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Warum die meisten Trader Geld verlieren

Europäische CFD-Broker müssen offenlegen, wie viele Konten ihrer Privatkunden Geld verlieren. Diese Zahlen, die grossen Studien zu Daytradern und die Liquidationen am Kryptomarkt zeigen dasselbe Muster und auch, woran es liegt.

Warum die meisten Trader Geld verlieren

Dass die meisten Trader verlieren, hört man oft, meistens als Floskel. Dahinter stehen harte Daten: Pflichtangaben der Broker, Aufsichtsstudien und die Handelsdaten ganzer Börsen. Sie sind erstaunlich einheitlich und erklären ziemlich genau, warum es so ist.

01
Die Pflichtzahl

Drei von vier Konten verlieren Geld

Wer in der EU auf der Webseite eines CFD-Brokers landet, findet dort immer einen kurzen Warnhinweis. Er sagt, wie viel Prozent der Privatkundenkonten bei diesem Anbieter mit CFDs Geld verlieren. Die europäische Wertpapieraufsicht ESMA hat ihn 2018 vorgeschrieben.

Ein CFD ist ein Vertrag auf die Kursdifferenz einer Aktie, eines Index, einer Währung oder eines Rohstoffs. Man kauft den Basiswert nicht selbst, man setzt mit Hebel auf seine Bewegung. Gegenpartei ist in der Regel der Anbieter selbst.

Die Zahl wird alle drei Monate neu berechnet und deckt jeweils die letzten zwölf Monate ab. Ein Konto zählt als verlierend, wenn alle CFD-Ergebnisse zusammen negativ sind, alle Gebühren und Kosten eingerechnet. Konten, die im ganzen Zeitraum keine Position hatten, zählen nicht mit.

74 %
So viele Privatkonten verlieren beim mittleren von 14 grossen CFD-Brokern in der EU Geld. Stand ist der 25. Oktober 2026.

Am 25. Oktober 2026 meldeten 14 grosse, in der EU zugelassene Anbieter Werte zwischen 55 % bei eToro und 84 % bei Libertex. Zehn der vierzehn liegen bei 70 % oder höher.

Anteil verlierender Privatkonten bei 14 CFD-Anbietern in der EU, Stand 25. Oktober 2026: Libertex 84 Prozent, NAGA 77,4, XTB 77, OANDA 77, Pepperstone 76,1, IG, Tickmill und Admirals je 74, ActivTrades 72, CMC Markets 70, Saxo 66, FXCM 65, Interactive Brokers 58,9 und eToro 55 Prozent. Der Median liegt bei 74 Prozent.
Quelle: Risikowarnungen der Anbieter auf ihren EU-Webseiten, abgelesen am 25.10.2026; Median eigene Berechnung

Die tiefsten Werte haben Anbieter wie Interactive Brokers und eToro, bei denen viele Kunden CFDs nur nebenbei nutzen. Das dürfte einen Teil des Abstands erklären.

Die Zahl hat eine Grenze. Sie zählt Konten, nicht Menschen und nicht Beträge. Ein Konto mit 5 Euro Verlust wiegt genau gleich viel wie eines mit 50'000 Euro.

02
Vor 2018

Kein schlechtes Jahr, ein Dauerzustand

Die Pflichtzahl hat eine Vorgeschichte. Bevor die ESMA eingriff, hatten die Aufsichten in acht europäischen Ländern die Konten von CFD-Kunden ausgewertet. Überall verlor eine klare Mehrheit, von 74 % in Irland bis über 89 % in Frankreich.

Anteil der CFD-Privatkunden mit Verlust in neun Studien nationaler Aufsichten von 2009 bis 2017: Frankreich 89 Prozent, Spanien, Norwegen und Grossbritannien je 82, Polen 79,7, Italien 78, Zypern 76, Irland 75 und 74 Prozent. Hinterlegt ist die Spanne der ESMA-Standardwarnung von 74 bis 89 Prozent.
Quelle: ESMA, Beschluss (EU) 2018/796, Erwägungsgründe 35 und 36

Bemerkenswerter als die Höhe ist die Stabilität. In Polen lag der Anteil der aktiven CFD-Kunden mit Verlust von 2012 bis 2017 in jedem einzelnen Jahr zwischen 79 % und 82 %. In Frankreich blieb er von 2009 bis 2013 ebenfalls fast gleich, obwohl Aktien und Rohstoffe in diesen Jahren sehr unterschiedlich liefen.

