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Die Kluft

Jede Woche zerlege ich die wichtigsten On-Chain-Daten, Makro-Signale und Marktstrukturen, damit du nicht die Schlagzeile liest, sondern die Zahl darunter, die kaum jemand ausrechnet.

Die Kluft

Diese Woche war eine der widersprüchlichsten, die ich seit langem vor mir hatte. Ich habe die Daten aufgemacht und auf den ersten Blick schien jede Zahl der nächsten zu widersprechen. Die Wirtschaft schrumpft, aber die Geldmenge explodiert. Die langfristigen Zinsen steigen, obwohl sie in einer schwachen Wirtschaft eigentlich fallen müssten. Das Angebot ist mehrheitlich im Gewinn, aber das meiste Kapital steckt im Verlust.

Das perfekteste Boden-Signal der Geschichte feuert, und im selben Atemzug warnen erfahrene Analysten vor dem grössten Bull Trap aller Zeiten. Wenn dir dein Bauchgefühl in so einer Woche sagt, dass hier etwas nicht zusammenpasst, dann hat dein Bauchgefühl recht. Genau dieses Nichtzusammenpassen ist das Thema.

Ich nenne dieses Update die Kluft, weil sich durch fast jeden Datenpunkt dieselbe Trennlinie zieht. Auf der einen Seite steht, was alle sehen und in jeder Schlagzeile lesen. Auf der anderen Seite steht die Zahl darunter, die du erst siehst, wenn du selbst nachrechnest. Und fast jedes Mal erzählt diese zweite Zahl eine andere Geschichte als die erste. Meine Aufgabe in diesem Update ist es, dich über diese Kluft rüberzuholen.

Ich zeige dir zuerst den scheinbaren Widerspruch in seiner vollen Komplexität, und dann rechne ich ihn dir auf, bis am Ende ein einziges, klares Bild dasteht. Es wird an manchen Stellen anspruchsvoll, aber ich lasse niemanden zurück.

Wenn dir diese Art zu denken gefällt, die Kausalketten hinter den Zahlen, dann ist der The Sanctis Letter das Richtige für dich. Das ist mein privater Marktbrief, zwei bis drei Mal pro Woche, in dem ich nicht nur das grosse Bild zeige, sondern die konkreten Szenarien durchspiele und offenlege, wie ich mich selbst positioniere und an welchen Stellen ich meine Entscheidungen treffe. Das Update hier gibt dir das Fundament, der Letter liefert die Umsetzung. Schau rein, wenn du magst, ganz ohne Druck.

Jetzt aber steigen wir ein, und wir beginnen dort, wo die Kluft am tiefsten ist, in der Makroökonomie.

01
Makro · Konjunktur

Die Industrie kippt, und zwar im schnellsten Tempo seit der Pandemie

Fangen wir mit einer Zahl an, die kaum jemand auf dem Schirm hat, die aber lauter schreit als alles andere diese Woche. Der Chicago PMI ist im August um 10,5 Punkte auf 47,1 gefallen. Der PMI ist ein Stimmungsbarometer der Einkaufsmanager in der Industrie. Alles über 50 bedeutet Wachstum, alles darunter Schrumpfung. Ein Wert von 47,1 heisst also, die Industrie in dieser Region zieht sich zusammen.

Und der Absturz um 10,5 Punkte in einem einzigen Monat ist der grösste seit dem Pandemie-Crash 2020.

Wichtig ist, was darunter liegt, denn hier verbirgt sich das eigentliche Signal. Die neuen Aufträge fielen um 15,4 Punkte, die Produktion um 8,8 Punkte, und die Auftragsbestände sind auf den tiefsten Stand seit November 2025 gerutscht. Das sind alles vorlaufende Grössen, sie sagen etwas über die Zukunft, nicht über die Vergangenheit.

Wenn heute die Aufträge einbrechen, fehlt in ein paar Monaten die Produktion. Und jetzt kommt der Teil, den du dir merken musst: Gleichzeitig ist die Komponente der bezahlten Preise um 3,8 Punkte auf den höchsten Stand seit Februar 2022 gestiegen.

Diese eine Kombination ist der Fingerabdruck, an dem Ökonomen ein ganz bestimmtes Regime erkennen. Fallende Aufträge und gleichzeitig steigende Einkaufspreise passen normalerweise nicht zusammen.

In einer normalen Abkühlung sinken beide, weil weniger Nachfrage die Preise drückt. Wenn die Preise aber steigen, während die Aktivität einbricht, dann kommt die Teuerung nicht mehr von der Nachfrage, sondern von der Angebotsseite, von Kosten, die sich nicht mit tieferen Zinsen wegzaubern lassen.

Das hat einen Namen, und es ist das unangenehmste Wort in der Ökonomie: Stagflation. Eine Wirtschaft, die abkühlt, während die Preise weiter klettern. Merk dir dieses Wort, wir kommen darauf zurück.

Chicago PMI, Veränderung zum Vormonat. Der Einbruch um 10,5 Punkte im August ist der grösste seit dem Pandemie-Schock 2020. Quelle: ZeroHedge.
Chicago PMI, Veränderung zum Vormonat. Der Einbruch um 10,5 Punkte im August ist der grösste seit dem Pandemie-Schock 2020. Quelle: ZeroHedge.
02
Makro · Arbeitsmarkt

Der Arbeitsmarkt war die ganze Zeit schwächer, als man dir gesagt hat

Es gibt eine Sache an offiziellen Zahlen, die die meisten Menschen nicht wissen, und sie ist diese Woche sehr relevant geworden. Zahlen werden nachträglich korrigiert. Was heute als starker Arbeitsmarkt verkündet wird, wird Monate später leise nach unten revidiert, wenn niemand mehr hinschaut....

Genau das ist passiert. Die offiziellen Beschäftigungszahlen für die zwölf Monate bis März 2026 wurden um weitere 79'000 Stellen nach unten korrigiert.

Das allein wäre schon bemerkenswert, aber jetzt kommt die Ebene, die kaum jemand beachtet. Es ist nicht die erste Korrektur dieser Art, es ist bereits die vierte Abwärtsrevision in Folge und die siebte in den letzten acht Jahren.

