Der Uptober ist ein Mythos. Zumindest so, wie du ihn kennst.
Ich habe jeden Bitcoin-Oktober seit 2013 selbst nachgerechnet. Die berühmte Statistik steht auf drei Jahren, und 2026 liegt genau in der Phase, in der der Oktober noch nie funktioniert hat.
Jedes Jahr Ende September läuft das gleiche Spiel ab. Die Heatmap mit den Bitcoin-Monatsrenditen macht die Runde, die Oktober-Spalte leuchtet grün, und der halbe Markt ist überzeugt: Jetzt kommt der Uptober.
Im Schnitt bringt der Oktober fast +20 %, und in zehn von dreizehn Jahren lag er im Plus. Das klingt nach einem Naturgesetz.
Ich habe die täglichen Schlusskurse seit 2013 genommen und alles selbst nachgerechnet. Das Ergebnis wird dir nicht gefallen, wenn du auf den Kalender gesetzt hast.
Die Statistik
Die Zahl, die jeder kennt
Der Durchschnitt liegt bei +19,9 %, und zehn von dreizehn Oktobermonaten waren positiv. Die Zahl ist korrekt gerechnet. Das Problem ist, woher sie kommt.
Die Zahl ist korrekt gerechnet. Das Problem ist, woher sie kommt.
Die drei Jahre
Drei Jahre tragen die ganze Geschichte
Die drei grössten Oktobermonate waren 2013 mit +61 %, 2017 mit +48 % und 2021 mit +40 %. Nimmst du nur diese drei Jahre raus, fällt der Durchschnitt von fast 20 % auf knapp 11 %. Fast die Hälfte des Mythos steckt in drei Beobachtungen.
Und alle drei Jahre haben etwas gemeinsam, das nichts mit dem Kalender zu tun hat: Es war jeweils das erste Jahr nach einem Halving, die Phase der grossen Bullenmärkte. Das waren keine starken Oktobermonate. Das waren starke Jahre, in denen eben auch ein Oktober vorkam. Ohne diese Jahre bleibt für die restlichen neun Oktobermonate ein Durchschnitt von 12,6 %. Das ist ein guter Monat, aber kein Mythos.
Das waren keine starken Oktobermonate. Das waren starke Jahre, in denen eben auch ein Oktober vorkam.
Die Stichprobe
Ein guter Monat ist noch kein Gesetz
Fair bleibt fair: Unter allen zwölf Monaten hat der Oktober den höchsten typischen Wert und die meisten positiven Jahre. Aber stell dir vor, zwölf Leute werfen je dreizehnmal eine Münze. Einer davon wird zehnmal Kopf werfen und wie ein Genie aussehen. Genau so funktioniert der Monatsvergleich. Berücksichtigt man, dass zwölf Monate gegeneinander antreten, ist der Oktober statistisch nicht mehr von den anderen zu unterscheiden.
Dazu kommt die winzige Stichprobe. Eine Quote von zehn aus dreizehn klingt nach 77 %, der realistische Bereich für die wahre Trefferquote reicht aber von rund 50 % bis 92 %. Bis 2024 stand die Statistik noch bei 83 %. Ein einziger schlechter Oktober hat sie schon sichtbar verändert.
Berücksichtigt man, dass zwölf Monate gegeneinander antreten, ist der Oktober statistisch nicht mehr von den anderen zu unterscheiden.
Die Zyklusphase
Das unbequemste Detail für 2026
Das letzte Halving war im April 2024, das Jahr 2026 ist also das zweite Jahr danach. Die Oktobermonate in genau dieser Phase brachten 2014 ein Minus von 13,4 %, 2018 ein Minus von 4,5 % und 2022 ein Plus von 5,4 %. Es ist die einzige Zyklusphase, in der der Oktober im Schnitt negativ war. Drei Beobachtungen sind keine Regel. Aber wer dieses Jahr mit dem Uptober-Durchschnitt argumentiert, argumentiert mit Zahlen aus Jahren, die mit 2026 fast nichts gemeinsam haben.
Wer dieses Jahr mit dem Uptober-Durchschnitt argumentiert, argumentiert mit Zahlen aus Jahren, die mit 2026 fast nichts gemeinsam haben.
Der Trend
Der Trend zählt, nicht der Monat
Viel wichtiger als der Monatsname ist, in welchem Zustand Bitcoin in den Oktober geht. Lag Bitcoin am 30. September über seinem 200-Tage-Durchschnitt, war der Oktober im Schnitt +29,7 %. Lag er darunter, waren es +13,8 %. Die beliebte Regel „schwacher September, starker Oktober" hängt dagegen komplett an 2013 und 2017 und dreht sich ohne diese beiden Jahre sogar um. Der Oktober hat nie etwas ausgelöst. Er war einfach dabei, wenn der Trend ohnehin lief.
Der Oktober hat nie etwas ausgelöst. Er war einfach dabei, wenn der Trend ohnehin lief.
Der Praxistest
2025: Als der Uptober live gescheitert ist
Der Oktober 2025 hatte alles, was die Geschichte braucht: einen positiven September, starkes Momentum und am 6. Oktober ein Allzeithoch bei 124'824 Dollar. Vier Tage später kündigte die US-Regierung zusätzliche Zölle von 100 % auf chinesische Waren an. Innerhalb von 24 Stunden wurden rund 19 Milliarden Dollar an gehebelten Positionen liquidiert, die grösste Liquidationswelle der Kryptogeschichte. Bitcoin schloss den Monat mit −3,9 %, der November folgte mit −17,3 %, und das Hoch ist bis heute nicht wieder erreicht.
Der Monat war nicht das Problem. Der Markt stand am Ende eines langen Zyklus, nahe am Hoch und massiv gehebelt. Und genau die Leute, die am lautesten an den Uptober geglaubt haben, sassen mit Hebel in Longs.
Der Monat war nicht das Problem. Der Markt stand am Ende eines langen Zyklus, nahe am Hoch und massiv gehebelt.
Die Lage
Wo wir heute stehen
Am 30. September schloss Bitcoin bei 83'580 Dollar. Das sind plus 6,4 % im September und plus 39 % in 90 Tagen, und der Kurs liegt 17 % über dem 200-Tage-Durchschnitt. Gleichzeitig steht Bitcoin noch ein Drittel unter dem Allzeithoch. Der Trend ist also klar positiv, die Zyklusphase spricht dagegen. Diese Kombination gab es in keinem früheren Oktober.
Der Trend ist klar positiv, die Zyklusphase spricht dagegen. Diese Kombination gab es in keinem früheren Oktober.
Mein Fazit
Der Uptober ist kein Naturgesetz. Es ist eine Statistik aus 13 Beobachtungen, die an drei Zyklusjahren hängt, und niemand kann erklären, warum ausgerechnet der Oktober besser sein sollte. Ein Muster ohne Grund kann jederzeit verschwinden, und 2025 hat gezeigt, wie schnell das geht.
Wer diesen Oktober Bitcoin kauft, weil gerade Oktober ist, setzt auf eine Münze mit Geschichte. Wer auf ETF-Flüsse, Langfristhalter und neues Kapital schaut, setzt auf das, was den Preis wirklich bewegt. Der Kalender kauft keine Bitcoin.
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