Die ESMA spricht deshalb von einem strukturellen Merkmal des Renditeprofils. Damit fällt die bequemste Erklärung weg, die Kunden hätten einfach ein schlechtes Jahr erwischt. Wer in jedem Marktumfeld ungefähr gleich oft verliert, verliert nicht wegen des Marktumfelds.

Auch der Durchschnittsverlust führt in die Irre. In Frankreich verlor ein Kunde im Schnitt 10'887 Euro, der mittlere Kunde aber nur 1'843 Euro. Die meisten verlieren also überschaubare Beträge, eine Minderheit verliert sehr viel.

03
Brasilien

Vom Daytrading leben kann fast niemand

Was geschieht, wenn jemand jahrelang dranbleibt, zeigt eine Studie aus Brasilien. Die Ökonomen Chague, De-Losso und Giovannetti verfolgten alle 19'646 Personen, die 2013 bis 2015 zum ersten Mal mit Mini-Futures auf den brasilianischen Aktienindex Daytrading betrieben, also innerhalb eines Tages kauften und wieder verkauften.

97 %
So viele der 1'551 brasilianischen Daytrader, die an mehr als 300 Tagen handelten, verloren Geld. Einen Lerneffekt fanden die Autoren nicht.

Noch härter ist der Blick auf die Gewinner. Von diesen 1'551 Ausdauernden verdiente nur rund ein halbes Prozent mehr als das Anfangsgehalt eines Bankangestellten, umgerechnet 54 Dollar pro Tag. Etwa ein Prozent kam über den brasilianischen Mindestlohn von 16 Dollar pro Tag.

Der Beste von allen verdiente im Schnitt 310 Dollar pro Tag, mit Schwankungen um ein Vielfaches davon. Das Fazit der Autoren: Vom Daytrading zu leben ist praktisch unmöglich, auch wenn Anbieter von Trading-Kursen anderes versprechen.

Die Aufteilung nach Handelstagen zeigt ein deutliches Gefälle. Von denen, die nur an einem einzigen Tag handelten, lag knapp ein Drittel im Plus. Bei mehr als 300 Tagen waren es noch rund 3 %.

Die Logik dahinter ist einfach. Wer einmal handelt, kann Glück haben. Wer hunderte Male handelt, bezahlt hunderte Male Kosten, und das Glück gleicht sich aus.

Anteil der brasilianischen Daytrader mit Nettogewinn nach Anzahl Handelstagen: 29,8 Prozent bei einem Tag, 15,5 bei 2 bis 50, 8,9 bei 51 bis 100, 6,8 bei 101 bis 200, 5,4 bei 201 bis 300 und 3,0 Prozent bei über 300 Tagen.
Quelle: Chague, De-Losso, Giovannetti, Day Trading for a Living? (SSRN 3423101)
04
Taiwan

Wohin das Geld der Privatanleger fliesst

Wenn so viele verlieren, muss das Geld irgendwo hin. Taiwan ist einer der wenigen Orte, an denen sich das für ein ganzes Land nachrechnen lässt. Die Ökonomen Barber, Lee, Liu und Odean werteten dafür die vollständigen Handelsdaten der Börse Taiwan aus.

2,2 %
So viel des taiwanischen Bruttoinlandprodukts entsprachen die Verluste, die Privatanleger 1995 bis 1999 durch ihr Handeln erlitten. Gemessen an allen persönlichen Einkommen waren es 2,8 %.

Pro Jahr kostete das Handeln die Privatanleger 3,8 Prozentpunkte Rendite. Institutionelle Anleger machten im gleichen Zeitraum Gewinne, und fast die Hälfte davon ging an ausländische Häuser.

