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Der Spion im Gerät

Am 9. Oktober flossen innerhalb einer Stunde rund 75 Millionen Dollar aus Hunderten von Wallets ab. Die Spur führt zu einem offiziellen Ledger-Händler in Südostasien und zu einem versteckten Implantat, das bei der Echtheitsprüfung des Herstellers nicht auffällt.

Der Spion im Gerät

Wer Bitcoin selbst verwahren will, hört seit Jahren denselben Rat: Kauf eine Hardware-Wallet, und zwar beim Hersteller oder bei einem Händler, den der Hersteller offiziell führt. Die Kunden von CryptoBilis in Malaysia und Indonesien kauften bei genau so einem Händler. Am Morgen des 9. Oktober war ihr Geld trotzdem weg.

01
Der Abzug

Eine Stunde am Freitagmorgen

Am Freitag, dem 9. Oktober, begann um 05:07 Uhr UTC ein Abzug, der fast vollständig in einer einzigen Stunde ablief. Zuerst flossen Stablecoins ab, also Token, die einen Dollar abbilden, in diesem Fall USDT auf der Blockchain TRON. Um 05:54 Uhr landeten dann 111 Bitcoin-Transaktionen mit zusammen gut 203 Bitcoin im selben Block. Bis sechs Uhr waren rund 75 Millionen Dollar weg.

Am Ende flossen allein auf Bitcoin und TRON rund 88 Millionen Dollar an die Adressen des Täters. Mit den kleineren Beträgen auf Ethereum und drei weiteren Blockchains sind es gut 93 Millionen Dollar aus 315 Wallets. Rund drei Viertel der Beute waren Stablecoins, knapp ein Fünftel Bitcoin. Alle diese Summen erfassen nur die Abflüsse, die sich dem Täter zuordnen lassen, und Ledger selbst hat bisher keine Zahl genannt.

Balkendiagramm der Abflüsse an die Täteradressen auf Bitcoin und TRON am 9. Oktober 2026 je Stunde: In der Stunde ab 05:00 UTC flossen 74,8 Millionen Dollar ab, 85 Prozent der Summe. Alle übrigen Stunden bis zum 10. Oktober kommen zusammen auf 13,3 Millionen Dollar.
Bitcoin bewertet zum Tageskurs vom 9. Oktober, USDT zum Nennwert, Stunden in UTC. Quelle: mempool.space, TronGrid, Coin Metrics; eigene Berechnung

Das Tempo verrät, wie der Täter an das Geld kam. Bei einem gewöhnlichen Phishing-Angriff bringt der Angreifer jedes Opfer einzeln dazu, eine schädliche Transaktion zu unterschreiben, etwa über eine gefälschte Website. Solche Abflüsse kommen verstreut, je nachdem, wann jemand auf den Köder hereinfällt. Hier unterschrieben 25 TRON-Wallets dieselbe Freigabe innerhalb von etwa drei Sekunden, und über hundert Bitcoin-Adressen wurden im selben Block geleert.

Bei mindestens 29 TRON-Konten ging der Täter noch einen Schritt weiter. Wenige Minuten vor dem Abzug trug er dort einen eigenen Schlüssel mit doppeltem Gewicht ein, seither können die Eigentümer ihr Konto nicht mehr selbst steuern. Eine solche Änderung muss mit dem privaten Schlüssel des Kontos unterschrieben werden. Das spricht klar dafür, dass der Täter die Wiederherstellungsphrasen oder Schlüssel seiner Opfer besass.

02
Das Muster

Der Täter hatte Geduld

Ebenso aufschlussreich ist, wie lange das Geld schon auf den Opferadressen lag. Von den 117 Bitcoin-Transaktionen des Abzugs stammten nur zwei von Adressen, die in der Woche davor zum ersten Mal Geld erhalten hatten. Bei der Hälfte lagen zwischen der ersten Einzahlung und dem Diebstahl 79 Tage oder mehr. Die grösste einzelne Beute, 80 Bitcoin, war knapp zehn Tage vorher eingegangen.