Sieben von acht Mal ging es nach unten, nie nach oben. Das ist kein Zufall mehr, das ist ein systematischer Fehler in eine Richtung. Kumuliert wurden über diesen Zeitraum fast 2,5 Millionen Stellen nach unten korrigiert.

Und hier liegt der eigentliche Sprengstoff: Die Notenbank nennt sich selbst datenabhängig, sie steuert ihre Zinsentscheidungen nach genau diesen Beschäftigungszahlen. Wenn diese Zahlen aber sieben von acht Jahren zu optimistisch waren, dann steuert die Fed nach einem Rückspiegel, der die Lage systematisch schöner zeigt, als sie ist.

Was ich daraus lese, ist Vorsicht bei jeder starken Schlagzeile. Der Arbeitsmarkt gilt als das letzte starke Standbein der US-Wirtschaft, das eine Rezession bisher verhindert hat. Wenn dieses Standbein in Wahrheit dünner ist als gemeldet, dann wackelt die ganze Erzählung von der robusten Wirtschaft.

Das passt exakt zum Bild aus Abschnitt I. Die Industrie schrumpft, der Arbeitsmarkt ist schwächer als berichtet. Die eine Hälfte der Stagflation, die Stagnation, steht damit fest auf dem Tisch. Fehlt noch die zweite Hälfte, die Inflation, und die schauen wir uns als Nächstes an.

Vorläufige Benchmark-Revision der US-Beschäftigung, zum siebten Mal in acht Jahren nach unten. Quelle: Bureau of Labor Statistics via Bloomberg.
Vorläufige Benchmark-Revision der US-Beschäftigung, zum siebten Mal in acht Jahren nach unten. Quelle: Bureau of Labor Statistics via Bloomberg.
03
Makro · Inflation

Die Inflation läuft weiter bei fast dem Doppelten des Fed-Ziels

Kommen wir zur zweiten Hälfte des Problems. Die PCE-Inflation für Juli ist auf 3,7 Prozent gestiegen und lag damit über den erwarteten 3,6 Prozent. PCE steht für die Konsumausgaben der privaten Haushalte und ist das bevorzugte Inflationsmass der US-Notenbank.

Es ist wichtiger als der bekanntere Verbraucherpreisindex, weil die Fed ihre Zinsentscheidungen genau an dieser Zahl ausrichtet. Die sogenannte Kern-PCE, die die schwankungsanfälligen Energie- und Nahrungsmittelpreise herausrechnet, lag bei 3,3 Prozent, dem zweithöchsten Wert seit Oktober 2024.

Jetzt die Einordnung, die zeigt, warum die Fed in der Falle sitzt. Das Ziel der Notenbank liegt bei 2 Prozent. Bei 3,7 Prozent läuft die Inflation also bei fast dem Doppelten dessen, was als gesund gilt. Aber der wirklich unbequeme Teil ist nicht die Höhe, sondern die Herkunft.

Dass die Kern-PCE mit 3,3 Prozent so hartnäckig oben klebt, obwohl die Energiepreise da schon herausgerechnet sind, verrät, dass die Teuerung tief in den Dienstleistungen und den Wohnkosten sitzt.

Und das ist die Art von Inflation, gegen die Zinserhöhungen kaum etwas ausrichten. Ein höherer Leitzins bremst die Nachfrage nach neuen Autos oder Krediten, aber er senkt nicht die Miete und nicht den Preis einer Arztrechnung. Die Fed hat also ein Werkzeug für ein Problem, das an einer Stelle sitzt, die dieses Werkzeug gar nicht erreicht.

Damit ist die Stagflation komplett. Wir haben die Stagnation aus den ersten beiden Abschnitten und die Inflation aus diesem. Und jetzt entsteht der erste grosse scheinbare Widerspruch dieses Updates.

Denn Stagflation ist historisch schlecht für Risiko-Anlagen. Eigentlich müsste ein Vermögenswert wie Bitcoin in so einem Umfeld leiden. Aber genau hier fängt die Kluft an sich zu öffnen, und ich löse diesen Widerspruch in Abschnitt V vollständig auf. Vorher müssen wir noch verstehen, was die Zinsen machen, denn dort versteckt sich das eigentliche Signal.

04
Makro · Zinsen und Vertrauen

Das gefährlichste Zinssignal, das fast niemand richtig deutet

Jetzt kommt der Abschnitt, in dem sich das grösste Missverständnis der Woche versteckt, und wer ihn versteht, sieht mehr als 95 Prozent des Marktes. Die Ausgangslage klingt simpel. Die Rendite der 30-jährigen US-Staatsanleihe ist auf 5,2 Prozent geklettert, zurück auf ein Niveau, das wir zuletzt 2008 gesehen haben.

Die 10-jährige steht bei 4,73 Prozent, die 2-jährige bei 4,35 Prozent. Die Rendite ist vereinfacht gesagt der Zins, den der Staat zahlen muss, um sich Geld zu leihen. Steigt sie, wird Geld im ganzen System teurer.

Und hier liegt das erste, was fast alle falsch machen. In einer schwächelnden Wirtschaft, wie wir sie in den Abschnitten I bis III gesehen haben, müssten die langfristigen Zinsen eigentlich fallen. Denn wenn die Wirtschaft abkühlt, erwartet der Markt Zinssenkungen und flüchtet in die Sicherheit langer Anleihen, was deren Rendite drückt. Genau das Gegenteil passiert.

Die langen Zinsen steigen. Und wenn du dir die Abstände anschaust, siehst du das Muster: Die 30-jährige liegt 0,85 Prozentpunkte über der 2-jährigen und knapp 0,5 über der 10-jährigen. Das lange Ende zieht davon. In der Fachsprache nennt man das ein Bear Steepening, eine Versteilung der Zinskurve, angetrieben von steigenden Langfristzinsen. Es ist historisch eine der unbequemsten Konstellationen überhaupt.

Warum passiert das? Die Antwort ist der Begriff, den du dir merken solltest: Das Term Premium. Das ist der Extra-Zins, den ein Anleger verlangt, um sein Geld für 30 Jahre wegzugeben statt nur für kurze Zeit.

