Der Riss
Jede Woche schaue ich für dich hinter die Schlagzeilen. Diese Woche zeige ich dir einen Riss im US-Arbeitsmarkt, den die offiziellen Zahlen noch verstecken, und was er für Bitcoin bedeutet.
Hey Leute, am Donnerstag kam der US-Arbeitsmarktbericht, und die Schlagzeile klang halb so wild. 57'000 neue Stellen, Arbeitslosenquote sogar leicht gesunken. Wer nur die Schlagzeile liest, denkt, alles halb so schlimm. Wer aber unter die Oberfläche schaut, sieht ein ganz anderes Bild. Der Arbeitsmarkt bekommt Risse, und zwar an mehreren Stellen gleichzeitig.
Warum interessiert uns das als Bitcoin-Leute so sehr? Weil der Arbeitsmarkt das eine Puzzlestück ist, das die Fed zwingen könnte, ihre harte Haltung aufzugeben. Und die harte Fed ist über den starken Dollar der Grund, warum Bitcoin seit Wochen nicht vom Fleck kommt. Wenn der Arbeitsmarkt kippt, kippt irgendwann die Fed, dann der Dollar, und dann hat Bitcoin wieder Luft. Deshalb nehme ich dich heute Schritt für Schritt durch diese Risse und zeige dir am Ende, wo wir bei Bitcoin selbst stehen.
Hier im gratis Update bekommst du wie immer das grosse Bild, offen für alle.
Jetzt aber zu den Daten.
Makro · Vollzeitjobs
Die Vollzeitjobs verschwinden, und zwar im Rekordtempo
Fangen wir bei der Zahl an, die kaum jemand zeigt, weil sie unbequem ist. Die Vollzeitbeschäftigung in den USA ist im Juni um 514'000 gefallen, auf 133,66 Millionen, den tiefsten Stand seit Dezember 2024.
Das ist der dritte monatliche Rückgang in Folge, zusammen über eine Million Stellen. Seit Januar 2025 sind es sogar 2,24 Millionen Vollzeitjobs, die verschwunden sind.
Warum das so viel wichtiger ist als die Schlagzeile. Vollzeitjobs sind die guten, stabilen Jobs, von denen eine Familie leben kann. Wenn diese wegfallen und stattdessen Teilzeit entsteht, sieht die Arbeitslosenquote auf dem Papier okay aus, aber die Qualität des Arbeitsmarktes verschlechtert sich deutlich. Der Anteil der Bevölkerung, der Vollzeit arbeitet, ist auf 48,5 Prozent gefallen, von 50,5 Prozent im Jahr 2022, der tiefste Wert seit Mitte 2021.
Das ist der erste Riss, und er ist ein grosser. Ein Arbeitsmarkt, der seine besten Jobs im Rekordtempo verliert, ist ein Arbeitsmarkt, der schwächelt, egal wie die Schlagzeile klingt. Für die Fed ist das langfristig ein Argument, die Zinsen zu senken, auch wenn sie noch zögert.
Ein Arbeitsmarkt, der seine besten Jobs im Rekordtempo verliert, schwächelt, egal wie die Schlagzeile klingt.
Die Revisionen
Die Jobzahlen werden Monat für Monat nach unten korrigiert
Der zweite Riss ist noch subtiler und fast noch beunruhigender. Wenn eine Jobzahl veröffentlicht wird, ist sie erstmal nur eine Schätzung. In den Monaten danach wird sie mit besseren Daten korrigiert. Und hier liegt das Problem: Seit Anfang 2025 wurden die US-Jobzahlen in 14 von 17 Monaten nach unten revidiert, insgesamt um 710'000 Stellen. Fast jeden Monat war die Realität also schlechter als die erste Meldung.
Auch diesmal war es so. April und Mai wurden zusammen um 74'000 nach unten korrigiert, die grösste Zweimonats-Revision seit Dezember. Im Schnitt wurden in dieser Phase rund 42'000 Jobs pro Monat nachträglich wieder weggestrichen. Rechnet man diesen Schnitt auf die 57'000 vom Juni, blieben am Ende vielleicht nur 15'000 echte neue Stellen übrig.