Der Täter hat also nicht zugegriffen, sobald Geld auf einem Gerät ankam. Er hat gesammelt und dann alles auf einmal abgeräumt. Ein gefälschter Trezor, den der Sicherheitsanbieter Kaspersky 2023 zerlegte, folgte demselben Muster: Das Geld verschwand erst rund einen Monat nach der ersten Einzahlung. Für Besitzer heisst das, dass Wochen oder Monate ohne Zwischenfall keine Entwarnung sind.

Bei rund 17 Prozent der Bitcoin-Opfertransaktionen hatten die Adressen sogar schon mehr als ein Jahr vor dem Abzug Geld erhalten. Ein Teil der Opfer dürfte also eine ältere Phrase auf dem neuen Gerät wiederhergestellt haben, oder das Gerät war länger im Einsatz als die 90 Tage, die Ledger in seiner Warnung nennt. Wer je ein Gerät von CryptoBilis eingerichtet hat, auch mit einer alten Phrase, sollte sich deshalb nicht auf diese Grenze verlassen.

Balkendiagramm: Zeit zwischen der ersten Einzahlung auf eine Bitcoin-Opferadresse und dem Abzug. Bis 7 Tage: 2 Transaktionen, 8 bis 30 Tage: 23, 31 bis 90 Tage: 39, 91 bis 180 Tage: 26, 181 bis 365 Tage: 7, über ein Jahr: 20, das sind 17 Prozent von 117.
Opfertransaktionen ab 0,001 BTC. Die erste Einzahlung ist eine Untergrenze für das Alter der Phrase. Quelle: mempool.space; eigene Berechnung

Die Schäden sind sehr ungleich verteilt. Bei der Hälfte der Bitcoin-Transaktionen ging es um weniger als 0,15 Bitcoin, rund 12'400 Dollar. Die fünf grössten Fälle machen dagegen fast drei Viertel der gestohlenen Bitcoin aus. Eine Adresse ist allerdings nicht dasselbe wie ein Mensch: Eine Person kann mehrere haben, und hinter einer grossen Adresse kann auch ein Unternehmen stehen.

03
Die Beute

Was vom Geld noch greifbar ist

Die gut 203 Bitcoin liegen bis heute unbewegt auf zwei Adressen. Die Stablecoins hat der Täter dagegen rasch weitergeschoben. Ein grosser Teil wurde über Brücken zwischen Blockchains und über Tauschdienste in Ether getauscht und in USDD, einen Stablecoin, den Tether nicht einfrieren kann. Ein Teil des Ether lief anschliessend durch den Mixer Tornado Cash, der die Spur von Zahlungen verwischt.

Bei USDT zählt das Tempo, weil Tether als Herausgeber Adressen sperren kann. Wenige Stunden nach dem Abzug sperrte Tether 32 Adressen, über die das Geld weitergeflossen war. Die ersten Sammeladressen des Täters waren da bereits leer. Auf 20 der gesperrten Adressen liegen heute rund 10 Millionen USDT fest. Eingefroren heisst allerdings nicht zurückgegeben, und ob die Opfer ihr Geld wiedersehen, ist offen.

04
Der Händler

Ein Partner auf Ledgers eigener Liste

Ledger bringt die Diebstähle mit CryptoBilis in Verbindung, einem Händler aus Kuala Lumpur. Das Unternehmen verkaufte neben Ledger auch Trezor, SafePal, Tangem und weitere Marken und betrieb Shops für Malaysia, Indonesien und die Philippinen. Nach Medienberichten hat es diese Shops inzwischen geschlossen. Auf Ledgers offizieller Händlerliste steht es für Malaysia und Indonesien, inzwischen mit dem Vermerk, der Verkauf sei vorübergehend ausgesetzt. Ein Graumarkthändler ohne Vertrag war das also nicht.

