Nach 16 Jahren bewegt: die letzten 100 Bitcoin eines Miners von 2010
Am 7. Oktober hat jemand 100 Bitcoin bewegt, die aus zwei Mining-Belohnungen vom Juli 2010 stammen. Damals waren sie rund 6,50 Dollar wert, am Tag der Bewegung rund 8,3 Millionen Dollar. Die Blockchain zeigt genau, woher sie stammen und wohin sie gingen, aber nicht, wem sie jetzt gehören.
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Am 7. Oktober 2026 wurden 100,02 Bitcoin von einer Adresse aus dem Jahr 2010 auf zwei neue Adressen verschoben, genau 10 und rund 90 Bitcoin. Zum Tagesschlusskurs von rund 83'270 Dollar waren sie rund 8,3 Millionen Dollar wert. Die Coins stammen aus zwei Mining-Belohnungen vom 26. und 28. Juli 2010 und lagen seit dem 30. Juli 2010 unberührt, also gut 16 Jahre. Die Adresse selbst war nicht so lange still: Ihr Besitzer hatte zwischen 2011 und 2018 schon 894 von insgesamt 994 Bitcoin ausgegeben, die jetzt bewegten 100 Bitcoin waren der Rest. Die Blockchain zeigt, dass jemand den Schlüssel hatte und die Adresse vollständig geleert hat. Ob die Coins dabei den Besitzer gewechselt haben oder verkauft werden sollen, zeigt sie nicht. Für eine Börseneinzahlung gibt es keinen Hinweis, bis zum Abend des 8. Oktober lagen beide Beträge unbewegt auf den neuen Adressen. Das Muster passt am besten zu einem Umzug in eine moderne Wallet. Auch für eine Verbindung zu Satoshi Nakamoto spricht nichts.
Wenn uralte Bitcoin aufwachen, ist die Geschichte meist schnell erzählt: ein früher Miner, vielleicht Satoshi, vielleicht ein bevorstehender Verkauf. Bei den 100 Bitcoin, die am Mittwochabend bewegt wurden, führt die Spur auf der Blockchain bis zu zwei Blöcken aus dem Juli 2010 zurück. Gerade weil die Daten so viel zeigen, wird deutlich, wo sie aufhören.
Die Bewegung
Eine alte Adresse wird leer geräumt
Am Mittwoch, dem 7. Oktober 2026, landete um 20.52 Uhr Schweizer Zeit eine Transaktion in der Blockchain, die eine Bitcoin-Adresse aus dem Jahr 2010 vollständig leerte. Insgesamt gingen 100,02 Bitcoin an zwei neue Adressen, genau 10 Bitcoin an die eine und rund 90 an die andere. Zum Tagesschlusskurs von rund 83'270 Dollar waren die Coins rund 8,3 Millionen Dollar wert.
Die Analysefirma Galaxy Research meldete die Bewegung noch am selben Tag als erwachte Coins aus der «Satoshi-Ära», seit 16 Jahren unberührt. Die Blockchain zeigt mehr als das: woher die Coins kamen, was in den Jahren dazwischen mit ihrer Adresse geschah und wie die Transaktion aufgebaut ist.
Die Herkunft
Zwei Blöcke aus dem Juli 2010
Die Spur der Coins führt zu zwei Mining-Belohnungen. Wer 2010 einen Block fand, also das nächste Paket von Transaktionen an die Kette hängte, bekam dafür 50 neu geschaffene Bitcoin. Einer der beiden Blöcke entstand am 26. Juli 2010, der andere am 28. Juli. Am 30. Juli legte ihr Besitzer beide Belohnungen zu einem einzigen Betrag von 100,02 Bitcoin zusammen und schickte ihn auf die Adresse, die jetzt geleert wurde.
Damals war dieser Betrag rund 6,50 Dollar wert. Ein Bitcoin kostete etwa 6,5 Cent, und gehandelt wurde erst seit wenigen Wochen in sehr kleinen Mengen. Die Kurse aus dieser Zeit sind deshalb nur ein grober Anhaltspunkt. Bis zum Tag der Bewegung ist der Wert der Coins grob um das 1,3-Millionenfache gestiegen.
Auf derselben Adresse landeten zwischen Juli und Oktober 2010 insgesamt 16 Mining-Belohnungen mit zusammen rund 800 Bitcoin, die beiden Blöcke vom Juli eingeschlossen. Jede davon lag vorher auf einem eigenen, nur einmal benutzten Schlüssel, denn die Bitcoin-Software von 2010 erzeugte für jeden gefundenen Block einen neuen. Das passt zu einem privaten Miner, der in diesen Monaten regelmässig Blöcke fand und seine Belohnungen in Paketen von 100 Bitcoin auf einer Adresse bündelte.
