Stiller Sonntag
Bitcoin hat eine ruhige Wochenendnacht hinter sich und steht bei rund 81'600 Dollar. Keine der Nachrichten des Morgens hat den Kurs bewegt.
In 5 Minuten durch
Bitcoin stieg über Nacht um gut 0,2 Prozent auf rund 81'580 Dollar, mit einem kurzen Rücksetzer bis 80'655 Dollar vor Mitternacht. Der Terminmarkt ist neutral. Die französische Nationalversammlung hat in erster Lesung knapp eine Steuer von 31,4 Prozent auf den Tausch von Krypto in Stablecoins angenommen, beschlossen ist sie nicht. Circle legt offen, dass von jedem Umsatzdollar nur rund 7 Cent Gewinn bleiben, während Open USD den Partnern die Zinserträge weiterreicht. Goldman-Chef Solomon nennt Tokenisierung einen wichtigen Trend, das Geschäft sei aber noch sehr klein. In Grossbritannien steigt die Inflation, Goldman Sachs und Citigroup erwarten im November eine Zinserhöhung. Der Won ist so stark wie seit zwei Jahren nicht, weil der Dollar breit nachgibt. Am Mittwoch erscheint die britische Inflationszahl.
Guten Morgen. Bitcoin steht am Sonntagmorgen fast genau dort, wo er am Samstagabend stand. Die Themen der Nacht betreffen eher die Struktur des Marktes als den Kurs.
Bitcoin
Eine kurze Delle vor Mitternacht
Bitcoin stand am Samstagabend bei rund 81'400 Dollar und am Sonntagmorgen bei rund 81'580 Dollar, gut 0,2 Prozent höher. Die Nacht verlief ruhig, mit einer Ausnahme: In der Stunde ab 23 Uhr fiel der Kurs kurz bis 80'655 Dollar. Bis in die frühen Morgenstunden hatte er den Rückgang wieder aufgeholt.
Viel Gewicht hatten diese Ausschläge nicht. Aktien- und Devisenmärkte sind am Wochenende geschlossen, und an der Börse Kraken wechselten zwischen 21 und 5 Uhr nur rund 264 Bitcoin den Besitzer. In so dünnem Handel bewegen schon kleine Aufträge den Kurs.
Auch am Terminmarkt blieb es ruhig. Der Bestand offener Bitcoin-Futures auf Binance stieg über Nacht nur um rund 0,3 Prozent. Die Funding Rate, also die Gebühr, die Käufer und Verkäufer unbefristeter Futures einander zahlen, lag mit 0,01 Prozent pro acht Stunden beim neutralen Standardwert. Hebel baut also niemand in grossem Stil auf, und Anzeichen von Stress gibt es keine.
Frankreich
Eine Steuer auf den Tausch in Stablecoins
Die französische Nationalversammlung hat am Freitag einen Änderungsantrag zum Haushalt 2027 angenommen, der den Tausch von Kryptowährungen in Stablecoins besteuern soll. Stablecoins sind Token, die an den Dollar oder den Euro gebunden sind. Bisher ist ein solcher Tausch in Frankreich steuerfrei, die Steuer fällt erst beim Wechsel in Euro an. Neu wären ab dem 1. Januar 2027 schon beim Tausch 31,4 Prozent auf den Gewinn fällig.
Damit zahlt ein Anleger Steuern, ohne einen einzigen Euro erhalten zu haben. Wer Bitcoin im Wert von 10'000 Euro mit 4'000 Euro Gewinn in Stablecoins tauscht, schuldet rund 1'256 Euro. Der Tausch von Bitcoin in andere Kryptowährungen bliebe dagegen steuerfrei.
Beschlossen ist damit noch nichts. Der Antrag kam mit 38 zu 37 Stimmen bei 25 Enthaltungen durch, im Saal sassen nur 100 der 577 Abgeordneten. Es ist eine erste Lesung, danach ist der Senat an der Reihe, und die Regierung lehnt die Massnahme ab.
Für Bitcoin geht es dabei vor allem um das Verhalten der Anleger. Wer Bitcoin hält und nicht tauscht, zahlt weiterhin nichts. Die Stablecoins verlieren aber ihre Rolle als steuerfreier Parkplatz für Gewinne innerhalb des Kryptomarkts. Französische Anleger dürften Gewinne deshalb seltener mitnehmen, und ein Teil des Handels könnte zu Anbietern im Ausland abwandern. Zusätzliche Nachfrage nach Bitcoin entsteht daraus nicht.
Stablecoins
Sieben Cent von jedem Dollar
Circle, der Herausgeber des Stablecoins USDC, hat offengelegt, wohin sein Umsatz fliesst. Von jedem Umsatzdollar im ersten Halbjahr 2026 gingen rund 59 Cent an Vertriebspartner wie Börsen, Wallets und Banken sowie an Transaktionskosten. Rund 34 Cent kosteten Lizenzen, Compliance und der eigene Betrieb. Als Gewinn blieben rund 7 Cent.