Insgesamt verloren die Privaten in diesen fünf Jahren 935 Mrd. Taiwan-Dollar, rund 32 Mrd. US-Dollar. Der grösste Posten waren dabei keine schlechten Entscheide. Gut ein Drittel ging an die Transaktionssteuer, fast ein weiteres Drittel an Kommissionen.

Zerlegung des Verlusts der Privatanleger in Taiwan 1995 bis 1999, insgesamt 935 Milliarden Taiwan-Dollar: Transaktionssteuer 319 Milliarden (34,1 Prozent), Kommissionen 302 Milliarden (32,3 Prozent), schlechte Titelauswahl 249 Milliarden (26,6 Prozent), Market Timing 65 Milliarden (7 Prozent). Die Kosten machen zusammen 66 Prozent aus.
Quelle: Barber, Lee, Liu, Odean (2009), Review of Financial Studies 22(2)

Zwei Drittel des Verlusts waren also reine Kosten. Nur gut ein Viertel ging auf schlecht gewählte Aktien zurück. Dabei waren die Sätze klein, die Steuer betrug 0,3 % pro Verkauf. Kleine Sätze, sehr oft bezahlt, ergeben den grössten Posten.

Die Handelsverluste stammten praktisch alle aus Marktorders, die sofort zum aktuellen Preis ausgeführt werden. Die Verluste der Privaten verschwinden also nicht einfach, ein guter Teil landet bei den Profis und ein anderer beim Staat.

05
USA

Wer am meisten handelt, behält am wenigsten

In den USA werteten Barber und Odean die Konten von 66'465 Haushalten eines grossen Discountbrokers von 1991 bis 1996 aus. Sie teilten sie nach ihrer Handelsaktivität in fünf gleich grosse Gruppen.

Vor Kosten waren alle fünf Gruppen praktisch gleich gut, mit 18,5 bis 18,7 % Rendite pro Jahr. Nach Kosten liegen sie weit auseinander. Das aktivste Fünftel, das jeden Monat gut ein Fünftel seines Depots umschichtete, kam netto auf 11,4 % pro Jahr. Das ruhigste Fünftel erzielte 18,5 %, der Markt 17,9 %.

Durchschnittliche Monatsrendite von 66'465 US-Haushalten 1991 bis 1996 in fünf Gruppen nach Handelsaktivität: brutto zwischen 1,47 und 1,55 Prozent pro Monat, netto beim ruhigsten Fünftel 1,47 Prozent, beim aktivsten Fünftel mit 21,5 Prozent Depotumschlag pro Monat nur 1,01 Prozent.
Quelle: Barber, Odean (2000), Journal of Finance 55(2), Tabelle V

Mehr Handel brachte also keine besseren Entscheide, nur mehr Kosten. Die Autoren führen das auf Selbstüberschätzung zurück: Wer seine Fähigkeiten überschätzt, handelt öfter, als seine Informationen es rechtfertigen.

Ihr Aufsatz heisst entsprechend «Trading Is Hazardous to Your Wealth». Schon der durchschnittliche Haushalt, der drei Viertel seines Depots pro Jahr umschichtete, blieb netto unter dem Markt.

06
Gebühren und Funding

Der Hebel vervielfacht auch die Kosten

An modernen Krypto-Börsen wirkt die einzelne Gebühr winzig. Gehandelt werden dort vor allem Perpetual Futures, Terminkontrakte ohne Verfallsdatum, mit denen man gehebelt auf Kurse setzt. Auf Hyperliquid, einer der günstigsten dieser Börsen, kostet ein Auftrag 0,045 % des Positionswerts.

Die Gebühr fällt allerdings auf den ganzen Positionswert an und nicht auf das eingesetzte Geld. Der Hebel vervielfacht sie deshalb. Wer 20 Mal im Monat ein- und wieder aussteigt, zahlt ohne Hebel 21,6 % seines Kapitals pro Jahr, mit 5-fachem Hebel schon mehr als das ganze Kapital.

