Die Zoll-Illusion
Die USA haben in einem Jahr 166 Milliarden Dollar an Zöllen erhoben, die sie nie hätten erheben dürfen. Jetzt fliesst das Geld zurück, aber an die Importeure und nicht an die Kunden, die im Laden die höheren Preise bezahlt haben.
Seit Mai zahlt die amerikanische Zollbehörde an mehr als der Hälfte aller Arbeitstage mehr Geld aus, als an Zöllen hereinkommt, und kaum jemand redet darüber. Ich wollte wissen, wer diese Milliarden ursprünglich bezahlt hat, wer sie jetzt bekommt und was vom Versprechen übrig bleibt, Zölle würden das Defizit finanzieren. Die Antwort ist für beide politischen Lager unbequem.
29. Juni 2026
Der Tag, an dem die Kasse rückwärts lief
Am 29. Juni 2026 flossen über eine einzige Zeile der täglichen Kassenabrechnung des US-Finanzministeriums 35,5 Milliarden Dollar hinaus. Die Zeile gehört der Zoll- und Grenzschutzbehörde CBP, und in normalen Jahren laufen über sie knapp eine Milliarde Dollar im Monat. Die 35,5 Milliarden dieses einen Tages sind mehr, als die USA im Jahr 2024 in vier Monaten an Zöllen eingenommen hatten.
An diesem Tag startete die zweite Phase eines Verfahrens, mit dem die USA Zölle zurückzahlen, die sie nie hätten erheben dürfen. Seit Mai 2026 floss an 64 von 108 Arbeitstagen mehr Geld über die Zeile der Zollbehörde hinaus, als an Zöllen hereinkam. In den Jahren davor kam das an rund zehn Tagen pro Jahr vor. Am 1. und 2. Oktober war es wieder so, und heute, am 6. Oktober, beginnt die dritte Phase.
Insgesamt geht es um rund 166 Milliarden Dollar. So viel hat die Zollbehörde zwischen Februar 2025 und Februar 2026 unter einem Notstandsgesetz namens IEEPA eingezogen, von mehr als 330'000 Importeuren auf rund 53 Millionen Einfuhren. Der Supreme Court hat entschieden, dass dieses Gesetz überhaupt keine Zölle erlaubt. Seither fliesst das Geld zurück.
Darin steckt die eigentliche Geschichte. An der Grenze bezahlt haben die Importeure, und die Importeure bekommen das Geld auch zurück. Getragen hat die Zölle aber zu einem guten Teil jemand anders, nämlich der Kunde, der im Laden mehr bezahlt hat. Für ihn ist in diesem Verfahren nichts vorgesehen. Für Firmen, die 2025 ihre Preise erhöht haben, kann die Erstattung so zum zweiten Ertrag aus demselben Zoll werden: zuerst über höhere Preise, dann über das Geld vom Staat.
Die lange Linie
1789 bis 1945
Als Zölle den Staat bezahlten
Dass Zölle einen Staat finanzieren, ist keine neue Idee. Eines der ersten Gesetze des neuen Kongresses war 1789 ein Zollgesetz, ausdrücklich, um Geld einzunehmen. Von 1820 bis zum Bürgerkrieg lieferten Zölle im Schnitt rund 85 Prozent aller Bundeseinnahmen, vor dem Krieg von 1812 sogar rund 90 Prozent. Der junge Bundesstaat lebte praktisch von seinen Häfen.
Der Bürgerkrieg brach dieses Modell. 1862 unterschrieb Abraham Lincoln ein Gesetz, das Verbrauchssteuern und eine Einkommensteuer einführte, und von 1863 bis 1913 sank der Anteil der Zölle auf im Schnitt knapp die Hälfte der Einnahmen. Den endgültigen Bruch brachte das Jahr 1913. Im Februar trat der 16. Verfassungszusatz in Kraft, der eine Einkommensteuer des Bundes erlaubt, und im Oktober führte der Kongress sie ein und senkte gleichzeitig die Zölle.
Seither spielen Zölle für den Haushalt kaum noch eine Rolle. Seit 1914 lag ihr Anteil an den Bundeseinnahmen im Schnitt bei 4,8 Prozent, nach dem Zweiten Weltkrieg meist um 1 Prozent. Dazwischen liegen der Smoot-Hawley-Zoll von 1930 und ab 1947 das Handelsabkommen GATT, mit dem die Industriestaaten ihre Zölle über Jahrzehnte senkten.
2024 machten Zölle 1,6 Prozent der Bundeseinnahmen aus. Im Fiskaljahr 2025 sprang ihr Anteil auf 3,7 Prozent, den höchsten Wert seit Anfang der Vierzigerjahre. Für das Fiskaljahr 2026 wären es vor den Rückzahlungen rund 5,9 Prozent gewesen, nach den Rückzahlungen bleiben bis August 3,5 Prozent. Um diese Differenz geht es in diesem Bericht.
