Frische Longs
Der Kaufdruck an den Bitcoin-Futures ist laut CryptoQuant so hoch wie seit dem 19. August nicht mehr. Die neuen Wetten auf steigende Kurse, die sogenannten Longs, sind günstig zu halten, liegen aber nur knapp im Gewinn.
Am Futures-Markt wird kräftig aufgebaut: Das Open Interest, also die Summe aller offenen Kontrakte, stieg laut CryptoQuant in 24 Stunden um fast 9'000 BTC. Wer baut diese Positionen auf, wie heiss ist der Markt, und ab welchem Preis werden die neuen Longs verwundbar?
Positionsaufbau
Diesmal entstehen neue Positionen
Steigt das Open Interest zusammen mit dem Preis, kommen meist neue Wetten auf steigende Kurse in den Markt. Fällt es, während der Preis springt, kaufen vor allem Short-Verkäufer ihre Wetten zurück. Genau das geschah bei den beiden letzten Kaufspitzen am 19. August und am 21. September: Der Preis stieg um 6,5 bis 7,1 Prozent, das Open Interest auf der Derivatebörse OKX fiel oder legte kaum zu.
Jetzt ist es anders. Auf OKX stiegen die offenen Positionen im Bitcoin-Perpetual, einem Future ohne Verfallsdatum, in 24 Stunden um 4,5 Prozent, obwohl der Preis am 1. Oktober nur um 1,4 Prozent zulegte. Ein so starker Zuwachs kam seit Oktober 2024 nur an etwa jedem zehnten Tag vor. Zu den ganz grossen Spitzen fehlt aber noch einiges: Dafür bräuchte es an dieser Börse ein Plus von 7,5 Prozent.
Auch der Kaufdruck fällt auf OKX allein kleiner aus. Auf jeden Bitcoin, der dort zum Marktpreis verkauft wurde, kamen in den letzten 24 Stunden 1,02 gekaufte. Am 19. August waren es 1,175.
Frühere Spitzen
Was danach geschah
Seit Oktober 2024 legte das Open Interest auf OKX an 19 Tagen bei steigendem Preis kräftig zu. Eine, zwei und vier Wochen später lag der Preis jeweils in 47 Prozent der Fälle tiefer, praktisch gleich oft wie nach einem beliebigen Tag. Für die Preisrichtung taugt ein solcher Aufbau also nicht als Signal. Verlässlicher ist ein anderes Muster: In 68 Prozent der Fälle lag das Open Interest eine Woche später wieder tiefer, ein Teil der neuen Positionen verschwand also schnell.
Hebel
Der Hebel ist billig
Ob ein Markt überhitzt, zeigt sich am Preis des Hebels. Im Perpetual zahlen sich Long- und Short-Seite laufend eine Gebühr, das sogenannte Funding. Ist es hoch, zahlen die Longs viel dafür, ihre Wette offen zu halten.
Heute kostet das Funding die Longs aufs Jahr gerechnet rund 4 Prozent. Der Aufschlag der Quartals-Futures auf den aktuellen Preis liegt bei rund 5 Prozent, fast genau beim mittleren Wert der letzten zwei Jahre. Wie eine echte Überhitzung aussieht, zeigte Ende 2024 ein Funding von bis zu 68 Prozent.
Die Kleinanleger drängen sich ebenfalls nicht auf die Long-Seite. Auf OKX kamen zuletzt 1,04 Long-Konten auf jedes Short-Konto, weniger als an drei Vierteln der Tage seit April. An der CME wachsen und schrumpfen die Short-Positionen der Hedgefonds im Gleichschritt mit den Long-Positionen der Vermögensverwalter. Dahinter steckt für mich vor allem ein Basis-Handel: Bitcoin kaufen, den teureren Future verkaufen und den Aufschlag einstreichen.
| Kennzahl | Heute | 21.9.2026 | Warnschwelle | Hoch seit 2024 |
|---|---|---|---|---|
| OI-Zuwachs 24 h (OKX) | +4,45 % | +1,3 % | +7,5 % | +17,7 % |
| Funding p.a. (Deribit) | 4,1 % | 20,7 % | 15,5 % | 68,2 % |
| Basis p.a. (Deribit) | 5,1 % | 5,2 % | 11,5 % | 18,1 % |
Verwundbarkeit
Wo die neuen Longs liegen
Der Aufbau begann am Abend des 30. September. Im Schnitt wurden die neuen Positionen auf OKX bei 84'536 Dollar eröffnet, der Kurs liegt nur 2,2 Prozent darüber. Fast die Hälfte entstand zwischen 84'500 und 85'500 Dollar, weitere 40 Prozent zwischen 83'000 und 84'000 Dollar.
Fällt Bitcoin unter 84'500 Dollar, ist deshalb gut die Hälfte der neuen Positionen im Verlust, unter 83'500 Dollar sind es rund vier Fünftel und unter dem Tief von gut 83'400 Dollar alle. Ob daraus erzwungene Verkäufe werden, hängt vom Hebel ab. Bei zehnfachem Hebel liegt die Liquidation grob 10 Prozent unter dem Einstieg, bei 25-fachem nur rund 4 Prozent.
Frisch und billig finanziert
Am Futures-Markt entstehen echte neue Positionen, anders als bei den Kaufspitzen im August und September. Der Hebel ist dabei billig, und die Kleinanleger sind eher skeptisch. Eine Überhitzung sehe ich nicht.
Verwundbar sind die neuen Longs, weil sie so nah am Kurs eröffnet wurden und frühere Aufbauten meist innerhalb einer Woche wieder schrumpften. Ich schaue deshalb weniger auf das Funding als auf den Preis: Ein Rückfall unter 84'500 und vor allem unter 83'500 Dollar würde zeigen, ob diese Positionen halten. Die Einstiege sind auf OKX gemessen, auf Binance und Bybit können sie anders liegen.
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