Es ist die Entschädigung für das Risiko der langen Bindung. Wenn dieses Term Premium steigt, sagt der Anleihemarkt damit etwas Klares: Ich verlange mehr Geld dafür, langfristig in Dollar-Schulden zu sitzen, weil ich der Zukunft misstraue. Misstrauen gegenüber der künftigen Inflation, und Misstrauen gegenüber der Fähigkeit des Staates, seine wachsenden Schuldenberge je wieder in den Griff zu bekommen.

Der Notenbankchef hat diese Woche bekräftigt, am 2-Prozent-Ziel festzuhalten und die Inflation für zu hoch zu halten. Die erhofften Zinssenkungen kommen also vorerst nicht, und gleichzeitig muss der Staat Rekordschulden zu immer höheren Zinsen refinanzieren. Man nennt den Punkt, an dem die Staatsfinanzen die Geldpolitik zu dominieren beginnen, fiscal dominance. Der Anleihemarkt riecht ihn bereits.

Und der Verbraucher spürt genau das. Das Verbrauchervertrauen des Conference Board ist im August auf 89,4 Punkte gefallen, den zweittiefsten Wert seit April 2025. Besonders die Erwartungskomponente, also der Blick der Menschen nach vorne, ist auf den tiefsten Stand seit Januar gerutscht.

Höhere Zinsen verteuern Kredite, Hypotheken und Autofinanzierungen, und gleichzeitig sorgen sich die Menschen um Jobs und Einkommen. Das ist deshalb wichtig, weil der Konsum das Rückgrat der US-Wirtschaft ist. Ein pessimistischer Verbraucher gibt weniger aus, und das verstärkt die Abkühlung aus den ersten Abschnitten. Der Kreis schliesst sich: Teures Geld trifft eine ohnehin schwache Wirtschaft, und der lange Anleihezins zeigt keine Absicht, ihr zu Hilfe zu kommen.

Und jetzt die Zahl, die den ganzen Abschnitt auf die Spitze treibt und die kaum jemand ausrechnet. Ziehst du von den 5,2 Prozent der langen Anleihe die Inflation von 3,7 Prozent ab, bleibt ein realer Zins von rund 1,5 Prozent.

Real heisst: nach Abzug der Geldentwertung. Ein positiver Realzins von 1,5 Prozent ist eigentlich ein Umfeld, in dem sichere Anleihen attraktiv sind und knappe Vermögenswerte ohne Zinsertrag leiden müssten. Halte diesen scheinbaren Killer-Einwand fest. Er sieht aus wie das stärkste Argument gegen Bitcoin. Im nächsten Abschnitt zeige ich dir, warum er sich in Luft auflöst.

US-Renditen: 30-jährige bei 5,2 Prozent auf dem höchsten Stand seit 2008, 10-jährige bei 4,73, 2-jährige bei 4,35 Prozent. Das lange Ende steigt am schnellsten, ein Bear Steepening. Quelle: ZeroHedge. Dazu das US-Verbrauchervertrauen (Conference Board) auf 89,4 Punkte gefallen, die Erwartungen auf dem tiefsten Stand seit Januar.
US-Renditen: 30-jährige bei 5,2 Prozent auf dem höchsten Stand seit 2008, 10-jährige bei 4,73, 2-jährige bei 4,35 Prozent. Das lange Ende steigt am schnellsten, ein Bear Steepening. Quelle: ZeroHedge. Dazu das US-Verbrauchervertrauen (Conference Board) auf 89,4 Punkte gefallen, die Erwartungen auf dem tiefsten Stand seit Januar.
05
Makro · Liquidität

Und trotzdem: Die Geldflut, die jeden Widerspruch auflöst

Hier ist die Auflösung, und sie ist der wichtigste Makro-Gedanke dieses ganzen Updates. Während die Wirtschaft schwächelt, die Inflation frisst und die Realzinsen positiv sind, ist die US-Geldmenge M2 im Juli um 102,8 Milliarden auf ein Rekordhoch von 23,22 Billionen Dollar gestiegen. M2 misst, vereinfacht gesagt, wie viel Geld insgesamt im System zirkuliert, also Bargeld, Girokonten, Sparguthaben. Es ist der 27. monatliche Anstieg in Folge.

Seit Anfang 2026 ist die Geldmenge um 862,7 Milliarden gewachsen, das sind über 123 Milliarden neue Dollar Monat für Monat, und sie liegt jetzt 1,43 Billionen über dem alten Höchststand vom März 2022.

Jetzt lösen wir den positiven Realzins aus dem letzten Abschnitt auf, denn genau daran scheitern die meisten. Der Realzins von 1,5 Prozent misst den Zins gegen den Warenkorb des Konsumenten, gegen Brot, Miete und Benzin.

Er misst ihn aber nicht gegen den Preis knapper Vermögenswerte. Und noch entscheidender: Der Debasement-Trade, also die Wette auf harte Assets, wettet gar nicht gegen die Inflation von morgen. Er wettet gegen die Glaubwürdigkeit der Währung über Jahrzehnte.

Und genau diese Glaubwürdigkeit misst das steigende Term Premium aus Abschnitt IV. Der Anleihemarkt sagt selbst, über die steigenden Langfristzinsen, dass er dem Dollar als langfristigem Wertspeicher zunehmend misstraut. Ein steigendes Term Premium und eine Rekord-Geldmenge sind nicht zwei getrennte Dinge, sie sind dieselbe Geschichte aus zwei Blickwinkeln: Der Staat druckt und verschuldet sich in einem Tempo, das den langfristigen Wert jedes Dollars untergräbt.

Und deshalb kann ein knapper, staatsunabhängiger Vermögenswert wie Bitcoin in einem stagflationären Umfeld nicht nur überleben, sondern steigen.

Nicht weil die Wirtschaft gesund ist, sondern gerade weil sie es nicht ist und die Notenbank am Ende immer den Weg des geringsten Widerstands wählt, nämlich mehr Liquidität ins System zu pumpen, statt eine Schuldenkrise zuzulassen.

Der Satz, der diese ganze Dynamik zusammenfasst, kursierte diese Woche unter den Daten und er trifft es genau: Besitze Vermögenswerte oder bleib zurück.

