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Satoshis Schloss

Rund ein Drittel aller Bitcoin liegt auf Adressen mit sichtbarem öffentlichem Schlüssel, darunter die Coins, die Satoshi zugeschrieben werden. Der Quantencomputer, der sie knacken könnte, fehlt noch, doch der Abstand ist 2026 deutlich geschrumpft. Jetzt streitet die Szene, ob gefährdete Coins eingefroren werden sollen.

Satoshis Schloss

Rund eine Million Bitcoin aus den Jahren 2009 und 2010 liegen bis heute unberührt auf der Blockchain, und sie werden Satoshi Nakamoto zugeschrieben. Seit Anfang 2026 liegt ein Vorschlag auf dem Tisch, solche Coins einzufrieren, bevor ein Quantencomputer sie öffnet. Wie nah diese Maschine wirklich ist und was der Streit für alle anderen Halter bedeutet, ist die Frage dieses Berichts.

01
Der Mechanismus

Was ein Quantencomputer knacken kann und was nicht

Jede Bitcoin-Zahlung beruht auf einem Schlüsselpaar. Der private Schlüssel ist eine geheime Zahl, aus ihr wird der öffentliche berechnet. Mit einer Signatur beweist der Besitzer, dass er den privaten Schlüssel kennt, ohne ihn zu verraten. Den Rückweg vom öffentlichen zum privaten Schlüssel schafft kein heutiger Computer: Selbst einer der schnellsten Supercomputer der Welt bräuchte rund hundert Billiarden Jahre.

Ein Quantencomputer könnte diese Einbahnstrasse umdrehen. Mit dem sogenannten Shor-Algorithmus liesse sich aus dem öffentlichen Schlüssel der private berechnen. Damit wären die Signaturen gebrochen, die Bitcoin heute nutzt, und der Angreifer könnte fremde Coins ausgeben, als wären es seine eigenen.

Das Mining ist dagegen kaum gefährdet, denn der dafür passende Grover-Algorithmus bringt nur einen mässigen Vorteil. Selbst unter sehr optimistischen Annahmen käme ein Quantenminer auf weniger als ein Hundertstel der Leistung eines einzigen gängigen Mining-Geräts. Die Obergrenze von 21 Millionen Bitcoin steht also nicht zur Debatte.

Am einfachsten stellt man sich einen Briefkasten vor. Das Schloss ist öffentlich, den Schlüssel hat nur der Besitzer. Ein Quantencomputer wäre ein Schlosser, der aus dem Schloss einen Schlüssel nachfeilen kann, aber nur, wenn er es sieht. Bei den ältesten Adressen und bei Taproot hängt es offen da. Bei den meisten anderen steckt es in einem verschlossenen Kasten, bis der Besitzer zum ersten Mal Geld herausnimmt.

Daraus ergeben sich zwei Arten von Angriffen. Liegt der Schlüssel schon lange offen, hat der Angreifer Jahre Zeit. Wird er erst beim Ausgeben sichtbar, muss er ihn knacken, bevor die Transaktion in einem Block landet. Ein Forschungsteam von Google schätzt, dass ein schneller Quantencomputer so eine gewöhnliche Zahlung mit knapp 41 Prozent Wahrscheinlichkeit abfangen könnte. Langsamere Bauarten kämen zunächst nur an Schlüssel, die schon offen liegen.

02
Die Bestände

Ein Drittel aller Bitcoin hat das Schloss offen

Anfang August 2026 lagen rund 7,06 Millionen Bitcoin auf Adressen, deren öffentlicher Schlüssel auf der Blockchain sichtbar ist. Das sind 35 Prozent des damaligen Angebots. Je nach Zählweise landet man zwischen einem Viertel und gut einem Drittel.

Der grösste einzelne Block sind die 1,72 Millionen Bitcoin im ältesten Format P2PK, in dem der Schlüssel direkt im Output steht. Wiederverwendete moderne Adressen wiegen zusammen aber mehr. Allein auf Standardadressen mit bc1q liegen 1,97 Millionen Bitcoin mit offenem Schlüssel. Taproot macht mit 0,22 Millionen nur einen kleinen Teil aus.

Balkendiagramm: Bitcoin mit sichtbarem öffentlichem Schlüssel nach Adresstyp, Stand 4. August 2026, in Millionen BTC. bc1q (P2WPKH) 1,97, P2PK 1,72 (hervorgehoben), Adressen mit 3 (P2SH) 1,28, mit 1 (P2PKH) 1,18, P2WSH 0,69, Taproot 0,22. Zusammen 7,06 Millionen, 35 Prozent des Angebots.
Quelle: Wicked Smart Bitcoin Quantum Exposure, Block 961000 (4.8.2026); eigene Auswertung.

