Der Käufer
In der letzten Ausgabe fehlte der grösste Käufer noch komplett. Jetzt ist er da, aber er kam durch eine andere Tür als erwartet, und die Fed hat den Wind gedreht.
Hey Leute, In Letter XIII, "Das Fundament", habe ich euch das ganze Bild unter die Oberfläche gezeichnet. Vier On-Chain Signale, die alle dasselbe sagten, eine Bodenbildung, die gerade läuft. Und ich habe einen Satz geschrieben, der der Kern der ganzen Ausgabe war. Der grösste Käufer, das US-Kapital, ist noch nicht mal angetreten. Ich habe es eine gespannte Feder genannt.
Diese Feder hat sich jetzt gelöst. Bitcoin ist nicht in der Spanne geblieben, die ich als Basisszenario bis zur Fed erwartet hatte, sondern hat die 64'800er Wand gebrochen und steht bei rund 66'400. Der Markt hatte weniger Geduld als ich. Und der Grund dafür steht klar in den Zahlen. Der Käufer ist zurück. Nur kam er durch eine andere Tür, als ich sie in der letzten Ausgabe beobachtet habe.
Genau darum geht es heute. Ich zeige euch, wer da gerade kauft und warum das den Ausbruch trägt. Ich zeige euch aber auch die andere Seite, die sich in derselben Woche gedreht hat.
Die Inflation, deren weiche Zahl ich in Letter XIII schon angezweifelt habe, zieht wieder an. Die Fed steht in acht Tagen und der Markt fürchtet eher einen Schritt nach oben als nach unten. Und ich sage euch, welche zwei Bestätigungen mir für den Ausbruch noch fehlen und was ich konkret mit meiner Position tue.
Also, letsgo.
Marktstruktur · Liquidations-Heatmap
Die Wand aus der letzten Ausgabe ist gefallen. Aus dem Widerstand wird jetzt der Boden.
Fangen wir wieder mit der reinen Struktur an. Die Heatmap zeigt dir, wo im Markt die grossen Hebelpositionen liegen, die bei bestimmten Preisen zwangsliquidiert werden. Diese Zonen wirken wie Magnete. In der letzten Ausgabe war die dickste Wand bei 64'800, und ich habe geschrieben, ein erster Anlauf an eine so dicke Wand wird selten im ersten Versuch durchbrochen. Der erste Anlauf wurde es tatsächlich nicht. Der zweite schon.
Auf der aktuellen Heatmap siehst du, wie der Preis die 64'800 durchstossen hat und jetzt bei rund 66'400 steht. Das ist der entscheidende Punkt. Ein Level, das lange als Deckel gewirkt hat und dann von unten nach oben durchbrochen wird, dreht seine Rolle um. Aus dem Widerstand wird eine Unterstützung. Die 64'800, an der sich der Bounce vorher die Zähne ausgebissen hat, ist jetzt die Kante, die von oben halten muss. Darüber liegen die nächsten hellen Liquiditätslinien bei rund 67'400 und 67'900, genau dort, wo der Magnet aus der letzten Ausgabe wartet.
Dazu kommt kurzfristig ein zweiter Hinweis aus der Positionierung, der perfekt dazu passt. Die Funding Rate, also die Gebühr, die laufend zwischen Long- und Short-Tradern fliesst, ist ins Negative gedreht. Negatives Funding heisst, dass mehr Trader auf fallende Kurse setzen und dafür bezahlen, dass sie short sind. Genau in dem Moment, in dem Bitcoin die Wand bricht, werden also frische Shorts gegen die Bewegung eröffnet.
Das ist antizyklisch wichtig, es ist dieselbe Mechanik wie mit der Long/Short Ratio von 0,72 in der letzten Ausgabe. Steigt der Preis weiter Richtung der Liquiditätszone bei 67'900, müssen sich diese Shorts zurückkaufen, und diese erzwungenen Rückkäufe sind zusätzliches Benzin nach oben. Die Masse wettet gegen die Stärke und liefert damit oft genau den Treibstoff für den nächsten Schub.