Am 9. Oktober teilte Ledger mit, man untersuche Berichte über verlorene Gelder von Kunden in Südostasien, die bei CryptoBilis gekauft hatten, und bat den Händler, Verkauf und Versand von Ledger-Geräten zu stoppen. Wer dort in den letzten 90 Tagen gekauft hat, soll das Gerät nicht einrichten, und wer es schon eingerichtet hat, soll seine Werte auf ein neues Gerät mit einer neuen Phrase umziehen. Einen Tag später bestätigte Ledger, dass im Gerät eines Betroffenen ein nicht autorisiertes Hardware-Implantat steckte.

Ledger betont, es gebe keine Hinweise darauf, dass die eigenen Systeme kompromittiert seien, und geht davon aus, dass der Vorfall auf diesen Händler und diesen Markt beschränkt ist. Das ist die Selbstauskunft eines Unternehmens, das ein offensichtliches Interesse an genau dieser Darstellung hat. Bisher gibt es aber auch keinen Hinweis auf das Gegenteil. Ledger arbeitet nach eigener Aussage mit Behörden zusammen. Eine öffentliche Mitteilung von Polizei oder Aufsicht in Malaysia, Indonesien oder den Philippinen liegt bis heute nicht vor.

Offen ist auch, was im Unternehmen selbst passiert ist. Nach Berichten, die sich auf malaysische Registerunterlagen stützen, wurde CryptoBilis im März 2026 verkauft, seit dem 3. August hält eine Einzelperson mit Adresse in der chinesischen Provinz Heilongjiang alle Anteile. Die früheren Eigentümer sagen, sie hätten keinen Einblick mehr in den Betrieb. Für einen Zusammenhang zwischen dem Verkauf und den Diebstählen gibt es bisher keine öffentlichen Hinweise.

Zeitachse des Falls CryptoBilis: August 2025 manipulierter Nano X auf Reddit, März 2026 Eigentümerwechsel laut Berichten, Mai 2026 Joe Grand zerlegt das Implantat, 3. August Einzelperson hält alle Anteile, 24. September bis 7. Oktober Vorbereitung des Täters, 9. Oktober 04:59 UTC Täterschlüssel in TRON-Konten, 05:07 erste USDT-Abzüge, 05:54 203 Bitcoin in einem Block, ab 12:09 Tether-Sperren, 9. Oktober Ledger-Untersuchung, 10. Oktober Bestätigung eines Implantats.
Eigentümerwechsel und Vorbereitung des Täters laut Berichten und On-Chain-Analyse Dritter, Abzüge aus eigener Abfrage. Quelle: Ledger, Bitquery, Joe Grand (Hardwear.io), Journal du Coin, Odaily; mempool.space, TronGrid
05
Die Technik

Ein Funkmodul hinter dem Bildschirm

Um zu verstehen, was das Implantat tut, muss man wissen, was eine Hardware-Wallet schützt. Beim Einrichten erzeugt das Gerät per Zufall eine Wiederherstellungsphrase aus 12 bis 24 Wörtern. Aus diesen Wörtern lassen sich alle Schlüssel berechnen, und wer sie kennt, kontrolliert das Geld auf jedem beliebigen Gerät. Deshalb liegen die Schlüssel in einem gehärteten Sicherheitschip, dem Secure Element, und gelangen nie auf den Computer oder das Handy.

Eine Stelle gibt es aber, an der die Wörter sichtbar werden müssen, und das ist der Bildschirm. Beim Einrichten zeigt das Gerät die Phrase an, damit der Besitzer sie aufschreiben kann. Auch wer eine bestehende Phrase auf einem neuen Gerät wiederherstellt, sieht die Wörter auf dem Display. Zwischen dem Chip und dem Display läuft dafür eine Datenleitung.

