Der grosse Abzug
Am Dienstag flossen netto rund 17'000 Bitcoin von den Börsen ab. So viel war es seit August nicht mehr. Bitcoin steht am Morgen wieder über 80'000 Dollar, und heute Abend entscheidet die Fed.
In 5 Minuten durch
Am Dienstag flossen netto rund 17'260 Bitcoin von Börsenadressen ab, etwa 1,4 Milliarden Dollar und der grösste Tagesabfluss seit dem 20. August. Wer dahintersteht, zeigen die vorläufigen Daten nicht. Bitcoin stieg in der Nacht kurz über 81'000 Dollar und steht am Morgen bei rund 80'800, ohne zusätzlichen Hebel im Markt. Das Konto des US-Finanzministeriums bei der Fed ist seit dem 9. Oktober um rund 148 Milliarden auf 1'020,7 Milliarden Dollar gewachsen. Robinhood setzte mit Krypto 55 % weniger um, Prognosemärkte brachten mehr ein. Datavault AI kommt seit Juni nicht an rund 818 Bitcoin auf der Börse Biconomy, die Aktie halbierte sich. Bessent will Krypto-Regeln über die Behörden klären, VanEck packt Bitcoin in einen Mischfonds. Heute um 19 Uhr entscheidet die Fed, erwartet wird ein Halten, der Markt rechnet für Dezember mit einer Erhöhung.
Guten Morgen. Bitcoin war in der Nacht kurz über 81'000 Dollar. Die grössere Geschichte steht aber auf der Blockchain. Dazu kommen ein Finanzministerium, das Geld einsammelt, und ein Robinhood-Quartal, in dem kaum noch jemand Krypto handelt.
On-Chain
17'000 Bitcoin verlassen die Börsen
Am Dienstag gingen rund 31'550 Bitcoin von Börsenadressen weg, nur 14'290 kamen an. Unter dem Strich verliessen also netto rund 17'260 Bitcoin die Börsen, beim heutigen Kurs etwa 1,4 Milliarden Dollar. Das war der viertgrösste Abfluss an einem Tag in den letzten zwölf Monaten und der grösste seit dem 20. August.
Er kam ziemlich unvermittelt. Am Freitag und am Montag flossen eher Coins zu den Börsen, zusammen fast 10'000 Bitcoin. Nach dem Dienstag liegen auf den Börsen noch rund 2,68 Millionen Bitcoin.
Wer die Coins abgezogen hat, zeigen die Daten nicht. Es können Käufer sein, die ihre Bitcoin selbst verwahren wollen. Es kann auch eine Börse sein, die ihre Wallets umbaut, oder eine Umbuchung zu einem Verwahrer, etwa für die ETFs.
Die Zahl der aktiven Adressen und der Transaktionen blieb am Dienstag im üblichen Rahmen. Nach einer Welle neuer Käufer sieht das nicht aus. Der Abfluss kann trotzdem ein gutes Zeichen sein, wenn grosse Anleger ihre Bitcoin vom Markt nehmen. Die Werte für Dienstag sind allerdings noch vorläufig.
Bitcoin
Kurz über 81'000
Bitcoin kletterte gegen 22 Uhr bis auf 81'200 Dollar und fiel gegen 2 Uhr auf 80'500. Gegen 4 Uhr stand er nochmals knapp über 81'000, am Morgen sind es rund 80'800 Dollar. Nach 2 Uhr wurde kaum noch gehandelt.
Damit ist Bitcoin zurück über 80'000, nach einem Tief von 79'121 Dollar am Samstag. Für einen Ausbruch reicht das nicht, vor einer Woche lag der Kurs zeitweise noch bei 84'840 Dollar.
Mehr Hebel steckt nicht hinter dem Anstieg. Die offenen Futures-Positionen bei Binance sanken über Nacht leicht. Die Finanzierungsrate, die Käufer mit Hebel an die Gegenseite zahlen, liegt nahe null. Überhitzt ist da also nichts.
Liquidität
Das Finanzministerium sammelt Geld ein
Das Konto des US-Finanzministeriums bei der Fed, kurz TGA, stieg am Montag um 38,2 Milliarden auf 1'020,7 Milliarden Dollar. Das Geld kam vor allem aus Lohnsteuern und aus neuen Staatsanleihen.