Was ich daraus lese, ist eine klare Verschiebung der Frage. In Letter XIII lautete sie, hält der Boden bei 61'000. Jetzt lautet sie, hält der neue Boden bei 64'800. Für die nächsten Tage ist das mein wichtigstes Level nach unten. Solange Bitcoin über der zurückeroberten Wand schliesst, ist der Ausbruch intakt und der Weg zu den 67'900 offen. Fällt der Preis dagegen per Tagesschluss zurück unter 64'800, war der Ausbruch ein Fehlausbruch, und wir landen wieder im zähen Ringen der letzten Ausgabe. Die Struktur hat sich nach oben verschoben. Jetzt muss sie sich dort auch halten.
Kapital · ETF-Zuflüsse
Fünf grüne Tage in Folge. Der Käufer, der in der letzten Ausgabe fehlte, ist zurück.
Das ist das Herzstück dieser Ausgabe. In Letter XIII war mein grösster offener Punkt die fehlende Nachfrage. Der Bounce lief ohne den grossen Käufer. Jetzt schau dir die Zuflüsse in die amerikanischen Bitcoin-ETFs an. Ein ETF ist der Weg, über den grosses, reguliertes Kapital, also Fonds, Vermögensverwalter und institutionelle Anleger, Bitcoin kauft, ohne selbst Coins verwahren zu müssen. Fliesst Geld in diese ETFs, kauft im Hintergrund jemand echte Bitcoin vom Markt.
Und dieses Geld fliesst wieder. Fünf Handelstage in Folge grün. Am 14. Juli 181 Millionen, am 15. Juli 108 Millionen, am 16. Juli 79 Millionen, am 17. Juli 132 Millionen und am 20. Juli 227 Millionen Dollar. In Summe über 700 Millionen Dollar frische Nachfrage in einer einzigen Woche, mit dem stärksten Tag ganz am Schluss. Das ist die andere Tür, von der ich im Intro spreche. Ich habe in der letzten Ausgabe auf die Coinbase Premium geschaut, also auf das amerikanische Privatgeld an der Börse. Angetreten ist stattdessen zuerst das institutionelle Geld über die ETFs.
Was das strukturell bedeutet, ist genau die Mechanik, die ich in Letter XIII beschrieben habe, nur jetzt live. Auf der Angebotsseite trocknet der Markt aus, weil die Long-Term Holder auf einem Allzeithoch sitzen und nicht verkaufen. Auf die dünne verfügbare Menge trifft jetzt eine feste, tägliche Nachfrage über die ETFs. Weniger Angebot, mehr Nachfrage, und der Preis muss den Weg des geringsten Widerstands nehmen, nach oben. Deshalb ist die Wand gefallen. Für die nächsten Tage ist die ETF-Zahl mein wichtigstes tägliches Signal. Solange diese Reihe grün bleibt, hat der Ausbruch ein echtes Fundament aus Kapital und nicht nur aus Hebel. Der erste rote Tag mit grossem Abfluss dagegen wäre die Warnung, dass dem Ausbruch der Treibstoff ausgeht.
Makro · PCE-Inflation
n Letter XIII habe ich die weiche Zahl eine geliehene Entspannung genannt. Genau das sehen wir jetzt.
Jetzt die andere Seite, die sich in derselben Woche gedreht hat. In der letzten Ausgabe war der weiche CPI der Grund für den Bounce, und ich habe klar dazugeschrieben, dass ich dieser Zahl nicht traue, weil sie fast nur aus fallenden Ölpreisen kam. Eine Inflation, die nur wegen billigem Öl sinkt, ist eine geliehene Entspannung. Diese Leihgabe wird gerade zurückgefordert. (Öl ist wieder oben.)
Schau auf den PCE, das ist das Inflationsmass, auf das die Fed am genauesten schaut, noch mehr als auf den CPI. Die Jahresrate ist im Mai auf 4,1 Prozent. Und das ist kein Ausrutscher, sondern eine klare Reihe nach oben. Im Februar lag sie noch bei 2,9 Prozent, im März bei 3,5, im April bei 3,8 und jetzt bei 4,1. Drei Anstiege in Folge, und auch der Kern ohne die schwankenden Energie- und Nahrungspreise zieht weiter an.