An dieser Leitung setzt das Implantat an, das der Hardware-Sicherheitsforscher Joe Grand im Mai 2026 an einem Ledger Nano X zerlegt hat. Ein winziger zusätzlicher Mikrocontroller liest mit, was zum Display fliesst, erkennt die Buchstaben der Wörter und speichert sie. Ein eingebautes 4G-Mobilfunkmodul mit eSIM schickt sie dann hinaus.

Damit das alles ins Gehäuse passt, wurde der Akku verkleinert, und die Akkuanzeige wurde so manipuliert, dass sie immer voll anzeigt. Das Secure Element selbst wird dabei nicht geknackt. Das Implantat liest nur mit, was das Gerät ohnehin auf dem Display zeigt, und fängt deshalb neue wie wiederhergestellte Phrasen ab. Selbst eine zusätzliche Passphrase, ein optionales Zusatzwort, hilft nur bedingt, weil sie beim Eintippen ebenfalls auf dem Display erscheint.

Grands Gerät war im August 2025 in einem Reddit-Forum aufgetaucht, und er schreibt, dass bereits neue Varianten im Umlauf seien. Ob in den Geräten von CryptoBilis dasselbe Implantat steckt, hat Ledger nicht gesagt. Der frühere Mt.-Gox-Chef Mark Karpeles hat aber an einem in Malaysia gekauften Ledger genau diese Bauteile fotografiert: ein Mobilfunkmodul, eine Antenne, eine eSIM und einen Mikrocontroller hinter dem Display. Bei welchem Händler das Gerät gekauft wurde, sagte er nicht.

Die Spuren in der Blockchain passen zu einem solchen Mitleser. Der Täter besass die Schlüssel, er wartete, und er erbeutete auch Phrasen, die offenbar schon lange existierten. Eine vorab beigelegte Phrase oder ein gefälschtes Gerät mit festen Phrasen erklären gerade diesen letzten Punkt schlecht. Bestätigt ist ein Implantat bisher aber nur in einem einzigen Gerät, und wer die Implantate eingebaut hat, beim Händler oder früher in der Lieferkette, ist offen.

06
Die Schutzmechanismen

Echt heisst nicht sauber

Die Hersteller schützen Käufer vor allem mit einer Echtheitsprüfung. Bei Ledger erhält jedes Gerät in der Fabrik ein eigenes Schlüsselpaar, dessen öffentlicher Teil von Ledger zertifiziert wird. Beim Verbinden schickt die offizielle App eine Zufallsaufgabe, das Secure Element unterschreibt sie, und Ledgers Server prüft die Unterschrift. Ein Gerät mit einem fremden Chip fällt dabei durch.

Was neben dem echten Chip eingebaut wurde, sieht diese Prüfung nicht. Ledgers eigenes Sicherheitsteam schreibt in seinem Bedrohungsmodell, sie könne physische Veränderungen wie Spionage-Implantate nicht erkennen, solange das ursprüngliche Secure Element intakt ist. Ein echtes Gerät mit einem zusätzlichen Spion besteht sie also. Auch Siegel und Folien helfen wenig. Das Team nennt sie trivial zu kopieren, und das Gerät von Karpeles steckte noch in seiner Folie.

Bei anderen Herstellern sieht es ähnlich aus. Trezor und BitBox arbeiten nach demselben Prinzip eines zertifizierten Chips, Coldcard mit einer Seriennummer auf dem versiegelten Beutel, die beim ersten Start auf dem Display erscheinen muss, und mit zwei Kontrollwörtern, die ein ausgetauschtes Gerät nicht kennt. Alle diese Verfahren erkennen gefälschte oder ausgetauschte Geräte. Keines erkennt verlässlich ein zusätzliches Abhörboard in einem echten Gerät.