Wiederverwendung öffnet das Schloss auf einfache Weise. Wer mehrmals Geld auf dieselbe Adresse empfängt und einmal davon ausgibt, hat den Schlüssel gezeigt. Was danach noch dort liegt, ist genauso exponiert wie eine Münze aus dem Jahr 2009.

Der exponierte Anteil fiel von 86 Prozent im Jahr 2010 auf rund 31 Prozent zwischen 2021 und 2024. Seither steigt er wieder, weil sich die exponierte Menge auf wiederverwendeten bc1q-Adressen seit Juli 2023 mehr als verdoppelt hat. Wer dahintersteht, ist nicht zu erkennen. Als typische Wiederverwender gelten grosse institutionelle Halter und Börsen.

Gestapelte Fläche: Bitcoin mit sichtbarem Schlüssel nach Adresstyp von 2010 bis August 2026, in Millionen BTC. Die P2PK-Schicht bleibt seit 2012 bei rund 1,7 bis 1,8 Millionen, die bc1q-Schicht (hervorgehoben) wächst seit 2023 stark. Der Anteil am Angebot fiel von 86 Prozent (2010) auf 31 Prozent (2021 bis 2024) und liegt 2026 bei 35 Prozent.
Quelle: Wicked Smart Bitcoin Quantum Exposure, Stichtage je 50'000 Blöcke bis Block 961000; eigene Auswertung.
03
Satoshis Coins

Der grösste ruhende Schatz liegt im ältesten Format

P2PK war das Format der frühen Mining-Belohnungen in den Jahren 2009 und 2010. Heute liegen darin rund 1,72 Millionen Bitcoin, und fast nichts davon hat sich je bewegt. Seit Oktober 2019 sind nur rund 40'000 Bitcoin abgeflossen, und neue P2PK-Outputs entstehen kaum noch.

Balkendiagramm mit logarithmischer Skala: neu erzeugte P2PK-Outputs pro Jahr von 2009 bis 2026. Bis 2021 jedes Jahr Tausende bis Hunderttausende, ab 2022 (hervorgehoben) nur noch 421, 220, 115, 41 (2025) und 50 (2026 bis 23. Oktober).
Quelle: mainnet.observer; eigene Auswertung, Stand 23.10.2026.

Ein grosser Teil dieses Bestands wird Satoshi Nakamoto zugeschrieben. Der Sicherheitsforscher Sergio Lerner fand in den frühesten Blöcken anhand technischer Eigenheiten der ersten Software das Muster eines einzigen dominanten Miners. Rund 22'000 Blöcke aus den Jahren 2009 und 2010 tragen es, und fast alle Belohnungen daraus sind unberührt. Bei 50 Bitcoin je Block ergibt das rund 1,1 Millionen Bitcoin.

Die Zuschreibung ist eine statistische Schlussfolgerung und kein Beweis, vorsichtigere Schätzungen gehen bis auf 600'000 Bitcoin hinunter. Ob die Schlüssel zu diesen Coins noch existieren, weiss niemand. Sicher ist nur, dass sie im Format liegen, in dem das Schloss offen hängt.

Nicht alles Exponierte ist verloren. Von den 7,06 Millionen offenen Bitcoin wurden 3,32 Millionen im letzten Jahr bewegt, ihre Besitzer könnten umziehen, sobald es ein sicheres Ziel gibt. Rund 1,89 Millionen ruhen seit über einem Jahr, 1,86 Millionen wurden nie bewegt.

Balkendiagramm: die 7,06 Millionen Bitcoin mit sichtbarem Schlüssel nach Aktivität. 3,32 Millionen im letzten Jahr bewegt, 1,89 Millionen seit über einem Jahr ruhend, 1,86 Millionen nie bewegt (hervorgehoben).
Quelle: Wicked Smart Bitcoin Quantum Exposure, Block 961000 (4.8.2026); eigene Auswertung.

Der harte Kern sind die ruhenden und wahrscheinlich zum Teil verlorenen Coins, je nach Schätzung rund 2,3 bis 2,6 Millionen Bitcoin. Viele ihrer Besitzer dürften nicht mehr umziehen können. Allein die P2PK-Coins sind heute etwa 139 Milliarden Dollar wert.

