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Nach der Kaskade

Bitcoin fiel am Donnerstagabend bis auf 80'329 Dollar. Dabei wurden gehebelte Wetten im Wert von rund 1,16 Milliarden Dollar zwangsweise geschlossen. Die Nacht blieb ruhig, am Morgen steht Bitcoin wieder bei rund 82'400 Dollar. Heute zählen die ETF-Zahlen vom Donnerstag und um 16 Uhr die Inflationserwartungen der US-Haushalte.

Nach der Kaskade

Guten Morgen. Der Sturm kam gestern am späten Nachmittag, die Nacht selbst war ruhig. Bis heute früh hat Bitcoin den Rückschlag fast vollständig aufgeholt. Hier ist, was hinter dem Abverkauf steckt und warum der Markt heute vor allem auf eine Zahl aus Michigan schaut.

01
Bitcoin über Nacht

Der Abverkauf kam am Abend

Der Einbruch kam am Donnerstag am späten Nachmittag. In der Stunde ab 17 Uhr Zürcher Zeit fiel Bitcoin von rund 82'645 auf 80'980 Dollar. Das war ein Minus von 2 Prozent in einer einzigen Stunde, bei dem höchsten Handelsvolumen des ganzen Tages. Um 19 Uhr erreichte Bitcoin das Tief bei 80'329 Dollar.

Die Nacht selbst verlief ruhig. Zwischen 21 Uhr und 4:30 Uhr stieg Bitcoin um 0,5 Prozent auf 81'864 Dollar, die Schwankungen blieben gering. Auch am Terminmarkt tat sich wenig. Das Open Interest, also der Wert aller offenen Terminkontrakte, blieb praktisch unverändert, und die Finanzierungsgebühr, die sich Käufer und Verkäufer dieser Kontrakte gegenseitig zahlen, lag im neutralen Bereich.

Linienchart des Bitcoin-Kurses in Dollar auf Kraken, Stundenkerzen vom 8. Oktober 0 Uhr bis 9. Oktober 6 Uhr Zürcher Zeit: Der Kurs bewegt sich am Donnerstag zwischen rund 82'100 und 83'300 Dollar, fällt ab 17 Uhr steil auf rund 80'700 Dollar, erreicht um 19 Uhr das Tief von 80'329 Dollar und erholt sich über Nacht ruhig auf 82'386 Dollar am Freitagmorgen.
Bitcoin in Dollar, Stundenkerzen, Zeiten Zürich. Quelle: Kraken Public API

Seit dem frühen Morgen geht die Erholung weiter. Gegen 6:20 Uhr notierte Bitcoin bei rund 82'400 Dollar, gut 2,5 Prozent über dem Tief und fast genau auf dem Stand von vor 24 Stunden. Der Kurs hat den Schaden also vorerst wettgemacht. Offen bleibt, was den Abverkauf ausgelöst hat und warum er so heftig ausfiel.

02
Liquidationen

Warum der Fall so heftig war

Viele Trader kaufen Bitcoin nicht direkt. Sie wetten mit geliehenem Geld auf steigende Kurse. Fällt der Kurs unter eine bestimmte Schwelle, schliesst die Börse eine solche Long-Position automatisch und verkauft dafür. Diese Zwangsverkäufe drücken den Kurs weiter und lösen die nächsten Liquidationen aus.

So lief es am Donnerstag ab. In 24 Stunden wurden am gesamten Kryptomarkt rund 1,16 Milliarden Dollar an gehebelten Positionen zwangsgeschlossen, davon rund 1 Milliarde auf der Long-Seite. Fast 700 Millionen Dollar fielen in nur vier Stunden an. Ether traf es dabei sogar härter als Bitcoin.

Für Bitcoin waren zwei Preiszonen wichtig. Zwischen 81'700 und 83'300 Dollar lagen besonders viele Liquidationsschwellen. Darunter stand bei 81'000 bis 81'250 Dollar ein grosser Block an Kaufaufträgen am Spotmarkt von Binance. Als auch dieser Block aufgebraucht war, fehlten auf dem Weg nach unten die Käufer.