1971 bis 1977
Ein Sanktionsgesetz wird zum Zollgesetz
Die Werkzeuge für 2025 stammen aus den Siebzigerjahren. Am 15. August 1971 belegte Richard Nixon Einfuhren mit einem Zuschlag von 10 Prozent und begründete das mit Problemen in der Zahlungsbilanz, also damit, dass mehr Dollar ins Ausland flossen, als zurückkamen. Im Dezember 1971 hob er den Zuschlag wieder auf. Gestützt hatte er sich auf den Trading with the Enemy Act, ein Gesetz für den Umgang mit feindlichen Staaten.
Danach setzte der Kongress dem Präsidenten Grenzen. Section 122 des Trade Act von 1974 erlaubt bei ernsthaften Problemen in der Zahlungsbilanz einen Zuschlag von höchstens 15 Prozent für höchstens 150 Tage, wer länger will, braucht den Kongress. Section 301 desselben Gesetzes erlaubt Zölle gegen unfaire Handelspraktiken, allerdings erst nach einer Untersuchung durch den Handelsbeauftragten der Regierung.
1977 kam IEEPA dazu, der International Emergency Economic Powers Act, der Nachfolger von Nixons Gesetz. Er erlaubt dem Präsidenten, nach der Ausrufung eines nationalen Notstands Geschäfte mit dem Ausland zu regulieren und Vermögen einzufrieren. Es ist das Gesetz, mit dem die USA Sanktionen verhängen. Das Wort Zoll kommt darin nicht vor.
Gerade deshalb wurde IEEPA 2025 interessant. Die Regierung las die Befugnis, Einfuhren zu «regulieren», als Befugnis, sie mit Zöllen zu belegen. Wer seine Zölle so begründete, war nicht an die 15 Prozent und die 150 Tage von Section 122 gebunden und brauchte keine Untersuchung wie bei Section 301.
Februar 2025 bis Februar 2026
Ein Jahr Notstandszölle
Am 1. Februar 2025 unterschrieb Donald Trump die ersten Verordnungen: 25 Prozent auf Waren aus Kanada und Mexiko, 10 Prozent auf Waren aus China, alles begründet mit einem nationalen Notstand. Am 2. April, dem sogenannten Liberation Day, folgten die reziproken Zölle. Sie sahen grundsätzlich 10 Prozent vor und höhere Sätze für einzelne Länder, die noch am Tag ihres Inkrafttretens für 90 Tage ausgesetzt wurden, ausser für China.
Was das an der Grenze bedeutete, zeigt der effektive Zollsatz, also die Zolleinnahmen geteilt durch den Wert aller Warenimporte. Vor 2025 lag er bei rund 2,4 bis 2,7 Prozent. Im Herbst 2025 waren es rund 12 Prozent, und der Staat nahm brutto 29 bis 33 Milliarden Dollar Zoll im Monat ein. Der Satz liegt unter den gesetzlichen Sätzen, weil viele Waren ausgenommen waren.
Parallel lief der Rechtsweg, und er lief von Anfang an gegen die Regierung. Am 28. Mai 2025 erklärte der Court of International Trade, das zuständige Handelsgericht, die Zölle für rechtswidrig. Erhoben wurden sie trotzdem weiter, solange das Verfahren lief. Am 29. August bestätigte das zuständige Bundesberufungsgericht, der Federal Circuit, das Urteil mit 7 zu 4 Stimmen. Am 5. November verhandelte der Supreme Court.
Bezahlt wurde in dieser Zeit weiter, Monat für Monat. Wie unsicher der Ausgang trotzdem wirkte, zeigt ein Detail aus den Büchern des Schuhhändlers Designer Brands. Er verkaufte seine Ansprüche auf Rückerstattung über 18,3 Millionen Dollar vor dem Urteil für 2,2 Millionen an einen Finanzinvestor, für rund 12 Cent pro Dollar.
Am 20. Februar 2026 fiel das Urteil. Mit 6 zu 3 Stimmen entschied der Supreme Court im Fall Learning Resources v. Trump: «IEEPA does not authorize the President to impose tariffs.» Das Gesetz gibt dem Präsidenten also keine Befugnis, Zölle zu erheben. Was mit dem bereits eingezogenen Geld geschehen soll, liess das Urteil offen.
Das Verfahren
Die Maschine läuft rückwärts
Die Rückzahlung ordnete ein anderes Gericht an. Am 4. März 2026 verfügte Richter Eaton am Court of International Trade, dass alle Importeure ihr Geld zurückbekommen, auch die, die nie geklagt hatten. Zwei Tage später setzte er den Vollzug vorläufig aus, am 27. März dehnte er die Anordnung auf Einfuhren aus, die bereits endgültig abgerechnet waren.
Warum das Geld in Wellen kommt, erklärt ein Begriff aus dem Zollrecht. Jede Einfuhr wird zuerst provisorisch verzollt und normalerweise rund 314 Tage später endgültig abgerechnet, im Fachjargon heisst das Liquidation. Danach hat der Importeur 180 Tage Zeit für einen Einspruch, dann ist die Abrechnung rechtskräftig. Je weiter eine Einfuhr in diesem Ablauf ist, desto schwieriger wird es, das Geld zurückzuholen.