04
Die Maschinen

Der Bedarf ist geschrumpft, die Hardware noch nicht

Bei Quantencomputern gibt es zwei Arten von Qubits. Physische Qubits sind die eigentlichen Bauteile, und sie machen ständig Fehler. Erst viele davon zusammen ergeben mit einer Fehlerkorrektur ein logisches Qubit, das zuverlässig rechnet. Die rohe Qubit-Zahl einer Maschine sagt deshalb wenig über ihre Rechenkraft.

Im März 2026 hat das Google-Team neu berechnet, was ein Angriff auf einen Bitcoin-Schlüssel kostet. Je nach Variante braucht es weniger als 1'200 oder 1'450 logische Qubits. Auf einem supraleitenden Rechner wären das weniger als 500'000 physische Qubits, und ein Schlüssel wäre in 18 bis 23 Minuten geknackt. Ein Forscher des französischen Instituts Inria kam im Juni unabhängig auf fast dieselben Kosten.

Der Sprung ist gross. 2021 lag die Schätzung noch bei 13 Millionen physischen Qubits für einen Angriff, der einen ganzen Tag dauert. Heute sind es 26-mal weniger Qubits, und der Angriff dauert Minuten statt eines Tages. Bei den teuren Rechenschritten, die die Laufzeit eines solchen Angriffs bestimmen, ist die Schätzung seit 2017 um rund den Faktor 1'800 gefallen.

Punktdiagramm mit logarithmischer Skala: geschätzte physische Qubits für das Knacken eines Bitcoin-Schlüssels. 2021 rund 13 Millionen bei einem Tag Laufzeit, 2026 laut Google unter 500'000 bei Minuten (hervorgehoben), also 26-mal weniger. Grau zum Vergleich RSA-2048: 20 Millionen (2019) und 1 Million (2025).
Quelle: Webber et al. (arXiv:2108.12371); Babbush, Gidney et al. (arXiv:2603.28846); Gidney, Ekerå (arXiv:1905.09749); Gidney (arXiv:2505.15917).

Die Hardware ist davon noch weit entfernt. Das grösste gemeldete Qubit-Feld hat 6'100 Atome und kann noch nicht vollständig rechnen. Googles Chip Willow zeigte Ende 2024 mit 105 Qubits erstmals eine Fehlerkorrektur, bei der zusätzliche Qubits die Fehler senken statt erhöhen. Der Bedarf ist rund 80-mal so gross wie das grösste Feld und rund 4'800-mal so gross wie Willow.

Punktdiagramm mit logarithmischer Skala: grösste gemeldete Qubit-Zahlen je System von 2019 bis 2025, von Sycamore mit 53 bis zum Caltech-Feld mit 6'100 Atomen, Willow mit 105. Eine gelbe Linie markiert den Bedarf laut Google 2026 von unter 500'000 Qubits, rund 82-mal das grösste Feld.
Quelle: Nature 2019; IBM; Atom Computing; Google; Caltech; arXiv:2603.28846.

Bei den zuverlässigen Rechenschritten ist der Abstand noch grösser. IBM und die University of Chicago haben im Juli 2026 mit 70 logischen Qubits 468 der teuren Rechenschritte ausgeführt. Ein Angriff braucht 70 bis 90 Millionen davon, mehr als 100'000-mal so viele.

Die Fahrpläne der Hersteller zielen genau in diese Richtung. IBM plant für 2029 einen Rechner mit 200 logischen Qubits, ab 2033 einen mit bis zu 2'000 und einer Milliarde Rechenschritten. Das läge auf dem Papier in der Grössenordnung eines Angriffs. Fahrpläne sind aber nur Absichten.

05
Der Zeitpunkt

Wann der Q-Day kommen könnte

Den Tag, an dem ein Quantencomputer verbreitete Verschlüsselung bricht, nennt die Branche Q-Day. In einer Umfrage des Global Risk Institute vom März 2026 hält nur einer von 26 Experten ihn innerhalb von fünf Jahren für wahrscheinlich. Innerhalb von zehn Jahren sind es 23 Prozent, innerhalb von 15 Jahren 58 Prozent.

Gegenüber der Umfrage davor sind die Erwartungen nach vorne gerückt, beim Horizont von 15 Jahren von 34 auf 58 Prozent. Gefragt wird nach dem Knacken eines RSA-Schlüssels, und Bitcoins Kurve gilt als leichteres Ziel. Zudem kam die Google-Arbeit zum Teil erst nach der Befragung. Für Bitcoin dürften die Werte deshalb eher vorsichtig sein.