216 %
So viel des eingesetzten Kapitals kosten allein die Gebühren pro Jahr bei 20 Ein- und Ausstiegen im Monat und 10-fachem Hebel, selbst auf einer der günstigsten Börsen. Spread und Slippage kommen noch dazu.
Gebühren pro Jahr in Prozent des eingesetzten Kapitals bei 0,045 Prozent pro Auftrag: bei 5 Ein- und Ausstiegen pro Monat 5,4 Prozent ohne Hebel, 27 mit 5-fachem und 54 mit 10-fachem Hebel; bei 20 pro Monat 21,6, 108 und 216 Prozent; bei 100 pro Monat 108, 540 und 1'080 Prozent.
Quelle: Hyperliquid, Basis-Taker-Gebühr, Stand Oktober 2026; eigene Berechnung, ohne Spread, Slippage und Funding

Spread ist der Abstand zwischen Kauf- und Verkaufskurs, Slippage die Abweichung vom erwarteten Preis. All das muss ein Trader erst verdienen, bevor er einen Franken Gewinn macht.

Dazu kommt die laufende Miete für den Hebel, das Funding. Die überfüllte Seite zahlt der anderen regelmässig einen Betrag, damit der Kontraktpreis nahe am Kassakurs bleibt. In Aufwärtsphasen sind das fast immer die Käufer.

Wer auf Hyperliquid in den zwölf Monaten bis Oktober 2026 durchgehend eine Bitcoin-Long-Position hielt, zahlte 5,84 % des Positionswerts an Funding. Bei 10-fachem Hebel entspricht das rund 58 % des Einschusses. Im Jahr davor war das Funding mehr als doppelt so hoch.

Wie viel eines Anstiegs mit geliehenem Geld gekauft wird, habe ich in «Geliehene Stärke»Member nachgezeichnet. Für die Rechnung hier reicht die Mechanik: Wer gehebelt kauft und hält, zahlt laufend mit, auch wenn der Kurs gar nicht fällt.

08
Hebel

Schon kleine Bewegungen löschen den Einschuss aus

Hebel heisst: Man hinterlegt nur einen Teil des Positionswerts als Sicherheit, den sogenannten Einschuss. Bei 10-fachem Hebel sind das 10 %. Fällt der Kurs um 10 %, ist dieser Einschuss vollständig weg.

Bei 50-fachem Hebel genügen 2 % Gegenbewegung, bei 100-fachem 1 %. In der Praxis schliesst die Börse die Position sogar etwas früher, weil eine Mindestsicherheit stehen bleiben muss. Diese Zwangsschliessung heisst Liquidation.

Wie oft Bitcoin so weit fällt, lässt sich auszählen. Die Börse OKX rechnet ihre Tageskerzen jeweils von 16 Uhr bis 16 Uhr UTC. In den 730 Tagen bis zum 25. Oktober 2026 fiel der Kurs dort von der Tageseröffnung bis zum Tagestief an 396 Tagen um mindestens 1 % und an 222 Tagen um mindestens 2 %.

Wer jeden Tag zur Tageseröffnung mit 100-fachem Hebel auf steigende Kurse setzte, hätte also an mehr als der Hälfte aller Tage den ganzen Einschuss verloren. Mit 50-fachem Hebel traf es fast jeden dritten Tag. Mit 2- bis 5-fachem Hebel reichte dagegen kein einziger Tagesrückgang. Die Zählung unterschätzt das Risiko eher, denn sie erfasst nur Bewegungen innerhalb eines solchen Börsentags und keine Gebühren.

Anzahl Tage von 730 bis zum 25. Oktober 2026, an denen Bitcoin von der Eröffnung der OKX-Tageskerze um 16 Uhr UTC bis zum Tagestief so weit fiel, dass eine Long-Position ihren ganzen Einschuss verlor: bei 2-, 3- und 5-fachem Hebel an keinem Tag, bei 10-fachem an 5 Tagen, bei 20-fachem an 31, bei 50-fachem an 222 und bei 100-fachem an 396 Tagen.
Quelle: OKX, BTC-USDT-Tageskerzen; eigene Berechnung, nur Bewegungen innerhalb einer Tageskerze, ohne Gebühren

In der EU gelten für CFDs seit 2018 Hebelgrenzen für Privatkunden, bei Kryptowährungen etwa höchstens 2:1. Zudem kann niemand mehr verlieren, als auf dem Konto liegt. Auf vielen Krypto-Plattformen ausserhalb dieser Regeln sind 50- bis 100-fache Hebel dagegen üblich.

