Der Abfluss
Bitcoin hat in der Nacht rund 2 Prozent verloren, fast alles zwischen 3 und 5 Uhr. Der Abfluss aus den US-Bitcoin-Fonds vom Montag ist klein, und die bewegten Bitcoin der US-Regierung sind kein Verkauf. Heute Abend zählt das Protokoll der US-Notenbank.
In 5 Minuten durch
Bitcoin fiel über Nacht um 1,9 Prozent auf 83'855 Dollar, der ganze Rückgang kam zwischen 3 und 5 Uhr. Keine Nachricht dieser Nacht passt zeitlich dazu. Der ETF-Abfluss von 89,9 Millionen Dollar stammt vom Montag und ist nach rund 3 Milliarden Dollar Zufluss seit Mitte September eine Abkühlung. Die 833 BTC der US-Regierung gingen an neue Wallets, nicht an eine Börse. Brent liegt knapp über 100 Dollar, die Inflationserwartung reagiert kaum. Der wichtigste Termin ist das Fed-Protokoll um 20 Uhr.
Guten Morgen. Bis drei Uhr war die Nacht ruhig, dann ging es mit Bitcoin in zwei Stunden um rund 1'700 Dollar nach unten. Hier ist, was über Nacht für Bitcoin zählt, was eher nicht, und worauf es heute ankommt.
Den Membern habe ich gestern im Letter die Zonen gegeben. Ein Ausbruch lag nahe, und ich hatte geschrieben, dass ich an der oberen Zone einen Durchbruch sehen will und kein blosses Antasten, sonst geht es tiefer in die Zonen darunter. Die Zone wurde nur ganz kurz angetestet, dann kam die Umkehr. Wo die neuen Zonen liegen, sehen Member. Hier kannst du Member werden
Bitcoin über Nacht
Zwei Stunden, zwei Prozent
Bitcoin fiel über Nacht von 85'493 auf 83'855 Dollar, ein Minus von 1,9 Prozent. Bis drei Uhr bewegte sich der Kurs kaum und pendelte zwischen rund 85'350 und 85'670 Dollar. Dann kam der ganze Rückgang in nur zwei Stunden, mit einem Tief bei 83'555 Dollar.
In diesen zwei Stunden wurden rund zwei Drittel des gesamten Nachtvolumens gehandelt. Keine Nachricht dieser Nacht passt zeitlich zu dem Rutsch, er begann lange nach dem Schluss der US-Börsen. Gegen sechs Uhr notierte Bitcoin wieder bei rund 84'100 Dollar.
Am Terminmarkt ist keine Panik zu sehen. Die Zahl der offenen Futures-Kontrakte, also der laufenden Wetten auf den künftigen Bitcoin-Preis, stieg leicht um 0,4 Prozent. Gleichzeitig zahlten die Händler, die auf fallende Kurse setzen, eine minimale Gebühr an die Gegenseite. Das passt dazu, dass einige neue Wetten auf tiefere Kurse eröffnet wurden, eine Welle von Zwangsverkäufen gab es aber nicht.
Spot-ETFs
Ein Abfluss nach drei Wochen Zufluss
Die US-Bitcoin-Spot-ETFs, also börsengehandelte Fonds, die echte Bitcoin halten, verzeichneten am Montag zusammen einen Nettoabfluss von 89,9 Millionen Dollar. Am Donnerstag und Freitag davor waren noch 102,7 und 189,8 Millionen Dollar zugeflossen. Der Abfluss liegt zeitlich vor dem Kursrutsch dieser Nacht und erklärt ihn nicht.
Gemessen an den rund 111 Milliarden Dollar, die in diesen Fonds liegen, ist der Betrag klein. Er entspricht 0,08 Prozent des Vermögens. Das Fondsvermögen stieg am Montag sogar, weil der Bitcoin-Kurs an diesem Tag zulegte.
Wichtiger ist der Hintergrund. Vom 18. September bis zum 5. Oktober flossen netto rund 3 Milliarden Dollar in die Fonds, fast 1 Milliarde davon allein am 21. September. Schon am 30. September gab es einen grösseren Abfluss von 148,7 Millionen Dollar, danach kam das Geld zurück. Ein einzelner Tag mit 90 Millionen Abfluss ist nach dieser Welle eine Abkühlung und noch keine Trendwende.
Die ETF-Flüsse bleiben trotzdem der beste messbare Gradmesser dafür, wie viel institutionelles Geld in Bitcoin fliesst. Die Zahl für Dienstag liegt noch nicht vollständig vor. Erst wenn weitere und deutlich grössere Abflüsse folgen, wird aus einem Stimmungssignal ein Muster.