Wichtiger ist, wohin es seit drei Wochen geht. Seit dem 9. Oktober ist das Konto um rund 148 Milliarden gewachsen und steht so hoch wie seit Ende August nicht mehr. Jeder Dollar, der dort liegt, fehlt dem Bankensystem. Damit wird auch das Geld knapper, an dem Bitcoin hängt.
Wie es weitergeht, zeigt sich am 4. November, wenn das Finanzministerium ankündigt, wie viel es in den nächsten Monaten über Anleihen aufnimmt. Warum dort ein einziger Satz zählt, steht in «Der eine Satz»Member.
Robinhood
Die Kleinanleger wetten lieber auf Ereignisse
Robinhood hat im dritten Quartal so viel umgesetzt wie nie, 1,42 Milliarden Dollar. Der Gewinn fiel trotzdem um 14 % auf 476 Millionen, und die Aktie verlor nachbörslich rund 4 %. Am schwächsten lief Krypto, der Umsatz damit brach um 55 % auf 120 Millionen Dollar ein.
In der App handelten die Kunden 48 % weniger Krypto als vor einem Jahr. Wetten auf Ereignisse, sogenannte Prognosemärkte, brachten dafür 173 Millionen ein, mehr als Krypto und über sechsmal so viel wie im Vorjahr. Die Kleinanleger spekulieren also weiter, nur mit anderem Spielzeug. Für Bitcoin fehlt damit gerade die amerikanische Privatkundschaft als Käufer.
Datavault
Bitcoin, die man nicht abheben kann
Die Aktie von Datavault AI hat sich am Dienstag halbiert, auf 0,067 Dollar. Die Firma kommt seit Juni nicht an rund 818 Bitcoin auf der Börse Biconomy und muss ihre Abschlüsse korrigieren. Die Coins stammen aus einem Deal mit Scilex, die 2025 für 150 Millionen Dollar Datavault-Aktien kaufte und in Bitcoin bezahlte.
Gutgeschrieben wurden die Bitcoin nur intern auf einem Konto bei Biconomy, nie auf der Blockchain. Jetzt gelten sie nicht mehr als Vermögen, nur noch als Forderung gegen Scilex. Die Lehre für jede Firma mit Bitcoin in der Bilanz ist alt und bleibt richtig: Ein Guthaben auf einer Börse ist ein Versprechen und noch keine eigenen Bitcoin.
Kurz notiert
Bessent und VanEck
Finanzminister Scott Bessent sagte an Ripples Konferenz Swell in New York, die USA würden bei digitalen Vermögenswerten gewinnen, und das stärke den Dollar. Er meint vor allem Stablecoins, deren Herausgeber als Reserve amerikanische Staatsanleihen halten. Für Bitcoin zählt eher, was er zur Regulierung sagte. Nach dem gescheiterten Clarity Act sollen die Behörden SEC und CFTC die Regeln selbst klären, und das Finanzministerium will Krypto-Firmen vor gekündigten Bankkonten schützen.
VanEck hat am Dienstag an der NYSE den Wealth Builder ETF gestartet, einen Mischfonds aus Aktien, Anleihen, Gold und Bitcoin. Der Bitcoin-Anteil soll bei rund 2 % liegen. Das ist wenig, aber so landet Bitcoin als feste Beimischung in einem ganz gewöhnlichen Fonds.
Heute Abend zählt die Fed
Am frühen Nachmittag steht das britische Budget im Kalender, um 19 Uhr entscheidet die Fed. Heute dürfte sie die Zinsen nicht anfassen. Die eigentliche Frage ist der Dezember, denn die Terminmärkte rechnen für die Sitzung vom 9. Dezember mit einer weiteren Erhöhung, je nach Stand mit 73 bis über 80 % Wahrscheinlichkeit.
Die Anleihen sehen es ähnlich. Zehnjährige US-Staatsanleihen bringen nur noch 0,29 Prozentpunkte mehr Rendite als zweijährige, so wenig wie seit dem 23. September nicht mehr. Wenn die kurzen Zinsen den langen so nahe kommen, rechnet der Markt mit einer strengeren Fed.
Für Bitcoin kommt es darauf an, ob Fed-Chef Kevin Warsh um 19:30 Uhr eine Erhöhung im Dezember andeutet. Wie man die Fed liest, steht in «Die Fed lesen», die Ausgangslage in «Der Mittwochabend»Member.
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