Den Anteil der Verlierer hat die Grenze nach Einschätzung der FCA nicht gesenkt, die Verlustsummen dagegen schon, hochgerechnet um 309 Mio. Pfund pro Jahr. Der Hebel bestimmt also vor allem, wie viel und wie schnell jemand verliert. Ob jemand verliert, hängt stärker an Kosten und Verhalten.

09
Liquidationen

Fast immer trifft es die Käufer

Am Kryptomarkt lässt sich die Wirkung des Hebels fast in Echtzeit verfolgen, weil jede Zwangsschliessung in den Liquidationsstatistiken auftaucht. Long-Liquidationen treffen Käufer bei fallenden Kursen, Short-Liquidationen jene, die auf fallende Kurse gesetzt haben.

Unter den 52 grössten Liquidationstagen, die der Datendienst CoinGlass erfasst hat, waren 47 von Long-Liquidationen geprägt. Zusammen entfielen 79,7 % des Volumens auf die Käuferseite. Der Rekord fiel auf den 10. Oktober 2025, mit 19,16 Mrd. Dollar an einem Tag und 1,63 Millionen liquidierten Tradern.

Die 15 grössten Liquidationstage am Kryptomarkt laut CoinGlass als gestapelte Balken aus Long- und Short-Liquidationen. Mit Abstand am grössten war der 10. Oktober 2025 mit 19,2 Milliarden Dollar, davon 16,7 Milliarden Long. Fast alle Tage sind von Long-Liquidationen geprägt, die Ausnahme ist der 19. August 2026.
Quelle: CoinGlass, Top Crypto Liquidation Events, abgerufen am 25.10.2026; Nominalwert der Positionen, nicht Verlust

Diese Summen sind der Wert der zwangsgeschlossenen Positionen und nicht der Verlust der Trader. Verloren ist meist der Einschuss, also ein Bruchteil davon. Weil die Börsen ihre Meldungen drosseln, dürften die wahren Werte eher höher liegen.

410 Mio. $
So viel an Long-Positionen wurde am Samstag, 24. Oktober 2026, innert eines halben Tages zwangsgeschlossen. Bitcoin fiel dabei nur um rund 2 %.

Für einen solchen Tag braucht es keinen Crash. In den 24 Stunden bis Sonntagnachmittag wurden mehr als 104'000 Trader liquidiert.

Der Grossteil fiel auf wenige Stunden am Nachmittag. An der Börse OKX, die jede Liquidation einzeln ausweist, entfielen 84 % der Long-Liquidationen auf die Zeit zwischen 14 und 17 Uhr UTC. Bitcoin fiel vom Hoch kurz vor 14 Uhr bei 80'847 Dollar bis zum Tief zwischen 15 und 16 Uhr auf 79'220 Dollar, um gerade einmal 2,0 %.

Long-Liquidationen auf OKX je Stunde vom 24. Oktober 2026, 14 Uhr UTC, bis 25. Oktober, 12 Uhr: 12,1 Millionen Dollar in der 14-Uhr-Stunde und 11,0 Millionen in der 15-Uhr-Stunde, danach kaum noch. Darüber der Bitcoin-Kurs mit einem Tief von 79'220 Dollar um 15 Uhr UTC.
Quelle: OKX Public API (BTC- und ETH-Perpetuals), eigene Stundensummen; nur OKX, nicht der ganze Markt

So viele Zwangsverkäufe bei einem so kleinen Rückgang sind nur möglich, wenn sehr viele Positionen mit hohem Hebel knapp über ihrer Liquidationsgrenze liegen. Bei 50-fachem Hebel reichen 2 % genau für den Totalverlust.

Wie ein solcher Rückgang aus Sicht der Marktteilnehmer aussieht, habe ich in «Getroffen»Member auseinandergenommen. Verkauft hatten damals die Futures-Trader und nicht die Halter.