Die Zollbehörde hat daraus ein Verfahren in Phasen gebaut, mit einem eigenen Portal namens CAPE. Phase 1 startete am 20. April 2026 für Einfuhren, die noch nicht oder erst kürzlich abgerechnet waren. Phase 2 folgte am 29. Juni für Einfuhren, deren Zollwert erst nachträglich festgelegt wird. Auf sie entfallen rund 28,7 Milliarden Dollar. Zusammen decken die beiden Phasen mehr als 80 Prozent aller IEEPA-Zölle ab.
Das Tempo ist hoch. Bis zum 11. September hatte die Behörde rund 122 Milliarden Dollar zur Auszahlung angewiesen. Das Geld kommt mit Zinsen, gerechnet ab dem Tag, an dem der Zoll bezahlt wurde. In den Abschlüssen der Firmen machen die Zinsen rund 3 bis 4 Prozent der erstatteten Zölle aus. Bis Ende September waren nach den Kassendaten rund 125 bis 130 Milliarden Dollar an Zöllen zurückgeflossen, Zinsen nicht mitgerechnet. Offen sind damit noch grob 35 bis 40 Milliarden Dollar.
Heute beginnt Phase 3, und mit ihr wird es heikel. Sie betrifft endgültig abgerechnete Einfuhren, aber nur von Importeuren, die selbst geklagt und ihre Importeursnummer bis zum 30. Juli gemeldet haben. Das sind nach Schätzung der Behörde rund 11,4 Milliarden Dollar oder 6,9 Prozent aller IEEPA-Zölle. Wer nicht geklagt hat und dessen Einfuhren endgültig abgerechnet sind, ist nicht dabei.
Diese Importeure hängen an einer Berufung. Am 2. Juni hat die Regierung die Anordnung von Richter Eaton angefochten, mit dem Argument, ein Gericht dürfe nicht zugunsten von Firmen entscheiden, die gar nicht geklagt haben. Gewinnt sie, könnte der Staat einen zweistelligen Milliardenbetrag behalten. Ob eine Firma ihr Geld bekommt, hinge dann davon ab, ob sie rechtzeitig vor Gericht gegangen ist, und nicht davon, ob sie bezahlt hat.
Die Kasse
Netto
Monate mit negativen Zolleinnahmen
Was das für die Staatskasse heisst, zeigt die Monatsabrechnung des Finanzministeriums. Sie weist die Zölle in drei Zeilen aus: was hereinkam, was als Erstattung zurückging und was netto bleibt. Vor der Welle lagen die Erstattungen bei 0,4 bis 0,8 Milliarden Dollar im Monat, ein Grundrauschen aus Korrekturen und Rückvergütungen für Waren, die wieder ausgeführt werden.
Im Mai 2026 waren es 21,97 Milliarden, im Juni 49,18 Milliarden. Damit waren die Netto-Zolleinnahmen des Bundes im Juni negativ, sie lagen bei minus 25,6 Milliarden Dollar. Im Juli waren es minus 8,5 Milliarden, im Mai lagen sie bei null. Einen Monat mit negativen Zolleinnahmen hat es in dieser Statistik seit mindestens 2017 nie gegeben.
Für September erscheint die Monatsabrechnung erst um den 9. Oktober, die Tagesdaten zeigen das Bild aber schon. Im September kamen 26,61 Milliarden Dollar an Zöllen und Gebühren herein, 21,26 Milliarden flossen über die Zeile der Zollbehörde wieder hinaus. Von 26 Milliarden blieben also gut 5. Rechnet man die Gebühren und die normalen Ausgaben der Behörde heraus, die in diesen Zeilen mitlaufen, bleiben nach einer ersten Schätzung rund 6 Milliarden. So oder so gingen mehr als drei Viertel der Septembereinnahmen gleich wieder zurück.
Ein einzelner Tag mit mehr Abfluss als Zufluss sagt dabei wenig. Zolleinnahmen kommen gebündelt: Rund 70 Prozent eines Monats treffen an einem einzigen Tag um den 23. ein, wenn die monatlichen Sammelzahlungen der Importeure fällig sind. Zwischen diesen Tagen kann eine grössere Auszahlung leicht überwiegen. Aussagekräftig ist die Häufung seit Mai, denn in den beiden Fiskaljahren davor gab es solche Tage nur je zehnmal.
Das Fiskaljahr
Mehr erhoben, weniger behalten
Über das ganze Fiskaljahr, das in den USA am 30. September endet, ergibt sich ein Widerspruch. Brutto nahm der Staat im Fiskaljahr 2026 deutlich mehr Zölle ein als im Jahr davor, rund 318 gegen 202 Milliarden Dollar. Netto blieben ihm rund 173 Milliarden, weniger als die 194,9 Milliarden im Fiskaljahr 2025. Der Staat hat also mehr erhoben und weniger behalten.
Die Zeile der Zollbehörde in den Tagesdaten zeigt den Bruch noch deutlicher. Im Fiskaljahr 2025 flossen über sie 10,8 Milliarden Dollar hinaus, im Fiskaljahr 2026 waren es 157,8 Milliarden. Rund 10 Milliarden davon sind normale Ausgaben der Behörde, der ganze Rest sind Erstattungen.