Säulendiagramm: Anteil der Experten, die einen kryptografisch relevanten Quantencomputer im jeweiligen Zeitraum für wahrscheinlich halten, Umfrage 2024 (grau) und 2025 (gelb). 5 Jahre: 3 und 4 Prozent, 10 Jahre: 16 und 23, 15 Jahre: 34 und 58, 20 Jahre: 59 und 69, 30 Jahre: 88 und 85.
Quelle: Global Risk Institute / evolutionQ, Quantum Threat Timeline Report 2024 und 2025.

Craig Gidney, einer der Google-Autoren, hält einen solchen Rechner innerhalb weniger Jahre für möglich, aber nicht für wahrscheinlich. Die US-Standardbehörde NIST hat 2024 die ersten quantensicheren Verfahren veröffentlicht, und nach ihrem Entwurf darf das Signaturverfahren, das auch Bitcoin nutzt, von US-Bundesbehörden nach 2035 nicht mehr verwendet werden.

Das Google-Team kommt zum Schluss, dass die Zeit bis zum ersten solchen Rechner noch länger ist als die Zeit, die Blockchains für eine Umstellung brauchen. Der Spielraum für Fehler werde aber immer kleiner.

06
Member

Vom langfristigen Risiko zur eigenen Position

Dieser Bericht zeigt, welche Coins offen liegen, wie weit die Maschinen sind und warum die Szene streitet. Ein Risiko mit einem Horizont von zehn oder mehr Jahren ist aber nur ein Teil dessen, was ich mir anschaue, wenn ich Bitcoin selbst einschätze.

In den Member-Berichten lege ich meine eigene Positionierung offen, dazu meine Thesen, Szenarien und die Levels bei Bitcoin, die für mich zählen. Im Sanctis Letter ordne ich den Markt am ausführlichsten ein.

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07
Die Vorschläge

Ein neuer Adresstyp, eine Frist und eine Bremse

Der erste Vorschlag heisst BIP-360 und ist seit Dezember 2024 ein Entwurf. Er führt einen Adresstyp ein, der wie Taproot funktioniert, den Schlüssel aber nicht mehr offen zeigt. Gegen den Angriff beim Ausgeben schützt das noch nicht, quantensichere Signaturen enthält der Vorschlag nicht. Über die richtige Form streiten die Entwickler noch, einen Aktivierungsplan gibt es nicht.

BIP-361 von Jameson Lopp und fünf Mitautoren geht weiter. Der Entwurf setzt einen quantensicheren Adresstyp voraus. Rund drei Jahre nach der Aktivierung wären Zahlungen an verwundbare Adressen nicht mehr erlaubt, zwei Jahre später liessen sich alte Signaturen nur noch über ein quantensicheres Rettungsverfahren nutzen. Wer bis dahin nicht umgezogen ist und kein solches Verfahren nutzen kann, kommt nicht mehr an seine Coins.

Für P2PK kennen die Autoren kein Rettungsverfahren. Nicht umgezogene P2PK-Coins, also auch die Satoshi zugeschriebenen, würden dauerhaft unbeweglich. Daher kommt das Wort Einfrieren.

Hourglass sucht einen Mittelweg. Die Fassung vom Februar 2026 erlaubt pro Block nur einen P2PK-Input und lässt pro Block netto höchstens einen Bitcoin abfliessen. Die alten Coins blieben ausgebbar, flössen aber nur tropfenweise ab. Mit der ersten Fassung, die nur die Inputs begrenzte, wären alle P2PK-Outputs nach rund 310 Tagen abgeflossen, mit der zweiten erst nach rund 33 Jahren.

Balkendiagramm: Zeit, bis alle 44'635 P2PK-Outputs abgeflossen wären. Hourglass Fassung 1 mit einem P2PK-Input je Block: rund 310 Tage, bis rund 7'200 BTC pro Tag. Fassung 2 mit zusätzlich höchstens einem Bitcoin je Block (hervorgehoben): rund 33 Jahre, höchstens 144 BTC pro Tag.
Quelle: Hourglass-Entwurf V2; eigene Rechnung mit Wicked Smart Bitcoin.

Die Bremse hat einen Haken. Auf der Blockchain sieht ein echter Besitzer genauso aus wie ein Dieb mit einem Quantencomputer. Wer zuerst durch den Engpass will, muss die höchste Gebühr bieten, und davon profitieren vor allem die Miner.