10
Verhalten

Gewinne mitnehmen, Verluste aussitzen

Kosten und Hebel erklären viel, aber nicht alles. Ein weiterer Teil liegt im Verhalten. Odean wertete dazu 10'000 Konten eines US-Discountbrokers von 1987 bis 1993 aus und schaute, welche Positionen die Anleger verkauften.

Von ihren Buchgewinnen realisierten sie 14,8 %, von ihren Buchverlusten nur 9,8 %. Gewinne wurden also rund 50 % häufiger mitgenommen als Verluste. Nur im Dezember drehte sich das um, weil realisierte Verluste dann Steuern sparen.

Anteil der Buchgewinne und Buchverluste, die Anleger realisierten: über das ganze Jahr 14,8 Prozent der Gewinne gegen 9,8 Prozent der Verluste, von Januar bis November 15,2 gegen 9,4 Prozent, im Dezember 10,8 gegen 12,8 Prozent.
Quelle: Odean (1998), Journal of Finance 53(5), Tabelle I

Dieses Muster heisst Dispositionseffekt, und es kostet doppelt. Die verkauften Gewinneraktien entwickelten sich im Jahr darauf um 3,41 Prozentpunkte besser als die behaltenen Verlierer. Man verkauft, was weiterläuft, und hält, was weiter fällt.

Das zweite Muster ist das Weitermachen. In Taiwan hören über 75 % der Daytrader innert zwei Jahren wieder auf. Wer aber schon 50 Tage Erfahrung und eine Verlustgeschichte hatte, handelte mit 95,3 % Wahrscheinlichkeit auch in den nächsten zwölf Monaten weiter, kaum seltener als erfahrene Gewinner mit 96,4 %.

72 %
So viel des gesamten Daytrading-Volumens in Taiwan kam von Tradern, die bis dahin Geld verloren hatten. In den letzten Jahren der Untersuchung waren es rund 80 %.

Der grösste Teil des Handels kommt also von Menschen, die aus ihrer eigenen Bilanz wissen könnten, dass sie verlieren. Konsequenzen ziehen daraus nur wenige.

Was ich selbst aus einem Fehlsignal mitnehme, habe ich in «Fehlzündung»Member offen aufgeschrieben, mit dem Signal, das getäuscht hat.

11
Die Gewinner

Es gibt sie, aber es sind sehr wenige

Bleiben die Gewinner. In Taiwan betrieben von 1992 bis 2006 jedes Jahr rund 450'000 Personen Daytrading, und in einem typischen Jahr lag etwa ein Fünftel davon nach Gebühren im Plus.

Ein Gewinnjahr ist aber noch kein Können. Wäre alles Zufall, hätten 3,9 % in zwei aufeinanderfolgenden Jahren gewonnen. Tatsächlich waren es 6,6 %. Das ist mehr als Zufall, trotzdem waren zwei Drittel der Gewinner im nächsten Jahr wieder Verlierer.

unter 1 %
So klein ist in Taiwan der Anteil der Daytrader, die verlässlich und vorhersehbar Gewinn machen, nach Gebühren. Das sind je nach Kostenannahme 1'000 bis 4'000 Personen pro Jahr.

Diese kleine Gruppe ist tatsächlich gut. Die 500 Besten eines Jahres verdienten im Folgejahr nach Kosten 37,9 Basispunkte pro Tag, also gut ein Drittel Prozent täglich. Wer dagegen eine Verlustgeschichte hatte, verlor im Folgejahr weiter, vor und nach Kosten.

Anteil der Daytrader in Taiwan 1992 bis 2006: rund 20 Prozent mit Gewinn in einem Jahr, 6,6 Prozent auch im Folgejahr, bei reinem Zufall wären 3,9 Prozent zu erwarten, verlässlich profitabel ist weniger als 1 Prozent.
Quelle: Barber, Lee, Liu, Odean (2014), Journal of Financial Markets 18

Die Besten sind Vieltrader mit einer Gewinngeschichte, die auch auf fallende Kurse setzen und sich auf wenige Aktien konzentrieren. Dieselben Merkmale haben allerdings auch viele Verlierer, ein Rezept ist das also nicht.