Das ist die Auflösung der ersten Kluft. Der scheinbare Widerspruch, dass Bitcoin in einer schwachen Wirtschaft steigt, ist gar keiner. Die schwache Wirtschaft, die steigenden Langfristzinsen und die Geldflut sind alle dieselbe Medaille. Wer nur die Schlagzeile von der schwachen Wirtschaft liest, positioniert sich falsch. Wer die Mechanik dahinter versteht, sieht das grössere Bild. Damit lassen wir das Makro hinter uns und tauchen in die On-Chain-Daten ein, wo sich die zweite, noch tiefere Kluft auftut.

US-Geldmenge M2 auf einem Rekordhoch von 23,22 Billionen Dollar, der 27. monatliche Anstieg in Folge. Quelle: Federal Reserve via FRED.
US-Geldmenge M2 auf einem Rekordhoch von 23,22 Billionen Dollar, der 27. monatliche Anstieg in Folge. Quelle: Federal Reserve via FRED.
06
On-Chain · Realized Cap

Frisches Kapital fliesst rein, aber es tut es leise

Wechseln wir die Perspektive und schauen, was direkt in der Blockchain passiert. Ein guter Anfang ist die Realized Cap, die realisierte Marktkapitalisierung. Anders als die normale Marktkapitalisierung, die einfach den aktuellen Preis mit der Menge multipliziert, bewertet die Realized Cap jeden Bitcoin zu dem Preis, zu dem er zuletzt bewegt wurde. Sie zeigt also, wie viel echtes Kapital tatsächlich in Bitcoin gebunden ist, nicht nur, was der letzte Kurs behauptet. Und diese Woche ist sie um 4,6 Milliarden gestiegen. Das ist ein Signal, dass frisches Geld in den Markt kommt.

So weit die gute Nachricht. Aber hier braucht es die ehrliche Einordnung, und die liefert der Chart selbst.

Der Anstieg ist real, aber die 30-Tage-Durchschnittsveränderung liegt bei gerade einmal 0,4 Prozent. Das ist wenig. Es fliesst also Kapital rein, aber im grossen Bild noch sehr verhalten, sehr leise. Zusätzlich zeigt sich, dass ein Teil dieser Bewegung nicht von Käufern kommt, sondern von Anlegern, die höher gekauft und jetzt kapituliert haben, wodurch ihre Coins zu einem tieferen Preis neu bewertet wurden. In der Realized Cap sieht Kapitulation an einem tiefen Preis fast gleich aus wie frische Nachfrage, und beides ist hier vermischt.

Was ich daraus lese, ist ein vorsichtiges Ja mit einem Sternchen. Die Richtung stimmt, das Kapital dreht wieder in den Markt hinein, und das Muster ähnelt dem, was wir am Ende des letzten Bärenmarktes gesehen haben. Aber es ist noch kein lautes, überzeugtes Signal. Es braucht Bestätigung über die nächsten Wochen. Genau diese Zurückhaltung, dieses noch nicht ganz, wird sich wie ein roter Faden durch die restlichen On-Chain-Daten ziehen.

Weekly Realized Cap Change. Das realisierte Kapital steigt wieder, plus 4,6 Milliarden in einer Woche, die 30-Tage-Veränderung liegt aber erst bei 0,4 Prozent. Quelle: bitlern.space.
Weekly Realized Cap Change. Das realisierte Kapital steigt wieder, plus 4,6 Milliarden in einer Woche, die 30-Tage-Veränderung liegt aber erst bei 0,4 Prozent. Quelle: bitlern.space.
07
On-Chain · Short-Term Holder

80'000 ist zur Ausgangstür geworden, und eine Linie erklärt warum

Jetzt wird es konkret, denn hier liegt eine Zone, auf die der ganze Markt gerade schaut, und eine Zahl darunter, die den Kampf um diese Zone erklärt. Während der Erholung in Richtung 80'000 Dollar hat sich der durchschnittliche Buchgewinn der Short-Term Holder auf rund 14 Prozent erhöht. Short-Term Holder sind Wallets, die ihre Coins erst seit Kurzem halten, meist unter 155 Tagen. Ihr durchschnittlicher Einstandspreis liegt bei rund 70'100 Dollar.

Diese Zahl ist wichtiger, als sie aussieht. Sie hat einen eigenen Namen, den Realized Price der kurzfristigen Halter, und sie ist historisch eine der schärfsten Trennlinien überhaupt. Liegt der Kurs darüber, befindet sich der Markt in einer bullischen Verfassung. Fällt er darunter, kippt die Stimmung ins Bärische. Aktuell steht der Kurs bei rund 80'000, also klar über der Linie von 70'100. Technisch ist das ein gutes Zeichen.

Aber genau dieser Abstand ist das Problem. Wenn eine Gruppe nervöser, frischer Halter plötzlich 14 Prozent im Plus sitzt, auf den grössten Gewinnen seit Juli 2025, dann steigt die Versuchung, diese Gewinne mitzunehmen. Das bestätigt der zweite Datensatz eindrücklich.

Die Zuflüsse von Bitcoin auf die Börsen sind stark angestiegen, genau als der Kurs versuchte, die 80'000 zu knacken. Coins, die auf Börsen wandern, sind oft ein Zeichen für bevorstehende Verkäufe, denn niemand schiebt seine Bitcoin auf eine Börse, um sie dort liegen zu lassen. Auf Binance lag der durchschnittliche Zufluss bei 10'700 Bitcoin, dazu kamen institutionelle Zuflüsse über Coinbase Advanced sowie über Kraken und OKX.

Das ergibt ein klares Bild: 80'000 wirkt aktuell wie eine Ausgangstür. Die frischen Halter aus dem Bereich um 70'000 nutzen den Sprung auf 80'000, um ihre 14 Prozent zu sichern, und dieser Verkaufsdruck hat den Kurs bisher jedes Mal zurückgeworfen.

Aber, und das ist der Lichtblick, der Verkaufsdruck lässt langsam nach. Solange der Kurs über der 70'100er-Linie bleibt, ist die grundlegende Verfassung intakt, und sobald die Verkaufswelle an der Tür sich erschöpft, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Bitcoin die 80'000 erneut testet. Es ist ein Ringen an einer klar definierten Kante, und noch hat keine Seite gewonnen.

