Heisser Kern
Bitcoin steht am Morgen knapp ein Prozent tiefer als am Vorabend, nach einem kurzen Rutsch auf 80'150 Dollar. Die US-Inflation hat die Erwartung weiterer Zinserhöhungen neu angefacht. Um 14:30 Uhr folgen die Erzeugerpreise.
In 5 Minuten durch
Bitcoin fiel in der Nacht kurz auf 80'150 Dollar, holte den Grossteil wieder auf und steht am Morgen bei knapp 81'000 Dollar, knapp ein Prozent unter dem Vorabend. Am Terminmarkt ist keine Seite überhitzt. Die US-Inflation stieg im September auf 3,7 Prozent, die Kernrate überraschend auf 2,6 Prozent. Die Märkte sehen nun eine Wahrscheinlichkeit von rund 47 Prozent für eine Fed-Erhöhung im Oktober, ein bekannter Prognostiker erwartet im Dezember sogar einen halben Prozentpunkt. Die Bitcoin-ETFs zogen am Dienstag 175,6 Millionen Dollar an. Heute zählen vor allem die Erzeugerpreise um 14:30 Uhr.
Guten Morgen. Die Nacht war für Bitcoin lange ruhig, bis eine einzige Stunde gegen vier Uhr den Kurs um rund 1'500 Dollar nach unten schickte. Dahinter steht ein Umfeld, das seit gestern Nachmittag deutlich rauer geworden ist.
Bitcoin über Nacht
Eine laute Stunde
Bis kurz nach vier Uhr verlief die Nacht ruhig. Bitcoin pendelte zwischen rund 81'300 und 81'900 Dollar, das Hoch lag zwischen 22 und 23 Uhr bei 81'884 Dollar. Dann rutschte der Kurs zwischen vier und fünf Uhr bis auf 80'150 Dollar ab, beendete diese Stunde aber schon wieder über 81'400 Dollar.
An der Börse Kraken wechselten in dieser einen Stunde rund 609 Bitcoin den Besitzer, mehr als in den sieben Stunden davor zusammen. Seither schwankt der Kurs weiter. Gegen halb acht stand Bitcoin bei knapp 81'000 Dollar, knapp ein Prozent tiefer als am Vorabend um 21 Uhr.
Am Terminmarkt zeigt sich weder Panik noch Übermut. Das offene Interesse, also der Bestand aller laufenden Futures-Kontrakte, stieg auf Binance um rund 0,7 Prozent. Händler haben demnach eher neue Positionen eröffnet als alte geschlossen. Die Finanzierungsrate, mit der sich Käufer und Verkäufer alle acht Stunden gegenseitig entschädigen, lag mit minus 0,0023 Prozent praktisch bei null.
Einen klaren Auslöser für den Rutsch gibt es nicht. Er fällt aber in eine Phase, in der Inflation, Zinserwartung und ein starker Dollar auf Bitcoin drücken.
US-Inflation
Der Kern wird heisser
Die US-Verbraucherpreise lagen im September 3,7 Prozent über dem Vorjahr, nach 3,4 Prozent im August. Getrieben wird der Anstieg vor allem von der Energie, ein Fass Brent kostet über 100 Dollar. Mit diesem Wert lag die Gesamtrate am oberen Rand der Erwartungen.
Überrascht hat die Kernrate, die Energie und Nahrungsmittel ausklammert. Sie stieg von 2,4 auf 2,6 Prozent, erwartet war ein unveränderter Wert. Für eine Notenbank wiegt das schwerer als ein teures Benzin. Ein Ölschock kann wieder abklingen, ein steigender Kern zeigt dagegen, dass sich der Preisdruck in der breiten Wirtschaft festsetzt.
Die Fed hat den Leitzins im September auf 3,75 bis 4,00 Prozent angehoben. Nach den Daten sehen die Märkte laut Reuters eine Wahrscheinlichkeit von rund 47 Prozent, dass an der Sitzung vom 27. und 28. Oktober die zweite Erhöhung in Folge kommt. Vor den Zahlen lag dieser Wert noch deutlich tiefer.