Was das bedeutet, ist der eigentliche Spannungsbogen dieser Ausgabe. Wir haben einen Ausbruch nach oben im Preis und gleichzeitig eine Inflation die sehr zäh ist. Das sind zwei Kräfte, die normalerweise gegeneinander arbeiten, denn steigende Inflation zwingt die Fed hart zu bleiben, und eine harte Fed ist Gift für Risiko. Dass Bitcoin trotzdem ausgebrochen ist, sagt mir, wie stark die Nachfrage über die ETFs gerade sein muss.
Für die nächsten Tage heisst das aber auch, der Rückenwind aus der weichen Inflation ist weg. Der nächste PCE-Bericht kommt Ende Juli, direkt nach der Fed. Bleibt die Reihe nach oben intakt, dann trägt der Ausbruch gegen den Makro-Wind, nicht mit ihm. Und das ist ein Ausbruch auf schwierigerem Grund.
Makro · Fed, 2Y-Rendite und Dollar
Der Markt preist immernoch null Zinssenkung. Und die kurzfristigen Zinsen ziehen an.
Hier kommt die logische Folge aus der steigenden Inflation. Wenn der PCE zurück nach oben dreht, kann die Fed nicht ans Senken denken. Genau das siehst du im FedWatch-Bild für den 29. Juli. Die Wahrscheinlichkeit für eine unveränderte Zinsspanne liegt bei 78 Prozent. Die restlichen 22 Prozent zeigen nicht auf eine Senkung, sondern auf eine Anhebung. Eine Zinssenkung ist weiter mit null Prozent eingepreist. Und die Angst vor einem Schritt nach oben ist grösser geworden. In der letzten Ausgabe lag das Hike-Risiko bei 12 Prozent, jetzt bei 22!
Diese Erwartung siehst du auch direkt am Anleihemarkt. Die Rendite der zweijährigen US-Staatsanleihe, das ist der Zins, der die Zinserwartung der nächsten Jahre am genauesten abbildet, ist auf rund 4,26 Prozent gestiegen und läuft Richtung 4,30. Steigende kurzfristige Zinsen heissen, der Markt stellt sich auf eine Fed ein, die länger hart bleibt.
Dazu passt, dass die Wirtschaft gar keinen Grund für weiche Zinsen liefert. Das reale Bruttoinlandsprodukt, also die Wirtschaftsleistung, steht auf einem neuen Hoch und wächst weiter. Keine Rezession, kein Einbruch, nichts, was die Fed zum Eingreifen zwingt. Eine starke Wirtschaft mit steigender Inflation ist genau das Umfeld, in dem eine Warsh-Fed hart bleibt.
Genau deshalb hält sich der Dollar weiter zäh, sogar einen Tick fester als in der letzten Ausgabe, bei rund 101,1. Auch der Dollar zum Yen steht mit 163 hoch, ein weiteres Zeichen für die Kraft des Dollars.
Und trotzdem, und das ist der Punkt, ist Bitcoin ausgebrochen. Normalerweise drückt ein fester Dollar mit steigenden Zinsen auf Risiko. Bitcoin hat sich diesmal davon gelöst. Sogar an einem Tag, an dem der Nasdaq gut 3,7 Prozent verloren hat, ist Bitcoin oben geblieben. Diese relative Stärke gegenüber Aktien und Dollar zusammen sagt mir, wie stark die eigene Nachfrage über die ETFs gerade sein muss.
Für die nächsten Tage bleibt der 29. Juli der Anker. Ich erwarte keine Senkung und keine Erhöhung.
On-Chain · STH und LTH Kostenbasis
Der Ausbruch ist da, aber die eigentliche Bestätigung fehlt noch um gut 2'000 Dollar.
Jetzt gehen wir unter den Preis, denn dort steht die wichtigste Bedingung, die ich in der letzten Ausgabe für die Bestätigung genannt habe. Die Kostenbasis der kurzfristigen Halter, also der Durchschnittspreis aller, die in den letzten Monaten gekauft haben, liegt aktuell bei rund 68'700. Bei einem Kurs von 66'400 sitzen diese Käufer im Schnitt noch leicht im Minus. Zum Vergleich, die Kostenbasis der Long-Term Holder liegt bei nur 49'300. Die geduldigen Hände sind also tief im Gewinn, die nervösen noch knapp im Verlust.