Was die Echtheitsprüfungen erkennen
GerätEchtheitsnachweisFälschungImplantat
LedgerZertifikat des Secure Element, Prüfung in der offiziellen Appjanein
Trezor Safe 3, 5, 7Zertifikat des Secure Element in Trezor Suite, Firmware-Prüfung bei jedem Verbindenjanicht verlässlich
BitBox02Attestierung in der BitBoxApp, laut Hersteller einziger verlässlicher Echtheitsbeweisjanicht verlässlich
ColdcardSeriennummer auf Beutel und Display, zwei Anti-Phishing-Wörter nach dem ersten Teil der PINjanicht verlässlich
Ledger Donjon, Ledger Academy, Trezor, BitBox, Coinkite (Herstellerdokumentation, Stand Oktober 2026)

Das Problem ist keine Eigenheit einer einzelnen Marke. Ledgers Labor hat 2025 gezeigt, dass sich bei älteren Trezor Safe 3 mit Laborausrüstung sogar die Echtheitsprüfung umgehen lässt, der neuere Safe 5 ist laut Trezor nicht betroffen. Ein Angreifer, der ein Gerät in die Hände bekommt, bevor es den Käufer erreicht, ist für alle Hersteller der schwierigste Fall. Die Unterschiede liegen im Aufwand, den ein Angreifer treiben muss.

07
Der Kaufweg

Was der Kauf beim Hersteller ändert

Beim Kauf über Dritte gibt es im Wesentlichen drei Wege, ein Gerät zu präparieren. Der einfachste ist eine beigelegte Phrase: Der Verkäufer richtet das Gerät selbst ein oder legt eine gedruckte «Recovery-Karte» bei und kennt damit die Wörter. So verlor 2018 ein Käufer, der einen gebrauchten Ledger auf eBay erstanden hatte, nach eigenen Worten über 34'000 Dollar. Dagegen hilft eine einfache Regel: Ein echtes Gerät wird nie mit einer Phrase oder einer voreingestellten PIN ausgeliefert.

Der zweite Weg ist eine Fälschung. Im gefälschten Trezor Model T, den Kaspersky 2023 untersuchte und der aus einem Kleinanzeigenportal stammte, war der Chip ausgetauscht und die Software so verändert, dass nur 20 vorab bekannte Phrasen möglich waren. Solche Fälschungen fallen bei Geräten mit Echtheitsprüfung in aller Regel auf. Der dritte Weg ist der aus dem aktuellen Fall: ein echtes Gerät mit einem zusätzlichen Spion. Gegen ihn kann der Käufer ohne Öffnen des Geräts kaum etwas prüfen.

Wer ein Gerät korrekt einrichtet, nur eine selbst erzeugte Phrase verwendet, die Echtheitsprüfung laufen lässt und die Software nur von der Herstellerseite lädt, ist gegen die ersten beiden Wege praktisch genauso geschützt wie beim Direktkauf. Gegen den dritten Weg hilft das nicht. Ein kürzerer Weg vom Werk zum Käufer bedeutet weniger Hände, die ein Gerät öffnen könnten. Die Händlerliste eines Herstellers ist dagegen ein Vertrauensversprechen und keine technische Kontrolle jedes einzelnen Geräts.

Der Direktkauf hat allerdings eigene Risiken. 2020 gelangten bei einem Datenleck Namen, Postadressen und Telefonnummern von rund 272'000 Ledger-Kunden in fremde Hände. Ein Jahr später erhielten Betroffene per Post manipulierte Nano X mit einem angelöteten USB-Speicher und einer Anleitung, die sie dazu brachte, ihre Phrase in eine gefälschte App einzugeben. Getroffen hat das gerade jene, die direkt beim Hersteller bestellt hatten.

Der Connect-Kit-Vorfall von 2023, bei dem über eine manipulierte Software-Bibliothek von Ledger Geld abgezogen wurde, kostete Nutzer nach Ledgers Angaben rund 600'000 Dollar. Der Fall CryptoBilis ist mehr als hundertmal so gross. Soweit öffentlich bekannt, ist er der mit Abstand grösste dokumentierte Angriff auf die Hardware von Endnutzern.