08
Die Umstellung

Warum Bitcoin für jeden Weg Jahre braucht

Bei Bitcoin entscheidet niemand allein, deshalb dauern Upgrades lange. SegWit brauchte 20 Monate vom Vorschlag bis zur Aktivierung im August 2017, Taproot 22 Monate bis November 2021. Bis über 90 Prozent der Transaktionen SegWit nutzten, vergingen danach noch einmal rund sechs Jahre.

Liniendiagramm: Anteil der Transaktionen, die SegWit bzw. Taproot ausgeben, in den Monaten nach der Aktivierung. SegWit (schwarz) erreicht die 90-Prozent-Marke (gelb) nach 69 Monaten. Taproot (grau) zeigt Spitzen bis 66 Prozent im Jahr 2023 und liegt zuletzt unter 10 Prozent.
Quelle: mainnet.observer; eigene Auswertung, Stand 23.10.2026.

Die Entwickler von Chaincode Labs schätzen eine vollständige Umstellung auf rund sieben Jahre: zweieinhalb für die Forschung, anderthalb für die Umsetzung, drei für den Umzug der Coins. Notfallmassnahmen halten sie in rund zwei Jahren für machbar.

Dazu kommt ein Grössenproblem. Eine heutige Schnorr-Signatur ist 64 Bytes gross, die neuen Standardverfahren brauchen 2'420 bis 7'856 Bytes. Ohne neue Regeln passen damit weit weniger Transaktionen in einen Block, und der alte Streit um die Blockgrösse käme zurück.

Balkendiagramm: Grösse einer Signatur in Bytes. Schnorr heute 64 (hervorgehoben), ECDSA rund 72, ML-DSA-44 2'420, ML-DSA-65 3'309, SLH-DSA-128s 7'856.
Quelle: NIST FIPS 204 und 205; BIP 340; arXiv:2603.28846.

Signal, Apple und Chrome stellen bereits um, doch dort entscheidet jeweils ein einziges Unternehmen. Bei Bitcoin müssen sich viele Beteiligte einigen, und die Besitzer müssen ihre Coins selbst bewegen.

09
Der Streit

Wem gehören Coins, deren Schloss nicht mehr hält?

Satoshi Nakamoto schrieb einst, verlorene Coins machten die Coins aller anderen nur ein wenig wertvoller. Beide Lager berufen sich auf diesen Satz. Lopp dreht ihn im Entwurf BIP-361 um: Coins, die ein Quantencomputer zurückholt, machten die Coins aller anderen weniger wert, sie seien ein Diebstahl an allen.

Die Befürworter des Einfrierens wollen verhindern, dass sich ein Angreifer auf Kosten aller Halter bereichert und den Markt mit alten Coins flutet. Das Google-Team liefert dazu ein nüchternes Argument: Ohne Änderung am Protokoll sorgen Gesetze gegen die Aneignung dieser Coins nur dafür, dass sie am Ende Kriminellen in die Hände fallen.

Die Gegner berufen sich auf das Grundversprechen von Bitcoin, dass niemand fremde Coins anrühren kann. Für sie wäre ein Einfrieren per Mehrheitsbeschluss eine Enteignung. Die Autoren von Hourglass warnen vor einem Präzedenzfall, der später auch Änderungen an der Geldpolitik erleichtern könnte.

Beide Seiten haben gute Argumente. Der Vorwurf der Enteignung hält im Kern, denn wer kein Rettungsverfahren nutzen kann, verliert den Zugriff, und für P2PK gibt es keines. Ohne Einfrieren wäre dieses Eigentum aber ebenfalls verloren, nur an einen Angreifer. Am stärksten bleibt deshalb das Argument des Präzedenzfalls, denn eine einmal genutzte Sperre lässt sich wieder nutzen.

Wie gespalten die Szene ist, zeigte 2025 ein Treffen in San Francisco. Eine informelle Abstimmung ergab etwa gleich viel Unterstützung für Nichtstun, Einfrieren und Hourglass. Aktiviert ist bis heute keiner der Vorschläge.

10
Der Markt

Was beide Wege für das Angebot bedeuten könnten

Die rund 1,1 Millionen Satoshi zugeschriebenen Bitcoin entsprechen dem 22-Fachen dessen, was der Freistaat Sachsen 2024 verkauft hat, und 85 Prozent dessen, was alle US-Spot-ETFs zusammen halten. Am gesamten gemeldeten Handel an den Spot-Börsen gemessen sind es rund zwölf Tage.