Für das politische Versprechen, Zölle würden das Defizit finanzieren, ist das ein harter Befund. Das Haushaltsbüro des Kongresses, das CBO, rechnet für das Fiskaljahr 2026 mit rund 250 Milliarden Dollar weniger Netto-Zolleinnahmen als noch in seiner Prognose vom Februar, etwa die Hälfte davon wegen der Erstattungen. Das Defizit schätzt es auf rund 2,1 Billionen Dollar, nach 1,78 Billionen im Jahr davor.
Netto deckten die Zölle damit gerade ein Zwölftel des Defizits. Das Defizit hat viele Ursachen, und die Zölle sind nur eine davon. Die Rechnung zeigt aber, wie viel von der gefeierten Einnahmequelle dem Staat nie gehört hat: Rund die Hälfte der Zölle, die er zwischen Februar 2025 und dem Urteil im Februar 2026 eingenommen hat, muss er zurückgeben.
Ersatzzölle
Die Zölle nach den Zöllen
Die Zollkasse wäre noch leerer, hätte die Regierung nicht sofort Ersatz geschaffen. Noch am Tag des Urteils verhängte der Präsident einen Zuschlag von 10 Prozent auf fast alle Einfuhren, diesmal gestützt auf Section 122, das Gesetz, das aus Nixons Zuschlag entstanden war. Die Zollbehörde erhob ihn ab dem 24. Februar und stellte am selben Tag die IEEPA-Zölle ein.
Section 122 erlaubt aber nur 150 Tage. Am 24. Juli lief der Zuschlag aus, und in derselben Minute traten neue Zölle nach Section 301 in Kraft: 10 bis 12,5 Prozent auf Einfuhren aus 60 Volkswirtschaften, begründet damit, dass diese Länder Importverbote für Waren aus Zwangsarbeit nicht durchsetzen. Dazu kamen höhere Sätze für Brasilien und bis zu 50 Prozent auf bestimmte Waren aus Kanada. Die Zölle auf Stahl, Aluminium, Kupfer und Autos, die nach Section 232 mit der nationalen Sicherheit begründet sind, waren vom Urteil nie betroffen.
Unter dem Strich nimmt der Staat heute wieder rund drei Viertel dessen ein, was vor dem Urteil an Zöllen hereinkam, die weiterlaufenden Zölle auf Stahl, Aluminium und Autos eingerechnet. Seit dem Urteil sind es brutto rund 22 bis 25 Milliarden Dollar im Monat, nach 29 bis 33 Milliarden im Herbst 2025, und der effektive Zollsatz lag im Juli bei rund 7,3 Prozent. Die Lücke, die das Urteil gerissen hat, schliessen die neuen Zölle damit aber nicht: Nach einer Schätzung des Committee for a Responsible Federal Budget ersetzen sie bis 2036 weniger als 60 Prozent der IEEPA-Einnahmen, die weggefallen sind.
Auch das gilt nur, wenn die neuen Zölle vor Gericht halten. Das Handelsgericht erklärte schon den Zuschlag nach Section 122 am 7. Mai für rechtswidrig, mit Wirkung nur für die klagenden Importeure, und das Berufungsgericht setzte dieses Urteil im Juni aus. Gegen die neuen Zölle nach Section 301 klagen seit Juli Importeure und seit dem 3. August 25 Bundesstaaten. Die nächste Frage nach einer Rückzahlung steht damit schon im Raum.
Für die Firmen ergibt das eine merkwürdige Gleichzeitigkeit. Während die IEEPA-Erstattung als Einmalbetrag in ihre Bücher fliesst, zahlen sie an der Grenze weiter rund drei Viertel der früheren Zollsumme. Die Erstattung verbessert ein einziges Quartal, die neuen Zölle belasten jedes weitere.
Wer bezahlt hat
An der Grenze
Das Ausland hat kaum bezahlt
Wer einen Zoll an die Behörde überweist, muss ihn nicht selbst tragen. Ökonomen unterscheiden zwischen der gesetzlichen Zahlungspflicht und der wirtschaftlichen Last. Der ausländische Hersteller kann seinen Preis senken, der Importeur kann auf Marge verzichten, oder der Händler schlägt den Zoll auf den Ladenpreis. Meist passiert von allem etwas, und die Frage ist, in welchem Verhältnis.
Beim ersten Glied der Kette ist die Antwort klar. Das Kiel Institut für Weltwirtschaft hat 25 Millionen Lieferungen ausgewertet und findet, dass ausländische Exporteure nur rund 4 Prozent der Zolllast getragen haben. Die New York Fed kommt für 2025 auf knapp 90 Prozent, die bei amerikanischen Firmen und Konsumenten lagen. Die Behauptung, das Ausland bezahle die Zölle, halten diese Zahlen nicht aus.
Die amerikanischen Importpreise vor Zoll sind von Januar 2025 bis August 2026 sogar um 5,5 Prozent gestiegen, Brennstoffe nicht mitgerechnet. Ein Grund ist der Dollar, der handelsgewichtet rund 9 Prozent an Wert verlor und damit jede Einfuhr zusätzlich verteuerte. Im Handelskrieg 2018/19 war es ähnlich, auch damals kamen die Zölle an der Grenze praktisch vollständig in den amerikanischen Importpreisen an.