Für die grosse Mehrheit der erfolgreichen Daytrader kommen die Autoren zu einem einfachen Urteil: Sie hatten Glück. Wer im einen Jahr vorne lag, war im nächsten meistens wieder hinten.

Fazit

Nullsumme minus Kosten

Pflichtangaben, Aufsichtsstudien und die Handelsdaten ganzer Länder zeigen über drei Jahrzehnte und vier Kontinente dasselbe Muster. Bei regulierten CFD-Brokern verlieren heute rund drei Viertel der Privatkonten, unter den ausdauernden Daytradern in Brasilien 97 %. Mit Pech hat das wenig zu tun, die Quote bleibt in guten wie in schlechten Jahren fast gleich.

Der Mechanismus ist einfach. Kurzfristiger Handel ist vor Kosten ungefähr ein Nullsummenspiel, oft gegen besser informierte Gegenparteien. Nach Kosten wird die Summe negativ, und die Kosten wachsen mit jeder Transaktion und mit jedem Hebel.

Hebel und Verhalten verstärken das. Der Hebel macht aus gewöhnlichen Schwankungen Totalverluste. Selbstüberschätzung führt zu mehr Handel, der Dispositionseffekt zu falschen Verkäufen, und wer verliert, hört selten auf.

Können gibt es durchaus, bei einer kleinen Minderheit. Die Daten zeigen aber, dass die Chance, zu den dauerhaften Gewinnern zu gehören, im tiefen einstelligen Prozentbereich liegt oder darunter. Wer kurzfristig handelt, tritt gegen genau diese Statistik an.

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The Sanctis Letter 19. September 2026
Was sich beim Sanctis Letter verändert hat

Ich habe in den letzten Wochen ziemlich viel am Sanctis Letter und am gesamten Memberbereich verändert.

Einige Dinge seht ihr sofort. Andere fallen wahrscheinlich erst auf, wenn ihr euch etwas durch die Plattform klickt.

Deshalb hier einmal alles gesammelt.

01
Neu gestaltet

Die Plattform sieht jetzt anders aus

Vor allem auf dem Handy war ich selbst nicht mehr zufrieden.

Es war teilweise zu voll und man musste zu lange suchen, bis man dort war, wo man eigentlich hinwollte. Deshalb habe ich die mobile Version fast komplett neu aufgebaut.

Die wichtigsten Bereiche findet ihr jetzt direkt unten in der Navigation.

Auch die Desktop-Version habe ich angepasst und an vielen Stellen aufgeräumt.

02
Neu

Auf Home findet ihr sofort den neusten Letter

Wenn ihr euch einloggt, seht ihr direkt den aktuellsten Sanctis Letter.

Darunter findet ihr auch die Inhalte, die ihr zuletzt gelesen habt. Wenn ihr einen Letter nicht fertig gelesen habt oder später noch einmal öffnen möchtet, müsst ihr ihn nicht erneut suchen.

Eine simple Änderung, die meiner Meinung nach schon lange gefehlt hat.

03
Neu geordnet

Research ist jetzt klarer aufgebaut

Im Research-Bereich findet ihr die Sanctis Letters und die kostenlosen Marktupdates sauber voneinander getrennt.

Ich spiele aktuell auch mit dem Gedanken, die normalen Letters teilweise etwas kürzer zu halten.

Nicht weniger Research und nicht weniger Inhalt. Einfach schneller zum eigentlichen Punkt.

Ich merke selbst, dass man nicht jeden Gedanken über zehn Absätze erklären muss. Mir ist wichtiger, dass ihr nach einem Letter genau wisst, was ich sehe, welche Szenarien ich beobachte und was meine Einschätzung verändern würde.

04
In Überlegung

Kurzfristige Einschätzungen

Im Bereich Updates findet ihr aktuell vor allem Änderungen rund um die Plattform.

Ich überlege gerade, dort zusätzlich kurzfristige Gedanken zum Markt zu veröffentlichen.

Also Beobachtungen, Veränderungen oder Einschätzungen, die wichtig sind, aber keinen kompletten Sanctis Letter benötigen.

Manchmal passiert etwas am Markt und ich möchte euch kurz sagen können, wie ich es einordne. Dafür jedes Mal einen ganzen Letter zu schreiben, macht keinen Sinn.