Balkenvergleich belegter Schäden: gebrauchter Ledger von eBay 2018 rund 34'000 Dollar, Ledger Connect Kit 2023 rund 0,6 Millionen Dollar, Fall CryptoBilis 2026 auf Bitcoin und TRON 88,1 Millionen Dollar, über sechs Blockchains laut Bitquery 93,2 Millionen.
2018: Angabe des Opfers. 2023: Angabe von Ledger. 2026: eigene Rechnung für Bitcoin und USDT auf TRON. Quelle: Cointelegraph, Ledger via Forklog, Bitquery, mempool.space, TronGrid
08
Die Praxis

Was Besitzer jetzt prüfen sollten

Vor dem Kauf lohnt ein Abgleich mit der Händlerliste des Herstellers, auf Marktplätzen sollte man nur über die offiziellen Marken-Shops kaufen. Gebrauchte Geräte und angeblich versiegelte Neuware von Privatpersonen sind die riskanteste Quelle. Für grössere Beträge ist der Kauf direkt beim Hersteller der kürzeste Weg.

Beim Auspacken gilt: Liegt eine Phrase, eine Karte oder eine PIN bei, oder ist das Gerät schon eingerichtet, wird es nicht verwendet, ohne Ausnahme. Bei Verpackung und Gehäuse lohnt ein genauer Blick: Kleberreste, Klebeband, ein verzogenes Gehäuse oder ein ungewohntes Gewicht sind Warnzeichen, ein intaktes Siegel allein beweist dagegen nichts. Anleitungen, Links und QR-Codes aus dem Paket bleiben unbenutzt, die App kommt nur von der Herstellerseite oder aus dem offiziellen App-Store.

Bei der Einrichtung läuft zuerst die Echtheitsprüfung in der offiziellen App, und schlägt sie fehl, ist hier Schluss. Die Phrase wird nur auf dem Gerät neu erzeugt, auf Papier notiert und nie fotografiert oder in einen Computer oder ein Handy getippt. Danach lohnt ein Test mit einem kleinen Betrag, und die Wiederherstellung sollte man einmal geübt haben.

Ein Gerät kann alle diese Prüfungen bestehen und trotzdem ein Implantat enthalten. Beim zerlegten Nano X hätten ein kleinerer Akku und eine Akkuanzeige, die nie sinkt, darauf hindeuten können. Sicher erkennen lässt sich ein Implantat nur, wenn man das Gerät öffnet. Für grosse Beträge gibt es deshalb die Multisig-Lösung: Mehrere Geräte verschiedener Hersteller und aus verschiedenen Quellen müssen gemeinsam unterschreiben, sodass ein einzelnes kompromittiertes Gerät nicht reicht.

Ein bereits benutztes Gerät sollte man ersetzen, wenn es von einer betroffenen Quelle stammt, derzeit also von CryptoBilis, unabhängig vom Kaufdatum und auch dann, wenn darauf eine alte Phrase wiederhergestellt wurde. Dasselbe gilt, wenn eine Phrase beilag, wenn das Gerät gebraucht gekauft wurde oder wenn die Phrase je digital eingegeben oder fotografiert wurde.

Umziehen heisst: ein neues Gerät aus sicherer Quelle besorgen, dort eine neue Phrase erzeugen und die Werte auf die neuen Adressen senden. Die alte Phrase wird auf dem neuen Gerät nicht wiederhergestellt, denn sie gilt als bekannt. Wer TRON-Konten hat, sollte zusätzlich im Blockchain-Explorer die Kontoberechtigungen ansehen. Ein fremder Schlüssel dort bedeutet, dass das Konto übernommen wurde.

Fazit

Was ein Gerät aus dem Zwischenhandel taugt

Ein Gerät, das nicht direkt vom Hersteller kommt, ist bei korrekter Einrichtung gegen die meisten bekannten Angriffe praktisch so sicher wie ein Direktkauf. Beigelegte Phrasen erkennt jeder Käufer, Fälschungen fallen bei der Echtheitsprüfung auf, und gefälschte Software meidet, wer nur offizielle Quellen nutzt. Gegen ein Implantat in einem echten Gerät hilft keine dieser Regeln, und der Fall CryptoBilis zeigt, dass auch der Kauf bei einem offiziell gelisteten Händler davor nicht schützt.

