Dünne Nacht
Bitcoin fällt über Nacht um rund 2 % auf 82'650 Dollar. Am Golf wächst die Spannung, Brent steht über 110 Dollar. Heute um 14:30 kommen die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe aus den USA.
In 5 Minuten durch
Bitcoin verlor über Nacht rund 2 % bei sinkendem Open Interest und dünnem Handel. Tesla und SpaceX prüfen eine Fusion, die 30'221 Bitcoin bündeln würde. Die langen US-Renditen bleiben über 5 %, Brent steigt nach dem Drohnenangriff bei Aramco über 110 Dollar. Die OCC lässt Belohnungen auf Stablecoins über Börsen zu, die Bank of Japan dürfte im Dezember die Zinsen erhöhen, und die SEC listet die ersten Handelsplätze für tokenisierte Aktien. Heute um 14:30 werden 200'000 Erstanträge erwartet.
Guten Morgen. Die Nacht war ruhig im Handel und trotzdem schwach im Preis. Dazu kommen sieben Themen, von Musks Bitcoin bis zum Arbeitsmarkt.
Bitcoin über Nacht
Positionen werden geschlossen
Bitcoin stieg am Abend bis kurz vor Mitternacht auf rund 84'800 Dollar. Der grösste Teil des Rückgangs kam danach in den frühen Morgenstunden zwischen drei und fünf Uhr. Um 06:40 steht Bitcoin bei rund 82'650 Dollar, rund 2 % tiefer als um 21 Uhr.
Am Terminmarkt sank das Open Interest, also die Menge aller offenen Futures-Positionen, um rund 3,2 %. Händler haben Wetten geschlossen und keine neuen aufgebaut. Die Funding Rate, eine Ausgleichszahlung zwischen Käufern und Verkäufern von Futures, liegt mit -0,0018 % knapp unter null. Die Short-Seite überwiegt also nur leicht.
Der Handel war dünn, ein einzelner Auslöser ist nicht auszumachen. Zeitlich passt der Rückgang zur Verschärfung am Golf, das ist ein möglicher Faktor.
Tesla und SpaceX
Ein Bestand, kein Kauf
Tesla und SpaceX haben je einen Ausschuss aus unabhängigen Verwaltungsräten gebildet, der eine Fusion prüft. Elon Musk nannte die Idee im Earnings Call von SpaceX gut, hält sich aber aus den Verhandlungen heraus. Bedingungen gibt es noch keine, und laut Musk ist offen, ob es je zu einer Einigung kommt.
Zusammen halten beide Firmen 30'221 Bitcoin, Stand Ende Juni. Das sind rund 2,5 Milliarden Dollar und Rang sechs unter den börsennotierten Firmen mit Bitcoin-Bestand. Neue Nachfrage entsteht dadurch keine, eine Fusion würde nur bestehende Bestände bündeln. Das Signal ist, dass zwei grosse Firmen ihre Bitcoin behalten.
US-Staatsanleihen
Teures Geld bleibt
Die zehnjährige US-Staatsanleihe rentierte gestern 5,13 %, die dreissigjährige 5,42 %. Über Nacht kam kein neuer Anstieg dazu, beide liegen unter den Hochs von Anfang Oktober. Das Niveau ist trotzdem das höchste seit fast einem Vierteljahrhundert.
Ray Dalio hält den Ausverkauf am Anleihenmarkt noch lange nicht für beendet. Der Staat bringe mehr Schulden auf den Markt, als Anleger zu heutigen Preisen aufnehmen wollen, und seine Zinskosten wachsen schneller als die Einnahmen. BlackRock und Morgan Stanley sehen Anleihen über 5 % dagegen wieder positiver.
Für Bitcoin ist das ein Hintergrund und kein Ereignis der Nacht. Hohe Renditen verteuern Kredit und Hebel, und sichere Anleihen werden als Alternative attraktiver. Beides bremst Risikoanlagen, Bitcoin eingeschlossen.
Öl und Golf
Brent über 110 Dollar
Die saudische Luftabwehr fing gestern eine Drohne ab, die auf eine Verarbeitungsanlage im Aramco-Ölfeld Shaybah zielte. Trümmer setzten ausserhalb der Anlage ein Fahrzeug in Brand, zwei Arbeiter starben. Die Förderung von rund einer Million Fass pro Tag lief laut Riad ungestört weiter.