Balkendiagramm: Grössenvergleich in Bitcoin. Bestand auf Börsen 2,69 Millionen, alle P2PK-Coins 1,72 Millionen, alle US-Spot-ETFs 1,29 Millionen, Satoshi zugeschrieben rund 1,1 Millionen (hervorgehoben), Mt.-Gox-Rückzahlung rund 142'000, Spot-Handel pro Tag 91'715, Verkauf Sachsen 2024 49'858.
Quelle: Wicked Smart Bitcoin; Lerner (bitslog); bitbo.io (21.10.2026); Coin Metrics (30-Tage-Mittel bis 23.10.2026); GStA Dresden; Mt.-Gox-Treuhänder.

Was grosse Altbestände auslösen können, zeigte der Sommer 2024. Sachsen verkaufte zwischen dem 19. Juni und dem 12. Juli 49'858 Bitcoin, im Schnitt rund 2'100 Bitcoin pro Tag. Das war gut ein Prozent des damaligen täglichen Handelsvolumens. Der Preis fiel in diesem Zeitraum um 10,8 Prozent und stand Ende Juli fast wieder am Ausgangspunkt. Weil gleichzeitig die Rückzahlungen an die Gläubiger der Börse Mt. Gox begannen und Gelder in und aus den ETFs flossen, lässt sich der Effekt der Verkäufe nicht sauber trennen.

Liniendiagramm: Bitcoin-Preis in Dollar von Mai bis September 2024. Eine gelbe Fläche markiert den Verkauf durch Sachsen vom 19. Juni bis 12. Juli, in dem der Preis um 10,8 Prozent fiel; eine gestrichelte Linie markiert den Start der Mt.-Gox-Rückzahlungen am 5. Juli. Danach erholt sich der Preis bis Ende Juli.
Quelle: Coin Metrics (PriceUSD); Generalstaatsanwaltschaft Dresden; Mt.-Gox-Treuhänder.

Ein Angreifer käme zudem nicht auf einen Schlag an alle Coins. Eine schnelle Maschine bräuchte für die rund 37'700 P2PK-Schlüssel nacheinander rund 236 Tage, eine langsame 60 bis über 1'000 Jahre. Er dürfte die grössten Bestände zuerst nehmen und könnte im Stillen knacken, um die Coins später auf einmal auszugeben.

Balkendiagramm mit logarithmischer Skala: Zeit, um alle 37'674 P2PK-Schlüssel nacheinander auf einer Maschine zu knacken. Schnelle Maschine vorbereitet, 9 Minuten je Schlüssel: 236 Tage (hervorgehoben); ohne Vorbereitung 1,6 Jahre; langsame Maschine 60 Jahre bis 1'238 Jahre; Rechenbeispiel mit einem Tag je Schlüssel 103 Jahre.
Quelle: eigene Rechnung aus arXiv:2603.28846 (Zeit je Schlüssel) und Wicked Smart Bitcoin (Zahl der Schlüssel).

Ein Diebstahl wäre deshalb auch ein Vertrauensereignis. Fallen die ersten alten Schlüssel, fragen sich die Besitzer exponierter moderner Adressen, ob ihre Coins die nächsten sind. Lopp hält es für rational, dass sie dann verkaufen. Das Google-Team erwartet dagegen, dass wer alte Coins in grossem Stil knackt, einen Anreiz hätte, sie langsam zu verkaufen. Beides sind Überlegungen, keine Erfahrungswerte.

Beim Einfrieren würde sich am heute gehandelten Angebot wenig ändern, denn die Satoshi zugeschriebenen Coins haben sich seit ihrer Entstehung 2009 und 2010 praktisch nie bewegt. Die Kosten wären der Präzedenzfall. Eine Kursprognose geben diese Vergleiche für keinen der beiden Wege her.

11
Für Anleger

Was man heute prüfen kann

Den Adresstyp erkennt man am Anfang der Adresse. Adressen mit 1, 3 oder bc1q verbergen den Schlüssel hinter einem Hash, solange von ihnen noch nie etwas ausgegeben wurde. Bei Adressen mit bc1p, also Taproot, steht der Schlüssel offen im Output.

Aus Quantensicht ist Taproot deshalb ein Rückschritt, und gerade Taproot wird immer häufiger genutzt. Auf Taproot-Adressen ruhen zwar erst 0,22 Millionen Bitcoin, im September und Oktober 2026 ging aber schon rund ein Viertel des gesendeten Werts an solche Adressen.

