Ruhe vor Warsh
Bitcoin hat die Nacht fast unverändert bei rund 82'000 Dollar verbracht. Die Bitcoin-ETFs waren am Donnerstag ausgeglichen, der Dollar gab nach, und die Stimmung ist zurück im Bereich Gier. Heute spricht Fed-Chef Kevin Warsh.
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Bitcoin pendelte über Nacht zwischen 81'577 und 82'503 Dollar und steht am Morgen bei rund 82'000 Dollar. Die US-Spot-Bitcoin-ETFs nahmen am Donnerstag netto 5,1 Millionen Dollar ein, ein praktisch ausgeglichener Tag. Beth Hammack von der Cleveland Fed bleibt bei ihrer Forderung nach weiteren Zinserhöhungen. Der Fear and Greed Index steigt von 53 auf 63 und kehrt damit auf das Niveau der Vorwoche zurück. Laut Chainalysis waren die USA in den zwölf Monaten bis Ende Juni erstmals seit 2022 Netto-Importeur von Bitcoin, getragen von grossen Transfers. Der Dollar hatte am Donnerstag seinen schwächsten Tag seit dem 3. September, bleibt aber nahe seinem Hoch. Heute sprechen Fed-Chef Warsh und Bank-of-England-Chef Bailey.
Guten Morgen. Bitcoin hat die Nacht in einer engen Spanne von gut einem Prozent verbracht und steht am Morgen bei rund 82'000 Dollar, fast genau dort, wo er am Vorabend stand. Ein kurzer Rutsch nach fünf Uhr auf 81'577 Dollar war nach einer Stunde wieder aufgeholt, und am Terminmarkt ist keine Seite überhitzt.
ETF-Flüsse
Ein ausgeglichener Donnerstag
Die US-Spot-Bitcoin-ETFs, also börsengehandelte Fonds, die echte Bitcoin halten, haben am Donnerstag netto 5,1 Millionen Dollar eingenommen. Das ist praktisch ein ausgeglichener Tag. Der IBIT von BlackRock zog 16,8 Millionen Dollar an, zwei kleinere Fonds verloren zusammen 11,7 Millionen, alle anderen blieben ohne Bewegung.
Für Bitcoin wirken diese Flüsse direkt. Ziehen Anleger Geld ab, verkaufen die Fondsanbieter Bitcoin oder kaufen weniger nach. Kommt Geld herein, kaufen sie am Markt. Am Donnerstag hat dieser Kanal den Kurs also weder gestützt noch belastet.
Nach einigen grossen Abflusstagen in diesem Monat kam von dieser Seite am Donnerstag also kein neuer Druck.
Fed
Hammack bleibt hart
Beth Hammack, Präsidentin der Federal Reserve Bank of Cleveland, bleibt bei ihrer Linie: Die US-Notenbank soll die Zinsen weiter anheben. Ihr Wort hat Gewicht, weil Cleveland in diesem Jahr im Offenmarktausschuss mitstimmt, dem Gremium, das den Leitzins festlegt. Schon im Juli stimmte sie gegen den Zinsentscheid, weil sie eine Erhöhung wollte.
Ihre Begründung hat sie am Montag in einer Rede in Cleveland ausgeführt. Die Inflation, gemessen am Preisindex der privaten Konsumausgaben, lag im August bei 3,4 Prozent, ein Jahr zuvor waren es 2,7 Prozent. Druck kommt laut Hammack von der Energie, von den Zöllen und vom Ausbau der künstlichen Intelligenz, der Chips, Elektronik und Fachkräfte auf dem Bau knapp macht. Sie bevorzugt häufige kleine Zinsschritte statt langen Abwartens.
Für Bitcoin läuft der Weg über die Zinsen. Eine straffere Fed hält die Renditen hoch, die zehnjährige US-Staatsanleihe rentierte am Mittwoch 5,19 Prozent. Damit werden sichere Anlagen attraktiver, Kredit wird teurer, und für riskante Anlagen bleibt weniger Geld übrig. Hammack ist allerdings nur eine von zwölf Stimmen im Ausschuss.