Auch Anleger, die ihre Bitcoin erst seit kurzer Zeit halten, gaben auf. In der Spitze schickten sie 45'000 bis 50'000 Bitcoin an die Börsen, die meisten davon mit Verlust. Das spricht für eine Kapitulation kurzfristiger Käufer, von langfristigen Haltern kam dieser Druck nicht.

Die Liquidationen erklären die Wucht des Falls, nicht seinen Auslöser. Nach der Kaskade ist der Markt aber weniger gehebelt. Weil das Open Interest über Nacht stabil blieb, haben die Trader ihre Wetten offenbar nicht sofort wieder aufgebaut. Das dürfte das Risiko einer zweiten Welle von Zwangsverkäufen vorerst verringern.

03
Spot-ETFs

Die Fonds verloren schon am Mittwoch Geld

Einen Tag vor dem Einbruch zogen Anleger Geld aus den US-Spot-Bitcoin-ETFs ab, also aus börsengehandelten Fonds, die echte Bitcoin halten. Am Mittwoch flossen netto rund 485 Millionen Dollar ab, so viel wie an keinem anderen Tag im Oktober. Fast alle grossen Anbieter verloren Geld, allen voran BlackRock mit rund 208 Millionen Dollar.

Am Spotmarkt sind solche Abflüsse direkt spürbar. Gibt ein Anleger seine Fondsanteile zurück, verkaufen die Handelsfirmen, die die Anteile ausgeben und zurücknehmen, Bitcoin oder kaufen keine neuen. Die 485 Millionen Dollar entsprechen rund 5'900 Bitcoin, die netto aus den Fonds flossen.

Der Zeitpunkt passt zum Rückgang am Donnerstag. Die Abflüsse sind aber nur ein Treiber unter mehreren. Am selben Tag lasteten auch der Ölpreisschock und die hohen Anleiherenditen auf dem Markt, und die Hebel-Kaskade verstärkte jede Bewegung.

Seit Monatsbeginn haben die Fonds netto rund 165 Millionen Dollar verloren, nach einem gemischten Start mit Zuflüssen an drei Tagen. Die Zahlen für Donnerstag, den Tag des Einbruchs, stehen noch aus. Sie sind die wichtigste offene Zahl des Tages, weil sie zeigen, ob die grossen Anleger in den Fall hinein weiter verkauft haben.

04
Zinsen

In der Fed geht es um höhere Zinsen

Hinter dem Druck auf Bitcoin steht auch das Zinsumfeld. Alberto Musalem, Präsident der Notenbank von St. Louis, hat die Linie im September deutlich formuliert: Die Fed müsse die Zinsen wahrscheinlich weiter anheben, um die Inflation zu senken. Den aktuellen Leitzins von 3,75 bis 4,00 Prozent nannte er «eher akkommodierend», also eher zu locker, um die Teuerung zu bremsen.

Ohne weitere Straffung sieht Musalem die Inflation in 18 Monaten eher deutlich über als bei 2 Prozent. Er hat 2026 im Zinsausschuss keine Stimme, seine Position ist seit Wochen bekannt. Sie zeigt aber, worüber in der Fed gestritten wird. Es geht um die Frage, ob die Zinsen noch einmal steigen müssen, über Zinssenkungen wird derzeit nicht diskutiert.

Am Anleihemarkt ist das längst angekommen. Die zehnjährige US-Rendite liegt bei rund 5,2 bis 5,3 Prozent. Höhere Zinsen machen Geld teurer und knapper, und zusammen mit einem stärkeren Dollar waren sie zuletzt Gegenwind für Bitcoin. Die nächste Fed-Sitzung findet Ende Oktober statt.

05
Heute 16 Uhr

Was die Amerikaner von der Inflation erwarten

Um 16 Uhr Zürcher Zeit veröffentlicht die Universität Michigan ihre vorläufigen Oktober-Werte zur US-Verbraucherstimmung. Im September lag der Index bei 48,1 Punkten, nicht weit über dem Allzeittief von 44,8 aus dem Mai. Für Oktober wird ein Wert um 47,5 erwartet.

Für Bitcoin wichtiger ist eine andere Zahl aus derselben Umfrage: die Inflation, mit der die Haushalte rechnen. Auf Sicht von einem Jahr sprang diese Erwartung im September von 4,0 auf 4,6 Prozent. Vor dem Iran-Konflikt im Februar hatte sie noch bei 3,4 Prozent gelegen. Als Gründe nennt die Umfrage die hohen Treibstoffpreise und neue Handelskonflikte.