BTC Short-Term Holder durchschnittlicher Buchgewinn bei rund 11 bis 14 Prozent, Einstandspreis bei etwa 70'100 Dollar. Daneben die stark gestiegenen Börsenzuflüsse rund um den Test der 80'000. Quelle: CryptoQuant.
BTC Short-Term Holder durchschnittlicher Buchgewinn bei rund 11 bis 14 Prozent, Einstandspreis bei etwa 70'100 Dollar. Daneben die stark gestiegenen Börsenzuflüsse rund um den Test der 80'000. Quelle: CryptoQuant.
08
On-Chain · Kapitalrotation

Der Gold-Bitcoin-Mythos, den fast alle glauben

Jetzt räume ich mit einer Erzählung auf, die diese Woche überall herumgereicht wurde, und das ist genau die Art von Punkt, die dich vom Rest unterscheidet.

Die Geschichte geht so: Kapital rotiere gerade von Gold in Bitcoin, das grosse Geld schichte um, und das treibe Bitcoin. Klingt logisch, klingt gut, und fast jeder nickt zustimmend.

Das Problem ist nur: Wenn man die Daten tatsächlich anschaut, stimmt es nicht.

Man kann diese Rotation messen, indem man die Trends von Gold und Bitcoin relativ zu ihren jeweiligen 180-Tage-Durchschnitten vergleicht. Der 180-Tage-Durchschnitt ist einfach der geglättete Preis über ein halbes Jahr, er zeigt den grundlegenden Trend und filtert das tägliche Rauschen heraus. Und was die Daten aktuell zeigen, ist eine negative Rotation.

Das heisst, Bitcoin läuft gerade unterdurchschnittlich, während sich Gold auf hohem Niveau abschwächt. Von einem sauberen Fluss von Gold in Bitcoin ist in den Daten nichts zu sehen. Über die Historie hinweg folgt dieses Verhältnis überhaupt keinem verlässlichen Muster, das die These stützen würde. Die Erzählung wurde erfunden, weil sie zum Kursverlauf zu passen schien, nicht weil die Daten sie hergeben.

Warum ich das aufgreife: Weil es ein Paradebeispiel dafür ist, wie eine schön klingende Geschichte die Runde macht, ohne dass sie durch Daten gedeckt ist. Wenn du deine Entscheidungen auf solche Geschichten stützt, positionierst du dich auf Sand.

Ich sage nicht, dass Kapital niemals von Gold in Bitcoin fliesst. Ich sage, dass es aktuell nicht der Treiber ist, den viele darin sehen. Und für dich heisst das: Sei skeptisch, wenn dir jemand eine einfache Geschichte verkauft, die alles erklärt. Die echte Nachfrage in diesem Markt kommt aus einer anderen Ecke, und die schauen wir uns jetzt an.

Gold-Bitcoin-Rotation, gemessen an den 180-Tage-Durchschnitten beider Anlagen. Aktuell negative Rotation, kein sauberer Kapitalfluss von Gold in Bitcoin erkennbar. Quelle: CryptoQuant.
Gold-Bitcoin-Rotation, gemessen an den 180-Tage-Durchschnitten beider Anlagen. Aktuell negative Rotation, kein sauberer Kapitalfluss von Gold in Bitcoin erkennbar. Quelle: CryptoQuant.
09
On-Chain · ETF-Nachfrage

Die versteckte Rechnung: Die ETFs kaufen das 3,5-Fache dessen, was überhaupt neu entsteht

Es gibt in all dem Hin und Her eine Konstante, die das strukturelle Fundament dieses Marktes bildet, und ich will sie dir mit einer Rechnung zeigen, die kaum jemand macht, die aber alles verändert. Zuerst die Oberfläche: Die Bitcoin-ETFs hatten eine weitere starke Woche, 14'900 Bitcoin sind in die Wallets der Anbieter geflossen, und über die letzten 30 Tage waren es 48'503 Bitcoin.

Jetzt die Ebene darunter, und dafür musst du wissen, wie viel Bitcoin überhaupt neu entsteht. Nach dem letzten Halving, der Halbierung der Miner-Belohnung, wirft das Netzwerk pro Block noch 3,125 neue Bitcoin aus. Bei rund 144 Blöcken am Tag sind das etwa 450 neue Bitcoin täglich, oder rund 13'500 über 30 Tage. Das ist das gesamte frische Angebot, alles, was Miner in einem Monat neu auf den Markt bringen können.

Und jetzt vergleiche: Die ETFs haben in denselben 30 Tagen 48'503 Bitcoin aufgesogen. Das ist mehr als das 3,5-Fache der gesamten Neuproduktion. In der starken Woche mit 14'900 Zuflüssen war es sogar fast das Fünffache der wöchentlichen Emission. Die ETFs allein, ohne jeden anderen Käufer, fragen ein Vielfaches dessen nach, was neu geschürft wird.

Was das mechanisch bedeutet, ist der eigentliche Punkt. Wenn eine einzige Käufergruppe dauerhaft mehrfach so viel abnimmt, wie neu entsteht, dann muss dieses zusätzliche Angebot von irgendwo kommen, nämlich von bestehenden Haltern, die zum Verkauf bewegt werden müssen. Solange die 80'000er-Tür aus Abschnitt VII diese Verkäufer liefert, hält der Markt das Gleichgewicht.

In dem Moment aber, in dem die nervösen Hände ausverkauft sind und die ETFs weiter mit dem 3,5-Fachen der Emission anklopfen, entsteht ein Angebotsengpass, der sich nur über einen höheren Preis lösen lässt. Das ist das ruhige, geduldige Gegengewicht zur kurzfristigen Nervosität, und es tickt im Hintergrund weiter, Woche für Woche. Und es führt uns direkt zur tiefsten Kluft dieses ganzen Updates.

US-ETF-Netflow pro Woche. 14'900 Bitcoin Zufluss diese Woche, 48'503 Bitcoin über die letzten 30 Tage, gegenüber rund 13'500 Bitcoin Neuemission im selben Zeitraum. Quelle: CryptoQuant.
US-ETF-Netflow pro Woche. 14'900 Bitcoin Zufluss diese Woche, 48'503 Bitcoin über die letzten 30 Tage, gegenüber rund 13'500 Bitcoin Neuemission im selben Zeitraum. Quelle: CryptoQuant.
10
On-Chain · Angebot gegen Kapital

Die Kluft, die kaum jemand sieht: 69 Prozent der Coins im Gewinn, aber nur 42 Prozent des Geldes

Das hier ist das Herzstück dieses Updates, der Punkt, den die meisten Analysten komplett übersehen, weil sie nur die halbe Wahrheit anschauen.

