Die letzte Phase
Diese Woche liegt etwas in der Luft. Nicht der grosse Knall, kein Ausbruch, sondern eine Reihe von leisen Signalen, die alle in dieselbe Richtung zeigen. Der Arbeitsmarkt zeigt Risse, die Produzentenpreise fallen schneller als erwartet, und on chain passiert etwas, das ich dir gleich im Detail zeige. Ich sage es vorweg, damit du den roten Faden hast. Ich glaube, wir stehen nicht am Anfang von etwas Schlimmem, sondern eher am Ende. Die Daten dieser Woche erzählen die Geschichte einer Baisse, die in ihre letzte Phase geht. Was das genau heisst und warum ich vorsichtig optimistisch werde, dafür müssen wir sechs Dinge zusammen anschauen.
Wenn du danach die konkreten Level willst, die Szenarien und wie ich mich genau positioniere, das steht im The Sanctis Letter, meinem privaten Marktbrief. Zwei bis drei Mal pro Woche, mit klarer Positionierung statt nur Analyse. Schau rein wenn es dich interessiert. Hier geht es jetzt um das grosse Bild.
Also, fangen wir an.
Makro · Arbeitsmarkt
Der Arbeitsmarkt ist unter der Oberfläche schwach
Fangen wir bei der Realwirtschaft an. Die Zahl der Amerikaner, die nicht mehr Teil des Arbeitsmarkts sind, also weder arbeiten noch aktiv einen Job suchen, ist im Juni um 832'000 gestiegen, auf 105,8 Millionen. Das ist ein Allzeithoch. Gemessen an der Bevölkerung ab 16 Jahren sind das 38,5 Prozent, der höchste Wert seit den 1970er Jahren, wenn man die Pandemie ausklammert.
Diese Kennzahl misst die Menschen, die komplett aus dem Arbeitsmarkt herausgefallen sind. Ein einzelner Monat sagt wenig, aber der Trend ist eindeutig. Allein 2026 haben 2,5 Millionen Amerikaner den Arbeitsmarkt verlassen, und wir liegen mittlerweile 2,2 Millionen über dem Höchststand der Pandemie 2020, als die halbe Welt zugesperrt war. Die offizielle Arbeitslosenquote sieht ordentlich aus, aber sie blendet genau diese Menschen aus.
Was ich daraus lese, ist ein Arbeitsmarkt, der von innen bröckelt, auch wenn die Schlagzeilen es nicht zeigen. Und ein schwacher Arbeitsmarkt ist am Ende das stärkste Argument für eine Notenbank, irgendwann die Zinsen wieder zu senken. Noch ist es nicht so weit, aber das ist der erste Riss im Fundament der harten Geldpolitik.
Makro · Inflation
Jetzt fallen auch die Produzentenpreise
Zum Riss im Arbeitsmarkt kommt ein zweites Signal. Der Produzentenpreisindex für Juni, kurz PPI, ist auf 5,5 Prozent gefallen, klar unter den erwarteten 6,2 Prozent. Der PPI misst die Preise, die Hersteller für ihre Waren bekommen, also die Inflation eine Stufe vor dem Ladenregal. Er gilt als Frühindikator für die Verbraucherpreise.
Auch die Kernrate, also ohne die schwankenden Energie und Nahrungspreise, fiel auf 4,7 Prozent statt der erwarteten 5,2 Prozent. Im Monatsvergleich sanken die Produzentenpreise um 0,3 Prozent, der stärkste Rückgang seit April 2025. Das ist kein Ausreisser mehr, das ist eine Richtung.
Für uns heisst das zweierlei. Erstens, der Preisdruck in der Lieferkette lässt nach, und das landet mit Verzögerung bei den Verbraucherpreisen. Zweitens, mit jeder weichen Inflationszahl sinkt die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Zinsanhebung. Zusammen mit dem schwachen Arbeitsmarkt verschiebt sich das Makro Bild langsam weg von der Angst vor der harten Notenbank.
Makro · Dollar
Japans Kleinanleger wetten so stark gegen den Dollar wie seit 2008 nicht mehr
Jetzt wird es spannend, denn das nächste Signal kommt von der anderen Seite der Welt. Die privaten Trader in Japan haben ihre Wetten gegen den US Dollar auf 17,2 Billionen Yen hochgefahren. Das ist der höchste Stand seit Beginn der Aufzeichnungen 2008, und die Position hat sich innerhalb eines Monats mehr als vervierfacht.
Was steckt dahinter. Die japanische Notenbank hat mehrfach am Markt eingegriffen, um den schwachen Yen zu stützen, zuletzt Ende April und Ende Mai. Die Kleinanleger dort wetten jetzt massiv darauf, dass diese Stützung anhält und der Dollar gegenüber dem Yen fällt. Auf gut Deutsch, sie glauben die Dollar Rally ist am Ende.
Das ist für uns aus zwei Gründen wichtig. Ein schwächerer Dollar ist historisch Rückenwind für Bitcoin, weil Kapital dann aus dem sicheren Hafen in Risiko fliesst. Gleichzeitig ist eine so extreme, einseitige Positionierung immer mit Vorsicht zu geniessen, denn wenn alle auf derselben Seite stehen, kann es kurzfristig genau andersherum laufen. Aber die Richtung der Wette passt ins Bild einer Welt, die sich auf lockerere Bedingungen einstellt.