Im Laden
Ein Viertel bis gut die Hälfte
Innerhalb der USA ist die Verteilung schwieriger zu messen, und die Studien kommen zu verschiedenen Zahlen. Eine Harvard-Studie, die täglich die Preise grosser Händler erfasst, schätzt, dass Konsumenten nach sieben Monaten bis zu 43 Prozent der Zolllast trugen. Den Rest trugen vor allem amerikanische Firmen über tiefere Margen. Goldman Sachs kam für 2025 auf 55 Prozent, mit steigender Tendenz.
Die New York Fed misst anders und kommt auf eine scheinbar tiefe Zahl. Von einem Zoll kommen nach ihrer Rechnung innerhalb von zwölf Monaten rund 26 Prozent in den Konsumentenpreisen an. Das liegt auch daran, dass der Wert der Ware an der Grenze nur einen Teil des Ladenpreises ausmacht, den Rest bezahlt der Kunde für Transport, Handel und Marge. Macht die Ware an der Grenze die Hälfte des Ladenpreises aus, steigt der Ladenpreis selbst bei voller Weitergabe nur halb so stark wie der Zollsatz.
Eine einzelne Zahl gibt es deshalb nicht. Belastbar ist eine Spanne: Die Konsumenten trugen rund ein Viertel bis gut die Hälfte der Last, die amerikanischen Firmen den grössten Teil des Rests. Über die Zeit dürfte sich das Gewicht in Richtung der Konsumenten verschoben haben. Früh im Jahr 2025 fingen Lagerbestände und laufende Verträge viel ab, später kamen die Zölle stärker im Laden an.
Ein Teil der Last taucht in keiner Erstattung auf. Nach den Harvard-Daten lagen importierte Waren im Oktober 2025 rund 6,2 Prozent über ihrem früheren Trend, aber auch inländische Waren lagen 3,6 Prozent darüber. Sie wurden teurer, weil importierte Vorprodukte teurer wurden und weil Konkurrenz aus dem Ausland wegfiel. Dieses Geld ging nie als Zoll an den Staat, und deshalb kommt es auch nie zurück.
Der Warenkorb
Wo die Zölle im Preis sichtbar wurden
In der Preisstatistik sieht man die Zölle dort, wo die USA besonders viel aus China und Südostasien beziehen. Spielzeug liegt von Januar 2025 bis August 2026 rund 9 Prozentpunkte über dem Trend der beiden Jahre davor, Hausrat 4,5 Punkte, Bekleidung und Schuhe rund 3 Punkte. Waren ohne Nahrung und Energie wurden in dieser Zeit 1,5 Prozent teurer, nachdem sie zuvor jedes Jahr um 0,4 Prozent billiger geworden waren.
Computer liegen sogar 18 Punkte über dem Trend, dort haben 2026 allerdings auch steigende Preise für Speicherchips mitgeschoben. Möbel liegen unter ihrem Trend, Neuwagen genau darauf. Fertige Autos fielen ohnehin unter die Zölle nach Section 232 und nicht unter IEEPA.
Diese Abweichungen sind ein Indiz und kein Beweis, denn Ölpreis, Dollar und Lieferketten haben mitgewirkt. Das Muster passt aber zu den Studien. Die stärksten Preiseffekte zeigen sich bei Einrichtung, Haushaltswaren, Bekleidung und Spielzeug. In diesen Branchen sitzen auch viele der Firmen, die jetzt grosse Erstattungen verbuchen, von Walmart und Target bis Nike und Lululemon.
Die Rechnung
Wie viel davon Konsumentengeld war
Legt man die Studien auf die 166 Milliarden Dollar, ergibt sich eine grobe Grössenordnung. Trugen die Kunden ein Viertel der Last, haben sie über höhere Preise rund 40 Milliarden Dollar dieser Zölle bezahlt. Beim Harvard-Wert von 43 Prozent sind es rund 71 Milliarden. Goldman Sachs erwartete, dass die Kunden später zwei Drittel der Last und mehr tragen. Rechnet man vorsichtig mit 65 Prozent, sind es rund 110 Milliarden. Pro amerikanischem Haushalt entspricht das rund 300 bis 800 Dollar.
Das ist eine Szenariorechnung und keine Messung. Weder die Studien noch die Firmen weisen aus, welcher Teil genau der erstatteten Zölle bei den Kunden lag. Die Grössenordnung ist trotzdem robust, denn selbst am unteren Ende der Spanne geht es um einen zweistelligen Milliardenbetrag.
Die gesamte Erstattung entspricht rund 1'230 Dollar pro amerikanischem Haushalt, und kein Haushalt bekommt davon direkt etwas. Im Handelskrieg 2018/19 floss schon einmal Zollgeld an eine Gruppe, die selbst nicht importiert hatte: Die Bauern erhielten rund 23 Milliarden Dollar als Ausgleich für die Vergeltungszölle anderer Länder. Die IEEPA-Erstattung ist rund siebenmal so gross, und diesmal geht sie an die, die an der Grenze bezahlt haben.