Fast überall liest du gerade dieselbe beruhigende Nachricht: 69 Prozent des Bitcoin-Angebots sind wieder im Gewinn. Angebot im Gewinn bedeutet, dass diese Coins zu einem tieferen Preis gekauft wurden, als der Markt heute steht. Wenn die Mehrheit im Plus ist, klingt das nach einem gesunden, bullischen Markt. Und die meisten hören genau hier auf zu denken.

Jetzt kommt die Schicht darunter, und sie dreht das Bild um. Es gibt einen Unterschied zwischen der Anzahl der Coins im Gewinn und der Menge an Dollar-Kapital im Gewinn, und dieser Unterschied ist gewaltig. Von rund 1'065 Milliarden Dollar an investiertem Kapital in Bitcoin stehen aktuell 617 Milliarden im Verlust und nur 447 Milliarden im Gewinn. Rechne das in Prozent um, und du bekommst die Zahl, die fast niemand nennt: Dollargewichtet sind nur 42 Prozent des Kapitals im Gewinn, 58 Prozent stecken im Verlust. Stell das nebeneinander. 69 Prozent der Coins im Gewinn, aber nur 42 Prozent des Geldes.

Für jeden Dollar, der im Plus steht, stehen 1,38 Dollar im Minus. Wie kann das sein? Weil ein grosser Teil des Angebots aus alten, sehr günstig gekauften Coins besteht, die viele Einheiten, aber wenig Dollar binden, während das grosse, frische Geld erst später und zu deutlich höheren Preisen in den Markt kam und jetzt unter Wasser steht.

Das ist die Kluft, und sie ist der wahre Testpunkt für diesen Markt. Die Coin-Zahl zählt viele kleine, alte Hände, die längst im Plus sind und wenig bewegen. Das Dollar-Kapital dagegen zeigt, wo das grosse, entscheidende Geld wirklich steht, und das steht mehrheitlich im Verlust und damit unter Druck. Wir nähern uns einem Gleichgewicht, an dem dieses Kapital vor einer Entscheidung steht: Rausziehen, sobald es wieder bei plus minus null ist, oder investiert bleiben in der Hoffnung auf mehr. Genau an dieser Schwelle entscheidet sich, ob der Markt nach oben durchbricht oder ob die Erleichterungsverkäufe ihn zurückwerfen.

Und noch eine Zahl, die zeigt, wie brutal dieser Zyklus war: Das Kapital, das im Verlust lag, erreichte zwischenzeitlich einen historischen Rekord von 935 Milliarden Dollar. So viel aufgestauten Schmerz gab es selten. Wer nur die 69 Prozent liest, sieht einen bequemen Boden. Wer die 42 Prozent kennt, sieht einen Markt, der gerade erst an seinen echten Entscheidungspunkt kommt.

Invested Capital Profit/Loss. Bei rund 1'065 Milliarden Dollar investiertem Kapital stehen 617 Milliarden im Verlust gegenüber 447 Milliarden im Gewinn, also nur 42 Prozent im Plus. Quelle: CryptoQuant.
Invested Capital Profit/Loss. Bei rund 1'065 Milliarden Dollar investiertem Kapital stehen 617 Milliarden im Verlust gegenüber 447 Milliarden im Gewinn, also nur 42 Prozent im Plus. Quelle: CryptoQuant.
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On-Chain · Volatilität

Die unheimliche Ruhe vor der Bewegung

Bevor wir zum grossen Finale kommen, ein Signal, das kaum jemand beachtet, das aber historisch enorm aufschlussreich ist. Der Bitcoin Network Stress Index ist auf ein extrem tiefes Niveau gefallen.

Dieser Index kombiniert mehrere Grössen: Das Verhalten der Transaktionsgebühren, die Schwankung der Rechenleistung im Netzwerk und die Bewegungen im aktiven Angebot. Vereinfacht misst er, wie viel Stress oder Anspannung gerade im Bitcoin-Netzwerk herrscht. Und aktuell ist dieser Stress fast verschwunden. Es ist ausgesprochen ruhig.

Klingt erstmal beruhigend, ist aber ein zweischneidiges Signal, und der Grund dafür ist ein Prinzip, das an den Märkten immer wieder greift: Volatilität verschwindet nie, sie zieht sich nur zusammen, um sich später umso heftiger zu entladen. Historisch sind genau diese Phasen extrem niedriger Netzwerk-Anspannung immer wieder in der Nähe wichtiger Marktwendepunkte aufgetreten, und in mehreren Fällen folgte darauf ein deutlicher Anstieg der Schwankungen. Ruhe im Netzwerk war oft die Stille vor einer grossen Bewegung. Die Betonung liegt auf Bewegung, nicht auf Richtung. Das Signal sagt dir nicht, ob es rauf oder runter geht, es sagt dir nur, dass die aktuelle Enge nicht von Dauer ist.

Was es dir aber sagt, ist wertvoll: Bereite dich darauf vor, dass die aktuelle Ruhe kippt. Der Markt ist angespannt entspannt, wenn man so will. Er sitzt in einer engen Range, das Netzwerk ist still, und genau solche Konstellationen entladen sich irgendwann.

Für dich heisst das, dass die kommenden Wochen wahrscheinlich unruhiger werden als die letzten. Ein guter Zeitpunkt, um seinen Plan bereitzuhaben, statt ihn erst im Sturm zu suchen.

Bitcoin Network Stress Index auf extrem tiefem Niveau. Historisch traten solche Phasen nahe wichtiger Marktwendepunkte auf und gingen einer Ausweitung der Volatilität voraus. Quelle: Alphractal.
Bitcoin Network Stress Index auf extrem tiefem Niveau. Historisch traten solche Phasen nahe wichtiger Marktwendepunkte auf und gingen einer Ausweitung der Volatilität voraus. Quelle: Alphractal.
Bitcoin-Preis mit RSI und dem Anteil des Angebots in Gewinn. Die grünen Markierungen zeigen historische Böden, an denen die Überkreuzung und die RSI-Erholung über 50 zusammenfielen.
Bitcoin-Preis mit RSI und dem Anteil des Angebots in Gewinn. Die grünen Markierungen zeigen historische Böden, an denen die Überkreuzung und die RSI-Erholung über 50 zusammenfielen.
12
On-Chain · Das Signal

Das perfekte Boden-Signal oder der grösste Bull Trap aller Zeiten

Und damit sind wir am Finale, an dem Punkt, an dem sich alle Fäden dieses Updates zu einer einzigen, riesigen Frage verknoten. Es gibt ein On-Chain-Muster, das in der Vergangenheit ausnahmslos funktioniert hat. Es besteht aus zwei Teilen, die zusammentreffen müssen.