Der Umsatz stammt fast vollständig aus den Zinsen auf die Reserven hinter USDC, und um diese Zinsen geht der Streit. Open USD, ein Stablecoin-Netzwerk mit Unterstützung von Coinbase, Stripe und BlackRock, reicht die Zinserträge nach Abzug einer Gebühr an die Teilnehmer weiter und ist inzwischen live. Heikel ist das für Circle, weil Coinbase zugleich der grösste Partner für USDC ist.
Für Bitcoin zählt der Streit, weil Stablecoins die wichtigste Dollar-Liquidität im Kryptohandel sind. Der Wettbewerb ändert zunächst nur, wer an den Reserven verdient, und nicht die Menge der Stablecoin-Dollars im Markt. Mehrere konkurrierende Dollar-Token könnten die Liquidität auf den Handelsplätzen allerdings stärker verteilen. Eine Wirkung auf Bitcoin ist bisher nicht zu erkennen.
Tokenisierung
Ein wichtiger Trend, noch sehr klein
Goldman-Sachs-Chef David Solomon hat die Tokenisierung in der Telefonkonferenz zu den Quartalszahlen am Dienstag einen wichtigen Trend genannt. Dabei werden Wertpapiere wie Anleihen oder Fondsanteile als digitale Token auf einer Blockchain ausgegeben. Goldman hat nach seinen Worten bereits Anleihen, mehrere Geldmarktfonds und für einzelne Kunden Immobilien tokenisiert. Zugleich sagte er, dieses Geschäft sei derzeit noch sehr klein.
Solomon erwartet langfristig tiefere Kosten und eine bessere Liquidität. Bitcoin erwähnte er nicht, der Bezug ist deshalb indirekt: Grossbanken sammeln Erfahrung mit digitalen Vermögenswerten, und das senkt mit der Zeit die Hürden für institutionelles Geld im Kryptomarkt.
Zinsen
Die Bank of England denkt an eine Erhöhung
In Grossbritannien steigt die Inflation wieder. Sie lag im August bei 3,1 Prozent, vor allem wegen Energie und Treibstoff. Das Ziel der Bank of England liegt bei 2 Prozent, der Leitzins steht seit Jahresbeginn bei 3,75 Prozent. Im September stimmten bereits drei der neun Mitglieder des Zinsausschusses für eine Erhöhung.
Goldman Sachs rechnet nun für den 5. November mit einer Erhöhung um 0,25 Prozentpunkte, die Citigroup mit zwei Schritten bis Februar. Beide hatten für dieses Jahr zuvor keine Änderung erwartet.
Eine britische Zinserhöhung allein bewegt Bitcoin kaum, denn das Pfund spielt für die Liquidität im Kryptomarkt nur eine Nebenrolle. Wichtiger ist das Muster: Mehrere grosse Notenbanken denken wegen der hohen Inflation wieder über höhere Zinsen nach statt über Senkungen. Höhere Zinsen machen die Finanzierung von gehebelten und riskanten Anlagen teurer, und dazu gehört auch Bitcoin.
Devisen
Der Won so stark wie seit zwei Jahren nicht
Der südkoreanische Won ist gegenüber dem Dollar so stark wie seit zwei Jahren nicht mehr. Am Freitag fiel der Dollar in Seoul auf 1'331,4 Won, den tiefsten Stand seit Anfang Oktober 2024. Seit dem Juni hat der Won gegenüber dem Dollar rund 17 Prozent zugelegt.
Der Anstoss kam vor allem aus den USA. Nach Äusserungen von Fed-Chef Kevin Warsh gab der Dollar breit nach. Gleichzeitig kauften ausländische Anleger wieder koreanische Aktien, und die Chiphersteller verkaufen laufend Dollar aus ihren Exporten.
Für Bitcoin zählt hier eher der Dollar als der Won. Ein starker Won senkt den Bitcoin-Preis in Won bei gleichem Dollarpreis und nimmt koreanischen Anlegern den Anreiz, sich mit Krypto gegen die eigene Währung abzusichern. Ein schwächerer Dollar lockert dagegen die weltweiten Finanzierungsbedingungen etwas, und das dürfte Bitcoin eher entlasten.
Heute im Blick
Heute stehen keine Termine an, die für Bitcoin zählen, und ausser Bitcoin handelt kein grosser Markt. Am Montagmorgen öffnet Seoul, und der Won zeigt dann, ob der Dollar weiter nachgibt.
Am Dienstag stimmt die Nationalversammlung über den Einnahmenteil des französischen Haushalts ab, in dem die Stablecoin-Steuer steckt. Am Mittwoch folgt die britische Inflationszahl für September. Sie könnte beim Zinsentscheid der Bank of England am 5. November den Ausschlag geben.
Keine Anlageberatung. Alle Inhalte dienen der Information und der Meinungsbildung. Über FabianHinweisImpressumDatenschutz