Wohin das Geld fliesst
Importer of Record
Wer an der Grenze stand, bekommt das Geld
Die Zollbehörde zahlt an genau eine Partei, den Importer of Record. Das ist die Firma, die bei der Einfuhr rechtlich als Importeur eingetragen war, oder eine Stelle, die sie bestimmt. Ob diese Firma die Kosten selbst getragen oder an ihre Kunden weitergegeben hat, prüft niemand. Hat sie offene Schulden beim Staat, werden sie mit der Erstattung verrechnet.
Dieser Importeur ist nicht immer die Firma, die im Laden verkauft. Bei Lieferungen, bei denen der Lieferant die Verzollung übernimmt, kann ein ausländischer Hersteller oder sein Agent als Importeur eingetragen sein, und dann bekommt er auch die Erstattung. Für viele Kleinsendungen waren Paketdienste wie UPS und FedEx der Importeur. Und manche Ansprüche gehören gar nicht mehr den Importeuren: Von den 36,8 Millionen Dollar, die Designer Brands im zweiten Quartal bekam, gingen 18,3 Millionen an den Investor, der die Ansprüche vor dem Urteil für 2,2 Millionen gekauft hatte.
Bei den börsennotierten Firmen lässt sich der Fluss verfolgen. Bis Ende August hatten 101 von ihnen zusammen rund 18,7 Milliarden Dollar an Zollerstattungen offengelegt, und elf Firmen stehen für rund 65 Prozent davon. An der Spitze liegen Walmart mit 2,9 Milliarden, Apple mit rund 2,2 Milliarden, Ford mit 1,3 Milliarden sowie Target und Nike mit je knapp einer Milliarde. Der weitaus grösste Teil der 166 Milliarden geht an Firmen, die nicht an der Börse sind oder ihre Erstattung nicht einzeln ausweisen.
Fast alle diese Firmen buchen die Erstattung gleich, nämlich als Senkung der Warenkosten in dem Quartal, in dem das Geld kommt oder sicher erwartet wird. Dadurch springt die Bruttomarge einmalig nach oben, und der Gewinn springt mit. Die Zinsen laufen getrennt als Finanzertrag. Was die Firmen mit diesem Einmalgewinn tun, ist allerdings sehr verschieden.
Die klaren Fälle
Target und Lululemon
Am deutlichsten ist der Effekt bei Target. Die Kette erhielt im zweiten Quartal 2026 IEEPA-Erstattungen von 994 Millionen Dollar und buchte sie als tiefere Warenkosten. Vom Quartalsgewinn von 4,11 Dollar je Aktie stammen 1,65 Dollar aus der Erstattung. Das operative Ergebnis stieg um 94 Prozent, ohne die Erstattung wären es rund 19 Prozent gewesen.
Eine Weitergabe an die Kunden hat Target nicht offengelegt. 2025 nannte die Firma im Zusammenhang mit den Zöllen «pricing actions», also Massnahmen bei den Preisen, ohne je zu beziffern, welche Preise wegen der Zölle stiegen. Damit steht fest, dass die Erstattung bei Target voll im Gewinn landet. Wie viel der Zölle vorher die Kunden bezahlt hatten, steht nirgends.
Lululemon ist der Fall, in dem beides in den eigenen Berichten steht. 2025 kündigte der Sportbekleidungshersteller «selektive Preiserhöhungen» an, um die Zölle abzufedern. 2026 bekam er von 230 Millionen Dollar bezahlten IEEPA-Zöllen 134,5 Millionen zurück, dazu 4,1 Millionen Zinsen. Die Erstattung hob die Bruttomarge um 5,6 Prozentpunkte und brachte 0,86 Dollar des Quartalsgewinns von 2,92 Dollar je Aktie.
Doppelt verdient hat Lululemon trotzdem nur an einem Teil der Zölle. Die Firma schrieb schon 2025, die Preiserhöhungen würden die Zölle nicht ganz ausgleichen, und ihre Marge sank deutlich, ein Teil der Last lag also bei ihr selbst. Welcher Teil der 230 Millionen bei den Kunden lag, legt Lululemon nicht offen. Seit März 2026 verlangen Kunden in zwei Sammelklagen den Zollanteil ihrer Einkäufe zurück.
Die Abstufungen
Wiedergutmachung oder Zusatzgewinn
Bei Nike sieht die Rechnung anders aus. Die neuen Zölle kosteten die Firma nach eigener Schätzung brutto rund 1,5 Milliarden Dollar pro Jahr. Im Herbst 2025 sank die Bruttomarge um 3,3 Prozentpunkte, vor allem wegen der Zölle, und der Durchschnittspreis der verkauften Produkte blieb trotz Preisanpassungen flach.
Die Erstattung von 986 Millionen Dollar gleicht nach Nikes eigenen Worten die im Geschäftsjahr verbuchten IEEPA-Kosten «weitgehend» aus. Die eigenen Zahlen sprechen dafür, dass Nike einen grossen Teil der Zölle selbst getragen hat. Hier ist die Erstattung eher Wiedergutmachung als Zusatzgewinn.