Der Dollar stieg auf den höchsten Stand seit rund anderthalb Jahren. Für Bitcoin ist das eine ungünstige Mischung: Höhere Zinsen machen sichere Anlagen attraktiver und verteuern das Geld, das sonst in riskante Anlagen fliesst. Wie gross der Effekt ist, weiss niemand genau, die Richtung ist aber eindeutig. Bitcoin rutschte nach den Daten unter 82'000 Dollar.
Fed
Ein halber Prozentpunkt
Einer der treffsichersten Fed-Prognostiker rechnet laut Bloomberg nach den Daten sogar mit einer Erhöhung um 50 Basispunkte im Dezember, also um einen halben Prozentpunkt. Üblich sind Schritte um einen Viertelprozentpunkt. Genau einen solchen Schritt sehen die Märkte für Dezember mit rund 66 Prozent Wahrscheinlichkeit. Ein halber Punkt wäre also deutlich mehr, als heute eingepreist ist.
Auch aus der Fed selbst kommen härtere Töne. San-Francisco-Fed-Präsidentin Mary Daly hält weitere Zinsschritte für wahrscheinlich, Chicago-Fed-Präsident Austan Goolsbee nannte die Inflation entmutigend. Der halbe Prozentpunkt bleibt vorerst eine Einzelmeinung. Für Bitcoin zählt aber schon die Debatte darüber, denn sie stützt Dollar und Renditen, bevor die Fed überhaupt entschieden hat.
ETF-Flüsse
Ein Tag mit Zuflüssen
Am Dienstag flossen netto rund 175,6 Millionen Dollar in die US-Spot-Bitcoin-ETFs, vor allem in IBIT von Blackrock und FBTC von Fidelity. In der Woche davor hatten Anleger noch rund 681 Millionen Dollar abgezogen. Diese Fonds kaufen mit dem zufliessenden Geld echte Bitcoin, Zuflüsse sind also direkte Nachfrage am Markt.
Der Zufluss stammt allerdings vom Tag vor den Inflationsdaten. Wie die ETF-Anleger auf die Zahlen reagiert haben, ist noch offen. Ein einzelner Tag mit Zuflüssen nach einer Woche mit Abflüssen ist noch keine Wende.
Heute im Blick
Alles um 14:30
Um 14:30 Uhr Schweizer Zeit erscheinen gleich mehrere US-Zahlen. Am wichtigsten sind die Erzeugerpreise, also die Preise, die Unternehmen für ihre Waren verlangen. Erwartet wird ein Plus von 0,6 Prozent zum Vormonat, im Kern ohne Energie und Nahrungsmittel ein Plus von 0,3 Prozent. Nach der überraschenden Kernrate bei den Verbraucherpreisen zählt vor allem dieser Kernwert. Er zeigt, ob sich der Preisdruck auch bei den Unternehmen festsetzt, und daran hängt die Zinserwartung.
Zur gleichen Zeit kommen die Einzelhandelsumsätze, erwartet wird ein Plus von 0,3 Prozent nach 1,2 Prozent im Vormonat. Dazu folgen der Industrieindex der Philadelphia Fed und die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, für die 199'000 erwartet werden. Alle drei zeigen, wie viel Schwung Konsum, Industrie und Arbeitsmarkt noch haben. Davon hängt ab, wie viel Spielraum die Fed für weitere Erhöhungen sieht.
Im Lauf des Tages folgen zudem die ETF-Flüsse vom Mittwoch. Sie sind die erste harte Zahl dazu, ob grosse Anleger Bitcoin nach den Inflationsdaten gekauft oder verkauft haben.
Druck von der Zinsseite
Über Nacht hat Bitcoin wenig verloren, und am Terminmarkt drängt keine Seite mit viel Hebel in eine Richtung. Der Druck kommt von den Zinsen. Die Kerninflation steigt, aus der Fed kommen Signale für weitere Erhöhungen, und der Dollar ist so stark wie seit rund anderthalb Jahren nicht mehr. Um 14:30 Uhr zeigen die Erzeugerpreise, ob sich dieses Bild verfestigt.
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