Die Zange
Der Käufer hat sich umgedreht, das Wachstum bricht ein, die Inflation läuft heiss. Bitcoin steckt zwischen der Makro-Decke und dem On-Chain-Boden, und am 29. Juli entscheidet die Fed.
Hey Leute, in Letter XIV war der Käufer endlich da. Fünf Tage ETF-Zuflüsse in Folge, der Sprung über die 64'800er Wand, Wall Street am Drücker. Ich habe damals zwei offene Bestätigungen genannt, die wir sehen wollen, bevor ich dem Ausbruch traue. Die Rückeroberung der 68'700er Kostenbasis und ein Coinbase Premium, der endlich ins Plus dreht.
Vier Tage später sieht das Bild anders aus. Der Käufer ist nicht nur stehen geblieben. Er hat sich umgedreht. Am 23. und 24. Juli sind zusammen rund 465 Mio aus den ETFs abgeflossen, die erste rote Serie seit dem Ausbruch. Der Preis ist von seinem Hoch bei rund 66'950 zurückgefallen und klebt jetzt wieder an der 64000er Wand.
Und wenn du den letzten Letter noch im Kopf hast, weisst du genau, welches meiner drei Szenarien das ist. Ich hatte dir drei Wege skizziert.
Szenario 1, bullisch, Bitcoin erobert die 68'700er Kostenbasis zurück und der Coinbase Premium dreht ins Plus, dann kommt die zweite Stufe.
Szenario 2, Geduld, der Preis hält die 64'800 und pendelt seitwärts bis zur Fed.
Und Szenario 3, der Fake-Ausbruch als Liquidity Grab, der Sprung über die Wand war gar kein echter Ausbruch, sondern ein gezielter Griff nach der Liquidität darüber, mit anschliessender Umkehr.
Eingetreten ist Szenario 3. Keine der beiden Bestätigungen, die ich sehen wollte, ist gekommen. Bitcoin hat die 68'700 nie zurückerobert, der Coinbase Premium ist nie sauber ins Plus gedreht, und statt der zweiten Stufe kam die Umkehr. Der Markt hat oben an den hellen Liquiditätslinien bei rund 67'600 die aufgestauten Orders eingesammelt und danach nach unten gedreht, genau wie im dritten Szenario beschrieben.
Das ist wichtig, weil es dir zeigt, dass wir nicht überrascht dastehen. Der Weg, auf dem wir gerade laufen, war einer der drei, die wir schon auf dem Tisch hatten.
Und das Timing könnte nicht angespannter sein. Wir laufen in die dichteste Woche des Jahres. Am 29. Juli entscheidet die Fed, am 30. kommen Inflation und Wachstum im Doppelpack, am 31. verfällt der grosse Optionsmonat.
In dieser Ausgabe zeige ich dir die Zange, in der Bitcoin gerade steckt. Von oben drückt die Makro-Decke, von unten trägt der On-Chain-Boden, und in der Mitte steht der Preis und wartet auf Warsh.
Ich sage dir, woran ich die Auflösung festmache und was ich konkret tue. Also, letsgo.
Marktstruktur · Preis und Open Interest
Der Ausbruch über 66'000 hat nicht getragen, der Preis fällt an die Wand zurück.
Schau dir zuerst nur den Preis an. Am 21. Juli stand Bitcoin bei rund 66'750, dem höchsten Punkt seit Wochen und mein 67'000er Magnet aus den letzten Ausgaben in Sichtweite. Seitdem geht es Stufe für Stufe abwärts, über den 22., 23. und 24. Juli, bis auf rund 64'000 heute. Damit sind wir schon wieder einen Tick unter die 64'800er Wand gerutscht, die wir im letzten Letter mit so viel Mühe von unten gebrochen haben. Der Boden, den wir sieben Tage lang erobert haben, ist also bereits zurück in Gefahr, und wir stehen genau an der Kante, die über Test oder Fehlausbruch entscheidet.
Das Entscheidende steht darunter im Open Interest, also der Summe aller offenen Terminkontrakte. Diese Zahl ist mit rund 21,8 Mrd weiter hoch, obwohl der Preis gefallen ist. Normalerweise baut sich bei einem Rückgang auch die Spekulation ab, die Leute schliessen ihre Positionen. Hier bleibt der Hebel im System, während der Preis nachgibt. Das heisst, die Wetten wurden nicht aufgelöst, sondern eher umgeschichtet, und ein voller Terminmarkt bei fallendem Kurs ist immer eine Warnung. Er ist der Zunder für schnelle, heftige Bewegungen in beide Richtungen.
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