Der späte Rutsch
Die Fed hält die Zinsen, zwei Mitglieder wollten bereits erhöhen. Bitcoin steigt nach dem Entscheid und fällt erst um 2 Uhr nachts unter 80'000 Dollar. Heute zählen die Inflationsdaten, morgen verfallen Optionen für 10,9 Milliarden Dollar.
In 5 Minuten durch
Die Fed hat den Leitzins bei 3,75 bis 4 Prozent belassen, Lisa Cook und Beth Hammack stimmten für eine Erhöhung. Fed-Chef Warsh legte sich für Dezember nicht fest, der Markt rechnet nach dem Entscheid mit gut 80 Prozent Wahrscheinlichkeit mit einer Erhöhung am 9. Dezember. Bitcoin stieg nach der Fed bis 81'709 Dollar und fiel erst zwischen 2 und 3 Uhr bis auf 79'615, am Morgen steht er bei rund 80'100. Die US-Bitcoin-ETF verbuchen den dritten Zuflusstag in Folge, fast alles bei BlackRocks IBIT. Über fünf Tage verliessen netto rund 8'700 Bitcoin die Börsen, fast alles am Dienstag; am Mittwoch flossen netto 3'800 zu. Das Konto des Finanzministeriums steht bei 1'052,5 Milliarden Dollar. Heute um 13:30 Uhr kommen BIP und Kern-PCE, um 14:15 Uhr die EZB, gegen 19 Uhr die Difficulty-Anpassung. Morgen um 9 Uhr verfallen an Deribit Optionen für rund 10,9 Milliarden Dollar, Max Pain bei 78'000.
Guten Morgen. Bitcoin hat den Fed-Entscheid gut verdaut, der Rutsch unter 80'000 kam erst mitten in der Nacht und ohne erkennbaren Anlass. Heute folgt der eigentliche Test für die Dezember-Wette.
Bitcoin
Erst hoch, dann um 2 Uhr runter
Bitcoin stand vor der Fed-Erklärung um 19 Uhr bei rund 80'500 Dollar. Nach dem Entscheid stieg er bis 21 Uhr auf das Nachthoch von 81'709 Dollar.
Der Rutsch kam erst rund sieben Stunden später. Zwischen 2 und 3 Uhr fiel Bitcoin von gut 81'000 auf knapp 79'900 Dollar, das Tief lag bei 79'615. Einen klaren Auslöser für diese eine Stunde gibt es nicht.
Der Hebel im Markt blieb dabei ruhig. Die offenen Futures-Positionen bei Binance stiegen über Nacht leicht, die Finanzierungsrate für Wetten mit Hebel blieb neutral. Um 7 Uhr stand Bitcoin wieder knapp über 80'000 Dollar.
Fed
Gehalten, aber keine Entwarnung
Die Fed hat den Leitzins bei 3,75 bis 4 Prozent belassen. Einstimmig war das nicht: Gouverneurin Lisa Cook und Cleveland-Fed-Präsidentin Beth Hammack wollten die Zinsen um einen Viertelprozentpunkt erhöhen. Für Cook ist es die erste Gegenstimme ihrer Amtszeit.
Auch die Erklärung klingt strenger als im September. Die Wirtschaft wachse jetzt kräftig, die Inflation sei erhöht, und der letzte Satz verspricht ohne Umschweife Preisstabilität. Fed-Chef Kevin Warsh legte sich für Dezember nicht fest und räumte offen ein, dass die Fed ihr Inflationsziel noch nicht erreicht hat.
Der Markt rechnet deshalb mit einer Erhöhung am 9. Dezember, nach dem Entscheid mit gut 80 Prozent Wahrscheinlichkeit. Die zehnjährigen US-Renditen pendeln seit Mitte Oktober um 5 Prozent. Teures Geld drückt auf Bitcoin. Was dieser Abend für Bitcoin bedeutet, steht in «Der Mittwochabend»Member.
ETF
Fast alles läuft über BlackRock
Die US-Bitcoin-ETF nahmen am Dienstag netto 176 Millionen Dollar ein, am Mittwoch weitere 137 Millionen. Es ist der dritte Zuflusstag in Folge, nach zwei Abflusstagen in der Vorwoche.