Walmart steht dazwischen. Im Mai 2025 sagte Konzernchef Doug McMillon, Walmart könne den Druck der Zölle wegen der knappen Margen im Detailhandel nicht ganz auffangen und werde Preise erhöhen. Im Quartal bis Ende Juli 2026 bekam Walmart rund 2,9 Milliarden Dollar zurück, praktisch alles, was es beantragt hatte. Laut eigenem Bericht floss «ein bedeutender Teil» davon in tiefere Preise, und das soll im zweiten Halbjahr weitergehen. Wie gross dieser Teil ist, sagt Walmart nicht.
Costco und Amazon gehen ähnlich vor. Costco steckte einen Teil seiner Erstattungen in tiefere Preise für die Mitglieder, netto blieb ein einmaliger Gewinnbeitrag von 0,15 Dollar je Aktie bei einem Quartalsgewinn von 6,75 Dollar. Amazon erhielt rund 640 Millionen Dollar und will Kunden, denen es Importgebühren direkt belastet hatte, dieses Geld zurückzahlen. Den Rest will der Konzern in tiefere Preise stecken.
Solche Preissenkungen lassen sich von aussen kaum überprüfen. Niemand kann sehen, ob ein Preis wegen der Erstattung sinkt oder ob die Senkung ohnehin geplant war. Apple schliesslich legt gar keine zollbedingten Preiserhöhungen offen und bucht seine rund 2,2 Milliarden Dollar Erstattung als tiefere Produktkosten, was die Bruttomarge im Quartal um rund 2 Prozentpunkte hob.
Die Gegenbeispiele
Wer das Geld weiterreicht
Es geht auch anders, und die Gegenbeispiele haben etwas gemeinsam. Der Wohnmobil-Zulieferer LCI Industries erwartet 119,3 Millionen Dollar Erstattung und gibt davon 88,8 Millionen, rund 74 Prozent, an seine Kunden weiter, vor allem an Wohnmobil-Hersteller. In den Büchern steht dafür eine Verbindlichkeit, und der Umsatz sinkt um denselben Betrag. Auf den eigenen Gewinn wirkt sich das laut dem Interimschef kaum aus, weil die Firma die Zölle schon vorher an die Kunden durchgereicht hatte.
UPS hatte bis Ende Juni rund 500 Millionen Dollar genehmigt bekommen, die es als Zahlstelle für seine Kunden ausgelegt hatte. Der Paketdienst gleicht die Einfuhren nun mit den ursprünglichen Zahlungen ab, um das Geld an die Kunden weiterzugeben. Der Druckerhersteller TransAct Technologies hatte die Zölle als eigene Position auf seinen Rechnungen ausgewiesen und bildete eine Verbindlichkeit, um seinen Kunden diese Zuschläge zurückzuzahlen.
Der Unterschied liegt in der Nachvollziehbarkeit. Wer einen Zoll als Zuschlag auf die Rechnung schreibt, hat schwarz auf weiss festgehalten, wer ihn bezahlt hat. Geschäftskunden mit Verträgen und Preisklauseln können die Rückgabe deshalb durchsetzen. Wer im Laden ein teureres T-Shirt gekauft hat, hat nichts in der Hand, weil sich eine allgemeine Preiserhöhung keinem bestimmten Zoll zuordnen lässt.
| Firma | Erstattung | Preise 2025 | Weitergabe |
|---|---|---|---|
| Target | 994 Mio. $ | «pricing actions», unbeziffert | keine offengelegt |
| Lululemon | 134,5 Mio. $ | «selektive Preiserhöhungen» | keine offengelegt |
| Nike | 986 Mio. $ | Durchschnittspreis flach | keine offengelegt |
| Apple | rund 2,2 Mrd. $ | keine offengelegt | keine offengelegt |
| Walmart | 2,9 Mrd. $ | Preiserhöhungen angekündigt | «bedeutender Teil» in Preise |
| Costco | nicht beziffert | nicht offengelegt | Teil in tiefere Preise |
| Amazon | rund 640 Mio. $ | Importgebühren belastet | an Kunden und in Preise |
| LCI Industries | 119,3 Mio. $ | zollbedingte Preiserhöhungen | 88,8 Mio. $ an Kunden |
| UPS | rund 500 Mio. $ | Zölle an Kunden belastet | an Kunden |
Die Klagen
Kein Gesetz für den Kunden
Seit März 2026 haben Kunden Dutzende Sammelklagen gegen Firmen eingereicht, die Zölle über die Preise weitergegeben haben sollen und die Erstattung nun behalten. Beklagt sind unter anderem Costco, Lululemon, Nike, Levi Strauss, Mattel, Amazon, FedEx, UPS, Ford und Microsoft. Die Kläger berufen sich auf ungerechtfertigte Bereicherung und auf die Verbraucherschutzgesetze der Bundesstaaten. Ein Urteil in der Sache gibt es bis Anfang Oktober nicht.