Für dich als Leser heisst das: Sei vorsichtig mit der ersten Schlagzeile. Das Muster der letzten anderthalb Jahre sagt klar, dass der Arbeitsmarkt konstant schwächer war, als er im ersten Moment aussah. Und ein Markt, der sich so hartnäckig nach unten korrigiert, sendet ein deutliches Signal über die wahre Richtung.
Kleiner Einschub an dieser Stelle, weil es gerade perfekt passt. Im The Sanctis Letter habe ich schon vor der Veröffentlichung dieses Jobberichts drei klare Szenarien aufgestellt, wie der Markt auf einen schwachen, einen mittleren und einen starken Bericht reagieren würde. Eingetreten ist genau das schwache Szenario. Wer den Letter gelesen hat, wusste also vorher, worauf zu achten ist, statt erst hinterher zu reagieren.
Genau darum geht es mir mit dem Letter, aktueller sein und die Szenarien schon haben, bevor die News überhaupt da sind. Hab dabei gar keine Angst, es einfach auszuprobieren. Hinter dem Letter steckt kein Team und keine Maschine, das bin ganz allein ich. Ich analysiere, schreibe und handle alles selbst. Wenn dir irgendetwas nicht passt, egal was, dann schreib mir einfach, und ich kümmere mich persönlich darum.
Makro · Die grosse Divergenz
Zwei offizielle Statistiken widersprechen sich um über eine halbe Million Jobs
Jetzt wird es richtig spannend, denn hier widerspricht sich die Statistik selbst. Es gibt zwei Wege, den Arbeitsmarkt zu messen. Die eine Umfrage fragt Firmen, das ist die bekannte Nonfarm-Payrolls-Zahl, die im Juni plus 57'000 zeigte. Die andere Umfrage fragt Haushalte direkt, und die zählt jeden Menschen nur einmal, auch wenn er zwei Jobs hat. Und diese Haushaltsumfrage zeigte für Juni nicht plus, sondern minus 507'000 Beschäftigte.
Das ist eine Lücke von 564'000 Jobs im selben Monat, je nachdem, welche Statistik man nimmt. Über das ganze Jahr klafft es noch weiter auseinander. Die Haushaltsumfrage zeigt einen Rückgang von 1,7 Millionen Beschäftigten, während die Firmenumfrage ein Plus von 552'000 auf einen Rekord meldet. Beides kann nicht gleichzeitig die Wahrheit sein.
Ich sage nicht, dass eine der beiden lügt. Aber wenn die Statistik, die jeden Arbeiter nur einmal zählt, so stark nach unten zeigt, dann passt das perfekt zu den beiden Rissen davor. Vollzeitjobs weg, ständige Abwärtskorrekturen, und jetzt eine Haushaltsumfrage, die massiv Jobs verliert. Drei Datenpunkte, die alle in dieselbe Richtung deuten, und diese Richtung ist Schwäche.
Makro · Die Gegenseite
Und trotzdem steigen die offenen Stellen. Genau das macht es für die Fed so schwierig.
Damit du das ganze Bild bekommst und nicht nur die eine Seite, hier der Gegenbeweis. Die Zahl der offenen Stellen ist im Mai gestiegen, auf 7,6 Millionen, den höchsten Stand seit über einem Jahr, nach einem Sprung von fast 700'000 im April. Es gibt jetzt sogar wieder mehr offene Stellen als Arbeitslose. Auf dem Papier sieht die Nachfrage nach Arbeitskräften also robust aus.
Wie passt das zusammen mit den Rissen von vorhin? Ehrlich gesagt nicht sauber, und genau das ist der Punkt. Der Arbeitsmarkt sendet gerade widersprüchliche Signale, und einige Beobachter fragen sich, ob die künstliche Intelligenz die Statistik durcheinanderbringt und neue Muster schafft. Klar ist nur, dass das Bild nicht eindeutig ist.