05
Neu

Ihr könnt mir direkt schreiben

Neu gibt es eine eigene Support-Seite.

Dort könnt ihr mir direkt Fragen stellen. Egal ob zu einem Sanctis Letter, zum Markt, zur Plattform oder zu einem anderen Thema.

Ihr müsst mir keine Mail schreiben oder mich irgendwo auf Social Media suchen. Alles läuft direkt über die Plattform.

Wenn ihr eine Anfrage sendet, schaut am nächsten Tag noch einmal rein. Ich habe euch dort dann sehr wahrscheinlich bereits geantwortet.

06
Kommt bald

Der Kalender kommt bald

Der neue Kalender ist noch nicht ganz fertig, sollte aber bald verfügbar sein.

Dort seht ihr, welche Letters, Playbooks und Live-Desk-Sessions ich als Nächstes plane.

Ich werde dort aber nicht drei Wochen im Voraus irgendwelche Themen eintragen, nur damit der Kalender voll aussieht.

Der Markt hält sich schliesslich auch nicht an meinen Plan.

Ihr seht, woran ich gerade arbeite und was als Nächstes geplant ist. Wenn plötzlich etwas Wichtigeres passiert, kann sich dieser Plan jederzeit ändern.

07
Geplant

Es wird grössere Playbooks geben

Neben den normalen Sanctis Letters möchte ich künftig auch deutlich längere Berichte zu einzelnen Themen veröffentlichen.

Zum Beispiel ein vollständiges Q4-Playbook mit meinen Erwartungen, verschiedenen Szenarien und den Punkten, bei denen sich meine Einschätzung ändern würde.

Diese Berichte werden als PDF auf der Plattform erscheinen und ebenfalls im Kalender angekündigt.

So muss ich nicht versuchen, jedes grössere Thema in einen normalen Letter zu pressen.

08
Neu

Der Live Desk

Neu gibt es ausserdem den Live Desk.

Das ist ein Chat, den ich zu bestimmten, vorher angekündigten Zeiten freischalten werde.

Zum Beispiel während eines FOMC-Meetings, bei wichtigen Marktereignissen oder wenn ich gerade aktiv den Markt analysiere.

Ihr könnt dort live mitlesen, Fragen stellen, selbst etwas schreiben oder mitdiskutieren.

Die Idee dahinter ist, euch näher an meine tatsächliche Arbeit zu bringen. Nicht immer erst Stunden später einen fertigen Rückblick veröffentlichen, sondern euch teilweise schon währenddessen zeigen, was ich gerade sehe und wie ich die Situation einordne.

Warum ein Chat und kein Livestream?

Weil ich kein Content Creator bin und auch keiner werden möchte.

Wenn ich während eines wichtigen Markttermins stundenlang in eine Kamera spreche, liegt mein Fokus irgendwann auf dem Stream und nicht mehr auf dem Markt.

Im Live Desk kann ich kurz eine Einschätzung schreiben, eine Frage beantworten oder eine Diskussion starten und mich danach wieder auf das konzentrieren, worum es eigentlich geht.

Den Markt.

09
Unverändert

Die Suche bleibt bestehen

An der Suche ändert sich nichts.

Ihr könnt weiterhin nach älteren Letters, Themen und anderen Inhalten suchen.

Jetzt brauche ich eure Meinung

Ich baue den Sanctis Letter am Ende nicht für mich.

Deshalb möchte ich von euch wissen, was euch noch fehlt.

Was nervt euch? Was ist unnötig kompliziert? Welche Funktion oder welches Format würdet ihr tatsächlich benutzen?

Ihr müsst daraus keinen schönen Text machen. Schreibt einfach ehrlich rein, was ihr denkt.

Ich lese alles.

0 / 4000

Zwei Felder, mehr nicht. Der Name ist freiwillig.

Angekommen. Danke dir.

Deine Zeilen liegen in meinem Postfach. Wenn du eine Antwort erwartest, schreib mir zusätzlich über die Support-Seite, hier gibt es kein Feld dafür.

Fabian De Sanctis
The Sanctis Letter
19. September 2026