Das Geld landet fast nur bei einem Fonds. BlackRocks IBIT holte am Dienstag 151,5 Millionen und am Mittwoch 136 der 137 Millionen. Die amerikanische Nachfrage hängt im Moment an einem einzigen Namen.
On-Chain
Kein Ansturm auf die Börsen
Über die letzten fünf Tage verliessen netto rund 8'700 Bitcoin die Börsen. Gleichmässig war dieser Abzug nicht. Die Summe hängt fast ganz am Dienstag, über den wir gestern berichtet haben. An den übrigen vier Tagen flossen unter dem Strich sogar Bitcoin auf die Börsen.
Sonst schwanken die Flüsse meist um wenige tausend Bitcoin in beide Richtungen. Am Mittwoch flossen netto rund 3'800 Bitcoin auf die Börsen. Das passt zu Anlegern, die vor dem Fed-Entscheid etwas Ware bereitlegten.
Grosse Spitzen an einzelnen Tagen sehen eher nach Umbuchungen aus, etwa zu Verwahrern, als nach vielen Käufern. Während Bitcoin vom 22. bis 26. Oktober fünf Tage in Folge fiel, kamen netto rund 8'400 Bitcoin auf die Börsen. Das ist spürbar, aber kein Ansturm.
Liquidität
Der Staat parkt Geld
Das Konto des US-Finanzministeriums bei der Fed, kurz TGA, ist am Dienstag um weitere 31,8 Milliarden auf 1'052,5 Milliarden Dollar gestiegen. Das ist der höchste Stand seit Anfang 2025. Was der Staat dort parkt, steht den Banken nicht als Reserve zur Verfügung.
Dieser Weg wirkt über Wochen und erklärt den Rutsch um 2 Uhr nicht. Er gehört aber zu einem Umfeld, in dem frisches Geld für Bitcoin knapp bleibt. Warum gerade der Nachschub fehlt, steht in «Ohne Nachschub»Member.
Optionen
Morgen um 9 Uhr verfällt der Monat
Morgen um 9 Uhr verfallen an der Krypto-Börse Deribit Bitcoin-Optionen auf rund 135'600 Bitcoin, beim heutigen Kurs etwa 10,9 Milliarden Dollar. Eine Option gibt das Recht, Bitcoin zu einem festen Preis zu kaufen (Call) oder zu verkaufen (Put). Auf zwei Calls kommt ungefähr ein Put.
Die meisten Calls liegen weit über dem Kurs, bei 90'000, 95'000 und 100'000 Dollar. Die Puts häufen sich darunter, zwischen 70'000 und 75'000. Der sogenannte Max-Pain-Punkt, an dem die Optionen insgesamt am wenigsten auszahlen, liegt bei 78'000 Dollar.
Die grossen Call-Blöcke dürften wertlos verfallen, auch die Puts liegen weit weg. Ein starker Sog Richtung 78'000 ist deshalb nicht zwingend, unruhig kann es um 9 Uhr trotzdem werden. Am selben Morgen entscheidet auch die Bank of Japan.
Heute um 13:30 Uhr
Um 13:30 Uhr kommen aus den USA das Wachstum im dritten Quartal, der Preisindex PCE für September und die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe. Für die Kernrate des PCE, also die Teuerung ohne Energie und Lebensmittel, werden 0,3 Prozent zum Vormonat erwartet. Die Jahresrate dürfte über 3 Prozent liegen.
Es ist die erste grosse Inflationszahl nach der Fed-Sitzung, und sie trifft direkt die Wette auf eine Erhöhung im Dezember. Für Bitcoin ist das der wichtigste Termin des Tages.
Um 14:15 Uhr entscheidet die EZB. Ihr massgeblicher Satz, der Einlagesatz, liegt bei 2,50 Prozent, erwartet wird keine Änderung.
Gegen 19 Uhr passt das Bitcoin-Netzwerk die Schwierigkeit für die Miner an, geschätzt um rund 5,9 Prozent nach oben. Am Kurs ändert das wenig, für die Miner wird jeder Block teurer.
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