Das Grundproblem ist rechtlich. Ein Gesetz, das Importeure verpflichtet, eine Zollerstattung an ihre Kunden weiterzugeben, gibt es in den USA nicht. Die Zollbehörde prüft keine Überwälzung, und auch das Urteil des Supreme Court sagt dazu nichts. Wer als Kunde Geld zurück will, muss zeigen, dass in seinem Einkauf ein Zoll steckte, und das ist bei einer allgemeinen Preiserhöhung kaum möglich.
Schon einmal musste der Bund nach einem Urteil des Supreme Court eine Abgabe zurückzahlen. 1998 erklärte das Gericht die Harbor Maintenance Tax, eine Hafenabgabe auf Exporte, für verfassungswidrig, und über eine Milliarde Dollar ging an die Exporteure, die sie bezahlt hatten. Eine Weitergabe an Kunden war damals kein Thema. Heute geht es um rund 166 Milliarden Dollar, und ein guter Teil der Last ist im Laden angekommen.
Falsch ist die Rückzahlung an die Importeure trotzdem nicht, und auch dafür ist der Grund rechtlich. Der Staat hat Geld ohne Rechtsgrundlage eingezogen. Behielte er es, weil vielleicht jemand anders die Last getragen hat, wäre das für einen Rechtsstaat das grössere Problem. Die Rückgabe an den, der bezahlt hat, ist die Regel, offen ist nur, ob er auch den Schaden hatte.
Die Bilanz
Gewinner und Verlierer
Wo die Milliarden landen
Am Ende fliesst das Geld nur in eine Richtung. Die Zollbehörde zahlt an die Importeure, ganz gleich, wer die Last getragen hat. Das Ausland hat kaum etwas übernommen, die Konsumenten je nach Studie ein Viertel bis gut die Hälfte. In keinem Formular der Zollbehörde kommt der Kunde vor, der im Laden mehr bezahlt hat.
Damit dürfte ein zweistelliger Milliardenbetrag von den Kunden in die Bilanzen der Unternehmen wandern, nach den Studien grob 40 bis 110 Milliarden Dollar, abzüglich dessen, was einzelne Firmen über Preise oder direkt an ihre Kunden zurückgeben. Für die allermeisten Konsumenten gibt es keinen Weg, davon etwas zurückzubekommen. Dazu kommen die höheren Preise für inländische Waren, die nie beim Staat ankamen und deshalb auch nicht erstattet werden.
Am meisten profitieren Firmen, die 2025 ihre Preise erhöht haben und die Erstattung jetzt voll als Gewinn verbuchen. Target und Lululemon gehören dazu, bei beiden trägt die Erstattung den Quartalsgewinn sichtbar. Walmart, Costco und Amazon geben einen Teil über tiefere Preise zurück, aber keine der drei Firmen sagt, wie viel.
Nicht jede Erstattung ist ein Zusatzgewinn. Einen grossen Teil der Zölle trugen die Importeure selbst über tiefere Margen, Nike und Lululemon zeigen das in ihren eigenen Zahlen. Für Firmen, die ihre Zölle nicht weitergeben konnten, ist die Erstattung schlicht die Rückgabe eines Verlusts. Wie sich die Last bei einer einzelnen Firma zwischen Marge und Kunden aufteilte, legt keine von ihnen offen.
Die Illusion
Die Zölle wurden als Geld verkauft, das das Ausland bezahlt und das Defizit stopft. Beides hält nicht. Bezahlt haben Amerikaner, und rund die Hälfte dessen, was der Staat zwischen Februar 2025 und dem Urteil eingenommen hat, muss er zurückgeben. Im Fiskaljahr 2026 hat er mehr Zölle erhoben als im Jahr davor und weniger behalten.
Die grosse Umverteilung läuft aber nicht zwischen Staat und Wirtschaft, sie läuft zwischen Kunden und Firmen. Der Staat hat eine Steuer erhoben, die zu einem guten Teil die Konsumenten über höhere Ladenpreise trugen, und überweist sie jetzt an die Firmen, die an der Grenze standen. Wer den Zoll als Zuschlag auf die Rechnung geschrieben hat, gibt ihn zurück. Wer ihn in den Ladenpreis eingerechnet hat, muss bisher niemandem etwas zurückgeben.
Die nächsten Wochen entscheiden über die offenen Milliarden. Um den 9. Oktober erscheint die Monatsabrechnung für September, und ab Mitte Oktober berichten die Firmen über das dritte Quartal. Vor dem Federal Circuit geht es darum, ob Importeure ohne eigene Klage ihr Geld bekommen, vor den Gerichten der Bundesstaaten darum, ob Kunden überhaupt einen Anspruch haben. Und gegen die Ersatzzölle laufen bereits die nächsten Klagen.
Für mich ist die Rückerstattung rechtlich richtig und wirtschaftlich schief. Ein Staat, der Geld ohne Rechtsgrundlage eingezogen hat, muss es zurückgeben, und zwar an den, der es überwiesen hat. Nur hat diesmal an der Kasse jemand anders bezahlt als an der Grenze. Diese Lücke hat bisher kein Gericht geschlossen, und keine Firma muss sie offenlegen.
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