Für eine Verbindung zu Satoshi Nakamoto gibt es keinen Hinweis. Der Begriff «Satoshi-Ära» bezeichnet nur die Zeit, in der der Bitcoin-Erfinder noch aktiv war, nicht den Besitzer. Die Blöcke, die Satoshi zugeschrieben werden, erkennt man an einem wiederkehrenden Muster in den Blockdaten, dem sogenannten Patoshi-Muster. Es reicht ungefähr bis Mai 2010, die beiden Blöcke vom Juli 2010 liegen deutlich dahinter.
Die Adresse
Sechzehn Jahre still war nur der Rest
Die 100 Bitcoin lagen seit dem 30. Juli 2010 unberührt, gut 16 Jahre und zwei Monate lang. Für sie war die Bewegung vom Oktober die erste. Die Adresse, auf der sie lagen, war dagegen nie ganz still. Sie erhielt 2010 insgesamt 994 Bitcoin, und davon gab ihr Besitzer zwischen 2011 und 2018 schon 894 aus.
Ausgegeben wurde in Etappen: ein erstes Mal 2011, mehrmals 2013, dann 2015, 2017 und ein letztes Mal im März 2018. Wer den Schlüssel hielt, hatte also noch vor gut acht Jahren Zugriff auf die Adresse. Die Bewegung vom Oktober ist damit kein Lebenszeichen nach 16 Jahren Funkstille. Sie ist der Schlusspunkt eines Bestands, der seit 2011 Stück für Stück abgebaut wurde.
Die Unterscheidung
Umbuchung, Besitzerwechsel oder Börse
Was eine solche Bewegung verrät, hängt davon ab, wie Bitcoin funktioniert. Es gibt keine Konten mit einem Kontostand. Es gibt einzelne Beträge, die jeweils mit einer Art Schloss versehen sind, und nur wer den passenden privaten Schlüssel hat, kann sie öffnen. Wer Bitcoin bewegt, gibt solche Beträge immer vollständig aus und erzeugt neue Beträge mit neuen Schlössern, den neuen Adressen.
Die Blockchain hält deshalb genau zwei Dinge fest: dass jemand mit dem richtigen Schlüssel unterschrieben hat und an welche Adressen das Geld ging. Wem diese Adressen gehören, steht nirgends. Darum sehen drei sehr verschiedene Vorgänge technisch gleich aus.
Bei einer Umbuchung schiebt der Besitzer seine Coins nur auf eine andere eigene Adresse, etwa in eine neuere Wallet. Bei einem Besitzerwechsel gehören sie danach jemand anderem. Ein solcher Wechsel kann auch ganz ohne Transaktion stattfinden, wenn ein Schlüssel weitergegeben oder vererbt wird. Umgekehrt kann eine Transaktion stattfinden, ohne dass die Coins den Besitzer wechseln. Und selbst ein Diebstahl des Schlüssels sähe auf der Blockchain aus wie eine gewollte Bewegung.
Eine Börseneinzahlung ist der einzige der drei Fälle, den man von aussen überhaupt erkennen kann, und auch das nur indirekt. Börsen geben jedem Kunden eigene Einzahlungsadressen und sammeln die Eingänge danach in grossen zentralen Wallets. Analysefirmen kennen viele dieser Adressen und verfolgen solche Sammelbewegungen. Ihre Zuordnung beruht allerdings auf Erfahrungswerten und eigenen Datenbanken, in der Blockchain selbst steht sie nicht.
Wie wenig eine Adresse über ihren Besitzer sagt, zeigte sich am Tag nach der Bewegung. Beide neuen Adressen erhielten von einem Fremden je 369 Satoshi, winzige Bruchteile eines Bitcoin, mit angehängten Bettelbotschaften wie «Help me get out of this hole». Jeder kann an jede Adresse Geld schicken. Was auf einer Adresse eingeht, verrät deshalb nichts über den, der sie kontrolliert.
Der Fall
Was für einen Umzug spricht
Im konkreten Fall deutet das Muster auf eine Umbuchung. Die Transaktion nahm neben den 100 Bitcoin auch sechs Kleinstbeträge mit, die Fremde zwischen 2014 und 2025 an die Adresse geschickt hatten. Drei davon kamen aus Massensendungen an Hunderte alter Adressen, wie sie oft zu Werbezwecken verschickt werden. Zusammen machten die sechs Beträge rund 0,0005 Bitcoin aus. Genau so arbeiten Wallet-Funktionen, die einen alten Schlüssel einlesen und alles, was daran hängt, auf neue Adressen verschieben.