Das ist der entscheidende Punkt für die Einordnung des Ausbruchs. In Letter XIII habe ich geschrieben, die eigentliche Bestätigung nach oben ist die Rückeroberung der STH-Kostenbasis. Erst wenn Bitcoin über diese Linie steigt, sind auch die kurzfristigen Halter im Schnitt wieder im Plus, und der Verkaufsdruck von Leuten, die nur bei plus minus null aussteigen wollen, fällt weg. Genau diese Linie ist noch nicht zurückerobert. Der Ausbruch über die 64'800 war der erste Schritt. Die 68'700 sind der zweite und wichtigere.
Was ich daraus lese, ist Respekt vor der Zone direkt über uns. Zwischen dem aktuellen Kurs und der STH-Kostenbasis liegen keine 2'000 Dollar, aber genau dort sitzt der ganze Schwung an Käufern der letzten Monate, die endlich wieder bei null sind und deshalb verkaufen könnten.
Diese Zone von 66'400 bis 68'700 ist die Bewährungsprobe. Schafft es die ETF-Nachfrage, den Preis durch diesen Deckel aus wartenden Verkäufern zu drücken und darüber zu schliessen, ist der Ausbruch bestätigt und das Bild dreht komplett bullisch. Bleibt Bitcoin darunter hängen, ist es erst mal nur ein Ausbruch über die alte Wand, mehr nicht. Ich beobachte diese 68'700 in den nächsten Tagen genauso genau wie die ETF-Zahl.
On-Chain · Coinbase Premium
Das US-Privatgeld dreht, aber es steht noch knapp unter null.
Das zweite fehlende Stück ist genau das Signal, auf das ich in der letzten Ausgabe am meisten geschaut habe. Die Coinbase Premium zeigt, ob Bitcoin auf der amerikanischen Börse Coinbase teurer oder billiger gehandelt wird als auf den globalen Börsen. Ein Aufschlag bedeutet, das amerikanische Privatgeld kauft aggressiv. In Letter XIII lag diese Premium tief im Minus, bei rund minus 55 Dollar, und ich habe den Tag, an dem sie ins Plus dreht, einen der wichtigsten Trigger der kommenden Wochen genannt.
Jetzt schau, was seitdem passiert ist. Die Premium hat sich vom Tief Ende Juni bei rund minus 0,20 klar erholt und steht aktuell bei etwa minus 0,04. Sie ist also fast am Nullpunkt, aber eben noch knapp darunter. Das passt perfekt zum Bild aus dem ETF-Kapitel. Der Ausbruch wird bisher vor allem vom institutionellen Geld über die ETFs getragen, nicht vom amerikanischen Privatanleger an der Börse. Der ist noch am Zögern, kurz davor, aber nicht drin.
Was daraus folgt, ist eine klare Beobachtungsaufgabe. Wir haben zwei Linien, die fast gleichzeitig bei ihrem Kipppunkt stehen. Der Preis knapp unter der STH-Kostenbasis von 68'700, und die Coinbase Premium knapp unter null. Kippen beide gemeinsam ins Plus, dann tritt zum institutionellen Käufer auch das Privatgeld dazu, und der Ausbruch bekommt seine zweite Stufe. Bleiben beide knapp darunter hängen, ist die Luft nach oben erst mal begrenzt. Der Tag, an dem die Coinbase Premium sauber ins Plus dreht, ist damit weiter mein wichtigstes Bestätigungssignal, jetzt sind wir nur viel näher dran als in der letzten Ausgabe.
On-Chain · MVRV Z-Score
Trotz Ausbruch ist Bitcoin nach diesem Mass noch immer billig.
Zum Schluss der Blick auf die Bewertung, damit wir den Ausbruch richtig einordnen. Der MVRV Z-Score setzt den Marktpreis ins Verhältnis zum Preis, zu dem alle Coins zuletzt bewegt wurden, also zu dem, was der Markt im Schnitt tatsächlich bezahlt hat. Vereinfacht ist es ein Mass dafür, ob Bitcoin gerade teuer oder billig ist. Hohe Werte über 6 oder 7 markieren historisch die Blasen an der Spitze, Werte nahe null oder darunter die grossen Böden.