Erstens die Überkreuzung beim Angebot in Gewinn und Verlust, also der Moment, in dem wieder mehr Coins im Plus als im Minus sind, wie wir ihn gerade beobachten.

Und zweitens die Erholung des RSI zurück über die Marke von 50. Der RSI, der Relative-Stärke-Index, misst auf einer Skala von 0 bis 100, wie stark ein Aufwärts- oder Abwärtsschwung ist. Über 50 gilt als Wechsel ins bullische Momentum.

Die Historie dahinter ist beeindruckend. Jedes Mal, wenn diese beiden Bedingungen in der Vergangenheit zusammengefallen sind, markierte das im Chart einen Zyklus-Boden. Im Bild sind diese Punkte mit grünen Markierungen versehen, und jeder davon steht an einem Tief, von dem aus es danach aufwärts ging.

Wenn dieses Muster auch diesmal hält, dann haben wir den Boden bereits gesehen.

Wenn es diesmal nicht der Boden ist, dann geht es als der grösste Bitcoin Bull Trap aller Zeiten in die Geschichte ein.

Und genau hier schliesst sich der Kreis zur Kluft aus Abschnitt X, und du siehst jetzt, warum ich sie so ausführlich aufgemacht habe. Das Angebots-Signal zählt Coins, und weil 69 Prozent der Coins im Plus sind, feuert es und sagt: Boden, alles gut, historisch hat es immer gestimmt.

Die Kapitalseite zählt Dollar, und weil nur 42 Prozent des Geldes im Plus sind, sagt sie: Wir sind erst am echten Testpunkt, das grosse Geld ist noch im Verlust, die Entscheidung fällt erst jetzt. Es sind nicht zwei widersprüchliche Signale, es sind zwei Signale, die dasselbe aus verschiedenen Höhen betrachten.

Das eine sieht die vielen kleinen, ruhigen Hände, das andere das grosse, angespannte Geld. Deshalb kann beides gleichzeitig wahr sein, und deshalb steht dieser Markt an einer echten Weggabelung. Wer dir jetzt absolute Sicherheit verkauft, in die eine oder die andere Richtung, hat die Kluft nicht verstanden.

Fazit

Wie ich damit umgehe.

Fügen wir alles zusammen, denn jetzt ergibt das scheinbare Chaos ein klares Bild. Auf der Makro-Seite haben wir eine Stagflation, eine schwache Wirtschaft mit hartnäckiger Inflation, dazu langfristige Zinsen, die trotz Schwäche steigen. Für sich genommen klingt jeder dieser Punkte bedrohlich. Aber sie erzählen alle dieselbe Geschichte: Der Anleihemarkt verlangt über das steigende Term Premium eine immer höhere Prämie dafür, dem Dollar langfristig zu vertrauen, und die Rekord-Geldmenge M2 zeigt, warum.

Der Staat druckt und verschuldet sich in einem Tempo, das den langfristigen Wert jedes Dollars untergräbt. Genau das ist der Grund, warum ein knappes, staatsunabhängiges Asset in so einem Umfeld nicht fallen muss, sondern steigen kann. Der erste Widerspruch löst sich auf: schwache Wirtschaft und steigende Assets sind kein Gegensatz, sie sind Ursache und Wirkung.

On-Chain ist das Bild feiner und, ehrlich gesagt, aufregender. Auf der strukturellen, langfristigen Ebene ist die Sache erstaunlich klar. Die ETFs saugen mehr als das 3,5-Fache dessen auf, was überhaupt neu geschürft wird, das frische Kapital dreht wieder in den Markt, und ein historisches Boden-Signal feuert. Auf der kurzfristigen, taktischen Ebene dagegen herrscht Anspannung. Die nervösen Short-Term Holder verkaufen an der 80'000er-Tür, das Kapital ist dollargewichtet noch zu 58 Prozent im Verlust, und der Network Stress Index kündigt eine grössere Bewegung an. Das ist die Kluft in einem Satz: langfristig strukturell stark, kurzfristig unentschieden. Nicht bullisch oder bärisch, sondern ein Markt exakt an seinem Entscheidungspunkt.

Wie ich damit umgehe, ist einfach und es ist das Gegenteil von Hektik. Ich lasse mich weder von der beruhigenden 69-Prozent-Schlagzeile einlullen noch von der Bull-Trap-Warnung in Panik versetzen. Ich halte beide Wahrheiten gleichzeitig aus und bleibe diszipliniert. Kein blindes Nachjagen bei 80'000, weil ich weiss, dass dort die Ausgangstür steht. Aber auch kein Wegrennen, weil das strukturelle Fundament aus Liquidität und ETF-Nachfrage stärker ist als das kurzfristige Zittern.

Ich beobachte zwei Dinge ganz genau: Ob der Verkaufsdruck an der 80'000 weiter nachlässt, und ob das Dollar-Kapital seine Verlustzone verlässt. Wo genau ich meine Linien ziehe, welche Szenarien ich durchspiele und wie ich mich konkret positioniere, das halte ich meinen Lesern im The Sanctis Letter offen.

Hier reicht die wichtigste Botschaft: Dieser Markt steht nicht vor einer Fortsetzung und nicht vor einem Absturz, er steht vor einer Entscheidung. An solchen Punkten gewinnt der Vorbereiteste.

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The Sanctis Letter 19. September 2026

Was sich beim Sanctis Letter verändert hat

Ich habe in den letzten Wochen ziemlich viel am Sanctis Letter und am gesamten Memberbereich verändert.

Einige Dinge seht ihr sofort. Andere fallen wahrscheinlich erst auf, wenn ihr euch etwas durch die Plattform klickt.

Deshalb hier einmal alles gesammelt.

