Leise aufwärts
Bitcoin hat sich über Nacht ruhig um rund 1,8 Prozent erholt und steht bei rund 82'500 Dollar. Etwas Entlastung kommt vom tieferen Ölpreis und von einer Fed, die keine Eile mit der nächsten Zinserhöhung zeigt.
In 5 Minuten durch
Bitcoin stieg über Nacht von 81'094 auf rund 82'530 Dollar, bei dünnem Handel und ohne Schub am Terminmarkt. Fed-Chef Kevin Warsh hat zuletzt kein Signal für eine Zinserhöhung im Oktober gegeben, der Markt rechnet seither weniger stark mit einem Schritt in diesem Monat. Brent fiel nach einer neuen US-Ausnahme für russisches Rohöl auf 108 Dollar. Die iranischen Revolutionsgarden melden einen Tanker, der in der Strasse von Hormuz auf eine Mine gelaufen sei. Die Deutsche Bank will ihre Krypto-Verwahrung 2027 nach Asien bringen. BoJ-Chef Ueda sieht die Kerninflation nahe am Ziel, der Yen blieb unverändert. Der Dollar ist kaum verändert. Die nächste Fed-Sitzung ist am 27. und 28. Oktober.
Guten Morgen. Bitcoin ist ohne grossen Lärm in die Woche gestartet. Die Themen der Nacht drehen sich vor allem um Öl und Zinsen.
Bitcoin
Stunde für Stunde nach oben
Bitcoin stand am Sonntagabend um 21 Uhr bei 81'094 Dollar und am Montagmorgen um 5.15 Uhr bei rund 82'530 Dollar, ein Plus von rund 1,8 Prozent. Das Tief lag kurz nach 22 Uhr bei 80'568 Dollar. Ab Mitternacht stieg der Kurs Stunde für Stunde, ohne einen einzelnen Sprung, bis auf ein Hoch von 82'700 Dollar zwischen 4 und 5 Uhr.
Der Handel war dünn. An der Börse Kraken wechselten in acht Stunden nur rund 870 Bitcoin den Besitzer. Keine Nachricht der Nacht passt zeitlich zu einer bestimmten Stunde des Anstiegs. Eine gewöhnliche Erholung in ruhigem Handel ist ebenso plausibel wie eine Reaktion auf das freundlichere Zinsumfeld.
Hebel spielte beim Anstieg kaum eine Rolle. Der Bestand offener Bitcoin-Futures auf Binance lag am Morgen nur 0,4 Prozent höher als am Abend. Die Funding Rate, also die Gebühr, die Käufer und Verkäufer unbefristeter Futures einander zahlen, lag mit 0,0093 Prozent pro acht Stunden knapp unter dem neutralen Standardwert.
Fed
Warsh lässt den Oktober offen
Fed-Chef Kevin Warsh hat bei einem Auftritt in Bangkok Ende letzter Woche kein Signal für eine Zinserhöhung im Oktober gegeben. Nach dem Auftritt sank die Wahrscheinlichkeit, die Händler einem Schritt im Oktober beimessen, laut Marktberichten von rund 27 auf rund 15 Prozent. Eine Erhöhung im Dezember bleibt allerdings im Gespräch, weil die Konsumenten- und Produzentenpreise in den USA hoch bleiben.
Für Bitcoin wirkt das über die Zinsen. Bitcoin wirft keine Zinsen ab, und je mehr eine sichere Staatsanleihe bringt, desto teurer wird es, Bitcoin zu halten. Weniger Zinsdruck entlastet Bitcoin deshalb. Auch Gold, das keine Zinsen bringt, stieg über Nacht leicht. Zehnjährige US-Staatsanleihen werfen aber immer noch 5,10 Prozent ab, die Hürde bleibt also hoch.
Öl
Russisches Öl drückt den Preis
Brent, die wichtigste Ölsorte für Europa, stand am Morgen bei 108 Dollar je Barrel, rund 1,7 Prozent unter dem Schluss vom Freitag. Die amerikanische Sorte WTI fiel um 1,5 Prozent auf 97,55 Dollar. Fast der ganze Rückgang kam in den ersten zwei Handelsstunden nach der Wiedereröffnung am Sonntagabend, danach bewegte sich der Preis seitwärts.