Zwei Linien der Universität Michigan von Januar 2024 bis September 2026: Der Stimmungsindex fällt von rund 79 auf 48,1 Punkte im September 2026. Die erwartete Inflation in zwölf Monaten steigt 2025 bis auf 6,6 Prozent im Mai, sinkt bis Februar 2026 auf 3,4 Prozent und springt im September von 4,0 auf 4,6 Prozent.
Stimmungsindex und erwartete Inflation auf Jahressicht, monatlich. Quelle: FRED (UMCSENT, MICH); September 2026: Universität Michigan

Die Fed achtet besonders auf die langfristige Erwartung über fünf bis zehn Jahre, die im September auf 3,4 Prozent stieg. Steigt sie weiter, bekommen Befürworter von Zinserhöhungen wie Musalem neue Argumente. Das würde eher höhere Renditen und einen stärkeren Dollar bedeuten.

Eine schwache Stimmungszahl allein hilft Bitcoin dagegen kaum. In einem anderen Umfeld könnte sie Hoffnung auf Zinssenkungen wecken. Solange die Haushalte mit mehr Inflation rechnen, dürfte das ausbleiben.

Fazit

Worauf es heute ankommt

Über Nacht ist für Bitcoin wenig passiert. Der eigentliche Schaden entstand am Donnerstagabend, als ETF-Abflüsse, hohe Zinsen und ein stark gehebelter Markt zusammenkamen. Welchen Anteil jeder einzelne Treiber hatte, bleibt offen.

Heute zählen zwei Zahlen. Die ETF-Flüsse vom Donnerstag zeigen, ob die grossen Anleger am Tag des Einbruchs weiter verkauft haben. Um 16 Uhr folgen die Inflationserwartungen aus Michigan. Steigen sie erneut, wächst der Druck auf die Fed und damit auch auf Bitcoin. Fallen sie, nimmt das etwas Druck vom Markt.

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The Sanctis Letter 19. September 2026
Was sich beim Sanctis Letter verändert hat

Ich habe in den letzten Wochen ziemlich viel am Sanctis Letter und am gesamten Memberbereich verändert.

Einige Dinge seht ihr sofort. Andere fallen wahrscheinlich erst auf, wenn ihr euch etwas durch die Plattform klickt.

Deshalb hier einmal alles gesammelt.

01
Neu gestaltet

Die Plattform sieht jetzt anders aus

Vor allem auf dem Handy war ich selbst nicht mehr zufrieden.

Es war teilweise zu voll und man musste zu lange suchen, bis man dort war, wo man eigentlich hinwollte. Deshalb habe ich die mobile Version fast komplett neu aufgebaut.

Die wichtigsten Bereiche findet ihr jetzt direkt unten in der Navigation.

Auch die Desktop-Version habe ich angepasst und an vielen Stellen aufgeräumt.

02
Neu

Auf Home findet ihr sofort den neusten Letter

Wenn ihr euch einloggt, seht ihr direkt den aktuellsten Sanctis Letter.

Darunter findet ihr auch die Inhalte, die ihr zuletzt gelesen habt. Wenn ihr einen Letter nicht fertig gelesen habt oder später noch einmal öffnen möchtet, müsst ihr ihn nicht erneut suchen.

Eine simple Änderung, die meiner Meinung nach schon lange gefehlt hat.

03
Neu geordnet

Research ist jetzt klarer aufgebaut

Im Research-Bereich findet ihr die Sanctis Letters und die kostenlosen Marktupdates sauber voneinander getrennt.

Ich spiele aktuell auch mit dem Gedanken, die normalen Letters teilweise etwas kürzer zu halten.

Nicht weniger Research und nicht weniger Inhalt. Einfach schneller zum eigentlichen Punkt.

Ich merke selbst, dass man nicht jeden Gedanken über zehn Absätze erklären muss. Mir ist wichtiger, dass ihr nach einem Letter genau wisst, was ich sehe, welche Szenarien ich beobachte und was meine Einschätzung verändern würde.

04
In Überlegung

Kurzfristige Einschätzungen

Im Bereich Updates findet ihr aktuell vor allem Änderungen rund um die Plattform.