US-Regierung
Bewegt ist nicht verkauft
Wallets der US-Regierung haben am Dienstag gegen 17 Uhr Schweizer Zeit rund 833 Bitcoin im Wert von gut 70 Millionen Dollar bewegt. Es war die erste Bewegung seit dem 26. August. Rund 568 BTC stammen aus dem Fall Hashflare, einem Betrug mit angeblichem Cloud-Mining, rund 265 BTC aus dem Hack der Börse Bitfinex von 2016.
Nach einem Verkauf sieht das nicht aus. Nur ein winziger Testbetrag ging an Coinbase Prime, die grossen Beträge landeten auf neuen Wallets und nicht bei einer Börse. In beiden Fällen gibt es Geschädigte, und die Bitfinex-Bestände sollen nach einem Gerichtsentscheid an die Börse zurückgehen.
Seit einer Verordnung vom März 2025 sollen beschlagnahmte Bitcoin in eine strategische Reserve fliessen und nicht verkauft werden, Rückgaben an Geschädigte sind davon ausgenommen. Eine Rückgabe oder ein Wechsel des Verwahrers ist deshalb der wahrscheinlichere Zweck. Für den Markt bleibt es eine Randnotiz: Die 833 BTC sind rund 0,3 Prozent der etwa 323'700 BTC, die Wallets der Regierung zugeordnet werden.
Öl
Teures Öl, ruhige Inflationserwartung
Der Terminkontrakt auf Brent, die wichtigste Referenz am Ölmarkt, schloss am Dienstag bei 100,58 Dollar je Fass. Im Tagesverlauf war er bis auf 97,08 Dollar gefallen, heute früh notiert er bei rund 101,6 Dollar. Seit dem 9. September liegt Brent um oder über 100 Dollar, seit dem Hoch von 108,75 Dollar am 15. September bröckelt der Preis aber langsam ab. Der Ausfall der venezolanischen Raffinerie Cardon nach einer Explosion spielt dafür kaum eine Rolle, sie versorgt vor allem das eigene Land.
Der Weg zu Bitcoin führt über die Inflation. Teures Öl hält die Teuerung hoch, das spricht dafür, dass die Fed die Zinsen eher länger oben hält. Höhere Zinsen machen Geld teurer, und das trifft riskante Anlagen wie Bitcoin. Dieser Weg ist real, aber langsam.
Im Moment wirkt er kaum. Die Inflationserwartung für die nächsten zehn Jahre, die sich aus dem Vergleich normaler und inflationsgeschützter US-Staatsanleihen ergibt, liegt seit Wochen stabil zwischen 2,33 und 2,38 Prozent. Der Anleihemarkt rechnet also nicht mit einem neuen Inflationsschub durch das Öl. Für Bitcoin ist der Ölpreis damit Hintergrund für die Fed und kein Auslöser dieser Nacht.
Heute im Blick
Was um 20 Uhr kommt
Um 20 Uhr veröffentlicht die US-Notenbank das Protokoll ihrer Sitzung vom 15. und 16. September. Damals hob sie den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf 3,75 bis 4,00 Prozent an. Das Protokoll zeigt, wie breit die Zustimmung zu diesem Schritt war und ob weitere Erhöhungen zur Sprache kamen.
Neue Daten machen diese Frage dringlicher. Der Preisindex der US-Dienstleister, der aus einer monatlichen Umfrage unter Einkäufern von Unternehmen stammt, stieg im September auf 74,0 Punkte, den höchsten Stand seit Juli 2022. Gleichzeitig wuchs der Sektor langsamer als im August. Steigende Preise bei nachlassendem Schwung sind genau die Mischung, die eine Notenbank vorsichtig macht, und Fed-Vizechef Philip Jefferson sagte vergangene Woche, die Inflationsrisiken zeigten nach oben.
Für Bitcoin ist das der wichtigste Termin des Tages. Klingt das Protokoll nach weiteren Zinserhöhungen, dürften die Zinserwartungen und der Dollar steigen, und beides würde Bitcoin belasten. Allerdings ist das Protokoll drei Wochen alt, und vieles, was seither bekannt wurde, ist bereits im Preis. Eine Reaktion dürfte deshalb eher kurz ausfallen und sich vor allem in den Stunden nach 20 Uhr zeigen.
Was heute zählt
Die Nacht hat Bitcoin rund 2 Prozent gekostet, ohne dass eine Nachricht den Rutsch erklärt. Der ETF-Abfluss ist klein und älter als der Rückgang, die Bitcoin der Regierung wurden bewegt und nicht verkauft, und das Öl wirkt nur langsam über die Inflation.
Heute zählen zwei Dinge: das Fed-Protokoll um 20 Uhr und die ETF-Zahl für Dienstag. Zeigt das Protokoll eine Notenbank, die weiter erhöhen will, und ziehen gleichzeitig mehr Anleger Geld aus den Fonds ab, dann könnte aus dem Rückgang dieser Nacht mehr werden als ein kurzer Ausrutscher.
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