Als Auslöser gilt eine neue Ausnahme der USA, die Importeuren den Kauf von russischem Rohöl erlaubt. Solche Ausnahmen gewährt Washington seit März Monat für Monat. Sie sollen die Preise drücken, solange die Strasse von Hormuz weitgehend gesperrt ist. Wie weit die neue Ausnahme reicht und wie lange sie gilt, ist nicht bekannt.
Für Bitcoin ist Öl derzeit der wichtigste Umweg. Der hohe Ölpreis treibt die Inflation, und die Inflation ist der Grund, warum die Fed überhaupt über Erhöhungen spricht. Billigeres Öl nimmt etwas Druck aus dieser Kette, ein Rückgang um 1,7 Prozent in einer Nacht ändert daran allerdings wenig.
Hormuz
Eine Minenmeldung der Revolutionsgarden
Die iranischen Revolutionsgarden melden, ein Supertanker mit rund 2 Millionen Barrel Ladekapazität sei in der Strasse von Hormuz auf eine Mine gelaufen und in Brand geraten. Unabhängig bestätigt ist die Meldung nicht, und das US-Zentralkommando hat frühere Minenmeldungen der Revolutionsgarden mehrfach bestritten.
Iran hält die Meerenge seit dem 12. Juli wieder weitgehend geschlossen. Meldungen wie diese dürften den Risikoaufschlag im Ölpreis hoch halten. Über Nacht wog die Ausnahme für russisches Öl aber schwerer, und der Preis gab nach.
Deutsche Bank
Bitcoin-Verwahrung für Asien
Die Deutsche Bank will ihre Verwahrung von Kryptowährungen 2027 nach Asien bringen. In Deutschland soll der Dienst in wenigen Wochen starten, mit Bitcoin, Ether und mehreren Stablecoins für Unternehmen und institutionelle Anleger. Die Bank verwahrt die Schlüssel, die Kunden brauchen keine eigene Wallet.
Welche asiatischen Märkte zuerst an die Reihe kommen, ist offen. Es ist das einzige Thema der Nacht mit direktem Bezug zu Bitcoin: Eine Grossbank senkt für Institutionelle die Hürde, Bitcoin zu halten. Auf den Kurs wirkt das kurzfristig nicht, es verbreitert aber den Zugang.
Japan
Ueda sieht das Ziel in Reichweite
Laut Agenturberichten vom Montagmorgen sagte der Gouverneur der Bank of Japan, Kazuo Ueda, die Kerninflation in Japan liege nun sehr nahe am Ziel von 2 Prozent. Den Plan, die Käufe japanischer Staatsanleihen schrittweise zu verringern, lässt die Notenbank unverändert.
Liegt das Ziel in Reichweite, spricht das für einen weiteren Zinsschritt der Notenbank, und höhere Zinsen würden den Yen stärken. Das kann Anleger zwingen, Positionen aufzulösen, die sie mit billigem Yen finanziert haben, und entzieht den Märkten Liquidität. Über Nacht ist davon nichts zu sehen: Ein Dollar kostet mit rund 158 Yen so viel wie am Freitag.
Dollar
Ein ruhiger Dollar
Der Dollar-Index, der den Dollar gegen wichtige andere Währungen misst, stand am Morgen bei 101,86 und damit kaum höher als am Freitag. In den letzten Tagen fielen der Dollar und die US-Renditen gemeinsam leicht.
Ein Dollar, der steigt, während die langen Renditen zurückbleiben, gilt beim Broker StoneX als Warnzeichen für eine schwache Dollar-Rally. Danach sieht es im Moment nicht aus. Für Bitcoin folgt aus dem Dollar heute nichts Neues.
Heute im Blick
Heute stehen keine Termine an, die Bitcoin direkt betreffen. Der nächste grosse Termin ist die Sitzung der Fed am 27. und 28. Oktober. Bis dahin dürften der Ölpreis und die US-Renditen die wichtigsten Einflüsse aus dem Umfeld bleiben.
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