Ich überlege gerade, dort zusätzlich kurzfristige Gedanken zum Markt zu veröffentlichen.

Also Beobachtungen, Veränderungen oder Einschätzungen, die wichtig sind, aber keinen kompletten Sanctis Letter benötigen.

Manchmal passiert etwas am Markt und ich möchte euch kurz sagen können, wie ich es einordne. Dafür jedes Mal einen ganzen Letter zu schreiben, macht keinen Sinn.

05
Neu

Ihr könnt mir direkt schreiben

Neu gibt es eine eigene Support-Seite.

Dort könnt ihr mir direkt Fragen stellen. Egal ob zu einem Sanctis Letter, zum Markt, zur Plattform oder zu einem anderen Thema.

Ihr müsst mir keine Mail schreiben oder mich irgendwo auf Social Media suchen. Alles läuft direkt über die Plattform.

Wenn ihr eine Anfrage sendet, schaut am nächsten Tag noch einmal rein. Ich habe euch dort dann sehr wahrscheinlich bereits geantwortet.

06
Kommt bald

Der Kalender kommt bald

Der neue Kalender ist noch nicht ganz fertig, sollte aber bald verfügbar sein.

Dort seht ihr, welche Letters, Playbooks und Live-Desk-Sessions ich als Nächstes plane.

Ich werde dort aber nicht drei Wochen im Voraus irgendwelche Themen eintragen, nur damit der Kalender voll aussieht.

Der Markt hält sich schliesslich auch nicht an meinen Plan.

Ihr seht, woran ich gerade arbeite und was als Nächstes geplant ist. Wenn plötzlich etwas Wichtigeres passiert, kann sich dieser Plan jederzeit ändern.

07
Geplant

Es wird grössere Playbooks geben

Neben den normalen Sanctis Letters möchte ich künftig auch deutlich längere Berichte zu einzelnen Themen veröffentlichen.

Zum Beispiel ein vollständiges Q4-Playbook mit meinen Erwartungen, verschiedenen Szenarien und den Punkten, bei denen sich meine Einschätzung ändern würde.

Diese Berichte werden als PDF auf der Plattform erscheinen und ebenfalls im Kalender angekündigt.

So muss ich nicht versuchen, jedes grössere Thema in einen normalen Letter zu pressen.

08
Neu

Der Live Desk

Neu gibt es ausserdem den Live Desk.

Das ist ein Chat, den ich zu bestimmten, vorher angekündigten Zeiten freischalten werde.

Zum Beispiel während eines FOMC-Meetings, bei wichtigen Marktereignissen oder wenn ich gerade aktiv den Markt analysiere.

Ihr könnt dort live mitlesen, Fragen stellen, selbst etwas schreiben oder mitdiskutieren.

Die Idee dahinter ist, euch näher an meine tatsächliche Arbeit zu bringen. Nicht immer erst Stunden später einen fertigen Rückblick veröffentlichen, sondern euch teilweise schon währenddessen zeigen, was ich gerade sehe und wie ich die Situation einordne.

Warum ein Chat und kein Livestream?

Weil ich kein Content Creator bin und auch keiner werden möchte.

Wenn ich während eines wichtigen Markttermins stundenlang in eine Kamera spreche, liegt mein Fokus irgendwann auf dem Stream und nicht mehr auf dem Markt.

Im Live Desk kann ich kurz eine Einschätzung schreiben, eine Frage beantworten oder eine Diskussion starten und mich danach wieder auf das konzentrieren, worum es eigentlich geht.

Den Markt.

09
Unverändert

Die Suche bleibt bestehen

An der Suche ändert sich nichts.

Ihr könnt weiterhin nach älteren Letters, Themen und anderen Inhalten suchen.

Jetzt brauche ich eure Meinung

Ich baue den Sanctis Letter am Ende nicht für mich.

Deshalb möchte ich von euch wissen, was euch noch fehlt.

Was nervt euch? Was ist unnötig kompliziert? Welche Funktion oder welches Format würdet ihr tatsächlich benutzen?

Ihr müsst daraus keinen schönen Text machen. Schreibt einfach ehrlich rein, was ihr denkt.

Ich lese alles.

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Fabian De Sanctis
The Sanctis Letter
19. September 2026