Säulendiagramm: Anteil von Taproot-Adressen am Wert neuer Outputs je Monat von November 2021 bis Oktober 2026. Bis 2024 meist unter 3 Prozent, 2025 bis Mitte 2026 rund 8 bis 15 Prozent, August bis Oktober 2026 (hervorgehoben) 18, 24 und 27 Prozent.
Quelle: mainnet.observer; eigene Auswertung, Oktober 2026 bis 23.10.

Wichtiger als der Typ ist die Wiederverwendung. Wurde von einer Adresse schon einmal ausgegeben und liegt dort noch Guthaben, ist der Schlüssel sichtbar. Es hilft, jede Adresse nur einmal zu verwenden, das Wechselgeld an eine neue Adresse zu schicken und eine wiederverwendete Adresse beim Ausgeben ganz zu leeren.

Einen Grund zur Eile gibt es heute nicht. Es gibt weder einen Quantencomputer, der Schlüssel knacken kann, noch einen quantensicheren Adresstyp, auf den man umziehen könnte. Beim Ausgeben wird zudem jeder Schlüssel sichtbar, dagegen helfen erst neue Signaturen. Den richtigen Moment für einen Umzug zeigt die Aktivierung von BIP-360 oder einem Nachfolger.

Fazit

Real, aber nicht akut

Die Gefahr ist real, aber nicht akut. Kein bekannter Quantencomputer kann heute einen Bitcoin-Schlüssel knacken, bei den zuverlässigen Rechenschritten fehlt noch mehr als das 100'000-Fache. Neu ist seit März 2026, dass der Bedarf viel kleiner geworden ist und die Fahrpläne der Hersteller auf dem Papier in den 2030er-Jahren in diese Grössenordnung kommen. Zu diesen Daten passt weder Panik noch die Gelassenheit, als sei das ein Thema für in 50 Jahren.

Zuerst betroffen wären die 1,72 Millionen Bitcoin im ältesten Format, darunter die rund 1,1 Millionen, die Satoshi zugeschrieben werden, und die Coins auf Taproot. Von den rund 7 Millionen exponierten Bitcoin gehören gut 3 Millionen aktiven Besitzern, die umziehen können. Ungelöst sind die rund 2,3 bis 2,6 Millionen ruhenden, zum Teil wohl verlorenen Coins.

Der Streit ums Einfrieren ist im Kern die Frage, wem solche Coins gehören, wenn ihr Schloss nicht mehr hält. Jeder Weg hat seinen Preis, ein mögliches Überangebot oder einen Präzedenzfall, und jeder braucht Jahre. Für die eigenen Coins zählen Adresstyp und Wiederverwendung, und beides lässt sich heute in Ruhe prüfen.

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The Sanctis Letter 19. September 2026
Was sich beim Sanctis Letter verändert hat

Ich habe in den letzten Wochen ziemlich viel am Sanctis Letter und am gesamten Memberbereich verändert.

Einige Dinge seht ihr sofort. Andere fallen wahrscheinlich erst auf, wenn ihr euch etwas durch die Plattform klickt.

Deshalb hier einmal alles gesammelt.

01
Neu gestaltet

Die Plattform sieht jetzt anders aus

Vor allem auf dem Handy war ich selbst nicht mehr zufrieden.

Es war teilweise zu voll und man musste zu lange suchen, bis man dort war, wo man eigentlich hinwollte. Deshalb habe ich die mobile Version fast komplett neu aufgebaut.

Die wichtigsten Bereiche findet ihr jetzt direkt unten in der Navigation.

Auch die Desktop-Version habe ich angepasst und an vielen Stellen aufgeräumt.

02
Neu

Auf Home findet ihr sofort den neusten Letter

Wenn ihr euch einloggt, seht ihr direkt den aktuellsten Sanctis Letter.

Darunter findet ihr auch die Inhalte, die ihr zuletzt gelesen habt. Wenn ihr einen Letter nicht fertig gelesen habt oder später noch einmal öffnen möchtet, müsst ihr ihn nicht erneut suchen.

Eine simple Änderung, die meiner Meinung nach schon lange gefehlt hat.

03
Neu geordnet

Research ist jetzt klarer aufgebaut

Im Research-Bereich findet ihr die Sanctis Letters und die kostenlosen Marktupdates sauber voneinander getrennt.

Ich spiele aktuell auch mit dem Gedanken, die normalen Letters teilweise etwas kürzer zu halten.

Nicht weniger Research und nicht weniger Inhalt. Einfach schneller zum eigentlichen Punkt.

Ich merke selbst, dass man nicht jeden Gedanken über zehn Absätze erklären muss. Mir ist wichtiger, dass ihr nach einem Letter genau wisst, was ich sehe, welche Szenarien ich beobachte und was meine Einschätzung verändern würde.