Auch die übrigen Details passen dazu. Beide Ziele sind vorher unbenutzte Adressen des modernen Typs, der mit «bc1q» beginnt. Die Gebühr betrug rund 1,20 Dollar. Bei Bitcoin richtet sie sich nicht nach dem Betrag, und wer schnell bestätigt werden will, bietet mehr. Der hier gewählte Satz war sehr niedrig, was gegen Eile spricht. Bis zum Abend des 8. Oktober lagen beide Beträge unbewegt auf den neuen Adressen.
Ein mögliches Motiv liegt in der alten Adresse selbst. Seit sie im Juni 2011 zum ersten Mal Geld ausgab, war ihr öffentlicher Schlüssel auf der Blockchain sichtbar, denn jede Ausgabe legt ihn offen. In der Debatte um künftige Quantencomputer gelten genau solche sichtbaren Schlüssel als Schwachstelle, während die neuen Adressen ihren Schlüssel erst zeigen, wenn sie selbst etwas ausgeben. Das passt zu einem Sicherheitsmotiv, bewiesen ist es nicht.
Andere Deutungen bleiben möglich. Die runden 10 Bitcoin könnten eine Zahlung an jemand anderen sein, ebenso gut aber Teil einer Aufteilung zwischen eigenen Adressen. Welche der beiden Ausgaben beim Absender bleibt, ist nicht zu erkennen. Ein Diebstahl ist nicht auszuschliessen. Die typischen Zeichen dafür fehlen allerdings, etwa eine schnelle Weiterleitung oder eine Verteilung auf viele Adressen.
| Deutung | Stand | Grund |
|---|---|---|
| Umbuchung | passt am besten, nicht bewiesen | Adresse samt Kleinstbeträgen geleert, zwei frische Adressen, sehr niedrige Gebühr |
| Besitzerwechsel | nicht erkennbar | steht grundsätzlich nicht in der Blockchain |
| Börseneinzahlung | kein Hinweis | kein Zufluss an eine bekannte Börse |
| Verkauf | kein Hinweis | beide Beträge unbewegt, Stand 8.10.2026 abends |
| Diebstahl | nicht ausschliessbar | keine schnelle Weiterleitung, kein Verteilmuster |
Die Einordnung
Viel Alter, wenig Gewicht
Für den Markt sind 100 Bitcoin wenig. Sie entsprechen 0,0005 Prozent aller umlaufenden Bitcoin. Selbst ein vollständiger Verkauf entspräche nur rund 0,08 Prozent des Umsatzes, den die Spotbörsen am 7. Oktober meldeten.
In manchen Kennzahlen hinterlassen solche Bewegungen trotzdem deutliche Spuren. Beliebt sind Messgrössen, die bewegte Coins nach ihrem Alter gewichten, etwa die sogenannten Coin Days Destroyed, bei denen der Betrag mit seiner Liegezeit in Tagen multipliziert wird. Die 100 Bitcoin kommen so auf rund 591'400 Coin-Tage. Solche Kennzahlen messen allerdings die Liegezeit und nicht den Besitz, weshalb eine reine Umbuchung genauso ausschlägt wie ein Verkauf.
Selten sind solche Fälle nicht. Galaxy Research beobachtet 2026 eine Häufung erwachender alter Coins. Nach Daten der Firma bewegten im August sechs Wallets aus den Jahren 2011 bis 2014 zusammen rund 554 Bitcoin. Anfang September wurden 600 Bitcoin aus Mining-Belohnungen vom März 2010 auf zwei neue Wallets verschoben. Ein Verkauf ist bei den meisten solcher Meldungen bisher nicht belegt.
Bewiesen ist nur der Schlüssel
Sicher zeigt die Bewegung vom 7. Oktober eines: Jemand hatte gut 16 Jahre nach dem Mining noch den Schlüssel zu dieser Adresse und hat ihren Restbestand von rund 100 Bitcoin, am Tag der Bewegung rund 8,3 Millionen Dollar wert, auf zwei neue Adressen verschoben. Woher die Coins stammen, lässt sich bis auf den einzelnen Block zurückverfolgen.
Alles Weitere ist Deutung. Das Muster spricht für einen Umzug in eine moderne Wallet durch den bisherigen Besitzer. Für einen Besitzerwechsel, eine Börseneinzahlung, eine Verkaufsabsicht oder eine Verbindung zu Satoshi Nakamoto gibt es in den Daten keinen Hinweis. Ob die Coins später doch an eine Börse fliessen, zeigt erst die nächste Transaktion.
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