Die USA ziehen nicht zwingend benötigtes Botschaftspersonal aus Saudi-Arabien ab und machen die vom Iran unterstützten Huthi verantwortlich. Brent stieg über Nacht um 1,1 % auf rund 110,80 Dollar. Der Ölpreis war schon vorher hoch, die Nacht brachte einen Aufschlag und keinen Sprung.
Für Bitcoin führt der Weg über die Inflation. Teures Öl hält die Inflationserwartungen hoch und macht Zinssenkungen der Fed schwerer, das bremst die Liquidität. Das grössere Risiko sind weitere Angriffe auf die Infrastruktur am Golf.
Stablecoins
Banken gegen die OCC
Die US-Bankenaufsicht OCC hat ihre endgültige Regel zum GENIUS Act veröffentlicht, dem Stablecoin-Gesetz, das ab Januar 2027 gilt. Das Gesetz verbietet den Emittenten, Zinsen an die Halter zu zahlen. Anders als im Entwurf vom Februar dürfen Börsen und Vertriebspartner aber weiterhin Belohnungen zahlen.
Die grossen Bankenverbände sehen darin eine Umgehung des Zinsverbots und fürchten, dass Einlagen in Stablecoins abwandern. Der Verband der Regionalbanken schätzt, dass diese mindestens 850 Milliarden Dollar weniger Kredite vergeben könnten. Es ist die Rechnung eines Interessenverbands.
Für Bitcoin ist das die freundlichere Fassung. Stablecoins sind die wichtigste Dollar-Liquidität im Kryptomarkt, und Belohnungen machen sie als Parkplatz für Dollar attraktiver. Der Umlauf ist seit dem 9. Oktober leicht auf rund 303,8 Milliarden Dollar gesunken, kurzfristig ändert die Regel daran nichts Messbares.
Japan
Die Zinswende im Dezember
83 % der von Bloomberg befragten Ökonomen erwarten, dass die Bank of Japan ihren Leitzins an der Sitzung, die am 18. Dezember endet, von 1,25 % anhebt. Für Ende Oktober rechnet niemand mit einem Schritt. Der Yen bleibt mit rund 158 je Dollar schwach, wurde über Nacht aber leicht stärker.
Für Bitcoin führt der Weg über den Carry Trade. Anleger leihen sich billige Yen und kaufen damit anderswo höher rentierende Anlagen. Steigende japanische Zinsen verteuern diese Kredite und können einen Abbau der Positionen auslösen, der weltweit Liquidität abzieht. Das ist ein Risiko für Dezember, über Nacht ist davon nichts zu sehen.
Tokenisierung
Aktien auf der Blockchain
Die SEC hat gestern drei Firmen aufgeführt, die Handelsplätze für tokenisierte Aktien betreiben wollen, darunter OKXICE, ein Projekt von OKX und der NYSE-Mutter ICE. Grundlage ist eine Ausnahmeregel vom September. Wer die Bedingungen erfüllt, meldet sich an und darf nach rund 30 Tagen starten.
OKXICE will mehr als 60 US-Aktien rund um die Uhr gegen Stablecoins handeln, zugelassen sind nur geprüfte Wallets. Gehandelt wird auf anderen Blockchains, Bitcoin spielt dabei keine Rolle. Die Nachricht zeigt vor allem, wie schnell Krypto und Wall Street zusammenwachsen.
Heute 14:30
Erstanträge in den USA
Um 14:30 meldet das US-Arbeitsministerium die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe für die Woche bis 17. Oktober. Erwartet werden 200'000, nach 199'000 in der Vorwoche. Seit fünf Wochen liegen die Anträge unter 200'000, die längste solche Serie seit 1969.
Die Prognose liegt fast genau auf dem Niveau der letzten Wochen, der Markt rechnet also mit keiner Überraschung. Firmen entlassen kaum, stellen aber auch wenig ein: Im September kamen nur 29'000 neue Stellen dazu. Für Bitcoin wirkt die Zahl über die Zinserwartungen und den Dollar, spürbar meist nur bei einer deutlichen Abweichung.
Was heute zählt
Bitcoin startet nach einer Nacht mit geschlossenen Positionen und dünnem Handel schwach in den Tag. Heute zählen vor allem der Ölpreis und die Erstanträge um 14:30. Die Fusion und die neuen Regeln für Stablecoins und tokenisierte Aktien wirken langsamer.
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