Für die Fed ist genau das das Problem. Sie sieht auf der einen Seite die Risse, auf der anderen Seite robuste offene Stellen und eine hartnäckige Inflation. Solange dieses Bild so gemischt ist, hat sie den perfekten Vorwand, gar nichts zu tun und einfach abzuwarten. Und Abwarten der Fed bedeutet, der Dollar bleibt fest, und Bitcoin bleibt unter Druck.
Liquidität · Stablecoins
Im Krypto-Markt schrumpft das Kapital, statt zu wachsen
Wechseln wir vom Arbeitsmarkt in den Krypto-Markt, denn hier zeigt sich die Schwäche direkt. Stablecoins wie USDT und USDC sind das Kaufkapital im Krypto-System. Wichtig zu verstehen: Sie werden neu ausgegeben, wenn die Nachfrage steigt, und wieder eingezogen, also verbrannt, wenn die Nachfrage sinkt. Damit sind sie ein sehr ehrliches Mass dafür, ob Geld in den Markt hinein oder aus ihm heraus fliesst.
Und im Moment fliesst es heraus. Die Marktkapitalisierung von USDC und USDT ist in den letzten 30 Tagen um 3,6 und 2 Prozent gefallen. Dieser Rückgang läuft nicht erst seit gestern, sondern zieht sich seit November 2025. Es hat also über Monate mehr Kapital den Krypto-Markt verlassen, als neu hineingekommen ist.
Das erklärt einen grossen Teil der Zähigkeit, die wir spüren. Ein Markt, dem das Kaufkapital langsam entzogen wird, kann keine kräftigen Bewegungen nach oben machen, egal wie günstig etwas aussieht. Wir sind in einem Umfeld, in dem die Liquidität zunehmend knapp wird, und das ist der Gegenwind, gegen den der Preis gerade ankämpft.
Makro · Das Geld an der Seitenlinie
8,3 Billionen Dollar warten in Geldmarktfonds, ein Allzeithoch
Und wo ist das Geld, das nicht im Krypto-Markt und nicht in den Risiko-Anlagen steckt? Es sitzt an der Seitenlinie. In den US-Geldmarktfonds liegen aktuell 8,3 Billionen Dollar, ein absolutes Allzeithoch. Geldmarktfonds sind der sichere Parkplatz für Kapital, das keinen Risiko-Appetit hat und lieber einen sicheren Zins kassiert.
Der Grund für diesen Rekord ist genau die harte Fed. Solange man auf sicheres Geld rund vier Prozent Zins bekommt, gibt es für viele Anleger keinen Grund, in etwas Riskantes wie Bitcoin zu gehen. Das Cash bleibt lieber im Trockenen und verdient dort ohne Nervenkitzel. Das ist die andere Seite der Liquiditätsklemme aus dem letzten Abschnitt.
Aber hier steckt auch die Chance für später. Diese 8,3 Billionen sind kein verlorenes Geld, sie sind aufgestautes Kaufpotenzial. In dem Moment, in dem die Fed die Zinsen senkt und der sichere Parkplatz weniger abwirft, beginnt dieses Kapital, sich wieder nach Rendite umzuschauen. Genau deshalb ist der Arbeitsmarkt vom Anfang so wichtig. Er ist der Auslöser, der diese Kette irgendwann in Bewegung setzt.
On-Chain · True Market Mean
Die aktiven Bitcoin-Investoren sitzen im Schnitt auf 20 Prozent Verlust
Kommen wir zu Bitcoin selbst und der Frage, wie weh es den Anlegern schon tut. Es gibt eine Kennzahl namens True Market Mean, die den durchschnittlichen Einstandspreis der aktiven Bitcoin-Investoren misst. Aktiv heisst, alte, seit Ewigkeiten unbewegte oder verlorene Coins werden herausgerechnet, sodass nur der Teil zählt, der wirklich am Markt teilnimmt. Dieser Durchschnitt liegt aktuell bei rund 76'700 Dollar und wirkt jetzt als Widerstand, weil viele dort einfach nur ohne Verlust aussteigen wollen.
Setzt man den aktuellen Preis ins Verhältnis zu diesem Einstand, ergibt sich ein Wert von rund 0,8. Das bedeutet, die aktiven Investoren sitzen im Schnitt auf einem Verlust von etwa 20 Prozent. Das ist spürbarer Schmerz und ein Zeichen, dass der Markt bereits ordentlich durchgeschüttelt wurde.