04
In Überlegung

Kurzfristige Einschätzungen

Im Bereich Updates findet ihr aktuell vor allem Änderungen rund um die Plattform.

Ich überlege gerade, dort zusätzlich kurzfristige Gedanken zum Markt zu veröffentlichen.

Also Beobachtungen, Veränderungen oder Einschätzungen, die wichtig sind, aber keinen kompletten Sanctis Letter benötigen.

Manchmal passiert etwas am Markt und ich möchte euch kurz sagen können, wie ich es einordne. Dafür jedes Mal einen ganzen Letter zu schreiben, macht keinen Sinn.

05
Neu

Ihr könnt mir direkt schreiben

Neu gibt es eine eigene Support-Seite.

Dort könnt ihr mir direkt Fragen stellen. Egal ob zu einem Sanctis Letter, zum Markt, zur Plattform oder zu einem anderen Thema.

Ihr müsst mir keine Mail schreiben oder mich irgendwo auf Social Media suchen. Alles läuft direkt über die Plattform.

Wenn ihr eine Anfrage sendet, schaut am nächsten Tag noch einmal rein. Ich habe euch dort dann sehr wahrscheinlich bereits geantwortet.

06
Kommt bald

Der Kalender kommt bald

Der neue Kalender ist noch nicht ganz fertig, sollte aber bald verfügbar sein.

Dort seht ihr, welche Letters, Playbooks und Live-Desk-Sessions ich als Nächstes plane.

Ich werde dort aber nicht drei Wochen im Voraus irgendwelche Themen eintragen, nur damit der Kalender voll aussieht.

Der Markt hält sich schliesslich auch nicht an meinen Plan.

Ihr seht, woran ich gerade arbeite und was als Nächstes geplant ist. Wenn plötzlich etwas Wichtigeres passiert, kann sich dieser Plan jederzeit ändern.

07
Geplant

Es wird grössere Playbooks geben

Neben den normalen Sanctis Letters möchte ich künftig auch deutlich längere Berichte zu einzelnen Themen veröffentlichen.

Zum Beispiel ein vollständiges Q4-Playbook mit meinen Erwartungen, verschiedenen Szenarien und den Punkten, bei denen sich meine Einschätzung ändern würde.

Diese Berichte werden als PDF auf der Plattform erscheinen und ebenfalls im Kalender angekündigt.

So muss ich nicht versuchen, jedes grössere Thema in einen normalen Letter zu pressen.

08
Neu

Der Live Desk

Neu gibt es ausserdem den Live Desk.

Das ist ein Chat, den ich zu bestimmten, vorher angekündigten Zeiten freischalten werde.

Zum Beispiel während eines FOMC-Meetings, bei wichtigen Marktereignissen oder wenn ich gerade aktiv den Markt analysiere.

Ihr könnt dort live mitlesen, Fragen stellen, selbst etwas schreiben oder mitdiskutieren.

Die Idee dahinter ist, euch näher an meine tatsächliche Arbeit zu bringen. Nicht immer erst Stunden später einen fertigen Rückblick veröffentlichen, sondern euch teilweise schon währenddessen zeigen, was ich gerade sehe und wie ich die Situation einordne.

Warum ein Chat und kein Livestream?

Weil ich kein Content Creator bin und auch keiner werden möchte.

Wenn ich während eines wichtigen Markttermins stundenlang in eine Kamera spreche, liegt mein Fokus irgendwann auf dem Stream und nicht mehr auf dem Markt.

Im Live Desk kann ich kurz eine Einschätzung schreiben, eine Frage beantworten oder eine Diskussion starten und mich danach wieder auf das konzentrieren, worum es eigentlich geht.

Den Markt.

09
Unverändert

Die Suche bleibt bestehen

An der Suche ändert sich nichts.

Ihr könnt weiterhin nach älteren Letters, Themen und anderen Inhalten suchen.

Jetzt brauche ich eure Meinung

Ich baue den Sanctis Letter am Ende nicht für mich.

Deshalb möchte ich von euch wissen, was euch noch fehlt.

Was nervt euch? Was ist unnötig kompliziert? Welche Funktion oder welches Format würdet ihr tatsächlich benutzen?

Ihr müsst daraus keinen schönen Text machen. Schreibt einfach ehrlich rein, was ihr denkt.

Ich lese alles.

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Angekommen. Danke dir.

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Fabian De Sanctis
The Sanctis Letter
19. September 2026