Was bleibt, sind zwei Hebel. Eine kurze Lieferkette verringert die Zahl der Hände, durch die ein Gerät geht, und bei grossen Beträgen sorgt die Aufteilung auf mehrere Geräte aus verschiedenen Quellen dafür, dass ein einzelner Spion nicht reicht. Ledger arbeitet nach eigener Aussage an zusätzlichen Schutzmassnahmen gegen Manipulationen.

Zwei Tage nach dem Abzug ist vieles offen. Bestätigt ist ein Implantat in einem Gerät, nicht in allen, und ob jede Opferadresse einem Kunden von CryptoBilis gehört, lässt sich in der Blockchain nicht erkennen. Wer der Täter ist, wer die Geräte präpariert hat und ob der Eigentümerwechsel beim Händler eine Rolle spielt, ist bis heute nicht bekannt.

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The Sanctis Letter 19. September 2026
Was sich beim Sanctis Letter verändert hat

Ich habe in den letzten Wochen ziemlich viel am Sanctis Letter und am gesamten Memberbereich verändert.

Einige Dinge seht ihr sofort. Andere fallen wahrscheinlich erst auf, wenn ihr euch etwas durch die Plattform klickt.

Deshalb hier einmal alles gesammelt.

01
Neu gestaltet

Die Plattform sieht jetzt anders aus

Vor allem auf dem Handy war ich selbst nicht mehr zufrieden.

Es war teilweise zu voll und man musste zu lange suchen, bis man dort war, wo man eigentlich hinwollte. Deshalb habe ich die mobile Version fast komplett neu aufgebaut.

Die wichtigsten Bereiche findet ihr jetzt direkt unten in der Navigation.

Auch die Desktop-Version habe ich angepasst und an vielen Stellen aufgeräumt.

02
Neu

Auf Home findet ihr sofort den neusten Letter

Wenn ihr euch einloggt, seht ihr direkt den aktuellsten Sanctis Letter.

Darunter findet ihr auch die Inhalte, die ihr zuletzt gelesen habt. Wenn ihr einen Letter nicht fertig gelesen habt oder später noch einmal öffnen möchtet, müsst ihr ihn nicht erneut suchen.

Eine simple Änderung, die meiner Meinung nach schon lange gefehlt hat.

03
Neu geordnet

Research ist jetzt klarer aufgebaut

Im Research-Bereich findet ihr die Sanctis Letters und die kostenlosen Marktupdates sauber voneinander getrennt.

Ich spiele aktuell auch mit dem Gedanken, die normalen Letters teilweise etwas kürzer zu halten.

Nicht weniger Research und nicht weniger Inhalt. Einfach schneller zum eigentlichen Punkt.

Ich merke selbst, dass man nicht jeden Gedanken über zehn Absätze erklären muss. Mir ist wichtiger, dass ihr nach einem Letter genau wisst, was ich sehe, welche Szenarien ich beobachte und was meine Einschätzung verändern würde.

04
In Überlegung

Kurzfristige Einschätzungen

Im Bereich Updates findet ihr aktuell vor allem Änderungen rund um die Plattform.

Ich überlege gerade, dort zusätzlich kurzfristige Gedanken zum Markt zu veröffentlichen.

Also Beobachtungen, Veränderungen oder Einschätzungen, die wichtig sind, aber keinen kompletten Sanctis Letter benötigen.

Manchmal passiert etwas am Markt und ich möchte euch kurz sagen können, wie ich es einordne. Dafür jedes Mal einen ganzen Letter zu schreiben, macht keinen Sinn.

05
Neu

Ihr könnt mir direkt schreiben

Neu gibt es eine eigene Support-Seite.

