegszonen liegen, ab welchen Leveln ich mein Bild ändere und wie ich mich Schritt für Schritt aufstelle, steht im The Sanctis Letter. Zwei bis drei Ausgaben pro Woche, 34.90 Franken im Monat, jederzeit kündbar. Hier geht es direkt zum Letter
Solange die On-Chain-Signale halten und die realen Renditen nicht davonlaufen, bleibt die Erholung intakt.
Vorsichtig konstruktiv, mit einem Auge am Anleihemarkt
Mein Bild hat sich diese Woche freundlicher eingefärbt, aber nicht euphorisch. Die On-Chain-Daten zeigen an mehreren unabhängigen Stellen dasselbe: Kapital kommt zurück, der Verkaufsdruck der grossen Halter lässt nach, und der Trend hat gedreht. Das nehme ich ernst, denn es sind mehrere Signale, die zusammenpassen, und nicht nur eines.
Gleichzeitig lasse ich den Anleihemarkt nicht aus den Augen. Renditen über 5 Prozent auf sichere Papiere sind ein echter Gegenwind, und solange die Inflation im System steckt, bleibt dieser Gegenwind bestehen. Deshalb bin ich konstruktiv, aber diszipliniert, und nicht mit vollem Risiko unterwegs. Ich akkumuliere ruhig und mit Plan, statt einer These hinterherzurennen, nur weil ein Modell gerade grün zeigt.
Wie ich das konkret umsetze, also meine Einstiegszonen, die Level, ab denen ich mein Bild ändere, und wie ich mich Schritt für Schritt positioniere, steht im The Sanctis Letter. Hier im Update bleibt die Marktmechanik verständlich, die konkrete Positionierung gehört in den Letter.
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