On-Chain · Kapitulation
Die Käufer der letzten Monate schmeissen hin
Jetzt tauchen wir unter die Oberfläche. Der erste Blick gilt den Top Käufern, also den Leuten, die in den letzten sechs bis achtzehn Monaten gekauft haben, zu Preisen zwischen rund 75'000 und 126'000. Genau diese Gruppe kapituliert gerade. Sie schickt ihre Coins mit Verlust auf die Börsen, um zu verkaufen.
Die realisierten Verluste dieser Käufer haben in Dollar gerechnet alle Rekorde gebrochen, im Monatsschnitt bis zu 90 Millionen Dollar. Das ist schmerzhaft für die Betroffenen, keine Frage. Es ist das klassische Muster, hoch gekauft und tief verkauft. Kapitulation passiert immer zum schlechtestmöglichen Zeitpunkt, das ist keine Schwäche dieser Leute, das ist einfach menschliche Psychologie unter Druck.
Und genau deshalb schaue ich als antizyklischer Investor sehr genau hin. Wenn die letzten geduldigen Käufer aufgeben und mit Verlust verkaufen, dann ist der Verkaufsdruck danach meistens weitgehend raus aus dem Markt. Historisch waren solche Kapitulationsphasen selten der Anfang von noch tieferen Kursen, sondern eher das Ende der Fahnenstange nach unten.
On-Chain · Zyklus Signal
Das Ende der Baisse hat gerade aufgeleuchtet
Das hier ist für mich der wichtigste Chart der Woche. Er vergleicht die Kostenbasis der kurzfristigen Halter, also den durchschnittlichen Kaufpreis der Leute die seit weniger als sechs Monaten dabei sind, mit der Kostenbasis der langfristigen Halter, die über sechs Monate halten. Kreuzt die kurzfristige Linie von oben unter die langfristige, ist das historisch ein Signal, dass die Baisse in ihre letzte Phase geht.
Genau dieses Signal ist jetzt aufgeleuchtet, bestätigt über drei Tage. Die Baisse läuft seit rund neun Monaten und hat beide Gruppen zermürbt. Die Kostenbasis der kurzfristigen Halter ist in dieser Zeit von 112'500 auf 69'000 gefallen. Das heisst, die neuen Käufer haben die schwachen alten Positionen Schritt für Schritt ersetzt und den durchschnittlichen Einstandspreis nach unten gezogen.
Wichtig, und das sage ich ganz ehrlich. Dieses Signal bedeutet nicht, dass der Boden genau heute liegt und es ab morgen nur noch nach oben geht. Es markiert die Phase, in der regelmässiges Ansparen historisch am meisten Sinn gemacht hat. Das eigentliche Kaufsignal für den nächsten Zyklus kommt erst, wenn die kurzfristige Linie wieder von unten nach oben kreuzt. Dort sind wir noch nicht, aber wir sind in der Phase davor.
Kapitalfluss · ETF
Das US Geld kommt tröpfchenweise zurück
Zum Schluss der Blick auf die Kapitalflüsse in die Bitcoin ETF, also das grosse regulierte US Geld. Nach einem kräftigen Abfluss von rund 425 Millionen Dollar am 13. Juli ist etwas Bemerkenswertes passiert. An den vier Tagen danach floss das Geld wieder herein, jeden einzelnen Tag.
Der 14. Juli brachte 181 Millionen, der 15. Juli 108 Millionen, der 16. Juli 79 Millionen und der 17. Juli 132 Millionen Dollar an Nettozuflüssen. In Summe rund 500 Millionen Dollar in vier Tagen, die den Abfluss vom Wochenanfang mehr als wettgemacht haben. Vier grüne Tage in Folge sind kein Zufall mehr, das ist eine Rückkehr der Nachfrage.
Das ist das fehlende Puzzleteil. In den letzten Wochen war die US Nachfrage praktisch abwesend, der ganze Markt lief ohne den grössten Käufer. Wenn dieses Geld jetzt wieder anfängt zu tröpfeln, während gleichzeitig die schwachen Hände kapitulieren und das verfügbare Angebot dünn ist, dann trifft frische Nachfrage auf ein ausgetrocknetes Angebot. Genau diese Kombination bereitet die grossen Bewegungen vor.
Mein Fazit
Wenn ich alle sechs Signale übereinanderlege, entsteht ein erstaunlich klares Bild. Über der Oberfläche zeigt die Makro Welt Risse, ein schwacher Arbeitsmarkt und fallende Produzentenpreise nehmen langsam den Druck von der harten Notenbank, und sogar die Positionierung dreht sich gegen den Dollar. Das ist Rückenwind, der sich gerade erst aufbaut.
Unter der Oberfläche kapitulieren die letzten schwachen Käufer, das Ende der Baisse Signal ist aufgeleuchtet, und das grosse US Geld kommt über die ETF zaghaft zurück. Jedes Signal für sich wäre nur ein Datenpunkt. Zusammen erzählen sie die Geschichte einer Baisse in ihrer letzten Phase, nicht die eines neuen Absturzes.
Ich bleibe ehrlich, das ist kein Startschuss und keine Garantie. Ich rufe keinen Boden aus, das wäre unseriös. Aber es ist genau das Umfeld, in dem ich vorsichtig optimistisch werde.
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