Dort könnt ihr mir direkt Fragen stellen. Egal ob zu einem Sanctis Letter, zum Markt, zur Plattform oder zu einem anderen Thema.

Ihr müsst mir keine Mail schreiben oder mich irgendwo auf Social Media suchen. Alles läuft direkt über die Plattform.

Wenn ihr eine Anfrage sendet, schaut am nächsten Tag noch einmal rein. Ich habe euch dort dann sehr wahrscheinlich bereits geantwortet.

06
Kommt bald

Der Kalender kommt bald

Der neue Kalender ist noch nicht ganz fertig, sollte aber bald verfügbar sein.

Dort seht ihr, welche Letters, Playbooks und Live-Desk-Sessions ich als Nächstes plane.

Ich werde dort aber nicht drei Wochen im Voraus irgendwelche Themen eintragen, nur damit der Kalender voll aussieht.

Der Markt hält sich schliesslich auch nicht an meinen Plan.

Ihr seht, woran ich gerade arbeite und was als Nächstes geplant ist. Wenn plötzlich etwas Wichtigeres passiert, kann sich dieser Plan jederzeit ändern.

07
Geplant

Es wird grössere Playbooks geben

Neben den normalen Sanctis Letters möchte ich künftig auch deutlich längere Berichte zu einzelnen Themen veröffentlichen.

Zum Beispiel ein vollständiges Q4-Playbook mit meinen Erwartungen, verschiedenen Szenarien und den Punkten, bei denen sich meine Einschätzung ändern würde.

Diese Berichte werden als PDF auf der Plattform erscheinen und ebenfalls im Kalender angekündigt.

So muss ich nicht versuchen, jedes grössere Thema in einen normalen Letter zu pressen.

08
Neu

Der Live Desk

Neu gibt es ausserdem den Live Desk.

Das ist ein Chat, den ich zu bestimmten, vorher angekündigten Zeiten freischalten werde.

Zum Beispiel während eines FOMC-Meetings, bei wichtigen Marktereignissen oder wenn ich gerade aktiv den Markt analysiere.

Ihr könnt dort live mitlesen, Fragen stellen, selbst etwas schreiben oder mitdiskutieren.

Die Idee dahinter ist, euch näher an meine tatsächliche Arbeit zu bringen. Nicht immer erst Stunden später einen fertigen Rückblick veröffentlichen, sondern euch teilweise schon währenddessen zeigen, was ich gerade sehe und wie ich die Situation einordne.

Warum ein Chat und kein Livestream?

Weil ich kein Content Creator bin und auch keiner werden möchte.

Wenn ich während eines wichtigen Markttermins stundenlang in eine Kamera spreche, liegt mein Fokus irgendwann auf dem Stream und nicht mehr auf dem Markt.

Im Live Desk kann ich kurz eine Einschätzung schreiben, eine Frage beantworten oder eine Diskussion starten und mich danach wieder auf das konzentrieren, worum es eigentlich geht.

Den Markt.

09
Unverändert

Die Suche bleibt bestehen

An der Suche ändert sich nichts.

Ihr könnt weiterhin nach älteren Letters, Themen und anderen Inhalten suchen.

Jetzt brauche ich eure Meinung

Ich baue den Sanctis Letter am Ende nicht für mich.

Deshalb möchte ich von euch wissen, was euch noch fehlt.

Was nervt euch? Was ist unnötig kompliziert? Welche Funktion oder welches Format würdet ihr tatsächlich benutzen?

Ihr müsst daraus keinen schönen Text machen. Schreibt einfach ehrlich rein, was ihr denkt.

Ich lese alles.

0 / 4000

Zwei Felder, mehr nicht. Der Name ist freiwillig.

Angekommen. Danke dir.

Deine Zeilen liegen in meinem Postfach. Wenn du eine Antwort erwartest, schreib mir zusätzlich über die Support-Seite, hier gibt es kein Feld dafür.

Fabian De Sanctis
The Sanctis Letter
19. September 2026