Stimmung
Zurück in der Gier
Der Crypto Fear and Greed Index steht heute bei 63 Punkten und damit im Bereich Gier, gestern waren es 53 Punkte. Der Index fasst Schwankungen, Kursdynamik, Handelsvolumen, soziale Medien, den Marktanteil von Bitcoin und Google-Suchen zu einem Wert zwischen 0 und 100 zusammen. Er misst also die Stimmung und nicht das Geld, das tatsächlich fliesst.
Zehn Punkte an einem Tag wirken wie ein Stimmungsumschwung. Tatsächlich kehrt der Index auf das Niveau der Vorwoche zurück: In den zehn Tagen davor lag er jeden Tag zwischen 57 und 71, die 53 von gestern war ein einzelner Ausreisser. Der Wert wird einmal täglich um zwei Uhr Zürcher Zeit gesetzt und spiegelt den Vortag. Die 53 folgte auf das Minus von 1,8 Prozent am Mittwoch, die 63 auf das Plus von 0,7 Prozent am Donnerstag.
Für heute sagt der Index deshalb wenig. Er zeichnet nach, was der Kurs gestern getan hat, und reagiert schon auf kleine Bewegungen stark.
Jahresbilanz
Die USA holen Bitcoin herein
Die USA haben in den zwölf Monaten bis Ende Juni 2026 erstmals seit 2022 mehr Bitcoin aus dem Ausland erhalten, als sie dorthin abgegeben haben. Das zeigt der am Mittwoch veröffentlichte Länderbericht des Analysehauses Chainalysis, der alle grenzüberschreitenden Bitcoin-Flüsse zählt. Es ist eine Jahresbilanz und keine Bewegung der letzten Tage.
Aufschlussreich ist, wer die Bitcoin bewegt. Überweisungen unter 10'000 Dollar flossen in jeder Periode netto aus den USA ab. Bei den grossen Transfers kehrte sich das Bild um: Allein jene über 10 Millionen Dollar brachten netto 53'200 Bitcoin ins Land. Kleinanleger schicken Bitcoin also hinaus, Institutionen holen sie herein.
Das passt zu den Spot-ETFs. Seit ihrem Start im Januar 2024 ist der Anteil der USA an der weltweiten Bitcoin-Aktivität in jeder Periode gestiegen, und über das Jahr zeigt die Richtung trotz der Abflüsse im Oktober klar in die USA. Ein Teil der grossen Zuflüsse könnte allerdings aus Umbuchungen zwischen Verwahrern und Börsen stammen, etwa für die ETF-Verwahrung in den USA, und wäre dann keine neue Nachfrage.
Dollar
Der Dollar gibt etwas nach
Der Dollar-Index, der den Dollar gegen einen Korb wichtiger Währungen misst, fiel am Donnerstag um 0,54 Prozent auf 102,00 Punkte. Es war sein grösster Tagesverlust seit dem 3. September. Bloomberg bringt die Schwäche mit Sorgen um KI-Werte in Verbindung, gleichzeitig fielen die Tech-Aktien, und Anleger suchten Schutz in US-Staatsanleihen.
Im Verhältnis zum Anstieg davor ist der Rückgang klein. Mitte September stand der Index noch bei rund 99,5 Punkten, am Montag erreichte er mit 102,58 sein Hoch dieser Phase. Heute früh notiert er bei 101,94 und damit weiter nahe an diesem Hoch.
Ein schwächerer Dollar lockert die Finanzierung ausserhalb der USA und geht oft mit mehr Risikobereitschaft einher. Bitcoin stieg am Donnerstag um 0,7 Prozent, also in dieselbe Richtung, aber verhalten. Weil Anleger am selben Tag Tech-Aktien verkauften und Sicherheit suchten, taugt der Tag nur bedingt als Zeichen für neuen Risikoappetit.
Heute zählt Warsh
Über Nacht hat sich für Bitcoin wenig verändert. Die ETFs haben am Donnerstag nicht belastet, der Dollar gibt etwas nach, und die Stimmung liegt wieder auf dem Niveau der Vorwoche. Die grösste Last bleibt die Zinsseite, mit hohen Renditen und einer Fed, in der Stimmen wie Hammack weitere Erhöhungen fordern.
Heute sprechen Fed-Chef Kevin Warsh und Andrew Bailey, der Gouverneur der Bank of England. Für Bitcoin ist vor allem wichtig, ob Warsh die harte Linie von Hammack teilt und weitere Zinsschritte andeutet.
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