Aktuell steht dieser Z-Score bei rund 0,40. Das ist sehr tief. Trotz des Ausbruchs über die Wand, trotz fünf grüner ETF-Tage, ist Bitcoin nach diesem Mass immer noch in der Bewertungszone, die historisch mit Böden verbunden ist, nicht mit Spitzen. Das ist ein wichtiger Kontext. Der Ausbruch findet nicht aus einer überhitzten Lage heraus statt, in der schon alle euphorisch sind, sondern aus einer immer noch günstigen, gedrückten Bewertung.
Was ich daraus lese, ist Rückenwind für die langfristige Sicht. Ein Ausbruch aus tiefer Bewertung hat mehr Luft nach oben als einer aus einer bereits überdehnten Lage, einfach weil noch nicht alle drin sind. Für die nächsten Tage ändert der Z-Score nichts am kurzfristigen Bild, das entscheidet sich an der 68'700 und an der Coinbase Premium. Aber für die grosse Linie sagt er mir, dass hier noch reichlich Raum ist, bevor dieser Markt teuer wird. Genau das ist der Boden, auf dem ich mein Langzeit-Portfolio weiter aufbaue.
Was ich konkret tue
Fassen wir zusammen. In Letter XIII war das Fundament gebaut, aber der Käufer fehlte. Genau das hat sich gedreht. Über fünf grüne ETF-Tage ist frisches Kapital in den Markt gekommen, hat die 64'800er Wand gebrochen und Bitcoin auf 66'400 getragen. Das ist die starke Seite. Die andere Seite ist ehrlicherweise härter geworden. Der Ausbruch läuft gegen den Makro-Wind, nicht mit ihm. Dass er trotzdem passiert, sagt mir, wie kräftig die Nachfrage gerade ist.
Für mein Langzeit-Portfolio ändert das nichts an meiner Haltung, im Gegenteil, es bestätigt sie. Die stärksten Hände halten weiter ihr Allzeithoch, der MVRV Z-Score zeigt mit 0,40 eine immer noch günstige Bewertung, und jetzt kommt zum trockenen Angebot endlich die feste Nachfrage über die ETFs dazu. Das ist genau das Umfeld, in dem ich ruhig und ohne Hebel in Tranchen weiter aufbaue. Nicht wegen des Ausbruchs, sondern weil das Fundament stimmt und die Bewertung tief ist.
Für kurzfristige Positionen bin ich diszipliniert. Ich jage den Ausbruch nicht mitten in der Bewegung hinterher. Ich beobachte drei Dinge sehr genau. Erstens, ob die 64'800 als neuer Boden von oben hält. Zweitens, ob Bitcoin die STH-Kostenbasis bei 68'700 zurückerobert, das ist die eigentliche Bestätigung, dass auch die kurzfristigen Halter wieder im Plus sind.
Drittens, ob die Coinbase Premium sauber ins Plus dreht und damit das US-Privatgeld zur ETF-Nachfrage dazukommt. Solange diese drei nicht bestätigt sind, ist der Ausbruch echt, aber noch nicht durch. Und mein Ausschluss-Kriterium liegt jetzt höher als in der letzten Ausgabe. Ein Tagesschluss zurück unter 64'800 macht den Ausbruch zum Fehlausbruch. Ein Tagesschluss unter 61'000 bricht die ganze Struktur.
DIE DICHTESTE WOCHE DES JAHRES:
Ein Punkt steht über allem, und ich habe ihn klar auf dem Schirm. Der Ausbruch trifft ausgerechnet auf die vollste Terminwoche des Jahres. In wenigen Tagen ballt sich fast alles, was Risiko bewegen kann, auf engstem Raum zusammen. Das ist der Grund, warum ich kurzfristig trotz des starken Bildes nicht die grosse Position aufbaue.
Am 29. Juli entscheidet die Fed, und in derselben Woche legen die grossen Tech- und Chip-Konzerne ihre Quartalszahlen vor. Diese Handvoll Aktien, allen voran die Chip-Werte, bestimmt inzwischen die Stimmung am gesamten Risikomarkt. Kommen die Zahlen stark, hebt das die Laune für alles Riskante, auch für Bitcoin.