Trotzdem eine ehrliche Einordnung, damit du es richtig gewichtest. In früheren Bärenmärkten fiel dieser Wert auf 0,5 bis 0,6, was Verlusten von 40 bis 50 Prozent entsprach. So weit sind wir also nicht. Ich würde nicht behaupten, dass wir zwingend dorthin müssen, gerade wegen der grösseren Akzeptanz von Bitcoin in diesem Zyklus. Aber es zeigt, dass es kurzfristig durchaus noch ungemütlicher werden kann. Bitcoin macht bisher seine eigenen zyklischen Regeln, und daran haben auch die Institutionen und ETFs nichts geändert. Das gebietet Demut.
On-Chain · Zeit über dem Preis
Zum ersten Mal war Bitcoin an über 850 Tagen seiner Geschichte teurer als heute.
Zum Abschluss ein Blick, der Mut macht, ohne kitschig zu sein. Eine Kennzahl zählt, an wie vielen Tagen seiner Geschichte Bitcoin über dem heutigen Preisniveau gehandelt hat. Aktuell sind das zum ersten Mal überhaupt mehr als 850 Tage. Vereinfacht gesagt: Auf diesem Niveau lag der Preis in der Vergangenheit schon sehr, sehr oft, und war danach meistens deutlich höher.
Schaut man auf den historischen Verlauf, fallen diese hohen Werte immer wieder mit Phasen zusammen, in denen der Markt müde und ausgelutscht war, bevor er eine neue Aufwärtsphase startete. Es ist die Art Zone, in der geduldige Investoren über die Zeit belohnt wurden, während die Ungeduldigen aufgegeben haben.
Was ich daraus lese, ist kein Kaufsignal für morgen, sondern eine Einordnung des Zeitrahmens. Für mich sehen die nächsten Monate nach einer Phase aus, in der Bitcoin seine Basis baut, in der viele Anleger noch die Geduld verlieren, und aus der heraus dann die eigentliche Bewegung kommt. Ich sage bewusst Monate, nicht Tage. Es ist die Ruhe vor dem nächsten Kapitel, und genau in solchen Phasen entscheidet sich, wer am Ende dabei ist.
Der Riss ist die Chance, aber sie braucht Zeit
Fassen wir zusammen, was diese Woche wirklich zählt. Der US-Arbeitsmarkt bekommt Risse, und zwar deutlichere, als die Schlagzeile zugibt. Vollzeitjobs verschwinden im Rekordtempo, die Zahlen werden Monat für Monat nach unten korrigiert, und die ehrlichere Haushaltsumfrage zeigt einen massiven Rückgang. Das ist wichtig, weil ein kippender Arbeitsmarkt am Ende die Fed zwingt, ihre harte Haltung aufzugeben. Und erst dann fällt der Dollar, und erst dann bekommt Bitcoin wieder Rückenwind.
Der Haken ist die Zeit. Noch sind die Signale gemischt genug, dass die Fed einfach abwarten kann. Solange sie das tut, sitzen rekordhohe 8,3 Billionen im Geldmarkt und kassieren lieber sicheren Zins, die Krypto-Liquidität schrumpft, und die aktiven Bitcoin-Investoren sitzen auf 20 Prozent Verlust. Das ist ein zähes, liquiditätsarmes Umfeld, in dem sich nichts erzwingen lässt.
Deshalb ist meine Haltung ruhig und geduldig. Ich sehe die nächsten Monate als eine Phase, in der Bitcoin seine Basis baut und die Ungeduldigen noch aussteigen. Ich sammle in dieser Phase diszipliniert ein, ohne Hektik, im klaren Bewusstsein, dass es kurzfristig noch ungemütlicher werden kann. Der Riss im Arbeitsmarkt ist die eigentliche Chance, denn er ist der Anfang der Kette, die den Dollar irgendwann bricht. Aber ich zwinge nichts, ich warte, bis die Kette wirklich in Bewegung kommt.
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