01
Neu gestaltet

Die Plattform sieht jetzt anders aus

Vor allem auf dem Handy war ich selbst nicht mehr zufrieden.

Es war teilweise zu voll und man musste zu lange suchen, bis man dort war, wo man eigentlich hinwollte. Deshalb habe ich die mobile Version fast komplett neu aufgebaut.

Die wichtigsten Bereiche findet ihr jetzt direkt unten in der Navigation.

Auch die Desktop-Version habe ich angepasst und an vielen Stellen aufgeräumt.

02
Neu

Auf Home findet ihr sofort den neusten Letter

Wenn ihr euch einloggt, seht ihr direkt den aktuellsten Sanctis Letter.

Darunter findet ihr auch die Inhalte, die ihr zuletzt gelesen habt. Wenn ihr einen Letter nicht fertig gelesen habt oder später noch einmal öffnen möchtet, müsst ihr ihn nicht erneut suchen.

Eine simple Änderung, die meiner Meinung nach schon lange gefehlt hat.

03
Neu geordnet

Research ist jetzt klarer aufgebaut

Im Research-Bereich findet ihr die Sanctis Letters und die kostenlosen Marktupdates sauber voneinander getrennt.

Ich spiele aktuell auch mit dem Gedanken, die normalen Letters teilweise etwas kürzer zu halten.

Nicht weniger Research und nicht weniger Inhalt. Einfach schneller zum eigentlichen Punkt.

Ich merke selbst, dass man nicht jeden Gedanken über zehn Absätze erklären muss. Mir ist wichtiger, dass ihr nach einem Letter genau wisst, was ich sehe, welche Szenarien ich beobachte und was meine Einschätzung verändern würde.

04
In Überlegung

Kurzfristige Einschätzungen

Im Bereich Updates findet ihr aktuell vor allem Änderungen rund um die Plattform.

Ich überlege gerade, dort zusätzlich kurzfristige Gedanken zum Markt zu veröffentlichen.

Also Beobachtungen, Veränderungen oder Einschätzungen, die wichtig sind, aber keinen kompletten Sanctis Letter benötigen.

Manchmal passiert etwas am Markt und ich möchte euch kurz sagen können, wie ich es einordne. Dafür jedes Mal einen ganzen Letter zu schreiben, macht keinen Sinn.

05
Neu

Ihr könnt mir direkt schreiben

Neu gibt es eine eigene Support-Seite.

Dort könnt ihr mir direkt Fragen stellen. Egal ob zu einem Sanctis Letter, zum Markt, zur Plattform oder zu einem anderen Thema.

Ihr müsst mir keine Mail schreiben oder mich irgendwo auf Social Media suchen. Alles läuft direkt über die Plattform.

Wenn ihr eine Anfrage sendet, schaut am nächsten Tag noch einmal rein. Ich habe euch dort dann sehr wahrscheinlich bereits geantwortet.

06
Kommt bald

Der Kalender kommt bald

Der neue Kalender ist noch nicht ganz fertig, sollte aber bald verfügbar sein.

Dort seht ihr, welche Letters, Playbooks und Live-Desk-Sessions ich als Nächstes plane.

Ich werde dort aber nicht drei Wochen im Voraus irgendwelche Themen eintragen, nur damit der Kalender voll aussieht.

Der Markt hält sich schliesslich auch nicht an meinen Plan.

Ihr seht, woran ich gerade arbeite und was als Nächstes geplant ist. Wenn plötzlich etwas Wichtigeres passiert, kann sich dieser Plan jederzeit ändern.

07
Geplant

Es wird grössere Playbooks geben

Neben den normalen Sanctis Letters möchte ich künftig auch deutlich längere Berichte zu einzelnen Themen veröffentlichen.

Zum Beispiel ein vollständiges Q4-Playbook mit meinen Erwartungen, verschiedenen Szenarien und den Punkten, bei denen sich meine Einschätzung ändern würde.

Diese Berichte werden als PDF auf der Plattform erscheinen und ebenfalls im Kalender angekündigt.

So muss ich nicht versuchen, jedes grössere Thema in einen normalen Letter zu pressen.

08
Neu

Der Live Desk

Neu gibt es ausserdem den Live Desk.

Das ist ein Chat, den ich zu bestimmten, vorher angekündigten Zeiten freischalten werde.

Zum Beispiel während eines FOMC-Meetings, bei wichtigen Marktereignissen oder wenn ich gerade aktiv den Markt analysiere.

Ihr könnt dort live mitlesen, Fragen stellen, selbst etwas schreiben oder mitdiskutieren.

Die Idee dahinter ist, euch näher an meine tatsächliche Arbeit zu bringen. Nicht immer erst Stunden später einen fertigen Rückblick veröffentlichen, sondern euch teilweise schon währenddessen zeigen, was ich gerade sehe und wie ich die Situation einordne.

Warum ein Chat und kein Livestream?

Weil ich kein Content Creator bin und auch keiner werden möchte.

Wenn ich während eines wichtigen Markttermins stundenlang in eine Kamera spreche, liegt mein Fokus irgendwann auf dem Stream und nicht mehr auf dem Markt.

Im Live Desk kann ich kurz eine Einschätzung schreiben, eine Frage beantworten oder eine Diskussion starten und mich danach wieder auf das konzentrieren, worum es eigentlich geht.

Den Markt.

09
Unverändert

Die Suche bleibt bestehen

An der Suche ändert sich nichts.

Ihr könnt weiterhin nach älteren Letters, Themen und anderen Inhalten suchen.

Jetzt brauche ich eure Meinung

Ich baue den Sanctis Letter am Ende nicht für mich.

Deshalb möchte ich von euch wissen, was euch noch fehlt.

Was nervt euch? Was ist unnötig kompliziert? Welche Funktion oder welches Format würdet ihr tatsächlich benutzen?

Ihr müsst daraus keinen schönen Text machen. Schreibt einfach ehrlich rein, was ihr denkt.

Ich lese alles.

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Angekommen. Danke dir.

Deine Zeilen liegen in meinem Postfach. Wenn du eine Antwort erwartest, schreib mir zusätzlich über die Support-Seite, hier gibt es kein Feld dafür.

Fabian De Sanctis
The Sanctis Letter
19. September 2026