Enttäuschen sie, zieht es zuerst den Nasdaq und dann oft auch Krypto mit nach unten. Genau deshalb habe ich im Makro-Teil auf die Korrelation zum Nasdaq geschaut. Einen einzigen Tag hat sich Bitcoin von einem schwachen Nasdaq gelöst. Ob diese relative Stärke eine ganze Woche voller Tech-Zahlen übersteht, ist die eigentliche Frage.
Am 30. Juli folgen dann der PCE-Bericht und das Bruttoinlandsprodukt im Doppelpack, direkt nach der Fed. Und zum Monatsende, am 31. Juli, läuft ein grosser Optionsverfall aus, in einem Umfeld, das die Händler als negatives Gamma bezeichnen. Vereinfacht heisst das, die grossen Absicherer am Optionsmarkt verstärken Bewegungen, statt sie zu dämpfen.
Ein kleiner Impuls kann dann einen viel grösseren Ausschlag auslösen, in beide Richtungen. Für die nächsten Tage heisst das konkret, ich rechne nicht mit ruhigem Fahrwasser, sondern mit schnellen, heftigen Bewegungen rund um diese Termine.
Wer jetzt mit zu viel Hebel unterwegs ist, wird leicht rausgeschüttelt, egal ob die Richtung am Ende stimmt.
Als Reserve im Hinterkopf behalte ich zusätzlich die regulatorische Seite. Kommt in dieser Phase Bewegung in den CLARITY Act, also die grosse US-Krypto-Regulierung, wäre das ein zusätzlicher Treiber nach oben, den kaum jemand auf der Rechnung hat.
DREI SZENARIEN FÜR DIE NÄCHSTEN WOCHEN:
Szenario 1, bullisch. Die ETF-Zuflüsse bleiben grün, Bitcoin erobert die STH-Kostenbasis bei 68'700 zurück und das Coinbase Premium dreht ins Plus. Dann kommt zum institutionellen Käufer das Privatgeld dazu, der Ausbruch bekommt seine zweite Stufe und der Weg über die 67'900 hinaus öffnet sich. Das negative Funding liefert dabei den zusätzlichen Schub, weil die frischen Shorts sich in die Bewegung hinein zurückkaufen müssen.
Szenario 2, Geduld. Bitcoin hält die 64'800 als neuen Boden, prallt aber unter der 68'700 ab und pendelt in der Zone 64'800 bis 68'000 seitwärts bis zur Fed am 29. Juli. Das ist mein Basisszenario. Der Ausbruch über die Wand ist bestätigt, die zweite Stufe wartet auf den Fed-Ton.
Szenario 3, der Fake-Ausbruch als Liquidity Grab. Der Sprung über die 64'800 war gar kein echter Ausbruch, sondern ein gezielter Griff nach der Liquidität darüber. Genau an den hellen Linien bei 67'400 und 67'900 liegen die Stop-Orders der Shorts und die Kaufmarken all derer, die einem Ausbruch hinterherspringen. Ein Liquidity Grab heisst, der Markt läuft mit einem letzten Schub genau in diese Zone hinein, sammelt dort diese aufgestauten Orders ein, füllt die grossen Verkaufspositionen, und dreht danach wieder nach unten und der Weg zurück Richtung 61'000 öffnet sich. Meine Reaktion: Ich warte den Test der 61'000 ab, bevor ich dort wieder nachlege.
MEINE LEVELS IM ÜBERBLICK:
Teilgewinn-Ziel: 67'900, die nächste Liquiditätszone aus der Heatmap
Bestätigungs-Marke nach oben: 68'700, die STH-Kostenbasis zurückerobern
Neuer Boden: 64'800, die gebrochene Wand, die jetzt von oben halten muss
Gehaltener Boden darunter: 61'000, die entscheidende Unterstützung aus Letter XII und XIII
Fehlausbruch-Marke: Tagesschluss zurück unter 64'800
Tagesbeobachtung: Die ETF-Zuflüsse, das Coinbase Premium, das negative Funding, die 68'700er Kostenbasis
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